Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-razer-mamba-tournament-edition-die-schnellste-maus-ist-eine-schlange-1506-114671.html    Veröffentlicht: 16.06.2015 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/114671

Test Razer Mamba Tournament Edition

Die schnellste Maus ist eine Schlange

Extrem hochauflösender Sensor, top Ergonomie und RGB-Beleuchtung: Razers Mamba-Maus überzeugt in der Tournament Edition. Einzig das Scroll-Rad ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Die beste Eigenschaft bleibt allerdings der kabellosen Mamba-Neuauflage vorbehalten.

Die meisten Menschen dürften niemals eine echte Mamba in den Händen halten - denn dabei handelt es sich um eine Gattung höchst giftiger, afrikanischer Schlangen. Ganz anders Razers neue Mamba: Wie nahezu alle Mäuse des Herstellers ist sie nach einer Giftschlange benannt. Wir haben ein fast finales Vorserien-Exemplar der kabelgebundenen Tournament Edition getestet.

Razer hat den Namen Mamba nicht zufällig gewählt: Diese Schlange zählt zu den schnellsten überhaupt. Die passende Analogie bei einer Gaming-Maus ist die Abtastrate in Pixeln per Zoll (Dots per Inch). Die war schon 2009 bei der ersten Mamba mit 5.600 dpi extrem hoch, der Philips-Sensor der neuen Mamba schafft wahnwitzige 16.000 dpi - mehr als jede andere Maus. Bisheriger Rekordhalter mit 12.000 dpi war der Pixart-Sensor in Logitechs im März 2015 vorgestellter G303 Daedalus Apex.

Aber Vorsicht: Je mehr dpi der Sensor erfasst, desto mehr Pixel bewegt sich der Zeiger pro Millimeter, den die Maus auf dem Untergrund zurücklegt. Präziser wird sie hierbei nicht, denn genauer als einen Pixel kann der Sensor nicht abtasten. Ohne die Mausgeschwindigkeit im Spiel zu senken, ist es auf einem 1080p-Display nahezu unmöglich, mit der Razer Mamba sauber zu zielen, da schon kleinste Bewegungen sehr viele Pixel einlesen.

Auf einem 4K-Display ist der Laser-Sensor besser aufgehoben, zeigen doch die X- und die Y-Achse die doppelte Menge an Bildpunkten. Razer selbst bewirbt die Mamba für Multi-Monitor-Systeme, mit einem solchen haben wir die Maus aber nicht ausprobiert. Wichtiger als dpi-Spielereien ist eine unverfälschte Eingabe, welche die Mamba wie erwartet ermöglicht: Der Philips-Sensor verzichtet auf Angle Snapping, keine Pfadkorrektur begradigt gezogene Linien, Beschleunigung und Interpolation von Pixeln fehlen ebenfalls. Im direkten Vergleich mit optischen Sensoren würden wir aber letzteren den Vorzug geben.

Wir haben die Mamba auf mehreren Mauspads gleiten lassen, beispielsweise Razers eigenem Firefly und Mionix' aus Stoff gefertigtem Alioth 320. Subjektiv arbeitet die Maus auf etwas gröberen Oberflächen besser, präzise ohne Aussetzer ist sie immer. Details zur Tracking-Geschwindigkeit nannte Razer keine, wir als High-Senser mit hohen dpi-Werten bewegen die Maus jedoch ohnehin selten mehrere Meter pro Sekunde.



Claw-Grip bevorzugt, Click Force fehlt

Wer hingegen eine Low-Sense-Spielweise bevorzugt und dazu die Maus häufig anhebt, den dürfte theoretisch die sehr niedrige Lift-Off-Distance (LOD) freuen: Dieser Wert sagt aus, ab welchem Abstand zum Untergrund der Sensor keine Werte mit bis zu 1.000 Hz an den PC schickt. Die meisten Mäuse haben eine LOD von gut einem Millimeter - Razer hingegen bewirbt die Mamba mit 0,1 Millimetern. In der Praxis konnten wir das nicht verifizieren. Die Maus ist weder Front- noch Heck-lastig, sondern mittig ausbalanciert.

Ungeachtet aller technischen Details muss eine Maus ergonomisch sein: Die Mamba richtet sich an Rechtshänder, die mit Palm- oder Claw-Grip spielen. Dabei liegen der Unterarm und der Ballen auf dem Tisch und die Finger ruhen teils auf der Maus, sie wird aus dem Handgelenk bewegt. Das Gewicht von 137 Gramm empfinden wir als passend gewählt, es lässt sich nicht anpassen. Dafür hat die kabellose Mamba eine interessante Funktion: Der Druck, der auf die beiden Haupttasten ausgeübt werden muss, damit diese auslösen, ist zwischen etwa 45 und 90 Gramm einstellbar - üblich sind 70 Gramm.

