Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/parrot-bebop-die-einstiegsdrohne-1505-114080.html    Veröffentlicht: 17.05.2015 09:02    Kurz-URL: https://glm.io/114080

Parrot Bebop im Test

Die Einstiegsdrohne

Intuitives Flugvergnügen für Anfänger und hohe Bildqualität - das verspricht der Quadcopter Parrot Bebop. Wir hatten einige Höhenflüge.

Die aktuelle Drohnengeneration des französischen Herstellers Parrot zeigt schon durch ihr Äußeres, dass sie sich an der Zielgruppe der Einsteiger und Sonntagsflieger orientiert. Ein großes Fischaugenobjektiv an der Frontseite weist auf einen weiteren Fokus des Gerätes hin: die Kamera, die Videos in Full-HD und Fotos mit bis zu 14 Megapixeln Auflösung liefern soll. Unser Test zeigt, ob der kleine Vierflügler diese Versprechen halten kann.

Die Bebop wird in einem Pappkarton mit Griff geliefert, der alles aufnimmt, was zum Fliegen nötig ist. Neben der Drohne selbst passen Ersatzrotoren, das Ladegerät, Akkus, Protektoren für den Flug in Innenräumen und ein USB-Kabel zur Datenübertragung hinein. Auch wenn sich passionierte Piloten schnell nach einer robusteren Transportmöglichkeit umsehen dürften, finden wir den Karton sehr praktisch. Viele Quadcopter lassen sich in der Originalverpackung nicht mehr ohne weiteres unterbringen. Das liegt daran, dass sie erst zusammengebaut werden müssen und danach schlicht zu groß sind.

Es gibt die Bebop in drei auffälligen Farben. Sie bedarf keiner weiteren Montage, abgesehen von Akku- und Rotorenwechsel und dem Anbringen der Protektoren. Hält man die Drohne zum ersten Mal in der Hand, fällt das geringe Gewicht auf: Selbst mit Akku wiegt sie nur 400 Gramm. Zwei Akkus mit 1.200 mAh werden mitgeliefert. Sie halten je nach Windstärke und Flugweise zwischen acht und zwölf Minuten. Der Wechsel ist in wenigen Sekunden erledigt: Ein Kabel muss angeschlossen, ein Klettband festgezurrt werden. Glücklicherweise sind auch die Ladezeiten kurz, nach höchstens 90 Minuten am Netz kann es weitergehen. Die Werte klingen nicht sonderlich attraktiv, sind aber in dieser Klasse durchaus üblich.

An der Vorderseite schützt Styropor das Innere der Drohne, unten ein schwarzes Magnesiumgehäuse. Obwohl sich nach einigen Bruchlandungen Abnutzungserscheinungen an der Oberschale zeigen, können wir keine ernsthaften Beschädigungen feststellen. An der Unterseite sind ein Lüftungsgitter und eine zweite Kamera angebracht. Sie liefert Informationen für die Stabilisierung der Drohne und ist nicht für eigene Aufnahmen nutzbar.

Dass eine gute Luftzufuhr wichtig ist, zeigt sich beim Einschalten, denn nach kurzem Check der Rotoren summt sofort der interne Lüfter. Er ist nötig, um den Dualcore-Parrot-P7-Prozessor und die Quadcore-Grafikeinheit zu kühlen, denn die Berechnungen zur Stabilisierung von Quadcopter und Bildmaterial sind aufwendig. Wie sehr diese Bauteile beansprucht werden, lässt sich daran ermessen, dass der Hersteller wegen der entstehenden Hitze vom Berühren der Unterseite des Gerätes abrät.

Parrot Bebop PF722000, cleared for take off

Die Bebop lässt sich über die App Freeflight 3 für iOS und Android ab Version 4.0 steuern. Zunächst ist eine Verbindung zur Drohne über ihr integriertes WLAN nötig. Steht diese, zeigt sich die App zunächst mit Tutorials, sozialem Netzwerk und einer "Kaufen"-Schaltfläche.

Hier kann man absolvierte Flüge in der Drohnenakademie teilen und weitere Parrot-Geräte erwerben. Eine Seitenleiste zeigt unter anderem den Routenplan. Er soll eigentlich den GPS-gestützten autonomen Flug ermöglichen, ist allerdings noch nicht funktional. So lassen sich zwar Kommandos in einer Stapelverarbeitung eingeben, sie werden aber nicht übertragen und ausgeführt. Parrot hat angekündigt, das Modul "Flight Plan" demnächst per In-App-Kauf zur Verfügung zu stellen.

Wurde die Drohne in der App erkannt, ist einmalig die Kalibrierung durch Drehung um alle Achsen nötig. Erst dann gelangt man in die übersichtlich gestaltete Drohnensteuerung mit einem Livebild der Kamera, über dem die Bedienungselemente eingeblendet sind. Hier empfiehlt sich, als Erstes das Einstellungsmenü aufzurufen, um einige grundlegende Parameter festzulegen - unter anderem, ob in Innenräumen oder draußen geflogen werden soll.

