Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nexus-player-im-test-zu-wenige-apps-zu-viele-probleme-1504-113696.html    Veröffentlicht: 27.04.2015 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/113696

Nexus Player im Test

Zu wenige Apps, zu viele Probleme

Chance vertan: Google hätte mit dem Nexus Player so viel erreichen können. Aber eine verhunzte Fernbedienung und enttäuschend wenige Apps machen die Android-TV-Box unattraktiv. Zumal der Nexus Player bei gleichem Preis deutlich schlechter ausgestattet ist als Amazons Fire TV.

Google hat sein erstes Android-TV-Gerät auf den deutschen Markt gebracht. Vom Preis her liegt es auf dem gleichen Niveau wie Amazons Fire TV, das wir gegen den Nexus Player haben antreten lassen. Die Amazon-Box läuft mit einer angepassten Android-Version namens Fire OS, auf dem Nexus Player läuft Android TV. Beide Geräte haben eine Oberfläche, die auf die Nutzung als Streaming-Gerät optimiert ist. Sie machen aus einem normalen Fernseher ein Smart-TV, können aber auch eine Bereicherung für ein Smart-TV sein, dessen Oberfläche träge und langsam ist.

Der zusammen mit Asus entwickelte Nexus Player hat einen ähnlichen Lieferumfang wie Amazons Fire TV: Netzteil und Bluetooth-Fernbedienung. Das zum Anschluss notwendige HDMI-Kabel ist - wie beim Fire TV - nicht dabei. Außerdem haben wir beim Nexus Player einen USB-OTG-Adapter vermisst, ohne den sich kein USB-Zubehör an das Gerät anschließen lässt.

Die Einrichtung ist schnell und bequem bewerkstelligt. Zunächst muss der Nexus Player mit einem WLAN-Router verbunden werden. Über WPS ist das nicht möglich, der Nutzer muss das Kennwort über die Bildschirmtastatur mit der Fernbedienung eingeben. Danach wird das Gerät mit dem Google-Konto verbunden. Dafür hat sich Google einen sehr eleganten Weg ausgedacht.

Sehr bequeme Konto-Anmeldung

Denn der Nutzer muss die Anmeldedaten für das Google-Konto nicht mühsam mit der Fernbedienung eingeben. Über einen Browser-Link kann er sich sehr bequem über eine Google-Webseite vom Computer, Tablet oder Smartphone aus anmelden. Er muss nur einen PIN-Code in der Webseite eingeben, alles andere läuft automatisch. Anders als bei Smartphones oder Tablets kann der Nexus Player nur mit einem Google-Konto verwendet werden. Zum Vergleich: Die direkt bei Amazon bestellten Fire-TV-Geräte werden mit dem Konto eingerichtet verschickt. Ansonsten müssen die Zugangsdaten über die Bildschirmtastatur oder eine angeschlossene Tastatur eingegeben werden.

Nach der Ersteinrichtung muss sich der Käufer des Nexus Player selbst durchschlagen. Dem Gerät liegt keine Anleitung bei. Das ist bei den Amazon-Geräten besser gelöst: Nach der Einrichtung startet ein Video, in dem die wichtigen Funktionen anschaulich erklärt werden. Damit lassen sich die Fire-TV-Geräte auch von Käufern in Betrieb setzen, die technisch weniger versiert sind. Auf unserem Testmuster des Nexus Player lief zunächst Android 5.0, es begann aber gleich der Download für das Update auf Android 5.1, ohne dass der Nutzer darüber informiert wurde.

Aufgeräumter Hauptbildschirm

Nach der Einrichtung erscheint die Android-TV-Oberfläche, die sich deutlich von der eines Android-Smartphones oder -Tablets unterscheidet. Es gibt keinen Startbildschirm mit Widget-Unterstützung, sondern einen Hauptbildschirm, den sich Inhalte und Apps teilen. Der Bereich wirkt sehr übersichtlich und nicht so überfrachtet wie bei den Fire-TV-Geräten. Im oberen Bereich werden unterhalb der Suche empfohlene Inhalte aus einigen installierten Apps angezeigt.

