Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/macbook-12-im-test-einsamer-usb-port-sucht-passende-partner-1505-113880.html    Veröffentlicht: 13.05.2015 09:40    Kurz-URL: https://glm.io/113880

Macbook 12 im Test

Einsamer USB-Port sucht passende Partner

Apples neues Macbook 12 ist sehr leicht und sehr dünn. Und dafür musste Apple kaum Kompromisse eingehen. Doch ein Problem ist der einzelne USB-Typ-C-Anschluss. Oft ist er das Beste, was einem Notebook passieren konnte - doch mindestens genauso oft nervt er einfach.

Minimalistischer als das neue Macbook 12 geht es kaum: Apple hat bei seinem neuen Notebook radikal weggelassen, was aus Sicht des Herstellers entbehrlich sein könnte. Herausgekommen ist ein Gerät mit nur einem derzeit ungewöhnlichen USB-C-Anschluss, das irgendwo zwischen den alten Macbooks und dem iPad positioniert ist. Gewissermaßen das Beste aus beiden Welten - jedenfalls fast. Für viele dürfte es der ideale Begleiter für unterwegs sein.

Trotzdem gehört das Macbook 12 nicht zu den Convertibles - dazu fehlen der Touchscreen und ein Dreh- beziehungsweise Klappmechanismus. Ein wenig vergleichbar ist es mit den damals extrem seltenen teuren Netbooks. Sonys High-End-Netbook Vaio X war vor sechs Jahren sogar teurer als das Macbook 12 und bot ebenfalls schon eine SSD als Speichermedium. Letztendlich zeichnet das neue Macbook 12 aber vor allem eines aus: das sehr schlanke Gehäuse ohne die langsamen Eigenschaften eines Atom-Prozessors.

Auch wenn es mit einem Gewicht von 920 Gramm nicht das leichteste Notebook ist, ist es zumindest in der Mac-Familie derzeit das kompakteste. Mit einer maximalen Dicke von 13 mm ist es zudem eines der dünnsten Geräte auf dem Markt. Zusammengeklappt scheint es vom Formfaktor eher ein Tablet zu sein und nimmt in der Grundfläche wie auch der Dicke nur wenig mehr Platz ein als das iPad der ersten Generation.

Leichte Ultrabooks wie das Lenovo Thinkpad X1 Carbon oder das Macbook Air wirken im direkten Vergleich wie ein schwerer Klotz. Wer sich einmal an das geringe Gewicht des Macbook 12 gewöhnt hat, wechselt nur mit Bedauern zurück zu einem schwereren Gerät.

Auffallend ist auch der sehr gute Schwerpunkt des Notebooks: Das Gewicht ist im ausgeklappten Zustand sehr ausgewogen verteilt. Das liegt an dem sehr leichten Display. Selbst wenn der Nutzer es auf dem Schoß mit nach unten geneigten Oberschenkeln hält, kippt das Macbook 12 nicht so leicht um. Bei Tablets mit Tastatur ist das Problem bauartbedingt stärker ausgeprägt - das Surface Pro 3 in einem steilen Winkel fühlt sich auf dem Schoß an, als ob es gleich kippen würde.

Auch das Tragen mit einer Hand an einer Ecke der Handballenauflage ist wegen des geringen Gewichts und der Festigkeit der Konstruktion problemlos, die Handhabung ist daher vergleichbar mit der eines Tablets. Nur am Display sollte das Notebook nicht ohne Vorsicht getragen werden. Das Gelenk ist nicht starr genug und beim Heben am Display öffnet sich das Notebook recht schnell bis zu seinem maximalen Winkel.

Die Verarbeitung ist wie von Apple gewohnt sehr gut. Das Gehäuse fühlt sich noch etwas hochwertiger an als das der anderen Macbooks. Das liegt vor allem daran, dass das Gehäuse so wenige Öffnungen hat. Öffnungen zur Kühlung gibt es nicht, da eine passive Kühlung ausreicht. Da es kaum Schnittstellen gibt, sind die Seiten ebenfalls größtenteils geschlossen. Außerdem sind die Kanten weniger scharf als bei anderen Macbooks.

