Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kernel-gnu-hurd-0-6-erschienen-1504-113575.html    Veröffentlicht: 17.04.2015 14:53    Kurz-URL: https://glm.io/113575

Kernel

GNU Hurd 0.6 erschienen

Der für das GNU-System entwickelte Kernel Hurd ist in Version 0.6 erschienen. Das virtuelle Dateisystem Procfs ist neu hinzugekommen und der Init-Server nutzt nun ein Sys-V-ähnliches Startprogramm.

Neu in der aktuellen Version 0.6 von Hurd ist das virtuelle Dateisystem Procfs, das sowohl in Linux als auch den BSD-Varianten seit Jahren Verwendung findet. Bereits seit 1990 arbeitet das GNU-Projekt an dem Kernel Hurd, der nun in Version 0.6 veröffentlicht worden ist. Wohl vor allem wegen der starken Konkurrenz durch Linux konnte sich das Projekt aber nie sehr schnell weiterentwickeln.

Zudem ist der bisher im Kernel selbst gepflegte Code zum Dekomprimieren von gz und bz2 durch die entsprechenden GNU-Bibliotheken ersetzt worden. Der Init-Server ist darüber hinaus aufgespalten worden. Dieser besteht nun aus einem Startup-Server, der den frühen Systemstart und das Ausschalten übernimmt sowie aus einem Init-System, das an das traditionelle Sys-V-Init angelehnt ist.

Die Nachrichtenübertragung zwischen den Hurd-Bestandteilen nutzt nun außerdem sogenannte Payloads. Diese Möglichkeit stammt aus dem Mach-Mikrokernel der in Version 1.5 erschienen ist und als Basis für Hurd dient. GNU Mach unterstützt nun auch teilweise ACPI auf x86-Systemen. Darüber könnten Systeme jetzt abgeschaltet werden. Mach ebenso wie Hurd sind einer statischen Code-Analyse unterzogen worden. Die dabei gefundenen Fehler sind nun behoben.

Die Architektur des GNU-Kernels folgt dem Mikrokernel-Prinzip. Mach selbst stellt dabei nur grundlegende Funktionen wie etwa die Interprozesskommunikation breit. Weitere Dienste des Betriebssystemkernels sind in unterschiedlichen Servern implementiert, die als Hurd gemeinsam entwickelt werden. Theoretisch ermöglicht dies eine wesentlich höhere Stabilität im Vergleich zu anderen Kernel-Konzepten, da Treiber nicht mit der Priorität und im selben Adressraum wie der Rest des Kernel laufen. Totalabstürze können so häufig vermieden werden.

Zurzeit steht GNU Hurd nur für 32-Bit-Systeme der x86-Architektur bereit, an einer 64-Bit-Portierung wird aber gearbeitet.  (sg)


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