Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/radeon-r9-fury-x-im-test-amds-wasserzwerg-schlaegt-nvidias-titan-1506-114780.html    Veröffentlicht: 24.06.2015 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/114780

Radeon R9 Fury X im Test

AMDs Wasserzwerg schlägt Nvidias Titan in 4K

Selten haben wir eine so ambivalente Grafikkarte wie die Radeon R9 Fury X getestet: Egal ob die Rechengeschwindigkeit, der neue Videospeicher, die Platine samt Anschlüssen oder die Wasserkühlung - alles hat wichtige Vorteile, aber auch nervige Nachteile.

Die Presse darf seit dem Tech Day genannten Vorab-Briefing von AMD nahezu jede Information zur neuen Grafikkarte Radeon R9 Fury X veröffentlichen, AMD selbst hat gar die intern angefertigten Benchmarks aus dem Reviewer's Guide publiziert. Nur echte Tests waren bis heute nicht gestattet, um den Redaktionen Zeit zu geben, sich mit der Fury X und deren Technologie zu beschäftigen.

Sonderlich viel Zeit blieb uns allerdings nicht: Wir haben die Radeon R9 Fury X am vergangenen Mittwoch erhalten, Donnerstag folgten Arbeiten am Test der Radeon R7/R9 der 300er-Serie und am Montagabend holte AMD die Grafikkarte schon wieder per Express-Kurier ab - auch andere Redaktionen sollen so die Möglichkeit erhalten, die Fury X zu testen.

Doch gerade eine Grafikkarte wie die Radeon R9 Fury X erfordert einen hohen Testaufwand: Sie ist die erste mit Videospeicher auf Basis von High Bandwidth Memory und abseits der Radeon R9 295 X2 die einzige mit vormontierter Wasserkühlung. Beide Ausstattungsmerkmale bedingen einander und machen die Fury X daher zu einer interessanten Grafikkarte, deren Besonderheiten und Eigenheiten es zu untersuchen gilt.

Grundlage für die Radeon R9 Fury X ist der Fiji-Chip: Er wird bei der TSMC im 28-nm-Verfahren gefertigt und misst 596 mm² - einzig Nvidias GM200 ist mit 601 mm² noch ein wenig größer. Beide GPUs stellen die Obergrenze dessen dar, was mit aktueller Technologie wirtschaftlich zu belichten ist. Würden die Chips noch mehr Fläche belegen, wäre die Ausbeute an funktionsfähigen GPUs zu gering. Der GM200 mag größer sein als der Fiji, in letzterem sind die Transistoren aber dichter gepackt: Der Chip besteht aus 8,9 Milliarden davon - mehr als jede andere GPU zuvor (der GM200 weist 8 Milliarden auf).

Diese schiere Anzahl an Transistoren darf durchaus als Kampfansage an Nvidia verstanden werden, AMD sprach im Vorfeld der Veröffentlichung von Fury X nicht zu Unrecht vom schnellsten Grafikchip der Welt.

Fiji ist ein teils verdoppelter Tonga

Die meisten Transistoren stecken in den Shader-Rechenwerken, denn AMD verbaut 4.096 Shader-Einheiten. Rein von der GPU-Architektur her hat sich der Hersteller für eine bewährte Technologie entschieden: Fiji basiert auf dem Graphics Core Next 1.2, wie er auch im Tonga-Chip mit 2.048 ALUs verwendet wird. Praktisch hat AMD also die Anzahl der Compute Units und auch der für die Kantenglättung wichtigen Raster-Endstufen (ROPs) verdoppelt, dafür aber an anderer Stelle gespart. Das Frontend entspricht Tonga - pro Takt kann Fiji also wie Hawaii vier Primitive (meist Dreiecke) berechnen.

