Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mozilla-firefox-38-erscheint-mit-web-drm-1505-114021.html    Veröffentlicht: 12.05.2015 17:56    Kurz-URL: https://glm.io/114021

Mozilla

Firefox 38 erscheint mit Web-DRM

Das umstrittene Web-DRM wird nun auch vom Firefox-Browser unterstützt, steht aber noch nicht allen Nutzern zur Verfügung. Außerdem wird endlich ein eigener Tab für die Einstellungen genutzt, was den Browser konsistenter macht. Das Team hat zudem weiter an WebRTC gearbeitet.

Ein nutzerfreundliches DRM ist eigentlich ein Widerspruch in sich, schränken DRM-Systeme Nutzer doch in den meisten Fällen sehr stark ein. Mit der Umsetzung des HTML5-DRMs versucht Mozilla aber einerseits die Technik überhaupt anzubieten, um gegenüber anderen Browsern aufzuholen. Andererseits soll es Kritikern des DRMs möglichst einfach gemacht werden, die Funktion abzuschalten und die dafür notwendige proprietäre Software zu deinstallieren.

Wie angekündigt setzt Mozilla die digitale Rechteverwaltung nicht selbst um, sondern arbeitet dafür mit Adobe zusammen, welches das Content Decryption Module (CDM) erstellt. Dieses verwendet die Primetime-Technik, die zuvor auch in Adobes Flash zur Verfügung stand. Als Alternativen dazu gibt es Googles Widevine, was in Chrome eingesetzt wird, oder auch Microsofts Play Ready.

Diese Unterscheidung ist vor allem für Nutzer wichtig, die das Web-DRM verwenden wollen. Denn die standardisierten Encrypted Media Extensions (EME) legen nur den Zugriff auf das CDM fest, nicht aber dessen eigentliche Funktionsweise wie den Schlüsselaustausch oder das Entschlüsseln und Darstellen der Medien. Streaming-Anbieter sind also gezwungen, mehrere DRM-Systeme zu unterstützen, falls sie ihre Dienste für mehrere Browser anbieten wollen.

Wird das DRM-System verwendet, informiert der Firefox darüber mit einer kleinen Leiste im Browserfenster. Noch fehlen allerdings die Streaming-Dienste. Es ist aber davon auszugehen, dass große Anbieter wie Netflix oder Amazon ihre Dienste bald anpassen.

Browser ohne DRM

Mozilla stellt Anwendern, die das DRM-System aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen, allerdings zwei Möglichkeiten bereit, auf dieses zu verzichten. So kann etwa die Ausführung des Moduls, das automatisch installiert wird, dauerhaft verhindert werden. Dazu muss in der Addon-Verwaltung lediglich der Menüeintrag "Nie aktivieren" bei Adobes Primetime CDM ausgewählt werden. Die Software bleibt dann aber installiert und aktualisiert.

Darüber hinaus ist aber auch ein Totalverzicht auf DRM im Firefox möglich. Dazu reicht es, über einen Eintrag in den Einstellungen das Abspielen von DRM-Inhalten zu verbieten. Die Software wird dann vollständig von der Festplatte entfernt. Downloads des CDM finden ebenfalls nicht mehr statt.

Genutzt werden kann das Web-DRM im Firefox derzeit nur unter Windows ab Vista mit der 32-Bit-Version des Browsers. Mac OS X, Linux sowie die 64-Bit-Variante erlauben die Verwendung des CDM noch nicht. In kommenden Versionen des Browsers soll die Unterstützung dafür aber hinzugefügt werden.

Schöne neue Einstellungen

Im Mai 2012 stellten Studenten der Michigan State University erstmals eine Möglichkeit vor, die Einstellungen für den Firefox-Browser statt in einem eigenen Fenster in einem Tab darzustellen. Drei Jahre später ist diese Darstellungsweise nun Standard. In dem relativ langen Zeitraum ist daran aber nicht konstant gearbeitet worden. Vielmehr testet das Designteam die Neugestaltung erst seit einem Jahr aktiv in den Entwicklungsversionen des Browsers.