Wir haben hinter den Empfehlungen kein erkennbares Muster ausmachen können und empfanden diesen Bereich daher als nutzlos. Nicht alle Apps nisten sich dort mit Vorschlägen ein, auch wenn sie ausdrücklich für den Nexus Player konzipiert sind. Neben den Inhalten aus den Google-Apps Play Movies und Youtube war die Arte-App die einzige Fremd-App, die dort Inhalte einspielte. Netflix und die übrigen Mediatheken-Apps deutscher Fernsehsender machten keine Vorschläge.

Empfehlungsbereich ist unnütz

Der Empfehlungsbereich ist also nicht mit dem Aktuell-Bereich der Fire-TV-Geräte vergleichbar, in dem gerade aufgerufene Inhalte erscheinen. Wird ein Film beim Nexus Player in den drei genannten Apps gestartet und wechselt der Anwender dann zum Hauptbildschirm, muss er die App heraussuchen, aufrufen und kann erst dann seinen Film weiterschauen.

Wir haben nur selten die Situation gehabt, dass wir aus dem Empfehlungsbereich Inhalte aufgerufen haben. Dabei machte sich dann noch eine unlogische Bedienung bemerkbar: Bei den Empfehlungen handelt es sich um Medieninhalte, aber wenn wir aus dem Hauptbildschirm auf die Wiedergabetaste drücken, startet die Wiedergabe nicht. Erst wenn der Inhalt mit der Bestätigen-Taste geöffnet wird, beginnt die Wiedergabe. Diese Bedienlogik fanden wir inkonsistent, denn ansonsten wird in allen Apps die Wiedergabe mit der entsprechenden Taste gestartet.

Hauptbildschirm-Wechsel ist nicht einheitlich

Der Hauptbildschirm erscheint immer, wenn die Kreistaste auf der Fernbedienung betätigt wird. Bei den meisten Streaming-Apps wird dann auch die Wiedergabe pausiert. Das ist aber nicht der Fall, wenn ein Film in einer App läuft, die auch den Empfehlungsbereich füllt. Dann wechselt zwar ein Druck auf die Kreistaste ebenfalls auf den Hauptbildschirm, die Wiedergabe läuft aber weiter.

Wer das verhindern will, sollte vorher die Pausetaste betätigen. Wir sehen keinen Vorteil darin, den Inhalt im Hintergrund weiterlaufen zu lassen, denn aufgrund der vielen Piktogramme auf dem Hauptbildschirm ist vom Film nicht viel zu erkennen. Auch hier ist die Bedienlogik nicht einheitlich. Zum Vergleich: Auf den Fire-TV-Geräten wird die Wiedergabe immer angehalten, wenn der Startbildschirm aufgerufen wird. Das ist für den Nutzer logischer und verständlicher.

App-Bereich nicht konfigurierbar

Auf dem Hauptbildschirm befinden sich unter den Empfehlungen alle installierten Apps. Bei bis zu 15 Apps werden diese in einer Reihe einsortiert, ab der 16. App werden sie auf zwei Reihen verteilt. Es gibt für den Nutzer keine Möglichkeit, die Reihenfolge der Apps zu bestimmen. Ist er mit dem Cursor am Ende der App-Leiste angelangt, kann er nicht sofort wieder an den Beginn der Zeile springen - unendliches Scrolling fehlt also hier.

Wir finden die Umsetzung bei den Fire-TV-Geräte praktischer: Dort werden im oberen Aktuell-Bereich Apps oder Inhalte aus Amazons Videodienst eingeblendet, sobald diese gestartet wurden. Der Nutzer kann zwar auch hier die Liste nicht sortieren, aber er kann nicht Benötigtes aus der Liste entfernen, um zügig auf seine wichtigen Apps oder Inhalte zugreifen zu können. Wird gerade eine Serie geschaut, hängt sich das passende Icon in den Aktuell-Bereich.

