Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzbetreiber-das-internet-gehoert-nicht-uns-1506-114618.html    Veröffentlicht: 11.06.2015 20:58    Kurz-URL: https://glm.io/114618

Netzbetreiber

"Das Internet gehört nicht uns"

Wilhelm.tel hat verstanden, dass das Internet nicht den Netzbetreibern gehört. Die Dienste der US-Konzerne auf ihrem Rücken seien kein Problem, wenn dieser stark genug sei, sagt der Glasfaserbetreiber. Wer Netflix ausbremse, würde Kunden in Scharen verlieren.

"Netzneutralität - aber richtig" war der Titel einer Diskussionsrunde des Verbands VATM auf der Branchenmesse Anga Com in Köln. Theo Weirich, Chef von Wilhelm.tel sagte, viele Netzbetreiber hätten die Sichtweise, dass Dienste wie Google, Facebook/Whatsapp und Netflix viel Geld verdienten, während sie nichts davon hätten. "Doch das Internet gehört nicht uns. Wir können nur interessante Inhalte zum Kunden bringen. Dafür müssen wir sorgen."

Diese Services auf dem Rücken der Netzbetreiber seien "kein Problem, wenn der stark genug ausgebaut ist, spielt das keine so große Rolle."

Andrea Huber, Geschäftsführerin des Anga Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber, sagte, der Verkehr in den Netzen der Betreiber explodiere wegen des gesteigerten Bedarfs aufseiten der Kunden und Diensteanbieter. Die Frage sei, welche Geschäftsmodelle nötig seien, bei einem Bedarf an qualitätsgesicherten Diensten im jetzigen Regulierungsrahmen. Der Spielraum der Unternehmen sei aber eingeschränkt, weil sie nach der Drosselungsdebatte der Telekom alle Angst hätten vor einer schlechten Presse.

"Netflix, Google und Facebook haben keine Probleme, in guter Qualität zum Kunden zu kommen. Die Frage ist, ob auch kleinere Dienstanbieter in 1A-Qualität ankommen. Gerade auch kleine Anbieter im Videobereich brauchen einen qualitätsgesicherten Zugang zu nicht diskriminierenden Preisen", sagte Huber.

Wer Netflix ausbremst...

David Zimmer, Gesellschafter des saarländischen Glasfasernetzbetreibers Inexio betonte, dass Netzbetreibern, die Netflix ausbremsten, "die Kunden in Scharen davonlaufen würden."

Erzsébet Fitori, Director der Lobbyorganisation European Competitive Telecommunications Association (ECTA) sagte, nur in einem Markt mit Monopolen oder Duopolen lohne es sich, Diensteanbieter zu blockieren, weil die Blockierten keine Wahl hätten, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. "Eine Abstimmung mit den Füßen ist nur in einem freien Markt möglich. Ein wichtiger Faktor für ein offenes Internet ist die Regulierung für einen offenen Zugang."

Laut Fitori bestehe auch in Europa das Risiko des Endes der Netzneutralität, weil es eine große Gefahr der Deregulierung durch die EU gebe. Diese wolle die Deutsche Telekom, Telecom Italia, Telefónica und France Telecom stärken, um gegen die US-Konzerne zu bestehen. Doch man könne nicht Monopole mit Monopolen bekämpfen.  (asa)


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