Allerdings müssen die Geometrie- und die Tesselation-Einheiten doppelt so viele Shader-Einheiten wie bei Tonga füttern, weswegen AMD das Frontend weiter optimiert hat - Details wollte der Hersteller aber auch auf Nachfrage nicht verraten. Der SubD-Tesselation-Test aus Microsofts DX11-SDK belegt die Verbesserungen: Die Fury X erreicht bei 1 GHz Chiptakt und einem Unterteilungsfaktor von 31 eine Bildrate von 61 fps, eine Radeon R9 285 bei gleichem Takt 57 fps und die ältere Radeon R9 290X (Hawaii) nur 28 fps. Bei geringeren Unterteilungsfaktoren wie 8 oder 16 hingegen hält Fiji nicht mit Hawaii mit. Aktuelle Spiele verwenden unterschiedliche Faktoren, The Witcher 3 für Hairworks x64 und Dragon Age Inquisition nur x8.

Um die generelle Geschwindigkeit zu steigern, hat AMD den L2-Cache von Fiji verglichen mit Tonga auf zwei MByte verdoppelt - die GPU muss also seltener auf den Videospeicher zugreifen. Die GCN-1.2-Architektur (3rd Gen) hat aber auch Nachteile: Die für wissenschaftliche Berechnungen wichtige Geschwindigkeit bei doppelter Genauigkeit (Double Precision) beträgt nur 1:16 der Single-Precision-Leistung. Verglichen mit Nvidia GM200-Chip in der Geforce GTX Titan X ist das aber immer noch flott, da hier ein 1:32-Verhältnis besteht.

Kaum Angaben machte AMD zum Universal Video Decoder (UVD) und der Video Code Engine (VCE): Diese Fixed-Function-Einheiten sollen dem Notebook-Chip Carrizo entsprechen, Fiji kann also H.265-Material in Hardware decodieren und encodieren. Nvidas GM200 muss den Dekodierschritt über die Shader-Einheiten laufenlassen, nur der GM206 (Geforce GTX 960) beherrscht beides. Bei aller Freude über die H.265-Unterstützung von Fiji: Die Radeon R9 Fury X als Produkt hat keine HDMI-2.0-Schnittstelle und ist ohne aktiven Adapter inkompatibel zu entsprechenden 4K-60Hz-Fernsehern; HDCP 2.2 fehlt wie bei Nvidias GM200 und GM204 (GTX Titan X, GTX 980 Ti und GTX 980/970).

Da der Fiji- weitestgehend dem Tonga-Chip entspricht, unterstützt die Fury X Downsampling-Auflösungen von bis zu 3.840 x 2.160 Pixeln, ausgehend von einem 1080p-Monitor. Ebenfalls wenig überraschend sind das Feature-Level D3D12_0 und die acht ACEs (Asynchronous Compute Engine) mit je acht Warteschlangen, die in DX12-Spielen erstmals genutzt werden sollen.

All seine Rechengeschwindigkeit kann Fiji aber nur ausspielen, wenn die GPU schnell genug Daten aus dem Videospeicher erhält. Als erste Grafikkarte überhaupt nutzt die Radeon R9 Fury X daher den High Bandwidth Memory. Dieser erfordert jedoch ein Umdenken beim Aufbau der Platine.

Ohne Interposer geht's nicht

Über High Bandwidth Memory haben wir mehrfach berichtet, erstmals ausführlich in einem Artikel über Stapelspeicher-Technologien von Ende 2014 und vor einigen Wochen im Detail nach einem Gespräch mit AMDs Technikchef Joe Macri. Künftig wird der bisher übliche GDDR5-Videospeicher nur noch in der Mittel- und Oberklasse eingesetzt, künftige Topmodelle von AMD (Arctic Islands) und Nvidia (Pascal) nutzen High Bandwidth Memory.

Das Problem von GDDR5: Um die für heutige Grafikkarten notwendige Datentransfer-Rate zu erzielen und 4 oder mehr GByte zu verbauen, ist eine immer aufwendigere Platine erforderlich. AMDs Radeon R9 390X etwa nutzt ein 512 Bit breites Speicher-Interface. An jedem 32-Bit-Kanal hängt ein Speicherchip, alle 16 zusammen ergeben 4 oder 8 GByte. Workstation-Karten wie Fire Pro W9100 erreichen 16 GByte mit 32 Speicherbausteinen, hier sitzt die Hälfte der Chips auf der Platinenrückseite. Mit einem 512 Bit breiten Interface und bis zu 32 Bausteinen arbeitet die GDDR5-Technik seit Jahren am Limit. Platzbedarf und Leistungsaufnahme sind zu hoch und nur mehr Takt hilft.

