Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wolfenstein-the-old-blood-im-test-limit-erreicht-1505-114010.html    Veröffentlicht: 12.05.2015 13:57    Kurz-URL: https://glm.io/114010

Wolfenstein The Old Blood im Test

Limit erreicht

Wolfensteins Erweiterung The Old Blood läuft ohne das Hauptprogramm vom letzten Jahr und kostet nur 20 Euro. Dafür bietet der Titel etwa zehn Stunden gute Unterhaltung in der Solokampagne. Unser Test klärt, ob da was nicht stimmt.

The Old Blood zieht im Vergleich zum Hauptprogramm bei Humor und übertriebener Action noch einmal an. Die Entwickler von Machine Games liefern einen gelungenen Shooter ohne viel Firlefanz zum günstigen Preis ab. The Old Blood erzählt die Vorgeschichte zu den Ereignissen des Hauptspiels The New Order (unser Test).

Die Handlung der in zwei Episoden und acht Kapitel unterteilten Geschichte von The Old Blood erreicht nicht das tragende Niveau des Hauptspiels aus dem letzten Jahr. Im Spielverlauf verschlägt es den Protagonisten B.J. Blazkowicz in die Burgen Wolfenstein und Wurfburg in der Umgebung eines fiktiv verlegten Paderborns. Dort kümmert er sich unter anderem um die Bösewichte Helga von Schabbs und Rudi Jäger. Insgesamt finden wir die Handlung weniger episch und etwas alberner.

Ein Hauch von Riddick

Gerade die ersten vier Kapitel setzen stark auf ein neues Utensil von Blazkowicz. Bei einem anfänglichen Gefängnisausbruch eignet sich der Amerikaner ein Heizungsrohr an, das er entweder verschraubt als Keule schwingt oder entschraubt als Steigeisen nutzt, um mit den Einzelteilen Wände hochzuklettern.

Die häufigen Schleichpassagen erinnern zusammen mit dem Waffenmangel zu Beginn an das von Starbreeze stammende Riddick - Escape from Butcher Bay. Da in Wolfenstein aber nur wenig diskutiert wird und NPCs schneller sterben, als man sich deren Namen merken kann, wird die spielerische Tiefe des Abenteuers von 2004 hier nicht erreicht.

In den Umgebungen sind wie im Hauptprogramm etliche Rüstungsteile, Medizin sowie Dokumente und Schlüssel versteckt. Hier lohnt sich akribisches Suchen, denn die Entwickler haben auch zahlreiche "Easter-Eggs" versteckt. Wir fanden zum Beispiel Anspielungen auf Fallout, die ersten Serienteile von Wolfenstein, Quake und Skyrim. An ausreichend Munition mangelte es uns in der Erweiterung aber seltener als im Hauptspiel. Fast immer, wenn wir die Patronen aufheben wollten, hieß es: Limit erreicht.

"Schnurstracks geradeaus ballern, Gegenstände aufklauben und die richtigen Hebel finden" lautet das lineare aber sehr gut umgesetzte Prinzip, aus dem auch die Wolfenstein-Erweiterung ihr komplettes Potential gelungen für eine rund zehnstündige Kampagne schöpft. Nach dem Abspann hatten wir genug gesehen und haben den Titel mit einem Lächeln zur Seite gelegt. 20 Stunden The New Order, 10 Stunden The Old Blood - Jetzt dürfen sich die Entwickler gerne an einen echten Nachfolger mit neuen Ideen setzen. Auch hier wurde also das Limit erreicht - der Bogen aber nicht überspannt.

Technik, Verfügbarkeit und Fazit

Technisch basiert der Titel auf der idTech5-Grafikengine und läuft auf den Konsolen mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Was für einen sichtbaren Unterschied diese angenehm flüssige Bildrate hat, lässt sich gut wahrnehmen, wenn die als Videos gespeicherten Zwischensequenzen das Spielgeschehen unterbrechen. Große grafische Vorteile für die PC-Fassung konnten wir nicht ausmachen. Mehr optische Qualität können Spieler bei den Schatten und der Kantenglättung herausholen. Einen unbestreitbaren Vorteil hat der PC aber bei der Maus-Steuerung. Sie beschleunigt das Aufnehmen der Gegenstände spürbar.

Wolfenstein: The Old Blood ist für Windows-PCs über Steam, die Xbox One und die Playstation 4 erhältlich und immer etwa 40 Gigabyte groß im Download. Der Preis liegt bei 20 Euro. Eine Datenträger-Version kommt am 15. Mai 2015 in den Handel. Der Titel ist von der USK ab 18 Jahren freigegeben. Die deutsche Fassung wurde bei Symbolen und einigen Todesanimationen angepasst, aber spielerisch nicht gekürzt. Die deutschen Sprecher sind sehr gut, auch wenn das Flair und der Witz der Originalfassung (englisch und deutsch) nicht ganz erreicht wird.

Fazit

Am Anfang haben wir uns noch ganz schön gewundert über das 20-Euro-Addon, das wie ein Vollpreistitel daherkommt. Am Ende ergibt aber alles Sinn. Das Hauptspiel The New Order ist länger, motivierender und fesselnder als die Erweiterung. Wer es noch nicht gespielt hat, findet dort das größere und qualitativ hochwertigere Erlebnis.

Den Machenschaften von Helga von Schabbs ein Ende zu bereiten, ist aber ebenfalls ein spannendes und abwechslungsreiches Abenteuer - wenn auch weniger episch. The Old Blood erbt zudem den großen Kritikpunkt des Hauptspiels. Mitunter kann es etwas nervig werden, die zahlreichen Gegenstände aufzunehmen. Den kompletten Bestand an Rüstung, Heilung und Munition benötigen aber nur Spieler, die auf den höheren Schwierigkeitsstufen sehr taktisch spielen wollen.

Wer von Wolfenstein noch nicht genug hat, findet in The Old Blood viele nette Ideen, überspitzte Klischees sowie eine unterhaltsame Shooterkampagne für wenig Geld - eine durch und durch gelungene Erweiterung eben, die ohne das Hauptspiel läuft. Da fragen wir uns, warum andere Story-Erweiterungen immer das Hauptspiel voraussetzen müssen?  (mw)


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