Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dragon-age-inquisition-200-stunden-15-840-handlungspfade-und-zehntausende-von-bugs-1504-113761.html    Veröffentlicht: 28.04.2015 10:22    Kurz-URL: https://glm.io/113761

Dragon Age Inquisition

200 Stunden, 15.840 Handlungspfade und Zehntausende von Bugs

Dragon Age Inquisition ist ohne größere Programmfehler erschienen - obwohl es davor zeitweise Zehntausende von Bugs hatte. Golem.de hat mit der aus Deutschland stammenden Tulay McNally von Bioware über die Quality Assurance (QA) gesprochen.

"Eine Shooter-Engine, die zum ersten Mal in einem Rollenspiel dieser Art zum Einsatz kam, ein riesiger Umfang von bis zu 200 Stunden, fünf Plattformen, vier Rassen und drei Klassen, 300 Nebenmissionen und 15.840 Handlungspfade sowie eine Million Wörter": So beschreibt Tulay McNally die Herausforderung, vor der sie mit ihrem Team bei Dragon Age Inquisition stand.

Die aus München stammende McNally war bei Bioware in Kanada als Director of Development QA and Quality Engineering für die Qualitätssicherung des Ende 2014 veröffentlichten Rollenspiels zuständig. Auf der Entwicklerkonferenz Quo Vadis 2015 in Berlin hat sie von ihrer Arbeit an dem Mammutprojekt berichtet.

Ihre Abteilung musste mit der Arbeit schon deutlich vor den ersten spielbaren Abschnitten beginnen. Dank der Frostbite-Engine von Dice sollte Dragon Age Inquisition zwar über eine leistungsstarke Laufzeitumgebung verfügen. Die war aber für Shooter ausgelegt, entsprechend musste Bioware nicht nur viele Module neu programmieren, etwa für die Audio-Ausgabe, für das Scene-Design und die Zwischensequenzen, sondern auch die Entwicklerwerkzeuge.

All diese Programme und Module müssen von der Qualitätssicherung unter die Lupe genommen werden, damit Designer später ohne größere Probleme damit arbeiten können. Für diese erste, sehr technische Phase sind Experten zuständig, die am Ende der Entwicklung wieder besonders gefragt sind. Als das Spiel weitgehend stand, durften sie im sogenannten "Chaotic Testing" versuchen, Exploits zu finden oder das Spiel mit Tricks zu überlisten.

"Sie können die internen Abhängigkeiten im Programm gut einschätzen", so McNally. Das habe auch den angenehmen Effekt, dass ein Fix oft sehr viele damit zusammenhängende Probleme gelöst habe - wodurch die zeitweise zehntausende Einträge umfassende Bug-Liste vergleichsweise schnell hätte abgearbeitet werden können.

30 Prozent technische Bugs

Rund 30 Prozent der Bugs in Dragon Age Inquisition sind laut McNally durch technische Systeme verursacht worden, der Rest durch Spielinhalte, wie beispielsweise eine unlogisch ablaufende Quest. Aber es geht auch um die Frage, ob alle Missionstexte so verfasst sind, dass Spieler sie verstehen können - und ob sie Spaß machen.

Denn auch das gehört zum Testen eines Spiels. McNally sagt, dass sich das letztlich natürlich nur durch Ausprobieren feststellen lasse. Aber ein paar Ansätze, schon früher auf mögliche Stärken oder Schwächen zu stoßen, gebe es doch. Das Entwicklerteam von Inquisition habe etwa regelmäßig Artwork-Reviews abgehalten - also Besprechungen, bei denen über den Stil eines Monsters oder einer Umgebung gesprochen wurde.

Auch die Mitglieder von anderen Teams wurden regelmäßig auf eine frühe Runde Dragon Age eingeladen und dann um ihre Meinung gebeten. Später kamen laut McNally auch Fokusgruppen dazu sowie auf Messen wie der Gamescom Treffen etwa mit Youtubern und Fans aus der Community. Die durften hinter verschlossenen Türen spielen und wurden dann sehr konkret befragt, wie sie Missionen, Kämpfe und andere Elemente fanden.

Neben den Technik- und den Gameplay-QA-Testern gibt es noch eine dritte, etwas kleinere Gruppe. Bei Bioware heißt sie laut McNally "Compliance Dev Support"; sie ist dafür zuständig, ob etwa rechtliche Vorgaben zu Altersfreigaben oder Ähnlichem eingehalten werden, für die Lokalisierung sowie für die Nennung von lizenzierter Middleware in den Credits - und wer sich den minutenlangen Abspann von Dragon Age Inquisition ansieht, der weiß, dass allein dort jede Menge potenzieller Fehler lauern.  (ps)


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