Als Alternative hat sich der High Bandwidth Memory herauskristallisiert, das Jedec-Gremium hat den Stacked-Speicher bereits im Oktober 2013 abgesegnet. Wie es der Name bereits impliziert, werden mehrere Chips übereinandergestapelt - derzeit sind es vier Dies mit 1 GBit pro Stack. Jede Schicht ist an zwei 128 Bit breite Speicherkanäle angeschlossen, jeder Stapel verfügt also über 1 GByte und ein 1.024-Bit-Interface. Im Umkehrschluss sind die Frequenzen niedrig: Die aktuellen HBM-Stapel liefern 1 GBit pro Sekunde, die flottesten GDDR5-Chips erreichen 7 GBit pro Sekunde oder 3,5 GHz. Ein Vorteil der geringen Taktraten ist die Spannung pro Chip von 1,3 statt 1,35 Volt.

Während bei einem GDDR5-Interface die einzelnen 32-Bit-Leitungen quer über die Platine verlaufen, gelingt die Anbindung an die insgesamt 4.096 Bit der vier Stacks nur durch ein zusätzliches Bauteil, den Interposer. Das passende Verb ist dazwischenschalten, und nichts anderes macht dieses Siliziumplättchen einfach ausgedrückt: Es verbindet den High Bandwidth Memory mit dem Speicher-Interface im Fiji-Chip. Der Interposer der Radeon R9 Fury X misst 1.011 mm², er wird im 65-nm-Verfahren beim Auftragsfertiger UMC produziert und mit Hilfe von Amkor sowie der ASE Group zusammengesetzt.

Der Interposer besteht aus vielen Schichten: In ein Wafer-Substrat werden feine Kanäle geätzt, alles von einer Oxid-Schicht geschützt und anschließend mit Kupfer gefüllt. Die Technik hinter den so entstehenden Metallstreben nennt sich Through Silicon Vertical Interconnect Access (TSV), zu Deutsch Silizium-Durchkontaktierung. Damit sie funktioniert, werden Schichten auf- und abgetragen, der Interposer wird gedreht und als Flip-Chip mit winzigen Lötkügelchen (Micro-Bumps) auf einem Träger (Package) montiert.

Anders als bei einer GPU zeigt dadurch die Seite nach oben, aus der Tausende von TSVs herausgucken. Die Durchkontaktierungen werden ebenfalls mit Micro-Bumps mit den vier HBM-Stacks und dem Fiji-Chip verbunden. Ein Metallrahmen erhöht die mechanische Stabilität - schon geringe Kräfte können den Interposer beschädigen. Das fertige Package wird mit den üblichen BGA-Bumps mit der Fury-X-Platine verlötet.

Auch mit HBM sind 4 GB nur 4 GB

Da AMD einen in Teilbereichen verdoppelten Tonga-Chip als Basis für die Fiji-GPU hergenommen hat, steigt die Anzahl der Raster-Endstufen (ROPs) von 32 auf 64 - so wie bei Hawaii. Die Render Output Units bestimmen die Pixelfüllrate, was sie für hohe Auflösungen inklusive Downsampling oder Multisampling-Kantenglättung wichtig macht. Zudem ist das Speicher-Interface derzeit zwingend an die ROPs angekoppelt, weswegen die Eigenschaften der Raster-Endstufen die Datentransfer-Rate beeinflussen.

Obgleich die rechnerische Übertragung des High Bandwidth Memory mit 500 MHz bei einem 4.096-Bit-Interface bei wahnwitzigen 512 GByte pro Sekunde liegt - mehr als bei jeder anderen Grafikkarte -, hat AMD die Rate optimiert. Wie bei Tonga und Carrizo kommt eine verlustfreie Farbkompression zum Einsatz. Da nur redundante Informationen komprimiert werden, gehen keine Daten verloren, die übermittelten Bits werden aber nicht allzu stark reduziert.

