Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/cubox-i4pro-im-test-viel-gefummel-fuer-viel-geld-1505-114183.html    Veröffentlicht: 21.05.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/114183

Cubox-i4Pro im Test

Viel Gefummel für viel Geld

Der Minirechner Cubox-i4Pro eigne sich bestens als Multimediakiste, sagt Hersteller Solidrun. Dafür muss aber viel Geduld mitgebracht werden - und teils auch gute Linux-Kenntnisse.

Es ist ein kleiner schwarzer Würfel aus Kunststoff, in dem der Hersteller Solidrun seinen CuBox-i4Pro ausliefert. Die Hardware ist weitgehend in Ordnung, so dass sich das Gerät wie beworben als Multimediakiste gut eignet - wäre da nicht das Gefummel mit der Micro-SD-Karte, von dem das Betriebssystem gestartet werden muss. Und die Unterstützung der Software ist mehr als mangelhaft, wie sich im Test herausgestellt hat. Frickler werden ihren Spaß mit dem Kleinstrechner haben, Einsteiger wohl eher nicht.

Die Hardware des Cubox-i4Pro ist üppig, vor allem was die Netzwerkanbindung betrifft. Der verbaute SoC i.MX6 Quad stammt von Freescale und enthält eine CPU mit vier Kernen. Getaktet werden die Kerne mit bis zu 1 GHz, obwohl die Spezifikationen eine höhere Taktung von 1,2 GHz zulassen. Die Architektur ist ARMs Cortex-A9. Der Grafikchip stammt von Vivante und trägt die Bezeichnung GC 2000. Der Arbeitsspeicher hat eine Größe von 2 GByte. Töne werden entweder über den HDMI-Ausgang ausgegeben oder über einen optischen S/PDIF-Ausgang. Außerdem lässt sich das Cubox-i4Pro über einen Infrarot-Sensor mit einer Fernbedienung steuern.

Die Hardware kann mit vielen Codecs

Beworben wird der kleine Rechner für den Einsatz als Multimediaplayer. Die Hardware dekodiert MPEG-4 ASP, XVID, H.264 HP, H.263, MPEG-2 MP, MJPEG BP, VP8 sowie Sorenson-H263 und kodiert sogar MPEG-4 SP, H.264 BP, H.263 und MJPEG BP. Auch für die Audio-Formate AAC, AACPlus, MP3, Vorbis, FLAC und WAV wird kein Software-Dekoder benötigt.

Für die Verbindung nach außen sorgen ein integriertes WLAN-Modul nach 802.11 a/b/n und ein Bluetooth-Modul. Außerdem gibt es einen Gigabit-Ethernet-Anschluss, der nominal 1 Gbit/s übertragen kann. Im Kleingedruckten findet sich allerdings bereits beim Hersteller der Hinweis, dass er nicht mehr als magere 470 MBit pro Sekunde schafft. Bei unseren Tests mit Iperf zeigt sich, dass er wenigstens diese Grenze regelmäßig erreicht.

Neben einem HDMI-Ausgang gibt es noch zwei USB-2.0-Buchsen sowie einen Micro-USB-Anschluss. Außerdem lässt sich ein externer Datenträger über den eSata-Anschluss verbinden. Ein entsprechender Steckplatz nimmt Micro-SD-Karten auf, auf denen diverse Betriebssysteme installiert werden können. Ausgeliefert wurde uns eine Karte mit Android 4.4.2. Außerdem liegt ein Netzteil bei, das die benötigten 5 Volt und bis zu 3 Ampere liefert.

Viel Gefummel mit der Micro-SD-Karte

Die Micro-SD-Karte nach dem Einstecken wieder zu entfernen, ist äußerst schwierig, denn dem Schacht fehlt der Federmechanismus. Einmal eingesteckt, ist das Ende der meisten Micro-SD-Karten komplett plan mit dem Gehäuse. Auch mit den feinsten Fingern und längsten Fingernägeln lässt sich die Karte dann nicht fassen.

Zu allem Überfluss ist zwischen der eingesteckten Speicherkarte und dem oberen Rand des Gehäuses kein Platz, etwa um die Karte mit einer Pinzette oder einer feinen Zange von oben und unten zu greifen. Wir mussten uns damit behelfen, die Speicherkarte von unten sanft mit einem kleinen Schraubenzieher soweit nach vorne zu ziehen, bis wir sie greifen konnten. Da die Micro-SD-Karte umgekehrt eingesteckt wird, berührt der Schraubenzieher die weniger empfindliche Oberseite der Speicherkarte.