Wer beispielsweise vor allem Netflix und Kodi verwendet, findet die beiden Icons ganz vorne in der Liste. Auf dem Nexus Player muss der Anwender immer erst nach den App-Icons suchen - oder er merkt sich die Position. Die kann sich aber ändern, wenn andere Apps dazukommen oder deinstalliert werden. Im gegebenen Beispiel wären Netflix und Kodi auf den Fire-TV-Geräten immer ganz vorne zu finden. Wie auch bei den Fire-TV-Geräten gibt es auf dem Nexus Player keine Möglichkeit, bequem zwischen Apps zu wechseln. Will man von einer App in eine andere wechseln, ist das nur über den Wechsel zum Hauptbildschirm möglich.

Verwirrend viele Einstellungskacheln

Am Ende der Hauptseite können die Einstellungen aufgerufen werden, die sich auf mehrere Kacheln und Reihen verteilen. Dabei sind nicht einmal alle Kacheln in einer Reihe auf dem Display sichtbar, der Nutzer muss also für einzelne Kacheln in fast jeder Reihe seitlich scrollen. Damit wirken die Einstellungen unübersichtlich. Die Einstellungen auf den Fire-TV-Geräten sind übersichtlicher, weil nur in einer Reihe seitlich gescrollt werden muss, um durch alle Einstellungen zu gelangen. Die Oberfläche von Android TV reagiert zügig und App-Starts brauchen nicht lange, wir konnten keine unangenehm langen Wartezeiten ausmachen.

Die schlechtere Ausstattung im Vergleich zum Fire TV macht sich nicht negativ bemerkbar. Beide Geräte haben 8 GByte Flash-Speicher, der Nexus Player hat 1 GByte Arbeitsspeicher und bei der Fire-TV-Box sind es 2 GByte. Im Google-Gerät arbeitet ein Quad-Core-Prozessor von Intel aus der Atom-Serie mit einer Taktrate von 1,8 GHz, im Fire TV steckt Qualcomms Quad-Core-Prozessor Snapdragon 600, der mit einer Taktrate von 1,7 GHz läuft.

Unpraktische Fernbedienung mit lauten Tasten

Der Nexus Player wird über eine Bluetooth-Fernbedienung gesteuert, die neben einem Navigationsbereich einen Home- und einen Zurück-Knopf hat. Zudem ist eine Taste für die Sprachsuche vorhanden und ein Knopf, um die Wiedergabe zu pausieren, fortzusetzen oder zu starten. Spultasten gibt es nicht.

Wir waren überrascht, wie laut die Tasten auf der Fernbedienung klackern und empfanden das als unangenehm. Die Tasten haben vergleichsweise viel Spiel und hinterlassen keinen hochwertigen Eindruck. Als missglückt empfinden wir zum Teil auch die Tastenaufteilung. Denn die Wiedergabe-Pause-Taste ist nicht wie bei Fernbedienungen üblich mittig angeordnet, sondern am Rand. Wir taten uns daher sehr schwer damit, die Taste aus dem Augenwinkel zu treffen, an eine Blindbedienung war nicht zu denken. Immerhin kann in einigen Apps die Wiedergabe auch mit der Bestätigen-Taste pausiert und fortgesetzt werden, die der Anwender sehr gut ertasten kann.

Aufgrund der Bluetooth-Technik ist kein Sichtkontakt zur Box erforderlich - dieses Konzept ist von Amazons Fire-TV-Geräten bekannt. Ein Nachteil ist, dass sich die Box nicht direkt mit einer herkömmlichen Infrarotfernbedienung handhaben lässt. Falls der verwendete Fernseher Steuerungsbefehle über HDMI-CEC unterstützt, kann das Google-Gerät über die TV-Fernbedienung gesteuert werden. Ansonsten muss neben der TV-Fernbedienung noch die für die Streaming-Box verwendet werden.

Bluetooth-Pairing-Knopf auf der Unterseite

Auf der Unterseite des Nexus Player befindet sich ein Pairing-Knopf, um Kontakt zur Bluetooth-Fernbedienung aufnehmen zu können. Bei der ersten Inbetriebnahme brauchten wir ihn nicht. Aber wir haben das Gerät mehrfach in den Werkszustand versetzt und bei jeder Neueinrichtung mussten wir den Knopf betätigen, weil sich der Nexus Player nicht mit der Bluetooth-Fernbedienung verbunden hat. Erst nachdem wir den Pairing-Knopf bemüht hatten, ließ sich das Problem lösen.

