Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/inkubus-300-ausprobiert-quadratisch-stylish-gut-1506-114393.html    Veröffentlicht: 16.06.2015 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/114393

Inkubus 300µ ausprobiert

Quadratisch, stylish, gut

Eigentlich wollte Sebastian Voß nur für sich selbst das perfekte PC-Gehäuse aus Holz bauen, jetzt verkauft er es als Mini-PC unter dem Namen Inkubus 300µ. Wir haben uns das handgefertigte Edelgehäuse angeschaut und mit Voß über die Entwicklung gesprochen.

Mausgrau und aus dem Quelle-Katalog war der erste Computer von Sebastian Voß, besser bekannt als Weltenspinner. Schon am Gehäuse dieses PCs bastelte der damals Jugendliche herum: Abdeckungen flogen raus, und der Airflow wurde optimiert. Auch leuchtende Lüfter baute er ein, aber die gefielen ihm nicht lang. Für das Studium musste etwas Neues her. Voß entwickelte seinen Inkubus - einen PC mit selbst gebautem Holzgehäuse. Was als Hobbyprojekt begann, ist nun zu seinem Beruf geworden: Voß verkauft das seither mehrfach weiterentwickelte Edelgehäuse als Barebone oder Fertig-PC.

Inkubus 300µ heißt der Rechner, der inzwischen in der dritten Generation angelangt ist. Ein kleiner, schicker Mini-PC, dessen Holzgehäuse nicht nur gut aussieht, sondern auch durchdacht ist. Besonders wichtig: Er ist lautlos. Selbst bei maximaler Last ist nichts zu hören. Erst wenn das Ohr wirklich an die Rückseite des PCs gehalten wird, ist ein leichtes Luftrauschen wahrzunehmen. "Wenn ich arbeite, möchte ich die Bläschen des Cappuccinos neben mir platzen hören und nicht die Lüfter meines PCs", sagt der Case-Modder im Gespräch mit Golem.de.

Von Anfang an arbeitete Voß daran, seinen PC besonders leise zu machen. "Beim ersten Inkubus habe ich zuerst geschaut, was ich an Hardware möchte und wie ich sie am besten sehr leise kühle. Gewissermaßen drumherum habe ich das Gehäuse gebaut." Nachdem der Entwurf fertig war, baute Voß im Frühjahr 2009 in der Uni-Werkstatt den ersten Prototyp aus unbehandelter Buche - nicht unbedingt eine Schönheit.

Einige Monate später schwirrten Voß schon Ideen für den Nachfolger durch den Kopf, den Inkubus 200p. "Dieses Mal wollte ich alles besser machen. Er sollte besser aussehen, mehr Leistung haben, und die Festplatten sollten leichter zugänglich sein", erzählt er. Das Design erinnerte auch beim Nachfolger immer noch an irgendwas zwischen Mikrowelle und altem Röhrenradio, wenn es auch ein wenig schicker war als beim ersten Inkubus. Mit dem Inkubus 300µ sollte sich das 2013 endlich radikal ändern.

"Erst als ich mit dem Design zufrieden war, versuchte ich, die Hardware unterzubringen", schildert Voß seine Vorgehensweise bei der Planung. Nach mehreren Monaten Entwicklungszeit, insgesamt 34 Prototypen, noch viel mehr Renderings und unzähligen getrunkenen Cappuccinos stand das grundlegende Design des Inkubus 300µ fest: ein kleiner, schlichter Würfel mit einer Kantenlänge von 207 mm und damit einem Volumen von knapp 9 Litern. Die abgewinkelte Ecke bricht das simple Würfeldesign etwas und setzt Akzente.

"Ich musste sehr viel tüfteln, um alles unterzubekommen und den Luftstrom optimal zu gestalten", erzählt Voß. Der Inkubus benötigt nämlich trotz der kompakten Maße keine speziell angefertigte Hardware - in zwei oder drei Jahren kann er also ohne Probleme aufgerüstet werden. Voß liefert seine Barebones mit Mini-ITX-Mainboards für AMDs FM2+-Plattform aus - in seinen Fertig-PCs sind APUs von AMD verbaut. In den Schnellwechselrahmen finden vier 2,5-Zoll-Laufwerke Platz - ob Festplatte oder SSD ist egal. Und auch beim Netzteil musste Voß nicht auf einen exotischen Formfaktor zurückgreifen: Ein SFX-Netzteil hat er in seinem Gehäuse untergebracht.

Für die Grafikkarte war kein Platz

Platz für eine dedizierte Grafikkarte hat Voß in dem kleinen Würfel aber nicht gefunden. Das Volumen des Inkubus hätte deutlich größer ausfallen müssen, selbst um eine Single-Slot-Grafikkarte zu verbauen. Zudem hätte genügend Platz für die Kühlung geschaffen werden müssen - das wären zu viele Kompromisse für Voß gewesen. Außerdem reicht die Grafikeinheit der AMD-APU für die meisten Aufgaben in seinen Augen aus. Auch wer gelegentlich spielt und auf die höchsten Grafikeinstellungen verzichten kann, braucht laut Voß keine bessere Grafikkarte.

