Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-til-morning-s-light-abenteuer-von-amazon-1506-114473.html    Veröffentlicht: 06.06.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/114473

Test Til Morning's Light

Abenteuer von Amazon

Ein Schloss, Geister und eine Heldin wider Willen: Das für Smartphone und Tablet verfügbare Til Morning's Light von den Amazon Game Studios bedient sich vieler Klischees - nutzt sie aber für ein wunderschönes Adventure, in dem neben Nachdenken auch Rhythmusgefühl gefragt ist.

Eigentlich hatte Erica Page gar keine Lust, mit ihren vermeintlichen Freundinnen ein unheimliches Schloss zu besuchen. Aber sie hört nicht auf ihr Bauchgefühl - und kurze Zeit später sind die Begleiterinnen weg und Erica alleine im alten Gemäuer. Schlimmer noch: Der Weg zurück ins Freie ist versperrt! Wenig später schon trifft sie auf die ersten Geister, die unfreiwillig ihre Bahnen ziehen. Ericas Aufgabe ist es, die Umgebung zu erkunden, die Geheimnisse hinter den Gespenstern aufzuklären und sich mit einigen der Monster herumzuschlagen.

Das Spiel besteht aus zwei unterschiedlichen Elementen. Auf der einen Seite ist Til Morning's Light ein klassisches Adventure: Per Druck auf den Bildschirm wird Erica in den einzelnen Räumen und Fluren bewegt, kann Gegenstände aufsammeln und ins Inventar packen, und so diverse kleine Rätsel lösen. Da müssen mal Uhrzeiger anmontiert, dann Kisten verschoben und Schlüssel gefunden werden, um Zugang zu neuen Räumen zu erhalten.

Auf der anderen Seite muss sich die junge Heldin auch immer wieder im Kampf beweisen. Fiese kleine Kreaturen, aber auch große Endgegner stellen sich ihr in den Weg. Um die Bestien zu besiegen, muss Erica Rhythmusgefühl beweisen und beispielsweise im richtigen Moment kleine Kreise auf dem Bildschirm drücken oder Wischgesten ausführen.

Wird im richtigen Takt reagiert, fügt Erica dem Angreifer Schaden zu. Wer zu spät oder zu früh drückt oder wischt, wird selbst attackiert - und muss mitansehen, wie die eigene Energieleiste nach und nach abnimmt. Dem einen oder anderen Bildschirmtod kann man kaum entgehen.

Die Konsequenzen sind aber minimal - nach dem Ableben wird der letzte der regelmäßig automatisch angelegten Checkpoints geladen. Trotzdem fühlen sich die Kampfeinlagen oft wie eine unnötige Verlängerung der Spielzeit an - das Vorgehen wird schnell monoton, zudem tauchen dieselben Gegner beim neuerlichen Betreten eines Raumes immer wieder auf.

Die große Stärke von Til Morning's Light ist die Inszenierung: Das Spiel sieht für einen Smartphone- und Tablet-Titel herausragend aus, wartet mit sehr guter englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln, einer sympathischen Heldin und einer großen Portion Humor auf. Hinzu kommen zahlreiche Hilfefunktionen wie etwa Hinweise, die mit den im Spiel eingesammelten Münzen gekauft werden können, eine Übersichtskarte und Tagebucheinträge. Auch der Umfang stimmt - selbst erfahrene Adventure-Spieler werden mindestens fünf Stunden mit dem Titel beschäftigt sein.

Til Morning's Light ist für iOS (rund 7 Euro) und nur bei Amazon für Android (rund 5,50 Euro) verfügbar, es kostet rund 7 Euro. Das Spiel ist ein reiner Premium-Titel - In-App-Käufe gegen Echtgeld gibt es keine.

Fazit

Schön anzusehen, aber auch etwas bieder: Til Morning's Light wirkt über weite Strecken wie eine Blaupause für mobile Adventures, da ein buntes Sammelsurium bekannter Rätsel und Aufgaben geboten wird, die aus anderen Spielen bereits sattsam bekannt sind. Außerdem nerven die rhythmusbasierten Kämpfe auf Grund ihrer Monotonie. Trotzdem ist das Spiel sein Geld wert: Atmosphäre, Bedienbarkeit und Optik sind großartig - und ein Beleg dafür, wie gut und umfangreich Adventures auf Smartphone und Tablet heutzutage sein können.  (tw)


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