Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ssd-hyperx-predator-im-test-kingstons-mischung-ist-gelungen-1505-114114.html    Veröffentlicht: 20.05.2015 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/114114

SSD HyperX Predator im Test

Kingstons Mischung ist gelungen

Kingstons neue SSD ist schnell, aber nicht unschlagbar. Das Unternehmen war daher clever und hat der HyperX Predator mehr mitgegeben: eine Partitionssoftware und eine lange Lebensdauer.

So langsam kommt Bewegung in den SSD-Markt: Sata-Modelle wie die Crucial-BX100-Serie bieten viel Speicherplatz pro Euro und PCIe-Karten wie Intels SSD 750 steigern die Geschwindigkeit drastisch. Kingstons neue HyperX Predator ist zwar nicht die schnellste PCIe-SSD, liefert aber eine interessante Mischung aus purer Leistung, besonderen Eigenschaften und durchdachter Ausstattung. Mehr als Grund genug, sich das 480-GByte-Modell näher anzuschauen.

Kingstons HyperX Predator SSD erinnert auf den ersten Blick an Plextors M6e, hat aber abgesehen von der schwarzen Platine mit aufgestecktem M.2-Kärtchen wenig mit dieser gemein. Das kleine Modul darf ohne Garantieverlust abgenommen werden, die verbauten Komponenten erinnern an Plextors M7e. Auf dem Kärtchen sitzt Marvells 88SS9293-Controller (Altaplus) mit vier Kanälen und Dualcore-Prozessor. Dieser spricht acht Flash-Packages von Toshiba an, in jedem stecken acht Dies mit je 64 GBit Kapazität. Daten werden in zwei DRAM-Chips gepuffert, insgesamt ist 1 GByte DDR3L-1600 verbaut.

Die mitgelieferte Adapterkarte unterstützt wie der Altaplus-SSD-Controller vier PCIe-2.0-Lanes und somit theoretisch eine Datentransferrate von bis zu 2 GByte pro Sekunde. Als Übertragungsprotokoll setzt der Marvell-Controller auf AHCI, das für SSD optimierte NVM-Express-Protokoll unterstützen als einzige Consumer-SSDs Intels 750-Serie und Samsungs für OEMs gedachte SM951.

Mit in der Packung der HyperX Predator SSD liegt ein Aktivierungsschlüssel für die Backup- und Klon-Software Acronis True Image. Die ist eine nützliche Beigabe, da sie den Umzug vorhandener Daten erleichtert. Ein Blick auf die Spezifikationen der Kingston-SSD zeigt zudem eine extrem hohe TBW-Angabe: Die Total Bytes Written geben an, wie viele geschriebene TByte an Daten der Hersteller garantiert, bevor der Flash der SSD theoretisch einen Defekt erleidet.

In der Praxis erreichen viele Drives höhere Werte, dennoch sind die von Kingston genannten 882 TByte nach Jedec-219A-Workload-Standard enorm. Die Crux: Die Herstellergarantie beträgt nur drei Jahre - und welcher Endnutzer schreibt innerhalb dieses Zeitraums schon täglich fast 1 TByte an Daten? Ohnehin dürften nicht die Flash-Bausteine, sondern zuerst der Controller ausfallen. Der erhitzt sich bei Schreib-Dauerlast auf rund 80 Grad Celsius.

Schauen wir uns an, wie viele Daten die HyperX Predator SSD pro Sekunde übertragen kann - die Theorie besagt bis zu 1,4 GByte.

Schnell - aber nicht unschlagbar

Für unseren Test der HyperX Predator stellte Kingston das Modell mit 480 GByte zur Verfügung. Eine direkte Vergleichbarkeit zu anderen SSDs ist daher nur gegeben, wenn diese eine ähnliche Kapazität aufweisen - andernfalls kann der Controller oft seine zur Verfügung stehenden Kanäle nicht ausreizen. Im Falle von Samsungs XP941-SSD haben wir die 512-GByte-Version im Testlabor, bei Plextors M6e Black Edition und Intels SSD 750 nicht.

