Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-lego-jurassic-world-wiederholen-sie-das-wir-haben-einen-t-rex-1506-114644.html    Veröffentlicht: 21.06.2015 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/114644

Lego Jurassic World im Test

"Wiederholen Sie das!" - "Wir haben einen T-Rex!"

Vier Dino-Filme in einem Lego-Spiel: TT Games' neues Lego Jurassic World ist näher an den Kino-Vorlagen als alle anderen Lego-Spiele bisher. Die Atmosphäre und der Slapstick-Humor sind toll, auf nervige Experimente verzichten die Entwickler zum Glück.

Eben rennt er noch schreiend vor dem T-Rex davon, dann mimt er den sterbenden Schwan, um einen Kuss abzubekommen: Chaos-Theoretiker und Mathematiker Ian Malcom gibt in Lego Jurassic World nicht nur markige Sprüche ab, sondern hat es auch auf die Paläontologin Ellie Sattler abgesehen. Der augenzwinkernde Humor des neuen Titels von Traveller's Tales zieht sich durch das komplette Spiel. Bereits die beiden aus Eiern in Dr. Wus Labor schlüpfenden Ts laden zum Grinsen ein.

Lego Jurassic World umfasst - anders als es der Name impliziert - alle vier bisherigen Filme. Die liebevolle Hommage beginnt mit dem Thema von John Williams, der einschwebende In-Gen-Hubschrauber landet auf der Isla Nubla. Zu Beginn des Spiels gilt es, auf dem Landeplatz die Entscheidung zu treffen, ob wir mit dem originalen Jurassic Park starten, um so den zweiten und dritten Film freizuschalten, oder die Jurassic World besuchen. Aus nostalgischen Gründen beginnen wir ganz am Anfang. Traveller's Tales hat sich aus jedem Film Charaktere herausgepickt und sich brav an die Vorlagen gehalten: Alan Grant beispielsweise mosert im O-Ton über Computer und säbelt mit einer Velociraptor-Klaue herum, Ellie Sattler wühlt aufgeregt in Dino-Dung, Großwildjäger Robert Maldoon liest Fährten, und die ständig heulende Göre Lex bringt durch ihr Geschrei Scheiben zum Zerspringen - herrlich! Im späteren Spiel dürfen wir mit freigeschalteten Figuren, darunter auch Dinos von A wie Ankylosaurus über I wie Indominus Rex bis V wie Velociraptor, Abschnitte erneut besuchen. Mit deren Spezialfähigkeiten erkunden wir zuvor unzugängliche Bereiche und sammeln goldene Lego-Steine, um etwa mit dem Mosasaurus zu tauchen.

Am Spielprinzip hat sich indes nichts geändert: Wir zerkloppen Legostein-Objekte und setzen die herumzappelnden Klötzchen per simplem Knopfdruck automatisch zu hilfreichen Gegenständen zusammen. Das ist zuweilen ein bisschen stumpfsinnig, immerhin müssen wir keine Ressourcen mehr sammeln oder unter Zeitdruck Steinchen im Tetris-Stil schichten wie in Lego Der Hobbit. Ohnehin sind die Klöppel-Passagen nur der Zubringer für die grandios inszenierten Filmpassagen, von denen sich Traveller's Tales pro Film ein paar ikonische ausgesucht hat.

Obgleich all diese Abschnitte extrem an die Vorlage angelehnt sind, schafft es Traveller's Tales, sie mit genialem Slapstick-Humor zu unterfüttern. So flieht der geldgierige Anwalt Donald "Wir werden ein Vermögen mit diesem Park machen" Gennaro originalgetreu vor dem T-Rex, baut sich eine Mauer aus rosa Toilettenpapierrollen und endet dennoch mitsamt der Klo-Bürste im Dinomaul - um dort vorläufig Zähne zu schrubben. Besonders spannend oder witzig sind Szenen, in denen wir auch Dinos steuern: Die Velociraptoren Blue, Charlie, Delta und Echo aus Jurassic World verständigen sich wie ein Squad per Krallenhandzeichen, und der Kampf T-Rex gegen Spinosaurus gehört zu den besten Quicktime-Events der Spielegeschichte.



Neue Technik und Fazit

Verglichen mit dem durchaus hübschen Lego Der Hobbit sieht Lego Jurassic World noch etwas besser aus: Traveller's Tales hat die Engine auf die D3D11-Grafikschnittstelle aktualisiert, ein Kompatibilitätsmodus für D3D9-Karten ist aber vorhanden. Lego Jurassic World ist nach Lego Batman 3 erst das zweite Lego-Spiel, das für die aktuelle Konsolen-Generation und damit Systeme mit D3D11-Unterstützung erscheint.

Optik alles andere als prähistorisch

Traveller's Tales hat nahezu alle Spielabschnitte mit erfreulich hochauflösenden Texturen versehen. Die realistisch gestalteten Umgebungen sind detailreich. Der Tiefenunschärfe-Effekt sieht viel besser aus als noch in Lego Der Hobbit, zudem greift die überarbeitete Shader-Kantenglättung nun auch im Hintergrund. Die Beleuchtung beherrscht dynamische Spiegelungen und Schatten, Taschenlampen beispielsweise dienen als Lichtquelle - selbst für die toll animierten Charaktere. Nervig sind einzig die Tonabmischung und die Qualität der Sprachausgabe, was uns angesichts von vielen originalen Samples ein bisschen traurig stimmt.

Lego Jurassic World ist für sehr viele Plattformen erhältlich: Windows-PC, Mac, Playstation 3 und 4 sowie Vita, Xbox One und 360, Wii U und Nintendo 3DS. Die Grafikqualität und Auflösung ist abhängig vom System, am besten sehen die PC-Version und die Umsetzung für die beiden aktuellen Konsolen aus. Die Altersfreigabe liegt bei sechs Jahren, für Kinder in diesem Alter sind einige Puzzle-Lösungen aber nicht immer ersichtlich. Dafür ist die Kamera endlich frei drehbar - ein Segen.

Fazit

Seit rund einem Jahrzehnt entwickelt Traveller's Tales Lego-Titel, Jurassic World ist der bisher beste. Das liegt kurioserweise aber nicht am mittlerweile zur Perfektion gebrachten Spielprinzip des Klötzchenzerdepperns. Sondern daran, dass das Studio sich so eng wie nie zuvor an eine Filmgeschichte hält, sie mit Slapstick unterfüttert und dennoch das Original mit Würde behandelt.

Eigentlich könnten sich die Entwickler das Drumherum sparen - die offene Welt, das Sammeln von goldenen Steinen, die freischaltbaren Dinos. Die nacherzählten Filmszenen mit Traveller's Tales' eigenem Humor sind eine derart liebevolle Hommage an die Vorlage, dass wir alleine damit schon glücklich sind. "Schöpfung ist ein reiner Akt des Willens", würde Jurassic-Park-Gründer John Hammond sagen.  (ms)


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(30.01.2015, https://glm.io/112047 )

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