Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-7-drahtzieher-von-pc-fritz-erhaelt-ueber-sechs-jahre-haft-1505-114321.html    Veröffentlicht: 28.05.2015 17:54    Kurz-URL: https://glm.io/114321

Windows 7

Drahtzieher von PC Fritz erhält über sechs Jahre Haft

Einer der Köpfe von PC Fritz soll für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Microsoft hat das Urteil begrüßt und weitere Hintergründe zu dem Fall um die illegalen Windows-7-Kopien offengelegt.

Der Chef von PC Fritz ist zu einer Haftstrafe sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das berichten das Onlinemagazin CRN.de und Microsoft unter Berufung auf das Landgericht Halle. Firat C. war von dem früheren Geschäftsführer Maik M. mehrfach als wirklicher Chef des Unternehmens bezeichnet worden.

Firat C. hatte dagegen betont, nur für das Marketing von PC Fritz zuständig gewesen zu sein, und hatte seinerseits Maik M. beschuldigt, PC-Fritz geführt zu haben. Das Landgericht hatte Firat C. bereits im März 2015 zu vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Gericht sah den Angeklagten als Drahtzieher eines groß angelegten Handels mit gefälschter Windows-Software an, bei dem Steuern in Höhe von 900.000 Euro hinterzogen wurden.

Im weiteren Prozess war es in dieser Woche um die Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urheberrechtsverstößen gegen Firat C. gegangen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von 15 Jahren gefordert. Der Angeklagte legte ein Geständnis ab, was sich strafmildernd auswirkte.

Zeugenschutzprogramm für Maik M.

Nach Angaben von Microsoft konnte der Softwarekonzern zusammen mit Zoll und Staatsanwaltschaft nachweisen, dass es sich bei den Windows-7-Datenträgern und Echtheitszertifikaten von PC Fritz um gefälschte OEM-DVDs gehandelt habe.

Der ehemalige Geschäftsführer von PC Fritz, Maik M., befindet sich nach Angaben von Microsoft derzeit in einem Zeugenschutzprogramm. Er sei nur ein Strohmann gewesen und habe in den Prozessen um die Hintermänner von PC Fritz als Kronzeuge zur Verfügung gestanden. Gegen ihn laufe ein gesondertes Ermittlungsverfahren.

"Wir begrüßen die Entscheidung des Gerichts", sagte Julia Keim, Rechtsanwältin bei Microsoft Deutschland. "Es hat somit eindeutig festgestellt, dass es sich bei den Produkten, die PC Fritz vertrieben hat, um Raubkopien handelt."

Neben der Sicherstellung von Hunderttausenden gefälschten Windows-Kopien sei auch die Produktion von rund zwei Millionen Datenträgern in Italien verhindert worden.

Durchsuchungen in Berlin und Halle gab es bereits im September 2013. Laut Microsoft wurden 18 Objekte durchsucht und rund 100.000 verdächtige Datenträger mit Microsoft-Software sichergestellt. Microsoft habe zuvor zahlreiche von PC Fritz verkaufte Datenträger als illegale Kopien identifiziert und Strafanzeige erstattet.

Windows 7 in der Professional Version (64 Bit) wurde von PC Fritz für 29,90 Euro und später für 39,90 Euro angeboten. Die gefälschten Datenträger waren laut Microsoft Sicherungskopien nachempfunden, die der Computerhersteller Dell-PCs beifügt, auf denen Windows 7 vorinstalliert ist.  (asa)


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