Alternativ bleibt nur die Möglichkeit, das Gehäuse aufzuschrauben. Dabei müssen vier Kreuzschlitzschrauben an der Unterseite des Gehäuses gelöst werden. Sie befinden sich unter den Gummifüßen. Dann muss der innere Kubus samt Blende für die Anschlüsse vorsichtig herausgezogen werden. Denn die WLAN-Antenne ist oben an dem Kunststoffgehäuse befestigt und über ein kleines Kabel mit dem entsprechenden Modul verbunden.

Läuft nicht perfekt unter Android

Unser Testgerät wurde mit Android 4.4.2 ausgeliefert. Hier mussten wir bei der Einrichtung der Tastatur noch nachhelfen. Sie wurde zwar automatisch erkannt und auch die Spracheinstellungen wurden klaglos übernommen. Allerdings muss zusätzlich noch in den Einstellungen die Tastatur selbst ausgewählt und dort gesondert auf das deutsche Layout umgestellt werden. Eine Verbindung zum WLAN konnten wir nicht herstellen. Zwar zeigte das Cubox-i drahtlose Netzwerke an, verweigerte aber die Verbindung nach Eingabe des Passworts.

Normalerweise wird Android mit einer Auflösung von 1.024 x 720 Bildpunkten gestartet. Damit ließ sich Googles mobiles Betriebssystem ohne Problem flüssig bedienen. Allerdings dürften Freunde anspruchsvoller Grafikspiele keine Freude an dem Cubox-i haben. Im Benchmark Ice Storm Extreme schaffte der kleine Rechner 1.819 Punkte und lag damit weit unter den Werten aktueller Smartphones der Mittelklasse, die bei etwa 3.000 Punkten liegen.

Enttäuschende Benchmarks

Auch die Ergebnisse des CPU-Benchmarks Geekbench waren eher enttäuschend. Sie lagen bei 306 Punkten im Single-Core-Modus und 1.021 Punkten im Multi-Core-Modus. Auch hier schaffen selbst Mittelklasse-Smartphones meist mehr als 500 Punkte beim Single-Core-Test.

Um eine höhere Auflösung zu erzwingen, muss man die Micro-SD-Karte entfernen und am Rechner die Datei uEnv.txt editieren. Wie die Anleitung von Solidrun betont, wird dafür ein Editor benötigt, der unixiode Zeilenumbrüche beherrscht. Empfohlen wird etwa das kostenlose Notepad++. Der Standard-Editor unter Windows funktioniert nicht. Wir änderten die Zeile "Resolution" auf 1080p - 1.920 x 1.080 Bildpunkte. Danach sank das Ergebnis des Benchmarks Ice Storm Extreme auf 1.659 Punkte.

Keine Lautstärkeregelung, kein WLAN unter Android

Wir installierten noch den XBMC-Nachfolger Kodi und probierten aus, ob Filme einigermaßen ruckelfrei laufen. Zu unserer Überraschung klappte das sogar sehr gut. Selbst der gestreamte Inhalt aus Googles Videoarchiv ließ sich bis auf ein kleines Manko problemlos abspielen. Es fehlt nämlich die Möglichkeit, die Lautstärke für den HDMI-Ausgang zu steuern, was vor allem dann störend ist, wenn sich am Monitor ebenfalls kein Regler befindet.

Unter Android fehlt auch standardmäßig die Möglichkeit, externe Datenträger über USB und den immer seltener unterstützten eSata-Port einzubinden. Die angebotenen Werkzeuge benötigen wiederum ein gerootetes System. Auch das lässt sich nicht ohne viel Hantieren mit der Micro-SD-Karte einrichten.

Zugriff auf externe Datenträger nur mit SuperSU

Wir folgten dazu abermals die Anleitung im Wiki des Herstellers Solidrun, mussten aber etwas nachhelfen. Zunächst besorgten wir uns unter Android die App SuperSU als Zip-Archiv. Dann entfernten wir wieder die Micro-SD-Karte und editierten die Datei uEnv.txt. Dort ersetzten wir gemäß der Anleitung die Zeile ramdisk.img durch cwm.img. Dabei fiel uns auf, dass dies in dem beigelegten Android-Image gar nicht vorhanden war. Kurzerhand beschafften wir uns das benötigte Recovery-Image namens recovery.img im Netz und kopierten es in das Boot-Verzeichnis.

