Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/musik-streaming-dienste-apple-music-klingt-wie-alle-anderen-1507-114982.html    Veröffentlicht: 02.07.2015 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/114982

Musik-Streaming-Dienste

Apple Music klingt wie alle anderen

Apple Music will Bewegung in den Markt des Musikstreamings bringen. Doch Apple hat ein Problem. Als Späteinsteiger hat das Unternehmen viele Konkurrenten mit ähnlichen Angeboten.

Die Auswahl an Musik-Streaming-Angeboten ist groß. Seit Dienstag ist sie noch größer. Apple hat seinen Dienst Apple Music gestartet. Während aktuelle Streamingdienste kostenlose werbefinanzierte Modelle haben, bietet Apple seinen Nutzern nur ein monatliches Abo an. Doch was unterscheidet das Angebot von dem anderer Anbieter? Wir haben uns Apple Music angeschaut und es mit anderen Musik-Streaming-Plattformen verglichen. Auf die Bedienung der Apps und Browserclients der einzelnen Dienste werden wir nicht näher eingehen, da es keine auffälligen Unterschiede gibt. Alle von uns vorgestellten Dienste bieten Apps für mobile Geräte an. Nutzer können Playlists erstellen und Titel darin einordnen. Außerdem können Nutzer nach Künstlern oder Titeln suchen.

Apple Music

Auf den ersten Blick unterscheidet Apple Music nichts von anderen Musik-Streaming-Diensten. Wie bei vielen anderen kostet das Standard-Abo 10 Euro im Monat. Eine Familienlizenz mit mehreren unabhängigen Konten kostet 15 Euro. Laut Apple befinden sich über 30 Millionen Songs in der Bibliothek. Das hebt den Dienst kaum von anderen Anbietern ab, die ebenfalls Millionen Titel in der Auswahl haben.

Einen Unterschied zu Konkurrenten wie Spotify und Deezer gibt es beim kostenlosen Testzeitraum. Zum Start kann der Nutzer Apple Music drei Monate lang kostenlos ausprobieren. Alle anderen Anbieter haben einen kürzeren Testzeitraum (Spotify: 30 Tage, Deezer: 30 Tage, Rdio: 30 Tage, Tidal: 30 Tage).

Apple Music bietet Internetradio und Musikstreaming aus der Bibliothek von iTunes und einen Musikagenten, der passend zum Geschmack des Nutzers neue Songs und Interpreten vorstellt. Beim ersten Start der App kann der Nutzer Musikrichtungen wie Jazz, Klassik oder Hip-Hop angeben. In einer weiteren Auswahl geht es dann um Künstler aus den Bereichen.

Empfehlungen und Playlisten

Empfehlungen für neue Musik kann der Anwender über den Knopf "Für dich" abrufen und anhören. Laut Apple stammen die Tipps von Musikexperten und werden nicht nur von einem Algorithmus erstellt. Die Empfehlungen basieren auf der eingekauften Musik und den Stücken in der Playliste des Anwenders. Im Test wurden uns Künstler empfohlen, die wir beim Start der Anwendung gelöscht hatten. Die Funktion Connect soll es Musikern erleichtern, mit ihren Fans in Kontakt zu treten. Über Connect können sie Musik, Videos und Fotos heraufladen, die von den Nutzern abgerufen werden können.

Beats One ist Apples Live-Programm

Apple nennt sein Internetradio Beats One. Das Programm ist fester Bestandteil von Apple Music. Das Programm wird von Radiomoderatoren aus New York, Los Angeles und London zusammengestellt und läuft rund um die Uhr. Wir finden den Musikmix von Beats One sehr anstrengend, da die abgespielten Titel wahllos aus sämtlichen Musikrichtungen wie House, Indie und Hip-Hop kamen. Da die entsprechende App erst im Herbst erscheinen soll, kann Apples Musikradiosender Beats 1 offiziell noch nicht auf Android-Geräten gehört werden. Dank eines ungesicherten Streams geht das trotzdem.

256 KBit/s AAC

Apple Music erlaubt das Herunterladen von Alben für die Offlinenutzung wie andere Dienste auch. Das Streaming erfolgt jedoch nur mit 256 KBit/s im AAC-Format. Das ist eine geringere Datenrate als bei der Konkurrenz, aber AAC ist dafür bekannt, auch bei niedrigeren Bitraten vergleichbare Qualität wie MP3 zu liefern.