Erstmals gibt es das Gehäuse auch in unterschiedlichen Farben. Nicht nur das klassische Macbook-Silber, sondern auch das vom iPad bekannte Spacegrau und Gold können als Gehäusefarbe gewählt werden.

226 ppi endlich auch im Kleinen

Spekulationen über ein Macbook Air mit Retina-Display mit IPS-Panel gab es schon lange vor der Ankündigung des Macbook 12. Bestätigt haben sich diese zwar nicht, doch gibt es mit dem Macbook 12 nun auch ein kleines Macbook mit hochauflösendem Display in Apples Portfolio. Das 12 Zoll große, namensgebende Display löst mit einer Auflösung von 2.304 x 1.440 Pixeln auf, was einer Pixeldichte von 226 ppi entspricht.

Anders als das kleinste Macbook-Air-Modell hat das Macbook 12 ein Display mit IPS-Panel im 16:10- statt 16:9-Format. Beim Anschauen von Filmen sind die schwarzen Balken zwar größer, doch zeigen Webseiten und Textdokumente in dem Display-Format mehr vom Inhalt an. Für das Arbeiten ist das dementsprechend besser. Besonders kommt die Höhe Anwendern zugute, die gerne das Dock oder Icons über Programmen eingeblendet lassen.

Die Helligkeit des Displays ist der des Macbook Pro 13 Retina sehr ähnlich: Die durchschnittliche maximale Helligkeit liegt bei 340 cd/m2. Um auch bei strahlendem Sonnenschein arbeiten zu können, reicht das gerade so. Dunkle Inhalte sind nur schwer zu erkennen. Außerdem stört die Spiegelung des Display-Glases arg. Immerhin sind Schutzglas und Panel so dicht miteinander verklebt, dass es nicht zu einer zweiten Spiegelungsebene kommt.

Um Energie zu sparen, verwendet Apple nach eigenen Angaben ein Display mit Pixeln, die deutlich mehr Licht durchlassen sollen - dabei kommt vermutlich Sharps Igzo-Technik zum Einsatz, was uns Apple allerdings nicht bestätigen wollte. Im Vergleich zum Macbook Pro 13 Retina soll das Display rund 30 Prozent weniger Energie benötigen, um dieselbe Helligkeit zu erreichen.

Einfluss auf die Farbdarstellung scheint das nicht zu haben. Wie von Apple gewohnt, ist diese auch beim Macbook 12 sehr gut. Farben werden kräftig und natürlich dargestellt, von der Farbgebung her ist das Display denen der Macbook-Pro-Retina-Modelle sehr ähnlich.

Apple-Ingenieure sind passionierte Tetris-Spieler

Interessant ist, wie die Apple-Ingenieure versuchen, jeden Millimeter des schlanken Gehäuses effizient zu nutzen. Unser von Apple gestelltes Testgerät durften wir nicht auseinandernehmen. Doch wie der Teardown des Reparaturdienstes iFixit zeigt, versucht Apple, den Platz im Inneren so gut es geht mit dem Akku zu füllen. Er besteht aus insgesamt fünf Teilen, die terrassenförmig aufgebaut sind, um den vorhandenen Raum im flachen Apple-Notebook auszunutzen. 39,71 Wh (5.263 mAh, 7,55 V) fasst der Akku insgesamt durch die Bauweise.

Der Akku mit fast 40 Wh reicht locker für einen Arbeitstag im Büro: Während unseres Tests wechselten wir je nach Situation zwischen mittlerer und maximaler Helligkeit, surften und tippten überwiegend, streamten aber auch mal ein Video und konvertierten ein paar RAW-Bilder. Erst nach rund 9 Stunden musste das Notebook wieder geladen werden und hielt damit fast genauso lang durch wie das Macbook Pro 13 Retina (Late 2013) des Redakteurs. Arbeitet das Macbook 12 dauerhaft unter Volllast, so hält der Akku bei mittlerer Bildschirmhelligkeit rund 5 Stunden durch - wir renderten ein Video rund 2,5 Stunden, da war der Akkustand bei 50 Prozent angelangt.

