Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/rosetta-mission-philae-funkt-wieder-1506-114654.html    Veröffentlicht: 15.06.2015 07:42    Kurz-URL: https://glm.io/114654

Rosetta-Mission

Philae funkt wieder

Aus dem Tiefschlaf erwacht: Der Lander Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat nach sieben Monaten erstmals wieder Kontakt zur Erde aufgenommen. Jetzt bleiben noch wenige Wochen, um weitere Daten zu sammeln.

Nach sieben Monaten Ruhe hat Philae sich wieder gemeldet. Am Samstag um 22.28 Uhr schickte der Kometenlander etwa 300 Datenpakete an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es waren zunächst Daten über sich selbst, darunter zur Temperaturentwicklung und Sonnenbestrahlung. Der Kontakt dauerte zwar nur 85 Sekunden, dennoch sind die Forscher zuversichtlich, dass Philae in den nächsten Wochen seine Beobachtungen wieder aufnehmen kann. Viel Zeit bleibt nicht, denn Mitte August erreicht der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko seinen nächsten Punkt zur Sonne, auf deren Licht Philae angewiesen ist.

Laut DLR hat Philae eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad erreicht. Philae stehen aktuell 24 Watt Leistung zur Verfügung. Für die Kontaktaufnahme zur Sonde Rosetta werden mindestens 19 Watt benötigt. Rosetta umkreist den Kometen und sendet die Daten des Landers an die Erde weiter.

Rosetta muss in einen neuen Orbit

Aus den jetzt gesendeten Daten müssen die Wissenschaftler eine neue Position der Sonde Rosetta errechnen. Denn die nur kurze Kommunikationsphase deute darauf hin, dass irgendetwas mit der Geometrie nicht stimme, sagte DLR-Projektleiter Stephan Ulamec. "Damit wir länger kommunizieren können, müssen wir zusammen mit der europäischen Raumfahrtagentur Esa die Raumsonde Rosetta im Orbit des Kometen neu ausrichten." Philae habe insgesamt 8.000 Datenpakete senden wollen, als der Kontakt erneut abbrach.

Philae glückte zwar Mitte November 2014 wie vorgesehen die Landung auf dem Kometen. Die Harpunen an den Füßen des Landers funktionierten aber nicht, und das kleine Labor prallte zunächst zweimal vom Kometen wieder ab. Anschließend landete Philae in einem ungünstigen Winkel. Die Solarpaneelen bekamen nicht genügend Sonnenlicht, und das Landefahrzeug musste daraufhin wegen leerer Akkus in den Tiefschlaf versetzt werden.

Was wir schon wissen

Zuvor war es der Bodenkontrolle noch gelungen, Philae um 35 Grad zu drehen, damit die Solarzellen mehr Licht einfangen können. Den genauen Landeort Philaes auf dem Kometen hat die Raumsonde Rosetta jedoch noch nicht entdeckt. Schon als die Mission vor Jahren geplant wurde, waren sich die Wissenschaftler darüber im klaren, dass Philae vielleicht nur wenige Stunden oder Tage auf der Oberfläche des Kometen würde operieren können. Sie überlegten sich daher genau, welche Daten sie auf jeden Fall haben wollten. Genau diese Daten wurden auch gesammelt. Der Mupus-Hammer der Sonde hämmerte, lieferte Daten und ging schließlich kaputt, was ein weiteres Mal zeigte, wie überraschend hart der Komet ist.

Die bisher empfangenen Daten verraten, dass auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko Wasserdampf, Kohlenstoffmonoxid, Kohlenstoffdioxid, Ammoniak, Methan und Methanol vorhanden ist. Außerdem entdeckte Philae Formaldehyd, Schwefelwasserstoff, Cyanwasserstoff, Schwefeldioxid und Kohlenstoffdisulfid. Viel wichtiger ist allerdings die Entdeckung von langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen. Um sie zu bilden, sind komplexe chemische Reaktionen erforderlich. Solche Verbindungen sind die Basis für Aminosäuren.

Kein Wasser für die Erde

Die Theorie, Kometen könnten als Wasser- und Stickstofflieferanten für die Erde gedient haben, unterstützen die Beobachtungen Philaes auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aber nicht. Die gemessenen Deuteriumanteile im Wasser auf dem Kometen unterscheiden sich deutlich von denen auf der Erde. Auch die Isotopenverhältnisse im Stickstoff auf dem Kometen sind unterschiedlich.

Auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko wurde auch molekularer Stickstoff entdeckt, der Hinweise darauf gibt, wo der Komet einst entstanden ist. Damit Stickstoff in molekularer Form gebunden wird, müssen Temperaturen um die minus 235 Grad Celsius herrschen. Molekularer Stickstoff wurde bislang auf dem Zwergplaneten Pluto und auf dem Netptun-Mond Triton entdeckt. Daher verorten die Wissenschaftler die Geburt des Kometen im Kuiper-Gürtel jenseits von Neptun.

Nur wenig Zeit für weitere Experimente

Die jetzt erreichten 24 Watt genügen für weitere Experimente. Die Forscher wollen die Instrumente an Bord des Kometenlanders noch mal aktivieren, um noch mehr über den Kometen zu erfahren. Je mehr der Komet sich der Sonne nähert, desto mehr können Philaes Akkus aufgeladen werden. Allerdings wird 67P/Tschurjumow-Gerassimenko Mitte August seinen nächsten Punkt zur Sonne erreichen. Dann könnte es auf dem Kometen so heiß werden, dass Philaes Instrumente versagen. Wenn sich der Komet danach wieder von der Sonne entfernt, geht Philae irgendwann die Energie aus.  (jt)


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