Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hyperloop-wo-gehst-du-heute-abend-essen-1506-114428.html    Veröffentlicht: 04.06.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/114428

Hyperloop

Wo gehst du heute Abend essen?

Schnell wie ein Flugzeug und enger getaktet als die U-Bahn, dazu noch sauberer als ein Zug: Hyperloop ist nicht nur in technischer Hinsicht ein neuartiges Transportsystem. Dirk Ahlborn von Hyperloop Transport Technologies erklärt im Gespräch mit Golem.de Details.

Die "fünfte Form der Beförderung" neben Schiff, Zug, Auto und Flugzeug soll Hyperloop werden. Das von SpaceX-Chef Elon Musk ersonnene futuristische Verkehrsmittel ist keine Utopie: Die erste kurze Strecke dafür wird ab dem kommenden Jahr in Kalifornien gebaut, ab 2018 sollen dort Passagiere durch Röhren reisen. Standort sei eine Stadt, die als Nachhaltigkeitsprojekt derzeit neu entstehe, sagt Dirk Ahlborn, Chef des Unternehmens Hyperloop Transportation Technologies (HTT) im Gespräch mit Golem.de. Kurz darauf solle schon mit dem Bau der ersten Langstrecke begonnen werden.

Besonders schnell und umweltfreundlich soll der Hyperloop sein. Die Passagiere nehmen in Kapseln Platz, die auf einem Luftpolster schweben. Gereist wird in einer Röhre, in der ein Unterdruck herrscht, um die Luftreibung möglichst gering zu halten. Als Antrieb dienen Langstator-Linear-Motoren, die die Kapseln auch bremsen.

Der Druck wird in einer Schleuse angepasst

Die Passagiere betreten die Kapsel von einer Art Bahnsteig aus. Die Kapsel wird dann in eine Schleuse transferiert, wo der Luftdruck angepasst wird, bevor sie in die Röhre kommt und ihre Fahrt antritt. Um das Passagieraufkommen zu bewältigen, sind mehrere Bahnsteige sowie mehrere Schleusen nötig, da das Abpumpen der Luft einige Zeit dauert.

Die Trassen werden auf Stelzen stehen - ein Vorteil für das System, da so der Landbedarf gering ist: Es wird lediglich der Platz für die Pfeiler benötigt. Der könnte gekauft werden. Es könnten aber auch andere Vereinbarungen mit den Eigentümern getroffen werden, sagt Ahlborn. Die Pfeiler könnten zudem noch anders genutzt werden, etwa als vertikale Gärten, oder Bienenschwärme könnten dort angesiedelt werden. Sie könnten aus einem Spezialbeton errichtet werden, der Feinstaub aus der Luft filtert.

Hyperloop erzeugt Energie

Angetrieben wird der Hyperloop mit elektrischer Energie. Diese wird mit Solarzellen gewonnen, aber auch durch regeneratives Bremsen oder durch Ausnutzen der Druckunterschiede in der Röhre. Die Energiebilanz des Systems sei sehr gut, sagt Ahlborn: "Wir erzeugen mehr Energie, als wir verbrauchen." Das ist also nicht nur ökologisch, sondern auch eine Einnahmequelle. An diesen Einnahmen wiederum könnten die Eigentümer des Landes, auf dem die Pfeiler stehen, beteiligt werden.

Vorgestellt hat Musk das Konzept im Jahr 2013. Das Unternehmen HTT setzt das Projekt seit 2014 um.

Ein Mix aus Flugzeug und U-Bahn

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 1.200 km/h sollen die Kapseln unterwegs sein - Hyperloop soll eine Alternative zum Flugzeug sein. Aber mit anderen Vorzeichen: Hyperloop werde "ein Mix zwischen Flugzeug und U-Bahn", sagt HTT-Chef Ahlborn: so schnell wie ein Flugzeug, aber so unkompliziert wie der öffentliche Nahverkehr. Alle 30 Sekunden komme eine Kapsel, in die der Passagier einsteigen könne.

Sicherheitskontrollen wie am Flugplatz werde es nicht geben - einen Hyperloop könne man nicht in Gebäude fliegen, sagt Ahlborn. "Wir werden allerdings die aktuellen Sicherheitsstandards und Mittel einsetzen, damit nichts passiert." Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, sind die Kapseln mit einer Notfallbremse ausgestattet, die sie zum Halten bringt. Ein Schaden an der Röhre macht die Kapseln ohnehin langsamer: Luft dringt ein und bremst sie.