Einer der größten Diskussionspunkte bei der Radeon R9 Fury X ist die Kapazität des Videospeichers, denn die vier HBM-Stacks fassen nur 4 GByte - verglichen mit der Geforce GTX 980 Ti (6 GByte) oder gar der Geforce GTX Titan X (12 GByte) ist das wenig. Hierzu ein paar Hintergründe: Ob die Grafikkarte in 1.920 x 1.080 oder in 3.840 x 2.160 Pixeln rechnet, ändert an der Auslastung des Videospeichers kaum etwas. Ein Beispiel: Der Framebuffer-Bedarf für ein Frostbite-Engine-Spiel mit Physically Based Rendering und vier 64-Bit-Rendertargets wächst von 63 auf 252 MByte an; bei drei 32-Bit-Render-Targets wie in Cryteks Ryse sind es gar nur 95 statt 24 MByte - lächerlich bei 4 GByte, aber entscheidend für die schnellen 32 MByte ESRAM der Xbox One, das nur am Rande.

Was den Speicherbedarf drastisch nach oben treibt, ist die gute alte Multisampling-Kantenglättung: Bei 2x MSAA müssen alle Render-Targets doppelt gesampelt werden und bei 4x eben vierfach. In Dragon Age Inquisition in Ultra-HD erhöht 4x MSAA den Videospeicherbedarf rechnerisch um satte 756 MByte auf über 1 GByte, verglichen mit 3.840 x 2.160 Pixeln ohne MSAA. Der Nutzen von 4x Multisampling-Kantenglättung ist in dieser Auflösung zwar beschränkt und die Leistung der Radeon R9 Fury X zu gering, aber selbst in diesem Fall reicht der Videospeicher aus.

Das liegt an den Texturen von Dragon Age Inquisition, die vergleichsweise wenig Speicherplatz benötigen. Die Pixeltapeten und deren Streaming belegen bei den meisten Spielen zwei Drittel bis über drei Viertel des vorhandenen Videospeichers; die absolute Größe variiert. Je mehr Speicher eine Karte hat, desto mehr Texturdaten werden tendenziell prä­emp­tiv geladen - zwingend notwendig ist das selten. Interessantes Detail: Schon jetzt füllt eine Fury X ihren Speicher in den meisten Spielen weniger als eine 290X mit 4 GByte.

In unserem Test-Parcours gibt es nur ein Spiel, das in Ultra-HD die 4 GByte der Radeon R9 Fury X sprengt: Assissin's Creed Unity. An der nominellen Bildrate ändert das nichts, die Ausgabe der Einzelbilder (Frametime) aber erfolgt sichtlich stotternd - auf einer Radeon R9 290X mit 8 GByte läuft das Spiel langsamer, ruckelt jedoch nicht. Für andere Titel wie Ryse oder The Witcher 3 ist der Videospeicher der Fury X ausreichend bemessen, kommende Spiele dürften durch AMDs Unterstützung bessere Kompressionstechniken nutzen.

Toller Lüfter - nervige Pumpe

Einer der interessantesten Aspekte der Radeon R9 Fury X ist die vormontierte Wasserkühlung - vorerst wird die Grafikkarte nur so erhältlich sein. Da AMD auf vier HBM-Stacks statt bis zu 16 GDDR5-Speicherchips setzt, misst die Platine der Radeon R9 Fury X nur 19 cm. Die am meisten Hitze entwickelnden Bauteile - die GPU, der Videospeicher und die Spannungswandler - sitzen jedoch recht eng beisammen. AMD löst dieses Problem vergleichsweise elegant.

Der Kühler, ein sogenanntes Fullcover-Modell, deckt die komplette Platine ab. Daran ist die Kupferplatte montiert, welche die Abwärme der GPU und des High Bandwidth Memory aufnimmt. Darüber sitzt die durchweg mit 12 Volt betriebene Pumpe, die das Kühlwasser erst durch den Hauptblock und dann durch ein abgeflachtes Kupferrohr über den Spannungswandlern befördert. Das erhitzte Wasser wird zum Radiator gepumpt, durchfließt dort eine Kupferrohrschlange mit angedockten Aluminium-Lamellen, die von einem Lüfter ventiliert werden, und wandert zurück zur Pumpe.