Nach den Startvorbereitungen heben wir zum ersten Mal unter freiem Himmel ab. Windböen zerren an unserer blauen Bebop, wir sind zunächst besorgt, sie könne einfach weggeweht werden. Nach einigen Minuten sind wir sicher: So leicht bringt die Kleine nichts aus der Ruhe. Wir fliegen einige Runden über die Wiese und von Zeit zu Zeit schnurren die Motoren bei Windstößen etwas lauter. Der Quadcopter bleibt stets stabil und gleicht in Sekundenbruchteilen alle Störungen aus.

We declare emergency

Unter Android ist die Freeflight-3-App zeitweise zäh zu bedienen, unter iOS läuft sie hingegen flüssig. Wir probieren sie mit One Plus One, Galaxy Tab 10, Nexus 7 (2014), Huawei Ascend P7, Samsung Galaxy S4 Mini, iPhone 5 und iPad Retina aus und können keine gerätespezifischen Unterschiede in der Performance auf der jeweiligen Plattform feststellen. Inzwischen ist die App auch als Beta-Version für Windows Phone erhältlich.

Alternativ verfügt der noch nicht separat erhältliche Parrot Skycontroller über zwei physische Steuerknüppel und separate Tasten für die wichtigsten Funktionen. Er ermöglicht neben der Video- und Datenanzeige via Tablet oder Smartphone auch das Fliegen aus der Egoperspektive mit einer speziellen Brille (FPV). Wir konnten ihn im vergangenen Jahr schon kurz testen und fanden die erweiterte Steuerung gelungen.

Eine Anpassung der maximalen Höhe, Steig-, Drehungs- und Fluggeschwindigkeit empfiehlt sich vor dem Erstflug. Gerade Anfänger sind mit niedrigen Werten gut beraten, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Standard ist ein assistierter Flug, wobei sich Höhe und Drehung stufenlos über einen eingeblendeten Analogstick regeln lassen. Eine weitere Schaltfläche aktiviert bei Berührung die Bewegungssteuerung. So fliegt die Drohne durch Neigen des Tablets oder Smartphones in die gewünschte Richtung.

Beide Elemente funktionieren sowohl unter iOS als auch Android zuverlässig und nahezu verzögerungsfrei. Außerdem gibt es Buttons für Start und Landung sowie für die Notabschaltung der Rotoren. Diese führt unweigerlich zum Absturz, was aber aufgrund der leichten Bauweise auf weichen Untergründen auch aus größeren Höhen nicht unbedingt in eine Katastrophe mündet. Trotzdem finden wir diese Schaltfläche zu prominent auf dem Bildschirm platziert. Mitunter hatten wir die Befürchtung, aus Versehen eine Notlandung einzuleiten.

Alternativ lassen sich zwei weitere Steuerungsvarianten einstellen: Im Experten-Modus bestimmt die rechte Schaltfläche den Bildausschnitt, im Steuerknüppel-Modus lassen sich alle Bewegungen auf dem Bildschirm ausführen, die Bewegungssteuerung ist deaktiviert. In allen Modi sind die Positionen der Schaltflächen für Linkshänder austauschbar. Eine in unseren Augen eher überflüssige Spielerei sind die per doppeltem Touch auf das Display ausgelösten Flugmanöver. Sie umfassen kurze Loopings und Fassrollen.

Uns macht der freie Flug in weitläufigen Arealen am meisten Spaß. Die ungewohnten Ansichten aus der Vogelperspektive gefallen uns. Auch unsere Zuschauer sind neugierig, und wir erklären ihnen schnell die simple Bedienung. So werden sie unversehens selbst zu Piloten.

Beim iOS-Test reißt uns die WLAN-Verbindung einmal in rund 50 m Höhe ab und ist auch durch Neustart der App nicht wieder herzustellen. In diesem Fall helfen nur das Abschalten des iPhone-WLAN und die Übernahme der Drohne durch ein ebenfalls mitgebrachtes Android-Smartphone. Alternativ landet die Bebop zwar selbstständig bei niedrigem Akkustand, aber das kann je nach Terrain - bewaldete Gegend, über Wasser - auch zu unerwünschten Ergebnissen führen. Wir konnten dieses Problem jedoch nicht reproduzieren.

All clear

Ist der Filmmodus aktiviert, zeichnet die Drohne ab dem Start automatisch ein h.264-Video in der eingestellten Qualität auf; kurze Landungen unterbrechen die Aufnahme nicht. Im Fotomodus löst die Kamera über eine Schaltfläche in der oberen rechten Ecke aus, auch eine manuelle Videoaufnahme ist hier möglich.

In beiden Fällen werden die Daten in den internen, 8 GB fassenden Speicher geschrieben. Sie lassen sich später per App oder über das mitgelieferte Micro-USB-Kabel auslesen. Wir kommen auch bei Flügen mit vier Akkuladungen nicht an die Grenze des Speicherplatzes.