Apple Music ist über iTunes am Mac und als App für iOS verfügbar. Die Android-Version soll im Herbst veröffentlicht werden.

Spotify ist Apples größter Konkurrent

Spotify hat nach eigenen Angaben 75 Millionen Nutzer, davon 20 Millionen zahlende Abonnenten. Allein im vergangenen Jahr seien 10 Millionen Abokunden hinzugekommen, schrieb das schwedische Unternehmen im Juni.

Die Nutzer haben Zugriff auf eine Bibliothek mit etwa 30 Millionen Titeln. Darunter befinden sich auch Hörbücher. Vor wenigen Wochen hatte Spotify mitgeteilt, dass es ins Video-Streaming-Geschäft einsteigen wolle. Eine überarbeitete Version der App für Mobilgeräte soll Podcasts und Videos abspielen, anhand des Nutzerverhaltens Vorschläge für Inhalte machen und Wiedergabelisten zusammenstellen.

Bei Bedarf überprüft Spotify zum Beispiel die Schrittgeschwindigkeit des Nutzers und sucht passende Musikstücke aus. Dazu greift die App auf die Sensoren des Smartphones zu. Die Funktion heißt Spotify Running.

Spotify streamt auf Spielekonsolen

Seit einigen Wochen ersetzt Spotify den Musik-Streaming-Dienst von Sony auf den Spielekonsolen Playstation 3 und 4. Seitdem sei die App über 5 Millionen Mal heruntergeladen worden, schreibt Spotify.

Das Besondere: Playstation-Nutzer können während des Spielens die Spotify-Titel im Hintergrund abspielen.

96 KBit/s bis 320 KBit/s

Bei Spotify werden die Titel in unterschiedlicher Qualität gestreamt. Auf Mobilgeräten kann der Nutzer drei Qualitätseinstellungen auswählen - 96 KBit/s für die niedrigste Qualität, 160 KBit/s für die mittlere Qualität und 320 KBit/s für eine hohe Qualität. Diese Einstellung ist derzeit nur für Geräte mit iOS und Android verfügbar.

Die Desktopanwendung streamt standardmäßig mit 160 KBit/s, nur zahlende Nutzer können die Qualität auf 320 KBit/s erhöhen.

30 Millionen für 10 Euro

Spotify bietet zwei Modelle an. Nutzer können den Dienst für 10 Euro pro Monat abonnieren, unter anderem ihre Playlisten auf bis zu drei Geräten offline und ohne Werbung abspielen und die Qualität der Streams auswählen.

Spotify lockt seine Nutzer mit einem Gratisangebot: Erstmalige Abonnenten erhalten den Premiumdienst 60 Tage lang kostenlos. Das Abo kann monatlich gekündigt werden.

Die Telekom bietet übrigens für einen Aufpreis von 10 Euro ihren Kunden die Nutzung des Musikdienstes Spotify an, ohne dass die Nutzung das Datenvolumen belastet.

Spotify ist per Browser, als App für Windows-PCs, Linux, Mac, Android, iOS, und Windows Phone verfügbar.

Deezer hat keine Angst vor Apple

Der französische Musik-Streaming-Dienst Deezer hat nach eigenen Angaben 16 Millionen monatlich aktive Nutzer. Sechs Millionen Nutzer zahlten für den Dienst, schreibt das Unternehmen in einem Blogeintrag. Deezer-Nutzer haben Zugriff auf 35 Millionen Titel, 30.000 Radiokanäle und mehr als 20.000 Podcasts.

Kurz vor dem Start des Konkurrenten Apple Music hat Deezer in Deutschland eine Werbekampagne für 20 Millionen Euro gestartet. Das Budget sei Teil einer Kooperation zwischen dem Musik-Streaming-Anbieter und der ProSiebenSat.1-Gruppe, zu der Deezer gehört, schreibt das Fachmedium Horizont, das mit Deezers Deutschlandchef Michael Krause gesprochen hat.

