Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/loeschprogramme-fuer-facebook-und-twitter-die-radiergummis-fuer-soziale-netzwerke-1506-114350.html    Veröffentlicht: 01.06.2015 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/114350

Facebook & Twitter

Peinliche Einträge aus den Netzwerken löschen

Politisch inkorrekte Äußerungen auf Facebook, neckische Tweets? Was man vor ein paar Jahren noch witzig fand, kann einem heute die Schamesröte ins Gesicht treiben. Löschprogramme helfen, alte Beiträge automatisch aus den sozialen Netzwerken zu entfernen.

Facebook gibt es seit 2004, Twitter seit 2006. Wer von Anfang an dabei war, dürfte inzwischen Zehntausende Beiträge verfasst und vielleicht schon ein halbes Leben dokumentiert haben. Und natürlich ändern sich über die Jahre nicht nur Meinungen, sondern auch die Art und Weise der Äußerungen. Was man in seiner Studentenzeit noch lustig-flapsig dahinschrieb, erscheint einem Jahre später vielleicht nur noch schrecklich peinlich. Der Mensch entwickelt sich weiter, doch in den sozialen Medien wird alles für die Öffentlichkeit archiviert.

Es sind einige Fälle bekannt, in denen US-Politiker und Manager ihren Job verloren haben, nachdem vergessen geglaubte Postings aus Facebook, Instagram und Twitter die Öffentlichkeit erreichten. Daher wird derzeit in den USA darüber debattiert, wie man sein digitales Selbstbild pflegen kann. Dabei spielen diverse Löschwerkzeuge wie Clear oder Tweetdelete eine prominente Rolle.

Beiträge selber zu löschen, kann aufwendig sein

Natürlich erlauben es Facebook und Twitter, einzelne Beiträge zu löschen. Doch in der Praxis könnte das einen derart großen Aufwand verursachen, dass selbst motivierte Nutzer von den Aufräumarbeiten schnell wieder absehen. Ein digitaler Radiergummi, der automatisch die Inhalte nach einer bestimmten Frist löscht, ohne dass der Nutzer noch mal selbst Hand anlegen muss, ist daher praktisch.

Mit den Web-Tools Tweetdeleter und Tweetdelete kann der Nutzer seine Twitter-Beiträge automatisch löschen lassen - etwa nach der Vorgabe "alles, was älter als" 30 Tage oder ein Jahr ist. Der Zeitraum lässt sich nach Belieben festlegen. Der Datenschutz-Aktivist Max Schrems etwa lässt alle Tweets, die älter als drei Monate sind, löschen. John Young von der Leaking-Plattform Cryptome.org löscht schon nach einer Woche.

Politisch inkorrekte Tweets löschen lassen

Die Dienste können allerdings nur die jeweils letzten 3.200 Tweets löschen, da ältere Nachrichten über die Twitter-Schnittstelle nicht abrufbar sind. Allerdings sind sie deshalb auch nicht für Außenstehende abrufbar. Damit ist der Nutzer nicht vor einer Auswertung durch Twitter selbst geschützt. Das Unternehmen verwertet die Tweets seiner Nutzer, um interessierten Unternehmen Auskünfte etwa über aktuelle Produkttrends geben zu können. Automatische Auswerter von außerhalb blockiert Twitter deshalb seit einigen Wochen, um das eigene Analysegeschäft besser positionieren zu können. Gleichwohl schützen die digitalen Radiergummis vor neugierigen Individuen.

Für Social-Media-Multi-Tasker ist das Selbstzensur-Werkzeug Clear geeignet, mit dem sich nicht nur Twitter-Konten, sondern auch die Nutzerkonten bei Facebook und Instagram auf politische Korrektheit untersuchen lassen. Die Software kann "unangemessene Inhalte", die in einer "negativen Sprache" abgefasst wurden, identifizieren. Hierfür verwendet Clear ein Sprachanalyse-Werkzeug und IBMs Supercomputer Watson. Die Anwendung liefert in einer derzeit noch geschlossenen Betaversion nur für die englische Sprache Analysen, soll jedoch ständig ausgebaut und verfeinert werden. Künftig sollen auch Fotos auf ihre Inhalte hin untersucht werden können, kündigte Entwickler Ethan Czahor an. Er hatte seine eben erst angetretene Beschäftigung im Rahmen der Jeb-Bush-Präsidentschaftskampagne innerhalb von nur 48 Stunden wieder aufgeben müssen, nachdem alte Tweets mit politischen inkorrekten Äußerungen aufgetaucht waren.  (csh)


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