Dann steckten wir die Micro-SD-Karte wieder in das Cubox-i und starteten das System. Dort hangelten wir uns in das Download-Verzeichnis und installierten die gezippte Version von SuperSU. Anschließend mussten wir nochmals die Micro-SD-Karte in den Rechner anschließen und erneut den Eintrag recovery.img in den ursprünglichen Eintrag ramdisk.img ändern. Nach einem weiteren Umzug der Micro-SD-Karte in das Cubox-i konnten wir endlich das Werkzeug Stickmount aus dem Play Store installieren und auf den Inhalt eines angeschlossenen USB-Sticks zugreifen.

Ein aktuelleres Android hat die gleichen Probleme

Solidrun bietet auch einen Installer namens Ignition an, mit dem sich verschiedene Systeme herunterladen und installieren lassen. Dort entdeckten wir die aktuellere Android-Version 4.4.4, die aus den Quellen von Googles ASOP zusammengestellt wurden. Die bereits erwähnten Probleme mit der Lautstärke und dem WLAN blieben bestehen. Auch die Ergebnisse der Benchmarks unterschieden sich kaum.

Gefummel mit den Linux-Distributionen

Über Ignition lassen sich auch weitere Linux-Distributionen auf der Micro-SD-Karte nachrüsten. Ignitions Menü ähnelt dem von Noobs für das Raspberry Pi. Dort lässt sich auch die Ethernet-Verbindung konfigurieren, falls eine statische IP-Adresse benötigt wird. Auch eine WLAN-Verbindung lässt sich einrichten und sie funktionierte dort auch problemlos.

Erst mit der aktivierten Option "Show all distributions" erschienen neben den beiden Android-Variationen OpenELEC sowie eine ganze Reihe weiterer Linux-Distributionen. Zunächst ließen wir von Ignition die aktuelle Version Debian Jessie auf der Micro-SD-Karte installieren. Der Start verlief problemlos. Wir wurden an der grafischen von einer Xscreesaver-Warnung begrüßt, die auf eine veraltete Version hinwies und uns daran erinnerte, erst Updates einzuspielen. Dazu starteten wir unter der Xfce-Oberfläche ein Terminal, um dort mit Apt-get eine Aktualisierung der über 700 neuen Paketversionen zu starten. Das Cubox-i hängte sich aber regelmäßig dabei auf, so dass wir aufgaben.

Gute Benchmarks unter Linux

Stattdessen installierten wir die Vorgängerversion Debian Wheezy und starteten dort eine Aktualisierung auf Debian Jessie, was auch problemlos gelang. Unter Linux sind die Benchmark-Werte von Unixbench deutlich besser als die anderer Kleinstrechner. Allerdings wird in dieser Version von Debian keine grafische Oberfläche mitinstalliert. Diese muss manuell nachinstalliert werden, was für Einsteiger nicht ganz einfach sein wird.



Außerdem probierten wir das von Ignition empfohlene OpenELEC aus. Hier wurden wir mit einem flackernden schwarzen Bildschirm begrüßt. Auch mit der optional angebotenen Version von Xbian mit Kodi hatten wir kein Glück. Wir landeten an der Recover-Console, die Distribution die Root-Partition unter /dev/mmcblk0p2 nicht finden konnte. Lediglich Geexbox mit einer etwas älteren version von XBMC lief klaglos.

Fazit und Verfügbarkeit

Das Cubox-i4Pro gibt es für etwa 140 US-Dollar im Online-Shop des Herstellers Solidrun.

Insgesamt macht die Hardware im Cubox-i4Pro einen guten Eindruck. Die Fummelei mit der Micro-SD-karte im Gehäuse nervt aber. Hier wäre dringend ein Federmechanismus nötig. So mussten wir immer einen Schaubezieher verwenden, um die Karten zu entfernen. Auf Dauer könnte das den Datenträgern schaden.

Die Nutzung von Android auf dem Cubox-i ist eher nicht zufriedenstellend und mit ziemlich viel Gefummel verbunden. Immerhin spielte die kleine Kiste Multimedia-Inhalte unter Android auch mit Kodi ohne Probleme ab.

Ärgerlich ist auch, dass von den angebotenen und uns getesteten alternativen Linux-Distributionen bis auf Geexbox mit einer veralteten Version von XBMC/Kodi entweder nicht funktionierten oder nur mit enormem Aufwand zum Laufen gebracht werden konnten.

Für die verlangten 140 US-Dollar könnte Solidrun ruhig ein wenig mehr für die Softwareunterstützung des Geräts leisten.  (jt)


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