Abseits dieser Probleme funktionierte die Bluetooth-Fernbedienung einwandfrei. Google scheint die anfänglichen Probleme damit in den Griff bekommen zu haben. Zur Markteinführung in den USA beklagten Nutzer, dass die Bluetooth-Verbindung zwischen Gerät und Fernbedienung immer wieder mal verloren ging. Das Fire TV hat keinen solchen Pairing-Knopf, die Bluetooth-Steuerung lief immer ohne Probleme. Die Nexus-Player-Fernbedienung bietet keine Lautstärkeregulierung - dieses Manko wurde bereits bei den Fire-TV-Geräten bemängelt.

Im Play Store bietet Google die Android-TV-Remote-App für Smartphones und Tablets an. Sie bildet das Layout der Nexus-Player-Fernbedienung exakt nach, hat also ebenfalls keine Spultasten. Bislang gibt es die App nur für Android-Geräte. Das hat Amazon besser gelöst: Für die Fire-TV-Geräte steht außer für Android auch eine Fernbedienungs-App für iOS bereit. Mit beiden Apps kann die Bildschirmtastatur des Smartphones oder Tablets für Texteingaben verwendet werden. Das ist komfortabler, als Texteingaben mit der Fernbedienung zu machen.

Googles Play Movies mit schlechtem Layout

Auf dem Nexus Player ist Googles Play-Movies-App vorinstalliert, um sich Filme oder Serien aus dem Google-Sortiment digital auszuleihen oder zu kaufen. Google bietet kein Abomodell, jeder Film und jede Serie müssen separat bezahlt werden. Die Oberfläche der App ähnelt von der Struktur her dem Startbildschirm auf den Fire-TV-Geräten. In einzelnen Spalten sind Filme und Serien nach Genres oder anderen Rubriken sortiert.

Die Piktogramme der Filme und Serien fallen deutlich kleiner aus als auf den Fire-TV-Geräten. Bei einem kleinen Fernseher muss der Nutzer schon nah herangehen, um den Text lesen zu können. Während wir den Text auf einem Fire-TV-Gerät gut lesen konnten, hatten wir bei gleichem Abstand zum Fernseher in Googles Play-Movies-App Probleme, den Text zu erkennen. Erschwerend kam hinzu, dass weißer Text auf rotem Hintergrund ohnehin schwer lesbar ist. Das Stöbern in der App machte daher weniger Freude.

Spulen geht nur über eine Bildschirmmenü

Das besserte sich auch nicht, als wir uns einen Film ansahen und spulen wollten. Denn auch mit den Navigationstasten ist kein Spulen möglich. Google hätte die Spulfunktion auf die Navigationstasten legen können, tut es aber nicht. Werden die Navigationstasten betätigt, erscheint ein Bildschirmmenü und der Nutzer muss dann mit einem Cursor zum Spulknopf navigieren und mit dem Bestätigungsknopf das Spulen auslösen. Diese unkomfortable Steuerung findet sich auch in der Youtube-App und in vielen Apps von Drittanbietern.

Wir fragen uns, was Google dazu bewogen hat, für ein Streaming-Gerät eine Fernbedienung zu bauen, die keine Spultasten hat, so dass sich Filme und Serien nicht intuitiv steuern lassen. In der Praxis gibt es immer wieder Situationen, in denen der Nutzer schnell ein Stück zurückspulen und dabei keine Bedienorgie lostreten, sondern schnell zum Ziel gelangen möchte.

Netflix erlaubt Spulen mit den Tasten der Fernbedienung

Netflix ist eine der wenigen Apps für den Nexus Player, die versucht haben, per Software das Fehlen der Spultasten auszugleichen. Ein Druck auf die Navigationstasten nach links und rechts spult in die entsprechende Richtung. Der Nutzer kann also ohne lästiges Bildschirmmenü direkt spulen. Allerdings geht das nur in einer Geschwindigkeit und beim Spulen muss die betreffende Taste dauerhaft gedrückt werden. Zum Vergleich: Beim Fire TV kann die Spulgeschwindigkeit mit den Tasten variiert werden und es ist nicht notwendig, die Spultasten ständig gedrückt zu halten.