Die elektrische Leistungsaufnahme haben wir mit vollgeladenem Akku am Netzteil gemessen und kommen auf sehr gute Werte: Mit abgeschaltetem Display sind es gerade einmal 2,4 Watt ohne Last. Gerade der Wert ohne Display ist hervorragend. Lenovos Yoga 3 Pro benötigt in einer solchen Situation 3,7 Watt. Die Leistungsaufnahme liegt also immerhin 50 Prozent höher, wenn auch auf extrem geringem Niveau.

Das Display mit voller Helligkeit ergibt einen Gesamtwert von etwa 5,7 Watt. Hier pendelte die Messung aber stärker um diesen Wert herum. Minimale Lasten wie das Scrollen im Browser-Fenster reichen, um eine elektrische Leistungsaufnahme von etwa 12 Watt zu erreichen.

Unter Last mit dem Luxmark 3.0 im CPU+GPU-Stresstest erreichen wir kurzzeitig 20 Watt Leistungsaufnahme. Schon nach wenigen Minuten drosselt sich die Stromaufnahme erwartungsgemäß. Es sind dann nur noch 17 Watt. Dabei wird das Gerät mittig auf der Unterseite zwar spürbar, aber nicht schmerzhaft warm. Beim Rendern eines Videos messen wir 40 Grad Celsius. Wer nicht allzu hitzeempfindlich ist, hält das auch mit kurzen Hosen auf dem Schoß aus. Das Wichtigste ist aber, dass die Hitze nicht nach oben hin durchschlägt, und das gelingt Apple hervorragend. Beim Tippen stört die Wärme überhaupt nicht.

Durch die niedrige Leistungsaufnahme des Prozessors und die geringe Abwärme kann Apple erstmals alle Komponenten passiv kühlen. Weder ein Lüfter noch Abwärme-Öffnungen sind notwendig. Stattdessen wird der Aluminium-Unibody genutzt, um die Wärme des Systems abzuführen.

Tabletpower im Notebook

Technisch interessant ist besonders die Hauptplatine des Macbook 12. Um viel Akkukapazität unterzubringen, wurde die Platine sehr klein konstruiert. Knapp ein Drittel der Größe der Platine des Macbook Air nimmt sie in Anspruch. Neben dem Core-M-Prozessor befinden sich auf der Apple-typischen schwarzen Hauptplatine auch Arbeitsspeicher, SSD mit SSD-Controller, die Controller der drahtlosen Schnittstellen und zahlreiche weitere Chips, etwa zur Spannungsregulierung.

Alle Komponenten sind fest verlötet, SSD und Arbeitsspeicher können also nicht aufgerüstet werden. Wer mehr SSD-Speicher braucht, muss von Anfang an ein höheres Modell einplanen. Immerhin hat das kleinste Macbook 12 bereits 256 GByte Festspeicher und damit doppelt so viel wie das günstigste Macbook Pro 13 mit Retina-Display. Beim Arbeitsspeicher lässt sich aber auch über BTO-Optionen (Build to Order) nicht mehr als die 8 GByte bestellen.

Im Macbook 12 verwendet Apple je nach Variante leicht angepasste Core-M-Prozessoren von Intel mit zwei Kernen, die hauptsächlich in Tablets und Convertibles eingesetzt werden. Die Thermal Design Power (TDP) des Core M-5Y31, Core M-5Y51 und Core M-5Y71 hat Apple von 4,5 Watt auf 5 Watt erhöht: Dadurch wird zwar etwas mehr Strom benötigt und die Abwärme des Chips steigt, doch konnte Apple so auch den Basistakt der drei Prozessoren auf 1,1 GHz, 1,2 GHz beziehungsweise 1,3 GHz erhöhen. Der maximale Takt, den die Chips im Turbo-Modus kurzzeitig erreichen können, bleibt unverändert bei 2,4 GHz, 2,6 GHz und 2,9 GHz. Auch die Taktraten der iGPU HD Graphics 5300 bleiben mit 300 MHz Basistakt und 850 MHz beim kleinsten Modell und 900 MHz bei den beiden größeren im Turbo-Modus unverändert.

