Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kde-plasma-5-3-im-test-ein-desktop-der-energie-versprueht-1504-113762.html    Veröffentlicht: 28.04.2015 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/113762

KDE Plasma 5.3 im Test

Ein Desktop, der Energie versprüht

Mit Plasma 5.3 haben die KDE-Entwickler einige wichtige Neuerungen zur Energieverwaltung hinzugefügt. Zusätzlich zu neuen Einstellungsoptionen und portierten Widgets kann auch erstmals das Mediacenter getestet werden - eine zweite Oberfläche der Plasmashell.

Besonders auffällige Neuerungen haben die KDE-Entwickler mit der Veröffentlichung von Plasma 5.3 auf den ersten Blick nicht umgesetzt. Dafür hat die neue Version der Oberfläche viele kleine und vor allem hilfreiche Details, die mitunter allerdings etwas versteckt sind. Dies gilt insbesondere für die Arbeiten an der Energieverwaltung.

So erhalten Laptop-Nutzer nun grafisch aufbereitete Informationen zum Energiestatus ihrer Geräte. Die entsprechenden Anwendungen erinnern stark an jene, die so ähnlich auch auf Smartphone-Systemen eingesetzt werden, um energiehungrige Apps aufzuspüren.

Neben einem Diagramm, das eventuelle Veränderungen der Leistungsaufnahme anzeigt, werden diejenigen Anwendungen gelistet, welche am stärksten zum Entladen des Akkus beitragen. Der Ladezustand und dessen Veränderungen über gewisse Zeiträume hinweg lassen sich ebenfalls überprüfen.

Besserer Umgang mit Ruhezuständen

Darüber hinaus verhindert das Aussetzen der Energieverwaltung etwa durch Anwendungen nun auch das Sperren des Bildschirms. Das Batterie-Applet zeigt nun außerdem an, welche Anwendungen die Energieverwaltung aussetzen, wie zum Beispiel der VLC-Player beim Schauen eines Films oder Gwenview bei einer Diashow.

Für Verbesserungen bei der Arbeit mit dem Plasma-Desktop sorgen auch Neuerungen beim Umgang mit den Ruhezuständen. Wird etwa das Display eines Laptops heruntergeklappt, während dieser herunterfährt, wird das Ausschalten nicht mehr durch das Überführen des Systems in einen Ruhezustand unterbrochen.

Die Oberfläche ermöglicht nun auch ein häufiges Anwendungsszenario der Büroarbeit: Falls ein externer Monitor an einen Laptop angeschlossen ist, kann das Gerät problemlos zugeklappt werden. Bisher führte dies in der Standardkonfiguration dazu, dass er in den Ruhezustand versetzt wurde.

Prinzipiell sollte dies funktionieren - wir stießen dabei aber auf Probleme wie ein deutliches Flackern beim Übergang oder auch ein Verschieben des Bilds. Derartige Fehler sind jedoch wohl auf die Nachteile der X11-Architektur zurückzuführen und sollen mit Wayland nicht mehr auftreten. Dies werde wahrscheinlich aber erst Ende diesen Jahres zufriedenstellend umgesetzt sein, glaubt der zuständige Entwickler Martin Gräßlin.



Vorschau auf das Mediacenter

Die wohl herausragende technische Änderung, welche mit Plasma 5 erarbeitet wurde, ist die sogenannte Plasmashell. Diese soll als gemeinsame Basis für die unterschiedlichen Oberflächen des KDE-Projekts dienen. Ähnlich wie bei dem von Canonical entwickelten Unity8 soll sich die Oberfläche einfach an die Displaygröße und die gewünschte Nutzung anpassen.

Bisher stellte das KDE-Team aber nur den Plasma-Desktop bereit. Doch mit Plasma 5.3 gibt es erstmals eine technische Vorschau des sogenannten Mediacenters (PMC), welche die Plasmashell nutzt und auf Qt5 sowie den KDE Frameworks 5 aufbaut.

Wie der Name schon sagt, ist das PMC als einfach zu nutzende Multimediazentrale konzipiert und soll nicht nur auf dem Laptop oder Tower genutzt werden. Vielmehr ist es das Ziel, eine Oberfläche zu schaffen, die an das Nutzungserlebnis aktueller Smart-TVs heranreicht. Somit könnte das Plasma Mediacenter ähnlich wie etwa Kodi auf einem Minirechner im Heimnetzwerk eingesetzt werden.

Zur Verwendung des PMC als Anwendung für einen eigenen Smart-TV lässt sich das Shell-Plugin als eigene Sitzung direkt bei der Anmeldung auswählen. Starten lässt sich die Anwendung aber auch über einen Eintrag im Startmenü des Desktops und natürlich über die Kommandozeile. Wird das PMC aus dem Desktop heraus gestartet, läuft es schlicht als Fenster im Vollbildmodus. Um diesen zu beenden, muss die Taste F betätigt werden.

Ausschließlich für Experimente

Bis das Mediacenter auch nur einen ähnlich großen Funktionsumfang haben wird wie vergleichbare Projekte, muss wohl noch einiges an Arbeit investiert werden - sofern das kleine KDE-Team dies überhaupt je erreichen kann. Die nun erschienene Vorschau zeigt aber bereits das Potenzial der neuen Oberfläche und der Plasmashell.