In Googles Play-Movies-App werden Zusatzinformationen zu Darstellern oder zur im Film laufenden Musik angezeigt. Amazon hat diese Funktion erst kürzlich unter dem Namen X-Ray auf den Fire-TV-Geräten nachgerüstet. Die Umsetzung ist im Detail anders, aber in beiden Welten ein Komfortgewinn.

Sprachsuche arbeitet zuverlässig

Wie auf dem Fire TV bietet der Nexus Player eine Sprachsuche, die bequem mit einer Taste an der Fernbedienung ausgelöst wird und sehr treffsicher agiert. Wird die Sprachsuche auf der Hauptseite des Google-Geräts aufgerufen, findet sie nur Inhalte aus der Play-Movies- und Youtube-App. Bei den Fire-TV-Geräten findet die Sprachsuche Filme, Serien und Apps. Auf dem Google-Gerät muss für die App-Suche erst der Play Store geöffnet und dann die Sprachsuchtaste betätigt werden. Das erscheint uns unnötig umständlich.

Android TV enttäuscht mit geringer App-Auswahl

Beim Aufruf der Play-Store-App auf dem Nexus Player machte sich schnell Ernüchterung breit, denn dort ist nur ein Bruchteil der Android-Apps gelistet, die sonst im Play Store zu finden sind. Rund 1,4 Millionen Apps sind im Play Store. Der Nexus Player zeigt gerade mal 30 an. Hier schneiden die Fire-TV-Geräte besser ab, für sie sind derzeit weit über 100 Apps verfügbar.

Wer also hofft, mit dem Nexus Player eine größere App-Auswahl zu erhalten als auf dem Fire TV, wird enttäuscht. Von den deutschen Abo-Streaming-Diensten ist nur Netflix vorhanden. Wie auch auf den Fire-TV-Geräten fehlen Apps für Maxdome, Sky und Watchever. Somit unterstützt der Nexus Player derzeit mit Netflix nur einen Abo-Streaming-Dienst, während die Fire-TV-Geräte zusätzlich noch die Videoflatrate von Amazon enthalten. Googles Play-Movie-Zugang bringt hier keinen Vorteil. In Stichproben gab es alle dort gelisteten Filme auch in Amazons Instant-Video-Bereich, vereinzelt sogar günstiger.

Beim Streaming-Angebot der deutschen Fernsehsender schneidet der Nexus Player minimal besser ab, denn es gibt die 7TV-App der ProSieben-Sat.1-Gruppe. Auf den Fire-TV-Geräten fehlt sie. Fire-TV-Besitzer können aber über die Streaming-Funktionen von Kodi oder SPMC auch auf die Inhalte zugreifen, nur nicht in einer separaten App.

Sideloading in der Theorie sehr bequem

Weder Kodi noch SPMC gibt es über den eingebauten App-Shop auf dem Nexus Player. Damit zeigt sich das gleiche Bild wie bei den Fire-TV-Geräten, obwohl beide Apps problemlos sowohl auf den Amazon-Geräten als auch auf der Google-Box laufen. Wie bei den Fire-TV-Geräten müssen die Apps am eingebauten App-Shop vorbei installiert werden. Das ist auf dem Nexus Player in der Theorie sehr bequem machbar, in der Praxis machte es aber gehörige Probleme.

Der bequeme Weg: Der Nutzer meldet sich mit seinem Google-Konto auf der Play-Store-Webseite im Browser am Computer an und installiert die gewünschte App von dort auf dem Nexus Player. Denn auf der Play-Store-Webseite sind mehr Apps für den Nexus Player verfügbar als in der Play-Store-App auf dem Gerät. Nach ein paar Minuten befindet sich die App auf dem Android-TV-Gerät. Damit umgeht man den Play Store im Grunde nicht, aber über die Play-Store-App sind die betreffenden Apps nicht erreichbar.