Die Qualität der Videos ist für eine Drohne in dieser Preisklasse gut, reicht aber nicht an die der Gopro Hero 3 heran, die ebenfalls oft für Luftaufnahmen genutzt wird. Das liegt an der aggressiven Kompression, aber auch an der Art, wie die Parrot Bebop das Bild stabilisiert. Die interne Software hält einen der Videoauflösung entsprechenden Bildausschnitt aus dem 180° umfassenden Gesamtbild im Lot und muss Verzerrungen in Echtzeit korrigieren. Der Vorteil dieses Prinzips liegt auf der Hand: Die Optik kommt ohne störungsanfällige bewegliche Teile aus, ist also auch bei Bruchlandungen mit Ausnahme der Linse nicht gefährdet.  

Schießt man während der Videoaufnahme Fotos, zeigen diese auch nur einen rund 2 Megapixel großen Ausschnitt. Um die versprochenen 14 Megapixel im RAW-Format zu nutzen, muss in den Fotomodus gewechselt werden. Dann zeigt das Bild jedoch die kreisrunde, verzerrte Sicht des Objektivs. Im Menü lassen sich Belichtungskorrektur, Weißabgleich und Kontrast regeln.

Einen Korrekturfilter für Lightroom gibt es nicht, mit etwas Geduld lässt sich in der Nachbearbeitung aber ein normales Weitwinkelfoto erstellen. Auch hier kann die Bebop nicht mit spezialisierten Kameras konkurrieren, ist aber in dieser Geräteklasse ganz klar im Spitzenfeld.

Am Ende des Artikels finden sich Links zu unbearbeiteten Foto- und Videoaufnahmen, die einen Eindruck von der Qualität der Kamera geben.

Bye bye, contact tower on - und Fazit

Abhängig von der Stärke des Funkmoduls im Smartphone oder Tablet kann sich die Drohne bis zu 500 m vom Piloten entfernen. Verliert sie den Kontakt, bleibt sie in der Luft stehen und kehrt nach zwei Minuten zum Startplatz zurück. Dies lässt sich auch im Menü über die "Return to home"-Option erreichen. Da die Bebop ihren Standort per GPS, Glonass und Galileo bestimmt, funktioniert das recht genau - in unserem Test liegt sie höchstens 10 Meter daneben.

Parrot gibt für den bald erscheinenden Skycontroller mit speziellen WLAN-Antennen Reichweiten von bis zu 2.000 Metern an. Wer sich jetzt schon Hardware-Bedienungselemente wünscht und auf den erweiterten Flugradius verzichten kann, behilft sich mit einem entsprechend konfigurierten Gamepad.

Preislich liegt diese Lösung weit unter der vom Hersteller angebotenen Variante. Parrot unterstützt, wie schon bei den Vorgängern der Bebop, Software-Entwickler mit einem Open-Source-SDK. Community-Projekte wie Paparazzi ermöglichen dadurch inzwischen autonomes Fliegen.

Fazit

Parrot hält mit der Bebop fast alle seine Versprechen. Die Drohne ist außerordentlich einsteigerfreundlich und liefert in ihrem Preissegment qualitativ hochwertige Bilder. Für 499 Euro bekommt man genau das, was zu erwarten wäre: keine Hürden bei Montage oder Bedienung sowie ein robustes Fluggerät für Wochenendpiloten - und eine moderate Reichweite von rund 500 Metern.

Weniger positiv bemerkbar machen sich die mitunter hakelige Bedienung der offiziellen App Freeflight 3 unter Android und die verspätet per In-App-Kauf erhältliche Möglichkeit des autonomen Fliegens. Das Kombiangebot inklusive Skycontroller ist mit 899 Euro nicht gerade ein Schnäppchen, aber der Controller gibt ambitionierten Fliegern durch Hardware-Steuerungselemente mehr Freiheiten und Kontrolle über den Quadcopter.

Ersatzakkus kosten rund 50 Euro. Die Bebop stößt damit fast in Preislagen vor, die sonst dem professionelleren Konkurrenten Phantom von DJI vorbehalten waren. Weniger ins Gewicht fällt unserer Meinung nach die fehlplatzierte Notlande-Schaltfläche. An ihrer Stelle hätten wir uns im UI die "Return to home"-Funktion gewünscht.

Insgesamt hat uns die Drohne gut gefallen: Simple Bedienungselemente, eine leicht verständliche Bewegungssteuerung und ein Live-Bild aus ungewohnter Perspektive machen auch Anfängern Lust aufs Fliegen. Die Community ist aktiv und Parrot verbessert ständig die App Freeflight 3 - so landet die Bebop im gehobenen Mittelfeld.

Unter den folgenden Links finden sich unbearbeitete .jpegs, einige RAW-Dateien und mit der Drohne gefilmte Videos.  (mwo)


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