Wer möchte, kann die Frontplatte des Kühlers von der Grafikkarte entfernen und gegen eine selbstgedruckte austauschen sowie den Lüfter wechseln. Das setzt aber einen Mini-PWM-Adapter voraus. Bei der Komplett-Wasserkühlung dürfte es sich um eine modifizierte und um einen zusätzlichen Wassertank erweiterte Coolermaster Nepton 120XL handeln. Welcher Hersteller sie fertigt, konnten wir bisher nicht erfahren. Anders beim Lüfter: Dabei handelt es sich um einen Propeller vom Typ D1225C12B7ZP-62 von Nidec Servo. Er entspricht einem Modell von Scythes nicht mehr verfügbaren Gentle Typhoon, die Lüfter gehören zu den besten für Radiatoren.

In der Tat agiert der Nidec Servo erfreulich leise: Im Leerlauf rotiert er mit 950 Umdrehungen pro Minute und somit 1,3 Sone laut der PCGH - das ist aber nicht unhörbar und lauter als das Referenz-Design von Nvidias Geforce GTX 980 Ti oder GTX Titan X. Unter Last läuft der Lüfter mit rund 1.100 bis 1.300 Umdrehungen pro Minute und hält die GPU im Golem-Würfel auf maximal 63°C (The Witcher 3 in UHD) bei stabil 1,05 GHz GPU-Takt, wenn der Radiator wie von AMD vorgesehen im Heck montiert ist. Ab 75°C drosselt die Fury X bis auf 300 MHz und der Lüfter dreht hoch bis auf 3.000 Umdrehungen pro Minute.

So laut wird die Kühlung im normalen Betrieb nie, der Lüfter bleibt mit bis zu 1,7 Sone angenehm leise und weit unter dem was die Konkurrenz abliefert - toll. Das gilt leider nicht für die Pumpe: Die gibt ein durchweg fiependes Geräusch bei 1,3 Sone von sich, das unter Last zusammen mit dem leichten Sirren der Spulen der Spannungswandler eine unangenehme Frequenz ergibt. Aus dem Golem-Würfel heraus ist sie gut hörbar, wenn er auf dem Tisch steht. Ist die Radeon R9 Fury X in Fractal Designs Define R4 verbaut und das Gehäuse steht auf dem Boden, dringt das Fiepen nicht durch.

In 4K trumpft die Fury X auf

Wir vermessen AMDs Radeon R9 Fury X wie üblich im Golem-Würfel mit einem auf 3,6 GHz getakteten Core i7-5960X, einem X99-Mainboard von Asus und 16 GByte DDR4-Arbeitsspeicher. Das Betriebssystem ist Windows 8.1 Update x64, jegliche Software und alle Spiele sind auf SSDs installiert. Für Nvidias Geforce-Grafikkarten verwenden wir den Geforce-Treiber 352.90 Beta, für AMDs Radeon-Modelle den Catalyst 15.15 Beta. Letzteren mussten wir für die Radeon R9 290X modifizieren (siehe Update), damit er mit der alten Generation funktioniert.

Wir verzichten in allen Spielen auf herstellereigene Implementierungen wie HBAO+ oder HDAO bei der Umgebungslichtverdeckung, auf Nvidias Gameworks-Effekte wie Hairworks und auf spezielle weiche Schatten wie AMDs Contact Hardening Shadows oder Nvidias Percentage Closer Soft Shadows. Im Treiber ist die anisotrope Filterung auf hohe Qualität ohne Optimierungen eingestellt, um eine angemessene und vergleichbare Bildqualität zu erreichen.

Alle Grafikkarten werden im jeweiligen Spiel vorgeheizt, bis sie die maximale Temperatur erreichen, die der Kühler zulässt. Das ist wichtig, da ansonsten die Boost-Taktraten die Karten schneller machen, als sie es in der Praxis nach ein bis zwei Stunden im Spiel wären. Die Radeon R9 Fury X hält durch die Wasserkühlung ihre 1.050/500 MHz konstant, die Radeon R9 290X taktet mit 1.040/2.500 MHz. Die Geforce GTX 980 haben wir auf 1.240/3.500 MHz beschränkt, die Geforce GTX 980 Ti läuft im Mittel mit Taktraten von 1.177/3.500 MHz und die Geforce GTX Titan X mit durchweg 1.126/3.500 MHz.

