Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xps-13-im-kurztest-dells-ultrabook-toent-jetzt-auch-unter-linux-1505-114001.html    Veröffentlicht: 12.05.2015 09:15    Kurz-URL: https://glm.io/114001

XPS 13 im Kurztest

Dells Ultrabook tönt jetzt auch unter Linux

Hast du Töne? Zumindest auf den aktuellen Versionen des Ultrabooks XPS 13 von Dell erklingen sie jetzt auch unter Linux. Wir haben uns ein Testgerät angesehen, das Dell offiziell mit Ubuntu ausliefert.

Es ärgerte uns, dass der Sound nicht funktionierte, als wir Mitte März dieses Jahres Linux auf Dells Ultrabook XPS 13 CNX4307 mit dem Intel-Prozessor Core i7-5500U ausprobierten. Auch das Trackpad machte Probleme. Dell hat uns jetzt das etwas kleinere Modell XPS 13 BNX4313 mit vorinstalliertem Linux zur Verfügung gestellt, damit wir den Test wiederholen konnten. Der Prozessor ist Intels Core i5-5200U. Die genannten Anpassungen gelten aber auch für das größere Modell.

Unser Ultrabook wird mit Ubuntu 14.04 samt Long Term Support (LTS) ausgeliefert. Dell hat allerdings mit Hilfe des Projekts Sputnik zahlreiche Anpassungen eingepflegt. Sie sollen all die Fehler beheben, die wir in unserem ersten Test feststellten. Das Wichtigste zuerst: Der Soundtreiber funktioniert in der sogenannten Developer Edition mit Ubuntu 14.04 und dem Linux-Kernel 3.13. Dazu hat Dell allerdings auch das Bios anpassen müssen, wie ein Blogpost des Dell-Entwicklers Barton George verrät.

Mit der aktuellen Bios-Version A02 lässt sich zumindest das Trackpad im PS/2-Modus verwenden. Auf unserem Testgerät bemerken wir allerdings die gleichen minimalen Ruckler wie in unserem Test mit dem ersten Gerät, nachdem wir den Treiber i2c_hid abgeschaltet haben. In der Konfigurationsdatei des Bootloaders Grub fehlte indes der Eintrag psmouse.resetafter=0, der in Georges Blogpost für Kernel-Versionen bis einschließlich 3.14 empfohlen wird. Nachdem wir ihn hinzugefügt haben, verschwindet das Ruckeln vollkommen. Allerdings funktionieren dann immer noch nicht die erweiterten Gesten und die Bedienung mit mehr als zwei Fingern. Sowohl die Funktionstasten als auch die F-Tasten lassen sich jedoch nutzen.

Läuft auch mit anderen Linux-Distributionen

Wie bereits erwähnt, geben die Lautsprecher jetzt auch unter Ubuntu Töne von sich. Die Soundkarte läuft problemlos im HDA-Modus, da inzwischen der Treiber für den Chip ALC3263 von Realtek geladen wird. Auch die im Blogpost des Dell-Entwicklers Barton George erwähnten Patches, die für den Betrieb des Mikrofons benötigt werden, wurden offenbar in den offiziellen Linux-Kernel aufgenommen: Das Mikrofon funktioniert ebenfalls einwandfrei, selbst nach einem Update auf die aktuellere Version 3.13.0-52 vom 4. Mai 2015 des Linux-Kernels.

Beim ersten Start der Developer Edition werden wir aufgefordert, eine Sicherungskopie des Systems anzulegen. Wahlweise können wir sie auf einem USB-Stick installieren oder als ISO-Image auf der Festplatte ablegen. Uns fällt auf, dass Dell statt Firefox den Webbrowser Chromium als Standard gewählt hat. Mozillas Firefox muss nachträglich installiert werden. Für E-Mails ist weiterhin Thunderbird zuständig. Ansonsten gibt es kaum Anpassungen am ursprünglichen Ubuntu-System.