Razer nennt dies Click Force, es wird mittels eines kleinen Inbusses durchgeführt, mit dem ein Gewinde gestellt wird. Unser Vorserienexemplar der kabelgebundenen Tournament Edition hat entsprechende Aussparungen, die aber abgedeckt sind. Die Haupt- und die beiden Daumentasten lösen über Omron-Switches aus, der Druckpunkt der seitlichen Knöpfe könnte für unseren Geschmack ein bisschen straffer sein. Die Gummierung unter den Daumentasten ist schön griffig und wenig empfindlich gegen Schweiß.

Als gewöhnungsbedürftig empfinden wir das tief im Korpus sitzende, nur leicht gerasterte Mausrad. Dessen Druckpunkt ist uns ein wenig zu schwammig: Wer wie wir täglich Dutzende von Browser-Tabs per Mausrad-Klick öffnet oder schließt, wird anfangs gelegentlich eine Scroll-Bewegung auslösen. Nach einigen Tagen hatten wir aber den Dreh raus.

Hinter dem Scroll-Rad befinden sich zwei weitere Tasten. Diese schalten die DPI-Rate in Einzelschritten um, sind aber wie alle Buttons im Synapse-Treiber frei belegbar. Dieser erfordert ein Online-Konto und synchronisiert Einstellungen über mehrere Geräte hinweg; einen Onboard-Speicher hat die Mamba daher nicht. Neben der Tastenbelegung bietet der Treiber eine Makro-Funktion inklusive Zeitintervallen und die fast schon obligatorischen Beleuchtungsmöglichkeiten.

Das Mausrad und das Razer-Logo sind mit je einer RGB-LED für Millionen Farben ausgestattet, die beiden Leisten mit sieben links und rechts. Egal ob statisch, bei einem Klick, pulsierend, in Regenbogen-Wellen oder wild zuckende Farbexplosionen: Über das Chroma genannte Konfigurationsmenü ist es möglich.

Verfügbarkeit und Fazit

Razer plant, die Mamba Tournament Edition in den ersten Wochen des dritten Quartals 2015 in den Handel zu bringen - wahrscheinlich also im Juli. Die Preisempfehlung des Herstellers liegt bei 100 Euro. Für 180 Euro soll wenig später die kabellose Mamba ohne Namenszusatz erhältlich sein. Sie hat justierbare Druckpunkte für die beiden Haupttasten und soll rund 20 Stunden ohne Ladestation oder Kabel laufen.

Fazit

Nach knapp einer Woche mit der Mamba Tournament Edition steht für uns fest: Obwohl unser Testgerät ein Vorserien-Exemplar ist, zählt Razers Maus zu den sehr guten Modellen am Markt. Die Ergonomie einer Maus ist Geschmackssache, da Handgröße und Griffstil von Nutzer zu Nutzer variieren, wir empfinden sie als sehr gelungen. Die Mamba Tournament Edition ist mit 137 Gramm zudem weder zu schwer noch zu leicht und mittig ausbalanciert.

Rein technisch protzt die Maus mit einem Laser-Sensor von Philips, der bis zu 16.000 DPI erfassen kann. In der Praxis ist solch eine hohe Abtastrate für 1080p- oder 1440p-Bildschirme zu viel, für 4K-Displays und Multi-Monitor-Systeme hat Razer aber die passende Maus. Die Mamba Tournament Edition arbeitet bis auf Extremsituationen präzise und verfälscht Eingaben nicht. Einzig die beworbene Lift-Off-Distanz von 0,1 Millimetern sollte Razer sich noch einmal genauer anschauen - vielleicht hilft eine neue Firmware.

Die Rasterung des Mausrads könnte ein wenig fester und der Druckpunkt der beiden Seitentasten ein bisschen straffer sein. Beides sind zugegeben subjektive Kritikpunkte, die beim Tippen dieses Artikels aufgrund der einwöchigen Gewöhnungsphase ohnehin kaum noch stören. Wie gehabt hübsch anzusehen ist die RGB-Beleuchtung der Mamba Tournament Edition. Da greifen wir anders als bei einer echten Mamba doch gerne zu.  (ms)


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