Die Grafikeinheit der am besten ausgestatteten Variante mit AMDs A10-7800 APU reicht für die meisten Office- und Multimediaaufgaben aus. Etwas ältere Spiele wie Starcraft 2 können ohne Probleme gespielt werden. Wer jedoch aktuelle Titel wie GTA V spielen möchte, muss die Grafikeinstellungen teils stark herunterschrauben, um flüssige Bildraten zu bekommen - die integrierte Grafikeinheit des Prozessors ist dann einfach zu schwach.

Gebaut wurde das erste Exemplar des Inkubus 300µ im April 2014. Voß ist Holz als Werkstoff treu geblieben, dieses Mal verwendet er aber MDF statt Multiplex. Nach den technischen Zeichnungen werden die Holzkomponenten des Würfels wie bei einem Ikea-Bausatz auf den Millimeter passend zurechtgesägt, so dass sie einfach zu einer Einheit verleimt werden können. Zum ersten Mal fertigt er das Gehäuse nicht allein, sondern hat eine Tischlerei beauftragt.

Damit die EMV-Strahlung der Hardware keine Probleme bereitet und der Inkubus CE-konform ist, wird der Innenraum mit einer speziellen Folie beschichtet. Erst dann folgt die abschließende Grundierung und Lackierung - die Farbwahl liegt beim Kunden. Für die Rückseite des Würfels hat Voß eine Aluminiumblende entwickelt, die einfach mit sechs Rändelschrauben fixiert wird.

Die lange Planung hat sich für Voß gelohnt: Das Gehäuse des Inkubus 300µ ist sehr gelungen und wirkt edel. Das liegt am schicken Design, aber auch an der hervorragenden Verarbeitung. Das Gehäuse wirkt wie aus einem Holzblock gefräst, die Oberfläche ist tadellos lackiert.

Der Innenraum ist durchdacht und dadurch sehr aufgeräumt, die Kabel sind gut versteckt. Auch lässt sich der Inkubus problemlos öffnen und so gegebenenfalls die Hardware aufrüsten. Die Festplatten können durch die Schnellwechselrahmen auf der Rückseite sehr einfach getauscht werden - das geht auch im laufenden Betrieb, sofern es nicht die Systemplatte ist.

"Das Feedback der Community auf den neuen Inkubus war so gut, dass ich ein paar Usern, die mein Projekt von Anfang an mitverfolgt hatten, das Gehäuse als Bausatz zum Unkostenpreis verkauft habe. Kurz darauf beschloss ich, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und machte mich mit dem Inkubus selbstständig", erzählt Voß. In den darauffolgenden Wochen kam unheimlich viel Papierkram auf ihn zu, besonders das Elektro-Altgeräte-Register verzögerte den Marktstart enorm.

Im März 2015 - fast ein Jahr nach dem ersten fertigen Prototyp - ging Voß mit seinem Onlineshop an den Start und begann, die ersten Inkuben auszuliefern.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Inkubus 300µ kann als Barebone oder Fertig-PC in verschiedenen Varianten im Inkubus-Online-Shop bestellt werden. Die günstigste Variante mit vormontiertem Mainboard, Netzteil, Schnellwechselrahmen und mitgelieferter Kühlung kostet 800 Euro. Die von Golem.de ausprobierte Gamer-Variante ist ab 1.800 Euro erhältlich.

Fazit

Der Inkubus 300µ ist anders als die üblichen Barebones oder Fertig-PCs. Sein hochwertiges Holzgehäuse macht ihn besonders: Der Mini-PC wird ein wenig zum Schaustück. Das moderne Design gefällt uns und auch die Verarbeitung des handgefertigten Holzgehäuse ist erstklassig.

Im Inneren findet handelsübliche Hardware Platz - der PC kann also auch in ein paar Jahren ohne Probleme aufgerüstet werden. Auf eine dedizierte Grafikkarte muss der Nutzer aber verzichten. Als Grafiklösung muss er auf die iGPU des Prozessors zurückgreifen. Das genügt für die meisten Multimediaaufgaben, wer aber auch spielen möchte, dem reicht die Leistung nicht aus. Immerhin bleibt der Rechner auch bei Volllast fast lautlos.

Abschreckend ist der sehr hohe Preis: Allein die günstigste Barebone-Variante mit vormontiertem Mainboard, Netzteil, Schnellwechselrahmen und mitgelieferter Kühlung kostet 800 Euro. Deswegen ist der Inkubus 300µ ein Liebhaberstück, das man nur wegen des Holzgehäuses kauft.  (sw)


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