Der kompliziertere Weg: Der Nutzer lädt die betreffende APK-Datei der App herunter, kopiert sie auf den Nexus Player und installiert diese dann mit einem zusätzlich zu installierenden Dateimanager. Der ganz komplizierte Weg geht über ADB und wird speziell für Kodi im Detail beschrieben.

Sideloading auf die harte Tour

Unser Testmuster zeigte dabei ein sehr seltsames Verhalten: Nach dem Auspacken konnten wir sehr komfortabel den ES Datei Explorer über die Play-Store-Webseite installieren. Auch SPMC ließ sich so einspielen. Zwischendurch führten wir eine Rücksetzung des Geräts auf die Werkseinstellungen durch. Danach konnten wir über die Play-Store-Webseite weder den ES Datei Explorer noch SPMC installieren. Der Nexus Player wurde nicht mehr als kompatibles Gerät gelistet. Das betraf auch viele andere Apps, die wir vor der Rücksetzung installieren konnten. Der Grund dafür ist uns nicht bekannt. Im Android-Hilfe-Forum berichtet ein Besitzer eines Nexus Player von genau dem gleichen Problem, dass das bequeme Sideloading per Play-Store-Webseite bei vielen Apps nach einem Reset nicht mehr funktioniert.

Auch kein anderer Dateimanager ließ sich über die Play-Store-Webseite auf den Nexus Player bringen. In dem Fall blieb nur der mühsame Weg über ADB, um weitere Apps per Sideloading auf der Box zu installieren. Egal, wie eine App auf dem Nexus Player installiert wird, sie wird erfreulicherweise direkt im Hauptbildschirm eingebunden. Bei den Fire-TV-Geräten sind zum Teil recht umständliche Verrenkungen erforderlich, um eine Sideloading-App auf den Hauptbildschirm zu bekommen.

Nexus Player geizt mit Anschlüssen

Allerdings funktionieren nicht immer alle Sideloading-Apps einwandfrei auf dem Nexus Player. Je nach Fernsehmodell kann es passieren, dass eine fehlerhafte Bildschirmskalierung vorliegt. In unserem Fall waren alle vier Ränder der Apps abgeschnitten, die Bedienung wurde dadurch entsprechend erschwert. Im Unterschied zu den Fire-TV-Geräten gibt es dafür in den Nexus-Player-Einstellungen keine Option. Das Problem lässt sich also nicht ohne weiteres beheben. Kodi und SPMC gehören zu den wenigen Apps, die eine Änderung der Bildschirmskalierung erlauben, damit die Inhalte korrekt angezeigt werden.

Keine vollwertige USB-Schnittstelle

Neben dem HDMI-Anschluss und einem Stromanschluss hat der Nexus Player nur eine Micro-USB-Buchse. Für den Käufer wäre eine vollwertige USB-Buchse sinnvoller und es bleibt Googles Geheimnis, warum es eine Micro-Ausführung geworden ist. Hier trumpft Amazons Fire TV mit einer vollwertigen USB-Buchse, einem Ethernetanschluss und einem digitalen Audioausgang auf. Zum Anschluss von USB-Zubehör an den Nexus Player ist ein USB-OTG-Adapter erforderlich, den Google unverständlicherweise nicht mitliefert. Der Hersteller hätte dem Gerät auch einen USB-Ethernet-Adpapter beilegen können, dann bekäme das Gerät darüber ebenfalls einen Netzwerkanschluss und wäre bei der Ausstattung fast auf der Höhe des Fire TV.

Wer nicht schon ein USB-OTG-Kabel besitzt, muss es also erst noch anschaffen, bevor er USB-Zubehör anschließen kann. Zu allem Überfluss ist die USB-Buchse so unglücklich platziert, dass sich nur ein besonders schmaler USB-Stick mit integriertem Micro-USB-Stecker einstöpseln lässt, weil das HDMI-Kabel im Weg ist. Sämtliche Buchsen sind nicht sonderlich gut erreichbar, das ist beim Fire TV besser gelöst.