Die Core-M-Prozessoren stehen bei kurzen Berechnungen den leistungsfähigeren Broadwell-Prozessoren, wie sie im neuen Macbook Pro 13 Retina eingesetzt werden, in nichts nach. Wird ein Tab mit dem Browser geöffnet oder ein JPEG verkleinert, springen die beiden Kerne kurzzeitig auf den jeweiligen Maximaltakt, und dann darf auch für einige Sekunden die TDP überschritten werden. Nach etwa einer Minute drosselt die CPU aber wieder, wie wir im Test des Core M-5Y10 herausgefunden haben.

Erst über einen längeren Zeitraum werden Leistungsunterschiede zwischen Macbook 12 und Macbook Pro 13 Retina deutlich spürbar. Bei der Bearbeitung von Bildern in Adobes Photoshop CC sind selten Unterschiede zu merken. Erst wenn aufwendigere Filter verwendet werden, braucht das Macbook 12 ein paar Sekunden länger. Auch bei der Konvertierung von RAW-Bildern sind Unterschiede spürbar. Der Core-M-Prozessor braucht meist ein paar Sekunden mehr Zeit pro Bild - je mehr Bilder konvertiert werden sollen, desto mehr macht sich der Unterschied bemerkbar.

Bei der Bearbeitung von Videos fallen die Leistungsunterschiede stärker auf. Wir verwenden für den Test Adobe Premiere Pro CC, das sich auf dem Macbook 12 deutlich träger anfühlt. Besonders das Rendern des Videos in eine MP4 mit H.264-Codec dauert mehr als doppelt so lang - unser Macbook Pro 13 Retina (Late 2013) und unser Surface Pro 3 benötigen beide jeweils etwas über eine Stunde.

Zum Spielen eignet sich das Notebook noch weniger: Die Hardware des Macbook 12 liegt bei den meisten aktuelleren Spielen unter den Mindestanforderungen. Das bestätigt auch der Tomb-Raider-Benchmark: Mit durchschnittlich 9,2 Bildern pro Sekunde bei einer Auflösung von 1.440 x 900 Pixeln ist das Spiel unspielbar. Wer aber am Star-Wars-Day noch einmal die Welt von Star Wars: Knights of the Old Republic erkunden möchte, der hat kein Problem - Klassiker und auch Indie-Spiele mit niedrigen Systemanforderungen laufen ohne Probleme.

Der eigene SSD-Controller

Eine Überraschung ist in den genauen Systeminformationen des Macbook 12 zu finden: Apple hat nämlich erstmals einen eigenen SSD-Controller für die 256 GByte beziehungsweise 512 GByte große PCIe-SSD im Macbook 12 entwickelt. Der Apple SSD AP0256H unterstützt das NVMHCI (Non-Volatile Memory Host Controller Interface), auch NVM Express genannt. Der auf Flash-Speicher optimierte Nachfolger des AHCI-Protokolls verringert die Latenz der SSD deutlich, vergrößert die Anzahl an Warteschlangen und deren Befehle und ist stärker auf CPU-Multithreading ausgelegt.

Der Controller ist laut iFixit Teil eines PoP (Package on Package), bestehend aus 512 MByte LPDDR3, die der SSD als Cache dienen. Um zu klären, ob es sich bei dem Controller um ein von Apple entwickeltes Bauteil handelt, haben die Bastelexperten es von Chipworks untersuchen lassen. Die Chip-Experten bestätigen die Vermutung, dass Apple es entwickelt hat und es bei TSMC gefertigt wurde.

Nur USB 3.1 Gen 1

Die Ausstattung der drahtlosen Schnittstellen ist mittlerweile Standard: Neben Bluetooth 4.0 inklusive Bluetooth Smart unterstützt das Macbook 12 Dual-Band-WLAN nach 802.11a/b/g/n/ac. Zumindest kabelloses Zubehör lässt sich gut mit dem Mac verbinden. Anders sieht es bei kabelgebundenem Zubehör aus: Hier wird USB-C mit einer einzigen Buchse verwendet. Die Steckverbindung ist nagelneu und Apple einer der Ersten, die überhaupt die Technik einsetzen. Bei der Datenübertragung wird noch nicht die aktuell spezifizierte Version verwendet.