Krause sieht im Start von Apple Music übrigens keine Bedrohung. "Apple hat acht Jahre gebraucht, um auf den fahrenden Zug aufzuspringen, in dem andere Marktteilnehmer wie Deezer reichlich Kompetenz und Netzwerke aufgebaut haben", schreibt er in einem Gastbeitrag auf Horizont. Deezer habe ein vergleichbares Angebot wie Apple Music seit Jahren etabliert und zu einem tragfähigen Geschäftsmodell entwickelt.

Entdecken oder zahlen

Wie bei Spotify haben die Deezer-Nutzer die Auswahl zwischen zwei Modellen. Deezer bietet einen kostenlosen Testzugang, Discovery, an, der zwar unbegrenztes Musikhören ermöglicht, aber bei dem die Titel zufällig abgespielt werden. Deezer nennt das Flow. Zwischen den Songs wird Werbung eingeblendet und Nutzer können ihre Titel nicht offline anhören.

Premium-Abonnenten haben für 10 Euro pro Monat einen unbegrenzten und werbefreien Zugang zu den Titeln bei Deezer, können ihre Musik und Playlisten offline abspielen und haben mit 320 KBit/s eine höhere Bitrate als Gratisnutzer.

Anfang dieses Jahres kündigte Deezer eine Zusammenarbeit mit dem Audiogerätehersteller Sonos an. Mit einem Upgrade vom Premium-Account auf Deezer Elite sei es möglich, den Dienst mit Sonos-Systemen im Free Lossless Audio Format (Flac) bei 1.411 KBit/s zu nutzen. Das Upgrade sei kostenlos, wenn der Vertrag für mindestens ein Jahr abgeschlossen werde, teilte Deezer mit. Der reguläre Preis für Deezer Elite beträgt 19,99 Euro pro Monat.

Deezer ist als App für Windows-PCs, Mac, Android, iOS und Windows Phone verfügbar sowie im Browser.

Rdio macht's günstig

Der amerikanische Anbieter Rdio gibt keine Nutzerzahlen bekannt. The Verge schrieb im vergangenen Jahr, dass sich die Nutzerzahlen bei dem Anbieter im Millionenbereich bewegten. Zur Größe seiner Musikbibliothek macht Rdio dagegen genauere Angaben: Über "32 Millionen Tracks" seien im Angebot. Gegründet wurde Rdio von den beiden Skype-Gründern Janus Friis und Niklas Zennström im August 2010. Seit 2012 gibt es den Dienst in Deutschland.

Günstiges Preismodell kommt nach Europa

Während andere Dienste wie Spotify und Deezer das 10-Euro-Premiumangebot etabliert haben, will Rdio mit einem günstigeren Modell Nutzer gewinnen. Das sogenannte Rdio-Select-Modell für 4 US-Dollar ist in Ländern wie Kanada, Australien und den USA schon länger verfügbar und soll demnächst in Europa starten - für 4 Euro pro Monat.

Eine deutschsprachige Seite zu dem günstigen Streamingmodell ist bereits verfügbar. Laut Rdio-CEO Anthony Bay verzögerten Gespräche mit Vermarktern, Labels und Rechteverwertern wie der Gema den Start.

Das 4-Euro-Angebot beinhaltet einen zufälligen Mix aus Liedern, wobei die Titel unbegrenzt übersprungen werden können. Außerdem dürfen Nutzer täglich bis zu 25 Lieder auf ihrem mobilen Gerät speichern und so oft anhören, wie sie wollen. Die Titel können täglich ausgetauscht werden.

192 KBit/s sind Standard

Ob Gratisangebot mit Werbung und Limitierung beim Überspringen von Titeln oder das kostenpflichtige "Unlimited"-Angebot, Rdio streamt standardmäßig mit 192 KBit/s auf dem Computer oder auf mobilen Geräten. Die Bitrate kann auf 96 KBit/s oder 64 KBit/s reduziert werden. Nur zahlende Abonnenten dürfen in den Einstellungen auf 320 KBit/s erhöhen.

Mit der "Unlimited"-Option können Nutzer für 10 Euro pro Monat außerdem alle Titel werbefrei anhören und auf ein mobiles Gerät herunterladen und offline hören. Für 18 Euro pro Monat kann der Nutzer zwei Accounts erstellen und für 23 Euro drei Accounts verwalten. Das Familienmodell umfasst insgesamt fünf Accounts für 33 Euro. Rdio ist für Windows Phone, PCs, Mac, Android und iOS erhältlich.