System unterstützt keinen externen Speicher

Mit Hilfe von Kodi oder SPMC lassen sich lokale Inhalte im heimischen Netzwerk auf dem Nexus Player abspielen, das geschieht ruckelfrei und problemlos. Beide Apps lassen sich umfangreich mit der Fernbedienung bedienen. Aber auch Streaming-Dienste lassen sich in Kodi und SPMC einbetten. USB-Medien im FAT32- und NTFS-Format können am Nexus Player angeschlossen werden, das FAT-Dateisystem erkennt die Box nicht.

Mit Hilfe des ES Datei Explorers ist ein Zugriff auf den externen Speicher möglich, vom System selbst wird er nicht direkt unterstützt. Das führt dazu, dass Apps wie Kodi, SPMC, der VLC Player oder der MX Player nicht direkt auf den externen Speicher zugreifen können. Als Notlösung können Mediendateien vom ES Datei Explorer aus an Kodi, SPMC, den VLC Player oder den MX Player übergeben werden.

Das ist beim Fire TV anders: Mit der aktuellen Firmware werden USB-Massenspeicher im FAT- oder FAT32-Format direkt unterstützt. Kodi, SPMC, der VLC Player und der MX Player können Mediendateien direkt vom USB-Speicher abspielen. Zudem lassen sich Apps auf den externen Speicher auslagern. Diese Funktion bietet der Nexus Player nicht.

Mangelhafte Tastaturunterstützung

Der Nexus Player hatte bis vor kurzem noch einen Ausstattungsvorteil gegenüber dem Fire TV: Denn die Amazon-Box kann erst seit einem kürzlich erschienenen Firmware-Update Bluetooth-Tastaturen und Mäuse nutzen.

Allerdings lässt die Tastatur- und Touchpad-Unterstützung auf dem Nexus Player erheblich zu wünschen übrig. Wir haben eine Tastatur per Bluetooth am Nexus Player und eine über die USB-Schnittstelle angeschlossen. In beiden Fällen wurde das deutsche Tastenlayout nicht erkannt, die Tastaturen ließen sich also nur eingeschränkt nutzen. Beide Tastaturen hatten ein eingebautes Touchpad, aber das wurde vom Nexus Player nicht voll unterstützt und war damit ebenfalls nicht vernünftig nutzbar.

Beide Tastaturen haben auf dem Fire TV ein deutsches Tastenlayout und das Touchpad lief ebenfalls ohne Probleme. Hier sollte Google schnell nachbessern, denn die Erweiterungsmöglichkeiten sind so nur theoretischer Natur.

Kein Ein-/Aus-Schalter am Gerät

Wie den Fire-TV-Geräten fehlt dem Nexus Player ein Ein-/Aus-Schalter. Auch das Android-TV-Gerät geht nach einiger Zeit in einen Ruhemodus, schaltet sich aber nie ganz aus. Der Ruhemodus kann vom Nutzer nicht manuell aktiviert werden. Wer nicht möchte, dass der Nexus Player immer läuft, sollte eine schaltbare Steckerleiste dazwischenschalten, damit nicht jedes Mal das Netzteil gezogen werden muss.

Für den Nexus Player gibt es keine Menüoption oder Tastenkombination für einen Neustart. Wenn das Gerät also neu gestartet werden muss, bleibt nur, der Box den Strom abzudrehen. Hier bietet die Amazon-Box mehr Komfort. Von Anfang an konnte die Box mittels Tastenkombination zum Neustart gebracht werden und mittlerweile gibt es für einen Geräteneustart einen passenden Menüpunkt in den Einstellungen.

Google-Cast-Unterstützung vorhanden

Die Fire-TV-Geräte unterstützen von Hause aus Miracast, beim Nexus Player ist es die Google-Cast-Funktion. Beide dienen dazu, Inhalte von einem anderen Gerät auf die Box zu streamen. Sie funktionieren auf beiden Geräten nicht immer reibungslos und werden auch nicht von allen Geräten unterstützt. Für das Fire TV stehen mittlerweile einige Air-Play-Apps bereit, im Nexus-Player-Store gibt es für diese Funktion noch keine Apps.