Je mehr Pixel, desto besser ist Fury X

Die Geschwindigkeit von AMDs neuer Radeon-Karte ist in der hohen Ultra-HD-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) Nvidias Geforce GTX Titan X durchweg überlegen: Egal ob Assassin's Creed Unity, Dragon Inquisition, Grand Theft Auto 5, Ryse oder The Witcher 3 - die Fury X rendert immer ein paar Bilder pro Sekunde mehr. Einzige Ausnahme ist Project Cars: Das Rennspiel bremst Radeon-Modelle wie gehabt ziemlich aus - schade. Wer die Fury X also mit einem 4K-Display betreibt, Treiber-Downsampling oder spielinternes Supersampling nutzt, der erhält eine exzellente Leistung. Deutlich schlechter sieht es verglichen mit den Geforce-Modellen aus, wenn die AMD-Karte nur 2.560 x 1.440 oder 1.920 x 1.080 Pixel berechnen muss. Außer in Assassin's Creed Unity und dem in niedrigen Auflösungen CPU-limitierten Ryse fällt die Fury X hinter die Geforce GTX 980 Ti und teils gar hinter die Geforce GTX 980 zurück und der große Abstand zur Radeon R9 290X schrumpft gewaltig.

Messwerte, die aufzeigen, warum die Fury X einzig in hohen Auflösungen oder mit Down- sowie Supersampling eine sehr gute Leistung abliefert, können wir mangels Einblick in AMDs Treiber nicht bieten - aber mehrere Erklärungsansätze. Das Frontend dürfte in Situationen, in denen das Verhältnis aus Pixeln und Polygonen zu letzteren tendiert, zu wenig Durchsatz liefern und so die Recheneinheiten nicht ordentlich auslasten. Zudem hat Nvidia den Geforce-Treiber in vielen Spiele händisch auf einen geringeren Overhead optimiert und konnte so die Geschwindigkeit in teilweise CPU-limitierten Szenen deutlich steigern.

Abseits von Spielen kann die Radeon R9 Fury X ihre Rechenleistung sehr viel besser ausspielen: Im Bereich GPU-Computing, in unserem Fall exemplarisch der OpenCL-Renderer Luxmark, haben die Geforce-Modelle schlicht keine Chance gegen die Fury X.

Effiziente Karte ohne OC-Potenzial

Eine hohe Geschwindigkeit allein macht noch keine gute Grafikkarte - wenngleich viele Nutzer beim schnellsten Modell über eine exorbitante Leistungsaufnahme hinwegsehen, solange die Kühlung akzeptabel leise ist. Die Wasserkühlung der Radeon R9 Fury X arbeitet abgesehen von der leicht fiependen Pumpe ruhig, die Leistungsaufnahme im Leerlauf liegt trotz der zusätzlichen Elektronik verglichen mit einer Luftkühlung nicht höher.

Ohne Last taktet sich die Fiji-GPU auf 300 MHz herunter, der Videospeicher läuft durchweg mit 500 MHz - vermutlich werden aber Teil des Interfaces vom Strom getrennt. Die auf Höhe der beiden 8-Pol-Stromanschlüsse angebrachten acht LEDs leuchten nur unter Last rot. Die neunte erstrahlt grün, wenn sich die Fury X in den Zerocore-Modus versetzt, bei dem sich die Karte abschaltet. Das klappte zumindest bei uns nicht, wohl aber bei Kollegen aus anderen Redaktionen.

Die Leistungsaufnahme unter Last hängt stark vom jeweiligen Spiel, der ausgewählten Szene, den Grafikeinstellungen und weiteren Faktoren ab. Beispielsweise unterstützt die Fury X die neue Frame Rate Targeting Control: Unter der D3D10- und D3D11-Grafikschnittstelle kann die Bildrate auf 55 bis 90 fps limitiert werden. Wird beispielsweise ein Spiel auf 70 fps begrenzt, obwohl die Karte 120 fps erreichen könnte, sinkt die Leistungsaufnahme.