Tidal streamt verlustfrei

Mit einem Großaufgebot an Stars startete im März 2015 der Streamingdienst Tidal. Für das Projekt des Rappers Jay Z wurden Künstler wie Madonna, Kanye West und Rihanna gewonnen. 25 Millionen Songs zählt die Bibliothek bei Tidal. Dazu kommen rund 75.000 Musikvideos. 800.000 Abonnenten hat der Dienst, heißt es laut Medienberichten. "Tidal ist die Zukunft der Musik", hieß es zur Präsentation in New York. Jetzt, ein paar Monate später, sieht das etwas anders aus. Weil Tidal mit seinem Premiumdienst für 20 Euro pro Monat deutlich teurer als Konkurrenten wie Spotify und Deezr ist und keine werbefinanzierte Gratisversion anbietet, gab es anfangs viel Kritik im Netz. Tidal bietet allerdings auch ein Basismodell für 10 Euro monatlich an.

Der nächste Chef geht

Nach dem Start von Tidal gibt es offenbar auch interne Probleme. Der im April als CEO eingesetzte Peter Tonstad hat das Unternehmen nur drei Monate später verlassen. Sein Vorgänger Andy Chen hatte nur wenige Wochen nach dem Marktstart den Posten aufgegeben.

Tidal streamt mit 1.411 KBit/s

Für das Basisangebot für 10 Euro monatlich erhält der Nutzer bei Tidal eine Streaming-Bitrate von bis zu 320 KBit/s im AAC-Format. Nur Abonnenten der Premiumversion dürfen im Free Lossless Audio Format mit 1.411 KBit/s streamen. Beide Modelle können 30 Tage lang kostenlos ausprobiert werden.

Tidal ist als App für Android und iOS erhältlich und funktioniert im Browser. Außerdem gibt es eine App für Windows-PCs und Mac als Beta.

Google Play Music

Beim Musik-Streaming-Angebot von Google können wie bei Spotify einzelne Songs ausgewählt werden. Die Bibliothek enthält laut Google 30 Millionen Titel. In den USA hat Google ein werbefinanziertes Radio im Angebot. Nutzer können über vorgefertigte Listen Radio hören. Aber auch Nutzer hierzulande können den Dienst mit einer VPN-Verbindung testen oder sich mit Browser-Erweiterungen wie Zenmate registrieren, wie Blogger Caschy berichtet.

Die Streamingqualität kann je nach Geschwindigkeit der eigenen Netzwerkverbindung eingestellt werden. Google will 10 Euro monatlich für die Nutzung des Dienstes haben. Wie bei anderen Angeboten kann der Nutzer Musik auf mobile Geräte herunterladen und ohne Netzwerkverbindung hören.

Google bietet eine kostenlose Testphase seines Angebots für 30 Tage an. Google Play Music ist als App für Android und iOS verfügbar sowie im Browser.

Fazit: Wer die Wahl hat, bleibt bei seinem bisherigen Anbieter

Apple Music ist ein weiterer Musik-Streaming-Anbieter auf dem Markt - nicht mehr und nicht weniger. Denn was Apple Music kann, können andere Dienste auch. Zugegeben: Beats One ist ein Alleinstellungsmerkmal. Aber wer auf das Live-DJ-Radio verzichten und Einschränkungen wie einen fehlenden Offlinemodus beim Gratis-Modell in Kauf nehmen kann, der wird zum Beispiel auch mit Spotify glücklich.

Für 10 Euro pro Monat haben Angebote wie das von Deezer und Rdio einen ähnlichen Umfang wie Apple Music. Wer bei einem der beiden Dienste ein Abo abgeschlossen hat, muss nicht zu Apple Music wechseln.

Gespannt dürfen Musikliebhaber auf das kostengünstige Abo von Rdio sein. Mit 4 Euro und täglich 25 Offlinetiteln dürfte Rdio-Select Bewegung in den Musik-Streaming-Markt bringen.

Wer eine große Auswahl an Musikvideos bevorzugt, sollte sich Tidal anschauen. Die Plattform hat uns übrigens optisch mit ihren dunklen Farbtönen und den hochaufgelösten Bildern am meisten angesprochen. Aber das ist Geschmackssache.  (sha)


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