Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/auto-hilferuf-ecall-wird-ab-2018-pflicht-1504-113775.html    Veröffentlicht: 28.04.2015 18:16    Kurz-URL: https://glm.io/113775

Auto-Hilferuf

eCall wird ab 2018 Pflicht

Das Notrufsystem eCall wird für alle neuen PKW und leichten Nutzfahrzeuge ab dem Jahr 2018 zur Pflicht. Das beschloss das EU-Parlament. Bei einem Unfall übermittelt das System die Position des Fahrzeugs automatisch. Datenschutzsorgen soll ein Verwertungsverbot entgegentreten.

Das EU-Parlament hat die Einführung des Auto-Notrufsystems eCall beschlossen, das nun deutlich später als ursprünglich geplant Pflicht wird. Erst ab dem 31. März 2018 müssen dann erstmals zugelassene Autos und leichte Nutzfahrzeuge mit dem Automatik-System ausgerüstet werden.

Das System ruft in Europa automatisch die Nummer 112 an und übermittelt Ort und Zeitpunkt des Unfalls mit Airbag-Auslösung sowie die Fahrtrichtung und die Zahl der Insassen und die Motorenart. So sollen die Helfer ungefähr erkennen können, was sie erwartet. Damit das System funktionieren kann, müssen die Fahrzeuge mit GPS, einem Mobilfunkmodul und einem Steuergerät ausgerüstet werden und mit Sensoren ausgestattet sein, die die Zahl der belegten Plätze zählen. Die Verbindung zum Mobilfunksystem wird erst hergestellt, wenn ein Unfall festgestellt wurde. Zudem müssen die Notruf-Organisation und Infrastruktur umgebaut werden. Der Notruf kann auf Knopfdruck auch manuell ausgelöst werden, sollte jedoch nicht im Fall einer Autopanne benutzt werden. Die Nutzung des Dienstes ist kostenlos.

Die EU-Kommission schätzt die Kosten des eCall-Systems pro Fahrzeug auf 100 Euro. Auf EU-Ebene wurde schon mehrfach versucht, das Notrufsystem einzuführen. Eigentlich sollte es schon 2009 in jedem Neuwagen vorhanden sein. Später wurde als Starttermin 2010 avisiert. In Österreich lief von Juli bis Ende September 2006 ein Pilotversuch zu eCall. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Verkehr, Information und Technologie gemeinsam mit den Partnern Dolphin Technologies, ÖAMTC und Mobilkom Austria durchgeführt.

Nach Angaben der EU-Kommission verursachten Straßenverkehrsunfälle 2014 EU-weit rund 25.000 Todesopfer. Mit dem automatischen Notrufsystem sollen künftig durch die frühe Alarmierung und präzise Ortsangabe geschätzt 10 Prozent davon gerettet werden können.

Das System lässt sich vom Fahrer nicht abschalten. Durch die Datenschutzklausel soll verhindert werden, dass die Fahrzeuge ständig verfolgbar sind, bevor ein Unfall passiert. Demnach dürfen die von den Notdiensten gesammelten Daten ohne die ausdrückliche vorherige Zustimmung der betroffenen Person nicht an Dritte weitergegeben werden, und die Autohersteller müssen dafür sorgen, dass die Technik die Löschung der Daten auf Fahrzeugseite ermöglicht.

Ecall werde keine Metadaten sammeln, die für die Erstellung von Bewegungsprofilen genutzt werden könnten, sagte die Sprecherin der Sozialdemokraten im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, Evelyne Gebhardt (SPD). "eCall ist ausdrücklich ein sogenanntes schlafendes Notrufsystem - Positionsdaten werden nur im Falle eines Notfalls übermittelt."  (ml)


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