Wir haben die Radeon R9 Fury X wie alle anderen Modelle ohne Frame-Drosselung in Ryse in 3.840 x 2.160 Pixeln und im Luxmark vermessen: Im Crytek-Spiel erreicht unser Testsystem 340 Watt, das sind 50 Watt mehr als Nvidias Geforce GTX Titan X. Da die Radeon jedoch flotter arbeitet, ist die Leistung pro Watt nicht sehr viel schlechter. Anders stellt sich die Situation im Luxmark dar, dort benötigt die Fury X ein bisschen weniger Energie als die Titan X, ist aber sehr viel schneller und damit unterm Strich effizienter.

Da AMD die Radeon R9 Fury X mit Spannungswandlern bewirbt, die unter Last bei 1,2 Volt Spannung bis zu 400 Ampere verkraften sollen, interessierte uns das Overclocking-Potenzial der Karte. Der High Bandwidth Memory lässt sich nicht übertakten, nur der Fiji-Chip. Selbst mit einem um 50 Prozent erhöhten Power Limit erreichten wir nicht mehr als 1.114 MHz, was verglichen mit den 1.050 MHz Standardtakt kaum der Rede wert ist. Bereits bei 1.140 MHz zeigten sich Bildfehler, Tests mit über 1.200 MHz quittierte die Fury X mit einem Treiber-Absturz oder einem Neustart des Golem-Würfels.

Verfügbarkeit und Fazit

AMD verkauft die Radeon R9 Fury X vorerst nur im Referenzdesign mit vormontierter Komplett-Wasserkühlung. Der US-Preis liegt bei 650 US-Dollar ohne Steuern wie bei der Geforce GTX 980 Ti. Interessant wird es in Deutschland: Hier verlangt AMD im Handel 700 Euro, Nvidia hingegen 750 Euro. Modelle mit abweichender Kühlung (sogenannte Custom Designs) sind noch teurer.

Fazit

Die Radeon R9 Fury X ist eine technisch interessante, aber auch sehr ambivalente Grafikkarte: AMDs neues Topmodell ist in hohen Auflösungen extrem schnell und schlägt dort selbst Nvidias exorbitant teure Geforce GTX Titan X. Abseits von 4K-Displays, Down- und Supersampling ist die Fury X jedoch langsamer als eine Geforce GTX 980 Ti, teils rechnet gar eine Geforce GTX 980 schneller. Die Coolermaster-Wasserkühlung hält die Radeon-Karte zwar sehr kühl und der hochwertige Nidec-Servo-Lüfter dreht stets recht leise, dafür nervt die ständig leicht fiepende 12-Volt-Pumpe. Die möchte AMD überarbeiten.

Mit einer Länge von 19 cm und der Wasserkühlung ist die Fury X ideal für kompakte Spiele- oder edle Wohnzimmer-PCs. Allerdings verfügt die Grafikkarte neben drei Displayport-Anschlüssen nur über einen HDMI-1.4a-Anschluss. Ultra-HD-Fernseher können so nur mit 30 statt 60 Hz betrieben werden, es sei denn, es wird ein zusätzlicher Adapter verwendet. Aktive Displayport-1.2-auf-HDMI-2.0-Modelle sind jedoch bisher kaum erhältlich.

Ob am Ende die Radeon R9 Fury X oder die Geforce GTX 980 Ti im Preisbereich von 700 bis 800 Euro die bessere Karte ist, hängt von persönlichen Vorlieben ab: Für die Fury X spricht die leise Kühlung, die bei einem Custom-Modell der Ti einen Aufpreis kostet. Rein von der Geschwindigkeit her sehen wir die Radeon leicht vor übertakteten Geforce-Modellen, die aber verfügen über ausgefeiltere Downsampling-Optionen und im Zweifel über mehr Videospeicher.

Betrachten wir die Karten aus einem größeren Abstand, haben wir es mit zwei Generationen zu tun: Die Geforce GTX 980 Ti ist der letzte Vertreter der mit GDDR5-Speicher und einer wuchtigen Kühlung ausgestatteten Grafikkarten. Die Radeon R9 Fury X gibt einen ersten Ausblick auf Modelle mit Stacked Memory, kurzen Platinen und besseren Kühlungsoptionen. So gesehen bietet AMD schon heute die Zukunft an - Nvidia wird mit Pascal nachziehen.  (ms)


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(17.06.2015, https://glm.io/114703 )

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