Kurz: Die Plextor-SSD würde etwas schlechter abschneiden und die Intel-SSD besser, wenn sie mit 512 und 400 GByte statt mit 256 GByte und 1,2 TByte antreten müssten. Wir bitten, diese Einschränkung beim Auswerten der Messresultate zu beachten, für eine Einordnung genügt unser Testumfeld jedoch.

Die PCIe-Anbindung und der Marvell-Controller beschleunigen Kingstons HyperX Predator SSD deutlich: Unseren Dupliziertest beendet sie abgesehen vom 1,2-TByte-Modell der Intel SSD 750 schneller als alle anderen Drives. Hierbei muss die SSD insgesamt 50 GByte Daten - kleine wie große, komprimierbare und nicht komprimierbare - verdoppeln. Das Drive liest und schreibt also gleichzeitig, was in der Praxis etwa der Fall ist, wenn ein großer Spieleordner wie der von GTA 5 von einer Partition der SSD auf eine andere verschoben wird.

Sehr hohe sequenzielle Datenraten

Bei großen Dateien wie Texturpaketen erreicht die HyperX Predator SSD hohe sequenzielle Datenraten. Bei Einzeltests wie der Crystal Disk Mark, der auf nicht komprimierbare Daten setzt, liefert das Kingston-Drive bis zu 1,4 GByte pro Sekunde. Viel mehr scheint der Controller nicht zu schaffen, was der AS SSD Benchmark bestätigt. Dieser setzt ausschließlich auf komprimierbare Daten, was bei der HyperX Predator SSD aber keinen Unterschied macht.

Geht es hingegen darum, viele kleine Dateien zu lesen oder schreiben, kann sich das Kingston-Drive vielerorts nicht von handelsüblichen Sata-SSDs absetzen: Wird nur ein Befehl in der Warteschlange abgearbeitet, bleibt es bei den üblichen 30 bis 40 MByte pro Sekunde schreibend und bis zu rund 125 MByte lesend. Vorteile hat die HyperX erst bei 32 oder 64 Befehlen, solch tiefe Warteschlangen sind abseits von Serveranwendungen aber kaum anzutreffen.

Kommen wir zum Fazit.

Fazit und Verfügbarkeit

Kingston bietet die HyperX Predator SSD mit 240 und 480 GByte an. Das kleinere Modell kostet inklusive Steckkarte rund 250 Euro, die größere Version ist für etwa 500 Euro erhältlich. Ohne den PCIe-Adapter, also als reine M.2-Kärtchen, kosten beide HyperX Predator 10 Euro weniger.

Fazit

Die HyperX Predator ist die derzeit schnellste PCIe-SSD, die als M.2-Kärtchen auf einer Adapterplatine ausgeliefert wird. Verglichen mit Modellen wie Plextors M6e Black Edition liegt die Geschwindigkeit deutlich höher, erst die technisch der Predator sehr ähnliche M7e dürfte gleichauf liegen. Samsungs ältere XP941 ist langsamer als Kingstons SSD, die neuere SM951 stand uns für Tests noch nicht zur Verfügung. Beide Samsung-Kärtchen sind allerdings offiziell OEM-Modelle ohne direkte Garantie seitens des Herstellers.

Bleibt als echter Gegner Intels SSD 750: Die ist mit 400 GByte für etwa 500 Euro eingeschränkt verfügbar. Damit ist sie so teuer wie Kingstons HyperX Predator. Auf dem Papier liest die SSD 750 schneller und bietet dank NMVe-Protokoll sehr viel mehr Iops, schreibt aber langsamer. Nachteile der Intel-SSD sind die nicht gegebene Boot-Fähigkeit bei Systemen mit UEFI-Versionen älter als 2.3.1, es gibt keine Softwarebeigabe und die Option, sie als M.2-Drive einzusetzen, fehlt.

Für Anwender, die auf ein paar Hundert MByte Übertragungsrate und extrem hohe Iops-Werte verzichten können, bietet Kingston eine sehr gute Mischung. Einzig die nur dreijährige Garantie erachten wir als Kritikpunkt, die entspricht einem günstigen Mainstream-Modell. Die meisten Enthusiasten dürften die HyperX Predator aber vor Ablauf der Garantie ausgetauscht haben.  (ms)


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