Als Hauptgrund für die Änderung haben die Beteiligten das Erreichen eines konsistenten Aussehens genannt, was zumindest in weiten Teilen erreicht worden ist. So sehen die Einstellungen mit dem neuen Tab auf jedem der unterstützten Desktop-Betriebssysteme gleich aus. Wegen der unterschiedlichen Anzeige von Fenster und Dialogen in Windows, Mac OS X und Linux war dies bisher nicht der Fall.

Für die Designer ist es außerdem einfacher, ein ähnliches Aussehen auf dem Desktop und auf Tablets zu gestalten. Geschrieben ist die Tab-Oberfläche mit Webtechniken, hauptsächlich CSS und Javascript. Das führt unter anderem dazu, dass nicht mehr viele verschiedene Einstellungsfenster gleichzeitig im Sichtfeld des Benutzers geöffnet werden können. Denn Unterpunkte der Menüs werden in speziellen Pop-ups angezeigt, von denen je Tab nur eines geöffnet werden kann. In den erweiterten Optionen werden aber noch eigene Fenster geöffnet.

Die zugrundeliegende Designsprache des neuen Menüs ist im Project Chameleon erstellt worden, das langfristig als Referenz für die gesamte Oberflächengestaltung des Browsers dienen soll. In Details ist dies bereits umgesetzt, etwa in dem Warnhinweis beim Aufrufen von about:config. Andere Menüs wie die Addon-Verwaltung werden wohl künftig noch umgestaltet.

Statt über das gewohnte Zahnrad-Icon können die neuen Einstellungen auch über die Eingabe von about:preferences aufgerufen werden. Wer weiterhin das alte Einstellungsfenster nutzen möchte, muss dafür die Option browser.preferences.inContent in about:config auf false setzen. Vermutlich wird Mozilla diese Möglichkeit aber in kommenden Versionen entfernen.

Grundlage für besseren Videochat

Die WebRTC-Implementierung in Firefox erhält mit Version 38 zwei wichtige Neuerungen. So unterstützt der Browser nun Multistream und Renegotiation. Das heißt mehrere Medienspuren des gleichen Typs können über eine Peer-Verbindung übertragen werden. Ebenso können verschiedene Audio- oder Videospuren beliebig zu einer laufenden Sitzung hinzugefügt und natürlich wieder entfernt werden.

Für die Programmierer von WebRTC-Anwendungen wird der Aufwand verringert, um Funktionen wie das Übertragen des Bildschirms oder auch Gruppenchats umzusetzen. Für den in den Firefox integrierten Videochat Hello testen die Mozilla-Entwickler bereits die Übertragung eines Tabs oder eines anderen Fensters. Noch steht dies aber nicht in einer stabilen Version bereit.

Weitere Einzelheiten

Darüber hinaus kann nun auch die Broadcastchannel-API genutzt werden. Diese erlaubt es unterschiedlichen Browser-Kontexten desselben Ursprungs, Informationen untereinander zu teilen. Loggt sich ein Nutzer zum Beispiel auf einer Webseite für einen Dienst ein, kann dieser Status an andere geöffnete Tabs der gleichen Webseite mitgeteilt werden, damit diese sich entsprechend aktualisieren.

Zur besseren Unterstützung von japanischen und chinesischen Texten kann Firefox nun die Ruby-Annotation nach dem dazugehörigen CSS-Standard darstellen. Webseitenbetreiber können zudem verschiedene Quellen eines Bildes an Firefox-Nutzer ausliefern, etwa unterschiedliche Ausschnitte je nach Displaygröße, um nicht unnötig Bandbreite zu verschwenden. Möglich wird dieses Verhalten durch das Attribut srcset.

Firefox 38 steht für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit. Die Version dient darüber hinaus als Grundlage für die Variante mit Langzeitunterstützung, die für den Unternehmenseinsatz gedacht ist und zum Beispiel von einigen Linux-Distributionen verteilt wird.  (sg)


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