2013 finalisierte das USB Implementers Forum die Spezifikation des neuen USB-3.1-Standards, nachdem die theoretische Datentransferrate des USB-Bus von 5 GBit/s des USB-3.0-Standards auf doppelt so schnelle 10 GBit/s angehoben worden war. Apple ist hier allerdings nicht alleine, auch andere Hersteller wollen erst im Laufe des Jahres schnellere USB-3.1-Geräte auf den Markt bringen.

Erschwerend für Apple dürfte zudem der Platzbedarf eines separaten USB-Chips gewesen sein. Intels Plattform Controller Hub (PCH) spart Platz und ist nach dem USB-3.1-Gen-1-Standard spezifiziert. Dieser entspricht im Grunde dem alten USB-3.0-Standard.

Die Übertragungsrate liegt damit weiterhin bei maximal 5 GBit/s. Der einzige Unterschied ist bei der USB Power Delivery (PD) zu finden. Nach dieser wird das Laden von Geräten mit bis zu 100 Watt unterstützt. Auch das ist in der Mac-Welt eine Neuerung. Bisher wurden die Notebooks mit dem verdrehsicheren Magsafe geladen. Der hat den Vorteil, dass der Stecker nur magnetisch gehalten wird und man das Notebook nicht mit dem Netzteil versehentlich vom Schreibtisch ziehen kann.

Das ist mit der USB-C-Verbindung leider nicht mehr so. Wer gewohnt ist, Macbook-Stecker nach oben hin wegzuziehen, sollte sich das schnell wieder abgewöhnen. Zudem ist die Verbindung so fest, dass das Notebook sogar mit dem Kabel hochgehoben werden kann. Selbst ein leichtes Schütteln sorgte nicht dafür, dass sich das Macbook 12 vom Ladegerät löste. Noch dazu fehlt dem neuen Netzteil eine Ladekontrollleuchte. Wer wissen will, ob das Gerät noch lädt, muss es anschalten.

Über den Typ-C-Stecker kann beim Macbook 12 außerdem Displayport 1.2 parallel zur USB-3.1-Geschwindigkeit seine Signale übertragen. Selbst einen VGA-Adapter gibt es. Gerade wer häufig zu Präsentationen fährt, braucht die Schnittstelle noch.

Ein USB-Port reicht (fast)

Viel Kritik gab es an Apples Entscheidung, alle gängigen Schnittstellen zu streichen und einzig einen USB-Typ-C und einen Kopfhöreranschluss zu verbauen. Zwar ist der neue Stecker zusammen mit dem USB-3.1-Standard die Alleskönner-Schnittstelle, doch werden aktuell viele unterschiedliche Adapter benötigt, um bisherige USB-Sticks, externe Festplatten oder Monitore an das Notebook anzuschließen - Apples Thunderbolt-Display kann gar nicht verwendet werden, da es entsprechende Adapter nicht gibt.

Docking-Stationen oder Port-Replikatoren mit USB 3.1 und dem Typ-C-Stecker sind zurzeit noch nicht angekündigt oder werden gerade über Kickstarter finanziert. Abhilfe schaffen ältere Port-Replikatoren mit USB 3.0. Die Büroperipherie, das Ethernet-Kabel und auch ein Monitor können so über ein Kabel mit dem Macbook 12 verbunden werden. Ein Problem bleibt aber: Wird der alte Port-Replikator genutzt, wird das Notebook nicht geladen.

Der bisher einzige Adapter, mit dem das Macbook 12 geladen werden kann, während ein Monitor angeschlossen ist, kommt von Apple, hat ansonsten nur einen USB-Typ-A-Port und kostet 90 Euro - mehr als unser im Test verwendeter Port-Replikator.

