Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/crowdfunding-e-ink-uhr-cst-01-wird-nicht-an-unterstuetzer-ausgeliefert-1506-114830.html    Veröffentlicht: 23.06.2015 14:52    Kurz-URL: https://glm.io/114830

Crowdfunding

E-Ink-Uhr CST-01 wird nicht an Unterstützer ausgeliefert

Nach fast zweijähriger Wartezeit haben die Macher der extrem dünnen E-Ink-Uhr CST-01 verkündet, dass ihr per Kickstarter finanziertes Projekt am Ende ist - die Uhr wird nicht erscheinen. Das gescheiterte Projekt zeigt abermals die Risiken von Crowdfunding auf.

Eine nur 0,8 mm dünne Uhr aus Metall, die die Zeit auf einem energiesparenden E-Ink-Display anzeigt, das nach zehnminütiger Ladezeit einen Monat lang durchhalten soll - das klang für 7.658 Personen so verlockend, dass sie das Crowdfunding-Projekt CST-01 auf Kickstarter unterstützten. Das war im Januar 2013.

Unterstützer bekommen keine Uhren

Jetzt, knapp zweieinhalb Jahre später, ist klar, dass die Uhr nicht erscheinen wird: Die Gründer von CST, Dave Vondle und Jerry O'Leary, haben auf der Kampagnenseite bekannt gegeben, dass das Projekt gescheitert sei. Dass das Unternehmen in einer finanziell schwierigen Situation steckt, ist schon länger bekannt - Grund dafür ist unter anderem, dass bei der Fertigung der Uhren aufgrund der technischen Anforderungen deutlich mehr Ausschussware produziert wurde als im Vorfeld angenommen.

Nur 46 Prozent der produzierten CST-01-Uhren seien in Ordnung, der Rest könne nicht verwendet werden. Dadurch seien die Produktionskosten pro Uhr auf 260 US-Dollar gestiegen - und damit doppelt so hoch wie geplant. Gespräche mit möglichen Partnern, die doch noch eine Finanzierung hätten sicherstellen können, sind bisher ohne Ergebnis geblieben.

Auftragsfertiger hat die Produktion eingestellt

Jetzt hat der Auftragsfertiger Flextronics die Produktion eingestellt. Grund ist ein voriges Statusupdate der CST-01-Macher, in dem bekannt gegeben wurde, dass Flextronics CST einen Vertrag angeboten habe, mit dem der Fertiger kontrollieren wolle, welche Details künftig über das Projekt bekanntgegeben werden dürften. Dass CST diese Information veröffentlicht hat, reichte Flextronic offenbar, um die Geschäftsbeziehung zu beenden.

CST plant aktuell, die bisher finanzierten Materialien, Fertigungsmaschinen und einige Dutzend fertige Uhren aus dem Flextronics-Werk in Kalifornien abzuholen. Vondle und O'Leary wollen alles genau dokumentieren und veröffentlichen, um den Unterstützern eine möglichst transparente Übersicht bieten zu können.

Als verbliebene Optionen sehen Vondle und O'Leary die Möglichkeit, alle verbliebenen Materialien zu verkaufen und auf diese Weise zu versuchen, den Unterstützern ihr Geld wieder zurückzuerstatten. Auch die Möglichkeit, den Unterstützern alle Informationen zur Verfügung zu stellen, die man für die Produktion einer CST-01 benötigt, wurde erwogen. Vondle und O'Leary sagen jedoch selbst, dass es im Grunde unmöglich für Privatpersonen sei, sich ohne spezielle Fertigungsmaschinen eine CST-01 zu bauen - selbst wenn alle Materialien und Informationen vorhanden seien. Aktuell ziehen die beiden auch eine Kombination dieser beiden Optionen in Betracht.

Crowdfunding birgt immer ein Risiko

Das Beispiel CST zeigt, dass Crowdfunding-Projekte trotz überwältigender Finanzierungen letztlich immer scheitern können. Vondle und O'Leary sind nicht die ersten, die es nicht schaffen, ihr Produkt trotz erfolgreicher Finanzierung letztlich auszuliefern. Im Nachhinein haben sich die beiden möglicherweise den falschen Auftragsfertiger ausgesucht, ihr Projekt technisch einfach zu ehrgeizig ausgelegt und/oder Risiken falsch bewertet. Für die Unterstützer macht das letztlich keinen Unterschied: Das Geld ist erst einmal weg.

Bei der Vielzahl der täglich startenden, professionell aufgezogenen Crowdfunding-Projekte fällt es mitunter schwer, das absolut vorhandene Risiko des Scheiterns zu berücksichtigen. Sicher, die AGB von Kickstarter etwa weisen darauf hin, dass den Unterstützern bei Nichterfüllung das Geld zurückgezahlt werden muss - inwiefern das aber unmittelbar machbar ist, ist fraglich.

Unterstützer der CST-01 müssen sich jetzt weiter gedulden, bis sie wissen, ob sie ihr Geld wenigstens in Teilen zurückbekommen - mindestens so lange, bis Vondle und O'Leary einen Überblick über die von Flextronic abgeholten Materialien und deren Wert haben.  (tk)


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