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Core i7-5775C im Kurztest

Dank Iris Pro Graphics und EDRAM überraschend flott

Ein umgelabelter Notebook-Chip schlägt fast Intels besten Vierkern-Prozessor: Der Core i7-5775C mit Broadwell-Technik kompensiert seinen geringeren Takt durch Embedded-Speicher. Der macht die Iris Pro Graphics zudem zur schnellsten integrierten Grafikeinheit.

Vorab konnte oder wollte Intel keine Samples der neuen Broadwell-Prozessoren verteilen. Wir waren zugegeben skeptisch: Überzeugt die Geschwindigkeit nicht oder sind die Chips schlecht verfügbar? Im Gespräch mit Golem.de stellte der Hersteller klar, dass die Lieferbarkeit hierzulande in den kommenden Wochen gegeben sein soll. Der Core i7-5775C und der Core i5-5675C werden als Boxed-Versionen mit Lüfter erhältlich sein. Faktisch handelt es sich hierbei um Notebook-Chips, die auf ein Package für den Sockel 1150 gesetzt wurden.

Auf der Computex stellte Intel uns mehrere Systeme mit den neuen Chips sowie älteren Modellen zur Verfügung; wir haben die Messwerte durch AMDs Kaveri-Chip A10-7800 ergänzt. Der ist mit einer thermischen Verlustleistung von 65 Watt spezifiziert, genauso wie Intels Broadwell-C-Prozessoren mit Iris Pro Graphics. Technisch unterscheidet die Neulinge abseits der Architektur wenig von ihrem indirekten Vorgänger, dem Core i7-4770S.

Größter Unterschied ist der 14- statt 22-nm-FinFET-Herstellungsprozess, wodurch die einzelnen Chipteile weniger Die-Fläche belegen. Die Schrumpfkur nutzte Intel, um der Grafikeinheit mehr Shader-Blöcke und die neue Gen8-Architektur zu verpassen sowie 128 MByte Embedded-DRAM als vierte Cache-Stufe hinzuzufügen. Der Speicher dient als L4-Puffer für die CPU-Kerne, auch die GPU darf dort Daten ablegen.

Vergleicht man die Taktraten des Core i7-5775C und des schnellsten 65-Watt-Modells, dem Core i7-4770S, so unterscheiden diese sich kaum: Der Broadwell-Chip bietet die höhere Basisfrequenz, dafür aber den niedrigeren Turbo. Von Vorteil ist allerdings die höhere Leistung pro Takt, Intel spricht von fünf Prozent im Mittel. Wir tippen auf mehr, dazu gleich - erst einmal die im Prozessor integrierte Grafikeinheit und deren Geschwindigkeit.

Die Iris Pro Graphics 6200 bringt es auf 48 Shader-Blöcke, von Intel Execution Units genannt. Das sind ein Fünftel mehr als bei der nur in Notebook-Chips verfügbaren Iris Pro Graphics 5200 und mehr als das Doppelte der HD Graphics 4600 in aktuellen Desktop-Prozessoren von Intel. In unserem Spieletest mit Grand Theft Auto 5 ist die Iris Pro Graphics 6200 allerdings nur um gut 50 Prozent flotter als die HD Graphics 4600. Hier limitiert die Übertragungsrate des DDR3-1600-Speichers, zudem taktet die Iris Pro etwas geringer.

Verglichen mit AMDs Radeon R7 im Kaveri A10-7800 ist die Iris Pro Graphics 6200 nur um rund ein Fünftel flotter, im Graphics-Test des 3DMark Fire Strike ist der Vorsprung noch geringer. Im Graphics-Test des 3DMark Sky Diver und des 3DMark Cloud Gate steigt der Vorsprung deutlich und im OpenCL-Benchmark Luxmark v2 ebenfalls. Hier rechnet jedoch der Prozessor mit.

In diesem Fall kann Intel seine überlegene Architektur und Fertigungstechnik ausspielen, vier Broadwell-Kerne mit EDRAM und SMT sind oft mehr als doppelt so schnell wie zwei Steamroller-Module mit vier Integer-Kernen. Das war allerdings auch schon bei den Haswell-i7-Chips so, die jedoch, genauso wie die neuen Broadwell-C, in einer anderen Preisklasse spielen.

Interessant: Der Core i7-5775C kommt im Cinebench R15 trotz 3,6 statt 4,2 GHz Turbo auf allen Kernen ziemliche nahe an den Core i7-4790K heran. Die höhere IPC und der Embedded-DRAM des Broadwell-Chips scheinen den Taktunterschied weitestgehend wett machen zu können - es wird also spannend, wo sich in einigen Wochen Skylake einsortiert.

Fazit

Intel verkauft den Core i7-5775C und den Core i5-5675C zu Listenpreisen von 377 und 277 US-Dollar als Boxed-Version. Im Handel ist das größere Modell für 450 Euro lieferbar, das kleinere für etwa 300 Euro gelistet. AMDs A10-7800 kostet mit 130 Euro bei kaum geringer GPU-Leistung nicht einmal die Hälfte, benötigt real aber mehr Energie und ist bei der CPU-Geschwindigkeit chancenlos.

Verglichen mit dem Core i7-4790K für 350 Euro schlägt sich der Core i7-5775C gut, ist aber als reiner Prozessor zu teuer. Mit Übertaktung per freiem Multiplikator dürfte der Broadwell-C jedoch ganz klar der schnellste Spieler-Chip mit vier Kernen am Markt sein.  (ms)


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