Spätestens, wenn entsprechende Geräte auf dem Markt sind, wird aber auch die Idee hinter dem neuen USB-Standard aufgehen: ein Kabel für alles. Zu Hause oder im Büro braucht nur ein Kabel an das Macbook 12 angeschlossen zu sein, um die gesamte Peripherie und den Monitor nutzen zu können. Der Kabelsalat auf dem Schreibtisch ist dann vorbei.

Unterwegs wird seltener Peripherie an das Notebook angeschlossen, vielleicht mal ein USB-Stick, die SD-Karte der Kamera oder ein Projektor für die Präsentation - doch wird jedes Mal ein anderer und mitunter sehr teurer Adapter benötigt, an den gedacht werden muss. Das erinnert ein wenig an die Zeiten, als Kabelpeitschen noch üblich waren - nur dass eine solche nicht 200 Euro kostet. So viel verlangt Apple nämlich für die drei wichtigsten Adapter (Digital Display, Analog Display, USB-Adapter) zusammen. Mit der Zeit werden immer mehr Geräte den neuen Stecker und Standard unterstützen. Bis es so weit ist, muss der Macbook-12-Nutzer aber immer zahlreiche Adapter bei sich haben. Eine Alternative für Präsentationen stellt noch Airplay dar, das benötigt aber das Apple TV, das keine typische Konferenzraumausstattung ist.

Das Henne-Ei-Problem

Das Problem ist selten der USB-Anschluss selbst, sondern die bisher gemächliche Entwicklung von USB-Typ-C-Peripherie. Vor dem Macbook 12 gab es für Zubehörhersteller wenige Gründe, entsprechende Peripherie zu entwickeln. Jetzt, wo das Macbook 12 auf den Markt kommt, dürften sie nachziehen. Das kann jedoch noch etwas dauern, auch wenn beispielsweise die ersten USB-C-Sticks bereits fertig entwickelt sind.

Schmetterling schlägt Schere

Eine weitere Herausforderung stellt bei einem sehr dünnen Notebook die Tastatur dar. Apple hat dafür einen neuen Mechanismus namens Butterfly entwickelt. Bisher wurde bei Notebooks meist ein Scherenmechanismus eingesetzt, der bei klassischen Ultrabooks wie dem Macbook Air gut funktioniert. Doch darf bei sehr dünnen Geräten auch die Tastatur nicht viel Platz in Anspruch nehmen, und der Scherenmechanismus wird bei sehr dünnen Geräten sehr wackelig. Das Problem kennt auch Microsoft: Die Tastatur-Cover der Surface-Reihe haben sehr wackelige Tasten ohne angenehm fühlbaren Druckpunk; darunter leidet das Tippgefühl.

Apples neuer Tastenmechanismus geht das Problem an: Die neue Mechanik braucht vor allem weniger Platz in der Höhe. Das merkt man auch am Tastenhub, der kaum noch vorhanden ist. Dennoch kann auf dem Gerät sehr angenehm getippt werden.

Der geringe Tastenhub irritiert zunächst, doch gibt der sehr präzise Druckpunkt dem Nutzer gutes Feedback. Wird eine Taste nicht ganz mittig getroffen, bleibt der Mechanismus stabil, und die Taste senkt sich gleichmäßig - das war immer ein Problem beim Scherenmechanismus, bei dem die Tasten dann leicht kippen.

Die einzelnen Tasten hat Apple beim Macbook 12 vergrößert, die Abstände zwischen den Tasten sind deutlich kleiner, doch hat das keinen großen Einfluss auf das Schreibgefühl.

Das neue Force-Touch-Trackpad hat uns schon im Macbook Pro 13 Retina (2015) überzeugt: Das Trackpad ist druckempfindlich, hat aber keine Klickmechanik. Stattdessen schlägt ein Motor von unten gegen das Trackpad. Das fühlt sich überraschend realistisch an und kann zudem in mehreren Stufen angepasst werden.