Noch Anpassungen nötig

Wir überprüfen noch die Leistungsaufnahme der Developer Edition. Das Hilfsprogramm TLP zur Optimierung der Leistungsaufnahme ist bereits vorinstalliert. Dennoch meldet Powertop schlechte Werte für zahlreiche PCI-Geräte. Die Leistungsaufnahme beträgt durchschnittlich 6,5 Watt, was für eine Akkulaufzeit von fünf bis sechs Stunden reicht. Wir ändern die Werte zunächst manuell in Powertop und erreichen dann einen Durchschnittswert von 4.1 Watt. Laut TLP-Entwickler Thomas Koch liegt das an der veralteten Version von TLP 0.4, die dort installiert ist. In der aktuellen Version 0.6 werden sämtliche Werte auf automatisch gesetzt. Sie lässt sich aus den PPA-Quellen nachinstallieren. Probehalber installieren wir noch die Laptop-Mode-Tools, die ebenfalls ohne Eingriffe sämtliche optimalen Einstellungen richtig einstellt. Allerdings hat unser aktuelles Testgerät einen Core-i5-5200U-Prozessor. Im Vorgänger war noch der Core i7-5500U. Beide haben einen maximalen Stromverbrauch von 15 Watt.

Zum Spielen anspruchsvoller 3D-Spiele reichen die Linux-Treiber für die in Intels Core i5-5200U und i7-5500U integrierte Grafikkarte HD Graphics 5500 auf unserem Testgerät indes nicht. Unter Ubuntu 14.04 mit Mesa 10.1.3 wird maximal OpenGL 3.0 unterstützt. Mit aktuelleren Kernel-Versionen gibt es immerhin schon OpenGL 3.3. Unter Windows ist längst OpenGL 4.0 samt DirectX 12 Standard.

Bios-Update ist unabdingbar

In dem Blogpost beschreibt Barton George, welche Hürden Anwender nehmen müssen, um aktuellere Versionen von Ubuntu und anderen Linux-Distributionen zu installieren. Für alle muss das oben erwähnte Bios-Update installiert werden. Wer jetzt ein Dell-XPS-13-Ultrabook kauft, muss das nicht nachholen. Alle anderen müssen das Update auf einen USB-Stick übertragen und es von dort ins Bios einspielen.

Mit dem aktuellen Bios lassen sich Ubuntu 14.10 mit Linux 3.16 und 15.04 mit Linux 3.19 ohne Anpassungen nutzen. Auch Fedora mit dem Linux-Kernel 4.0.1-300.fc22 dürfte inzwischen keine Probleme bereiten.

Verfügbarkeit und Fazit

Im US-Online-Shop können Käufer zwischen vier verschiedenen Modellen wählen, wobei das günstigste für 949 US-Dollar mit dem Prozessor Core i5-5200U, 8 GByte RAM, einer 128-GByte-SSD und 1080p-Display ohne Touch angeboten wird.

Etwas versteckt finden deutsche Geschäftskunden in Dells Onlineshop auch das günstige Modell für knapp 989 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Privatkunden können die Variante mit Core i5 für 1.170 Euro sowie jene mit Core i7 für 1.629 Euro ebenfalls erwerben.

Fazit

Auch wenn es etwas gedauert hat, das von Dell unterstützte Projekt Sputnik hat sich bemüht, die ausstehenden Probleme unter Linux zu beheben. Mit Erfolg. Vorbildlich ist zudem, dass die Patches nicht nur beim Projekt Sputnik bleiben, sondern als offizielle Kernel-Patches eingereicht werden. Denn jetzt könnten Anwender nicht nur die von Dell unterstützten Linux-Distributionen verwenden, sondern selbst wählen, welche sie installieren wollen. Die größte Hürde für Käufer, die bereits ein Gerät gekauft haben, dürfte das dafür benötigte Bios-Update sein.

Trotz der Probleme machte Dells XPS 13 auch unter Linux einen guten Eindruck. Mit der offiziellen Developer Edition samt Ubuntu 14.04 LTS und den Korrekturen wird dieser Eindruck noch verstärkt.

Nachtrag vom 13. Mai 2015, 12:00 Uhr

Der Entwickler des Werkzeugs TLP hat uns erklärt, dass in der getesteten Ubuntu-Version eine veraltete Version der Software installiert ist. Wir haben den Text entsprechend ergänzt.  (jt)


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