Im Menu des PMC sind die Einträge nach Medienart sortiert, also Fotos, Musik, Video. Filme und Bilder werden in einer Kachelübersicht dargestellt, die entsprechende Auswahl führt zum Start des Films oder einer Diashow. Bei der Wiedergabe bleibt jedoch der Desktophintergrund sichtbar. Dieser wird nicht wie sonst üblich mit schwarzen Balken überblendet.

Für die Musiksammlung wird in der Ansicht nochmals zwischen einzelnen Liedern, Alben sowie den Interpreten unterschieden. Playlisten können derzeit aber nicht genutzt werden, weshalb nur einzelne Dateien abgespielt werden können. Zur Steuerung aller drei Wiedergabeansichten, wird eine dezente Leiste eingeblendet, sobald Nutzer den Mauscursor zum unteren Bildschirmrand bewegen.

Als Informationsquelle für die Sammlungen dient zurzeit allein die Desktopsuche Baloo, welche standardmäßig die Dateien im Home-Verzeichnis indiziert. Eine Navigation über Ordner wird aber ebenso wenig unterstützt wie der Fernzugriff per UPNP. Ist Baloo also abgeschaltet, lässt sich auch das Mediacenter derzeit praktisch nicht nutzen: Es werden schlicht keine Dateien angezeigt.

Die meisten der geschilderten Probleme sind den Verantwortlichen bereits bekannt und es wird daran gearbeitet, diese zu beheben. In Planung sind außerdem neue Funktionen, die auf Plasma-Techniken aufbauen. So soll zum Beispiel eine Übersicht kürzlich verwendeter Dateien entstehen.

Wayland, weitere Kleinigkeiten und Ports

Stetig verbessert wird in Plasma 5 auch die Unterstützung für den X11-Ersatz Wayland. So kann die Fensterverwaltung Kwin nun einen eingenisteten XWayland-Server starten, das heißt einen zweiten Server zur Anzeige in der bereits laufenden Sitzung. XWayland dient als Brückentechnologie zwischen der alten und neuen Grafikarchitektur unter Linux.

Ebenso kann nun auch Kwin selbst als eingenistete Anwendung laufen. Zudem kann Kwin direkt auf einem Framebuffer-Gerät gestartet werden. Ein Backend, das die Kernel-Mode-Settings nutzt und damit OpenGL, ist für die kommende Plasma-Version vorgesehen. Dann soll Kwin auch Wayland-Clients verwalten können. Informationen zum Testen finden sich im KDE-Wiki.

Nützlicher Kleinkram

Trotz aller Bemühungen fehlen dem neuen Plasma-Desktop noch einige Funktionen im Vergleich zu der alten 4er-Reihe. Um diese Lücke weiter zu schließen, gibt es nun ein neues Bluetooth-Applet sowie ein Konfigurationsmodul für Touchpads. Auf die neue Technik portiert wurden darüber hinaus das Comic-Widget und das Plasmoid zur Systemlastanzeige. Statt die Steuerelemente für die Widgets beim Darüberfahren mit der Maus anzuzeigen, lassen sich diese nun auch per Klick-und-Halten aufrufen.

In dem alternativen Anwendungsmenü werden zuletzt genutzte Anwendungen und Dokumente nun mittels der Aktivitäten angezeigt. Auch wenn Plasma-Nutzer das Aktivitäten-Konzept nicht verwenden, greifen verschiedene Ressourcen häufiger zumindest auf die vorhandene Standard-Aktivität zu. Eine Erklärung dazu bietet der Entwickler Eike Hein in seinem Blog.

Fazit

Die mittlerweile vierte Veröffentlichung von Plasma 5 sorgt insbesondere mit den Änderungen an der Energieverwaltung für eine Desktop-Umgebung, die sich so verhält, wie es von einer aktuellen Oberfläche zu erwarten ist. Hilfreich für die Arbeit sind auch die andauernden Anstrengungen bei den Portierungen der Widgets.

Bisher unentschlossene Nutzer können sich nun ohne größere Probleme mit der neuen KDE-Oberfläche vertraut machen - wenn auch nur testweise - und einen Wechsel in Betracht ziehen. Kubuntu hat dies vergangene Woche mit 15.04 alias Vivid Vervet bereits vollzogen. Weitere Distributionen sollten im Laufe des Jahres folgen. Viele stellen Plasma 5 inzwischen in gesonderten Repositories zur Verfügung.

Vermutlich weil greifbare Resultate fehlen, wird Canonical manchmal vorgeworfen, dass der konvergente Linux-Desktop nichts weiter als eine PR-Kampagne sei. Das KDE-Team beweist mit dem Plasma Mediacenter aber, dass dies technisch kein Problem ist. Allerdings folgen die Entwickler offenbar dem Credo Release Early, Release Often, weswegen die zweite Plasma-Oberfläche derzeit noch nicht produktiv genutzt werden kann, sondern höchstens als Spielwiese dient.

Plasma 5.3 steht im Quellcode zum Download bereit. Das Projekt-Wiki listet Paketquellen für Distributionen sowie verfügbare Live-Abbilder mit dem Desktop.  (sg)


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