Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/valve-software-die-andere-seite-der-steam-rueckgabe-1506-114552.html    Veröffentlicht: 09.06.2015 12:29    Kurz-URL: https://glm.io/114552

Valve Software

Die andere Seite der Steam-Rückgabe

Für Kunden ist das neue Rückgaberecht für Spiele auf Steam ein Vorteil - aber einige Entwickler stellt es vor Probleme. Betroffen sind vor allem kleine und unabhängige Teams.

Seit Anfang Juni 2015 können Kunden auf Steam innerhalb von 14 Tagen Spiele ohne große Umstände zurückgeben, wenn sie die Titel weniger als zwei Stunden ausprobiert haben. Jetzt melden sich erste Entwickler und berichten von ernsthaften Schwierigkeiten, weil ihre Umsätze einbrechen. Betroffen sind offensichtlich nicht die großen Studios. Wer deren Titel kauf, weiß meistens, was ihn erwartet - vor allem aber schaffen Einsteiger von den Spielen in zwei Stunden oft nicht sehr viel mehr als das Tutorial.

Probleme haben offenbar vor allem die Entwickler von kleinen Titeln, von denen der Kunde nach zwei Stunden schon einen Großteil des Inhalts gesehen hat. Ein solches Spiel ist das rund 2 Euro teure Beyond Gravity des Indiestudios Qwiboo. Die Macher berichten auf Twitter, dass in nur drei Tagen von 18 gekauften Spielen immerhin 13 wieder zurückgegeben wurden, was einer Quote von 72 Prozent entspricht.

Das bedeutet im konkreten Fall zwar nur einen Umsatzausfall von 26 Euro. Aber Studios, deren Geschäftsmodell die Produktion mehrerer solcher kleinen statt eines großen Spiels vorsieht, können so über ihr gesamtes Portfolio durchaus ein Problem bekommen.

Ähnliche Erfahrungen hat das Entwicklerteam Young Horses gemacht: Von seinem rund 20 Euro teuren Octodad: Dadliest Catch seien nach Angaben von Studiochef Kevin Geisler auf Gamasutra.com rund 30 Prozent der verkauften Exemplare wieder zurückgegeben worden. Das sei zwar "alarmierend", so Geisler.

Er erwarte allerdings, dass eine Ursache darin zu suchen sei, dass die Rückgaben neu seien und Steam selbst noch stark darauf hinweisen würde. Außerdem, so seine Hoffnung, sei Valve ja gerade erst dabei, die Spieler zu identifizieren, die das System missbrauchen würden - Geisler rechnet damit, dass sich die Lage in absehbarer Zeit wieder normalisiert.

Eine besondere Sorge äußert ein anderer Indiegame-Macher namens Andrew Pellerano, ebenfalls auf Gamasutra: Er erwartet, dass die neuen Regeln schon bald starke Auswirkungen auf das Design von Games haben werden. Er erwartet, dass die Entwickler künftig extrem darauf achten, dass ihre Werke während der ersten zwei Stunden keine Frustmomente oder auch nur allzu schwierigen Stellen enthalten, weil das ja zu einer Rückgabe führen könnte.  (ps)


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