Ihm sei wichtig, nicht nur ein Verkehrsmittel für den Fernverkehr zu bauen, sagt Ahlborn.

'Ist es notwendig, dass jemand dafür bezahlt?'

HTT will in das Verkehrskonzept die erste und die letzte Meile mit einbeziehen - also am Startpunkt den Weg zur Hyperloop-Station und am Ort der Ankunft den Weg zum Ziel. Er stelle sich vor, dass ein Reisender per Smartphone ein Taxi oder ein selbstfahrendes Auto bestelle, das ihn zu zur lokalen Hyperloop-Station bringe. Von dort fahre er zur Hauptstation, wo er die Überlandreise antrete.

Aber mit Hyperloop sollen nicht nur Menschen reisen. Durch die Röhren sollen auch Transportkapseln sausen, die Güter transportieren. Das werde eine wichtige Einnahmequelle, sagt Ahlborn. Denn HTT sei ein Unternehmen, das Gewinn erwirtschaften wolle - auch wenn Musk Hyperloop als Open-Source-Projekt vorgestellt hat.

Allerdings soll sich das Geschäftsmodell vom typischen Prinzip Fahrgast kauft Fahrkarte unterscheiden. "Ist es notwendig, dass jemand dafür bezahlt?", fragt Ahlborn. "Oder gibt es andere Modelle, um mit dem Passagier Geld zu verdienen? Ich habe ihn ja für 40 Minuten."

Je mehr Passagiere, desto mehr Einnahmen

Daraus könnten sich andere Möglichkeiten für Einkünfte ergeben, Ideen dafür gebe es schon. Denn, sagt Ahlborn: Je günstiger eine Fahrt sei, desto mehr Passagiere nutzten den Hyperloop, und je höher das Aufkommen an Passagieren sei, desto mehr Geld lasse sich verdienen. "Von daher ist das Ticket sicherlich etwas limitierend." Außerdem will das Unternehmen ja wie bereits erwähnt Geld mit dem Verkauf von Strom sowie mit dem Gütertransport verdienen.

Im kommenden Jahr will HTT mit dem Bau der ersten Strecke beginnen. Quay Valley heißt der Ort, an dem das neue Verkehrsmittel entsteht. Er liegt im US-Bundesstaat Kalifornien, etwa auf halber Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco. Der Ort, der für 75.000 Einwohner geplant ist, ist ebenfalls im Aufbau.

Quay Valley wird mit Sonnenenergie versorgt

Quay Valley sei eine "grüne Modellstadt", die vollständig mit Solarstrom versorgt werde, erzählt Ahlborn. Die Stadt soll unter anderem ein Vergnügungsviertel bekommen, durch das der Hyperloop die Besucher transportiert. Rund 8 km lang wird diese Strecke. Eröffnet werden soll sie 2017 - dann will das Unternehmen den Testbetrieb aufnehmen, ein Jahr später den regulären Betrieb mit Passagieren. Etwa 10 Millionen von ihnen will HTT im Jahr durch Quay Valley transportieren.

Quay Valley wird aber keine Teststrecke.

Die Langstrecke kommt

"Eine Teststrecke wäre irgendwo in der Wüste gewesen. Wir wollen etwas bauen, das wirklich benutzt wird", betont Ahlborn. Nur im Realbetrieb ließen sich die Abläufe, etwa das Abfertigen der Kapseln im 30-Sekunden-Takt, erproben.

Wahrscheinlich werde gleich nach Betriebsbeginn der Bau neuer Strecken beginnen, sagt Ahlborn. Mehrere Länder und Städte hätten Interesse angemeldet. In den USA etwa kämen Trassen von Los Angeles nach San Francisco oder nach Las Vegas infrage, ebenso wie ein Nahverkehrssystem innerhalb von Los Angeles.

Die erste Langstrecke könnte in Asien entstehen

Wahrscheinlich sei aber, dass die erste Langstrecke in Asien oder im Mittlereren Osten gebaut werde. Von den Ländern dort gingen derzeit die meisten Innovationen aus, was die Beförderung angehe. Außerdem seien dort die Entscheidungsprozesse einfacher.

Hyperloop werde, sagt Ahlborn, das Leben der Menschen verändern: "Die Frage kommt dann auf: Wenn ich dich 300, 400 Kilometer pro Stunde, also 600 Kilometer in 30 Minuten für einen geringen Preis befördern kann - wie lebst du? Wie arbeitest du? Wo gehst du heute Abend essen?"  (wp)


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