Dank des neuen Touchpads können Entwickler eine weitere Eingabemethode in ihre Software integrieren, den sogenannten Force Click. Gut umgesetzt wurde das etwa in Safari: Wird stärker auf das Trackpad gedrückt, ist erst der erste Klick spürbar, kurz darauf folgt ein zweiter. Wird so auf einen Link geklickt, wird im Browser eine kleine Vorschau des dahinterliegenden Inhalts angezeigt. Auch beim neuen Macbook 12 funktioniert das ohne Probleme.

Verfügbarkeit des Macbook 12 und Fazit

Apple bietet das Macbook 12 in drei Ausstattungsvarianten jeweils in den Farben Silber, Spacegrau und Gold an. Die kleinste Variante mit dem Intel Core M-5Y31 als Prozessor und 256 GByte internem SSD-Speicher ist ab 1.450 Euro erhältlich. Die Variante mit dem schnelleren Prozessor und 512 GByte internem SSD-Speicher kostet 1.799 Euro. Der stärkste Prozessor kostet noch einmal 150 Euro Aufpreis. Aktuell ist das Macbook 12 kaum verfügbar. Die Lieferzeiten reichen zum Teil bis in den Juni 2015.

Erstmals liefert Apple ein Macbook bereits in der kleinsten Variante mit 256 GByte SSD-Speicher aus. Ein Macbook Air 11 ist mit 256 GByte SSD-Speicher und 8 GByte RAM nur 100 Euro günstiger und hat das schlechtere Display, dafür aber einen stärkeren Prozessor. Das 13-Zoll-Modell kostet in der gleichen Konfiguration genauso viel wie das Macbook 12. Fazit

Das Macbook 12 ist eines der leichtesten und dünnsten Notebooks. Wer viel unterwegs ist, wird diesen Vorteil sehr zu schätzen wissen. Das Gerät passt auch gut in kleinere Taschen und macht sich im Rucksack kaum durch sein Gewicht bemerkbar. Um auch unterwegs lange arbeiten zu können, gibt es ein gutes und helles Display mit Retina-Auflösung. Die Akkulaufzeit reicht ebenfalls: Rund neun Stunden kann auf dem Gerät getippt und gesurft werden.

Die lange Akkulaufzeit ermöglicht unter anderem der sparsame Core-M-Prozessor. Bei kurzen Prozessen arbeitet er sehr schnell, erst bei der Adobe-Videobearbeitung wünschten wir uns ein schnelleres Modell. Da der Chip wenig Abwärme produziert, kann er passiv gekühlt werden, und eine Geräuschkulisse kommt nur durchs Tippen zustande.

Aktuell ist der eine USB-Typ-C-Port mit USB-3.1-Standard noch eine Fessel. An diese Buchse kann praktisch alles angeschlossen werden: sowohl das Netzteil als auch der Monitor und sonstige Peripherie. Derzeit gibt es aber so gut wie keine Geräte, die den neuen Standard unterstützen, für alles werden Adapter benötigt. Port-Replikatoren mit dem neuen USB-3.1-Standard wurden noch nicht vorgestellt, einzig mit Apples teuren und mit wenigen Anschlüssen ausgestatteten Adaptern können externe Geräte angeschlossen werden, während das Macbook lädt. Spätestens aber, wenn entsprechende Geräte auf den Markt kommen, wird das Problem hinfällig.

Die neue Tastatur ist gelungen. Trotz des geringen Hubs können dank des präzisen Druckpunktes auch längere Texte angenehm getippt werden - doch ist etwas Eingewöhnungszeit nötig. Das neue Touchpad mit dem Fake-Klick ist ebenfalls sehr gut und bietet interessante neue Eingabemöglichkeiten.

Wer sich mit dem einzelnen USB-Port arrangieren kann, der bekommt mit dem Macbook 12 ein sehr gutes Notebook, das vor allem unterwegs seine Stärken zeigt. Mit einem Preis von 1.450 Euro ist es nicht günstig, aber gerade mobilen Anwendern könnte jedes gesparte Gramm dies wert sein. Unangemessen ist allerdings der Preis für das Standardzubehör. Für unseren Arbeitsalltag müssten wir fast 200 Euro nur für Adapter ausgeben - das sind versteckte Kosten, die jedem Interessenten bewusst sein sollten.  (sw)


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