Preis und Fazit

Google verkauft den Nexus Player über die eigene Geräte-Shop-Seite und im stationären Handel, etwa bei den Elektromarktketten Media Markt und Saturn. Die Android-TV-Box kostet 100 Euro, derzeit fallen in Googles Shop keine Versandkosten an. Amazons Listenpreis für das Fire TV liegt ebenfalls bei 100 Euro. Zur Markteinführung des Fire TV gab es die Box einige Tage bei Amazon für Prime-Kunden für 50 Euro. Ein vergleichbares Einführungsangebot gibt es von Google nicht.

Fazit

Mit dem Nexus Player bringt Google sein erstes Android-TV-Gerät auf den deutschen Markt - und legt eine Bruchlandung hin. Gegen das besser ausgestattete Fire TV von Amazon sieht die Google-Box blass aus. Der Käufer des Nexus Player zahlt 100 Euro und bekommt dann ein Gerät ohne Ethernet-Anschluss, ohne vollwertigen USB-Anschluss und ohne digitalen Audioausgang. All das bietet das gleich teure Fire TV.

Eine Enttäuschung ist die Nexus-Player-Fernbedienung, die wir für eine 1a-Fehlkonstruktion halten. Die Tastenbelegung wirkt wie direkt an den Anforderungen der Kunden vorbei entwickelt. Sie verleidet einem gehörig den Spaß am Gerät. Spulen geht meist nur unkomfortabel über ein Bildschirmmenü, störend sind außerdem das laute Klickgeräusch der Tasten, die unpassende Position der Pause-Wiedergabetaste und die insgesamt billig wirkenden Tasten.

Wer hoffte, dass sich die Nutzung deutscher Abo-Streaming-Dienste mit der Einführung von Android TV verbessert, wird bitter enttäuscht. Da schneidet das Android-TV-Gerät sogar schlechter als die Amazon-Konkurrenz ab. Für beide gibt es die Netflix-App, aber die Fire-TV-Geräte sind zusätzlich noch mit dem Videodienst von Amazon verknüpft. Apps für Maxdome, Sky oder Watchever fehlen auch auf dem Nexus Player.

Bleibt einer der wenigen Vorzüge der Android-TV-Box: der unkomplizierte Zugriff auf Googles Filmbibliothek - allerdings mit den genannten Einschränkungen bei der Bedienung. Im Vergleich zu den Fire-TV-Geräten ergibt sich daraus jedoch kein wirklicher Vorteil, denn die Filme aus Googles Sortiment gibt es auch in Amazons Dienst - in einigen Fällen sogar preisgünstiger. Es ist eine herbe Enttäuschung, dass Käufer eines Android-TV-Gerätes gerade mal 30 von über 1,4 Millionen Android-Apps angeboten bekommen. Hier war von Googles Plattform deutlich mehr erwartet worden.

Der Hauptbildschirm von Android TV ist zwar sehr aufgeräumt, aber der Empfehlungsbereich war für uns nicht sinnvoll nutzbar. Für uns war nicht erkennbar, nach welchem Muster dort Vorschläge erscheinen. Zudem empfanden wir es als enttäuschend, dass für Android TV zertifizierte Apps dort keine Inhalte einstellten. Google sollte darauf achten, dass Android-TV-Apps ihre Inhalte dort einspielen. Vielleicht ist der Empfehlungsbereich dann später einmal sinnvoll nutzbar.

Im Vergleich mit den Fire-TV-Geräten ist Googles Nexus Player für die gebotene Leistung viel zu teuer. Wer 100 Euro für eine gute Android-Streaming-Box zahlen möchte, ist mit dem Fire TV eindeutig besser bedient. Googles Android TV gibt dem Markt der Streaming-Boxen keine neuen Impulse und bleibt hinter den Möglichkeiten der Amazon-Geräte zurück. Wer den Nexus Player vor allem für Streaming einsetzen will, ist mit dem Fire TV Stick sogar besser bedient, zahlt dafür aber nur 40 Euro.  (ip)


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