Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hummingboard-angetestet-heiss-und-anschlussfreudig-1504-113447.html    Veröffentlicht: 13.04.2015 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/113447

Hummingboard angetestet

Heiß und anschlussfreudig

Das Topmodell des Hummingboards hat als einer von wenigen Bastelrechnern sowohl einen Mini-PCI-Express- als auch einen mSATA-Anschluss. Der Preis gleicht allerdings eher dem eines NUC als dem eines Raspberry Pi.

Erfreulicherweise erhalten Bastelrechner immer schnellere Prozessoren, doch oft fehlen bei diesen Rechnern Anschlussmöglichkeiten für schnelle Verbindungen wie mSATA. Das Hummingboard ist anders: Es hat sowohl einen mSATA- als auch einen Mini-PCI-Express-Anschluss und ist so groß wie ein Raspberry Pi. Allerdings ist es auch schon einige Zeit auf dem Markt. Wir haben uns angesehen, ob es trotzdem mit aktuellen Modellen mithalten kann.

Vom Hersteller Solid Run selbst gibt es das Hummingboard in drei Varianten, uns wurde das Topmodell i2eX zur Verfügung gestellt. Die beiden anderen Varianten (i1 und i2) kommen zum einen ohne SATA- und PCI-Express-Anschluss, zum anderen haben sie schwächere Prozessoren und das Einstiegsmodell sogar nur 512 MByte RAM.

Tatsächlich sind die oben genannten Hummingboard-Modelle nur Vorkonfigurationen für Distributoren und Wiederverkäufer. Ein einzelnes Board besteht eigentlich aus einem System-on-Module (SOM), das den Prozessor, den RAM und wahlweise auch Funkkomponenten enthält, sowie einer Hummingboard Carrier genannten Platine mit den Anschlüssen.



Direkt beim Hersteller kann die Carrier-Platine mit den SATA- und PCI-Express-Anschlüssen auch mit einem der schwächeren SOMs geordert werden. Ein Käufer, der die Rechenleistung des Hummingboard i2eX nicht braucht, kann so Geld sparen. Dabei hat er die Möglichkeit, später auf eines der besseren SOMs zu upgraden. Da aber schon das billigste SOM 50 US-Dollar kostet, kann ein späteres Upgrade ein tieferes Loch in die Bastelkasse reißen.

Testmodell mit vielen Anschlüssen

Das Hummingboard i2eX besteht aus dem SOM i2eX und dem Carrier Pro. Das heißt: Als Prozessor dient ein Freescale-i.MX6-Dual-Prozessor, getaktet mit 1 GHz. Dazu kommen 1 GByte RAM und Gigabit-Ethernet. Als Massenspeicher für das Betriebssystem steht ein Micro-SD-Karteneinschub bereit. Peripherie lässt sich per eSATA, Mini-PCI-Express oder USB anschließen. Dabei sind zwei USB-Ports direkt verfügbar, zwei weitere als Pins ausgeführt. Videosignale werden per HDMI oder LVDS ausgegeben, Audiosignale entweder per HDMI, Klinkenbuchse oder SPDIF. Für Bastler steht eine GPIO-Leiste zur Verfügung, die zum Original-Raspberry kompatibel sein soll, allerdings auch umkonfiguriert werden kann, um zusätzliche Bussysteme wie I2C zu nutzen. Außerdem ist unser Testmodell zusätzlich mit dem integrierten WLAN-Modul ausgestattet.

Die Stromversorgung erfolgt über USB-OTG. Das mitgelieferte Netzteil liefert bis zu 5 Watt, mit einem 2-Watt-Netzteil hatten wir aber auch keine Probleme, solange keine weitere Peripherie bis auf Tastatur und Maus angeschlossen war.

Betriebssystemauswahl einfach gemacht

Solid Run bietet ein Noobs-ähnliches Installationssystem für die SD-Karte an, um aus einer Vielzahl von Linux-Distributionen auszuwählen - inklusive Android. Der Hersteller selbst empfiehlt Android (4.4) oder Open Elec (5.0.5). Diese beiden laufen ohne Probleme. Unter Open Elec/Kodi konnten wir problemlos Full-HD-Videos abspielen. Die Navigation innerhalb von OpenElec per TV-Fernbedienung über HDMI-CEC funktionierte.

Für weitere Tests haben wir Debian 8 installiert. Erwartungsgemäß wird dabei Xfce als Window-Manager installiert. Es fehlte allerdings in dieser Installation jegliches grafische Werkzeug, um das WLAN einzurichten. Hier wird deutlich, dass die Betriebssystem-Images, die vom Hersteller bereitgestellt werden, nicht auf die verbaute Hardware abgestimmt sind. Es war zwar kein Problem, diverse zusätzliche Programme per apt-get nachzuinstallieren. Dabei wurde aber jedes Mal eine ganze Reihe von weiteren Abhängigkeiten mit nachinstalliert - selbst Python war im Ursprungsimage nicht vorhanden.

Schneller, aber heißer Prozessor

Der verbaute Freescale-i.MX6-Prozessor auf dem Hummingboard i2eX basiert auf zwei ARM-Cortex-A9-Kernen. Das verspricht ordentlich Leistung. Wie auch der Kühlkörper, der das Modul komplett abdeckt. Der Kühlkörper ist nicht nur der Optik wegen da. Schon bei unseren ersten Versuchen erwärmte sich das Hummingboard auf eine Temperatur von 50 Grad. In ein zu enges Gehäuse sollte es nicht gesteckt werden.

Bei unserem Benchmark-Test mit Unixbench unter Debian wurde nur einer der Kerne erkannt, aber selbst beim Test mit nur einem Kern ist die Performance beeindruckend und schlägt preiswerte Bastelrechner deutlich. Das deckt sich auch mit unserer Nutzererfahrung mit verschiedenen Programmen und Funktionen unter Debian, Open Elec und Android.



Besonders unter Debian deutlich spürbar ist allerdings die schlechte IO-Performance von Zugriffen auf SD-Karten. Das Problem scheint sich allerdings durch die gesamte Produktpalette von Solid Run zu ziehen und unabhängig vom Kartentyp zu sein. Das Hummingboard kann allerdings auch von einem Massenspeicher auf einem SATA-Laufwerk aus operieren. Die SD-Karte ist dann nur noch für den initialen Boot-Vorgang erforderlich.

Langsam ist auch der Gigabit-Ethernet-Anschluss. Im Kleingedruckten findet sich bereits beim Hersteller der Hinweis, dass er nicht mehr als magere 470 MBit pro Sekunde schafft. Bei unseren Tests mit Iperf zeigt sich, dass er wenigstens diese Grenze regelmäßig erreicht.



Integriertes WLAN ist verzichtbar



Unser Modul enthält auch eine integrierte WLAN-Einheit. Das hat uns im ersten Moment gefreut. Auf den zweiten Blick hingegen irritierte die verbaute Antenne, die zusätzlich mit einer kleinen Leiterplatine verbunden ist. Die Leiterplatine ist im bereits vormontierten Metallkühlkörper verklebt.

Die Empfangsqualität war dementsprechend nicht berauschend. Keine drei Meter Luftlinie vom Access Point entfernt ohne Gegenstände dazwischen vermeldete Wavemon eine Verbindungsqualität von nur 70 Prozent. Drehten wir das Hummingboard, so dass der Kühlkörper und das Board die Antenne vom Access Point abschirmte, fiel die Qualität auf 50 Prozent.

Nachtrag vom 14. April 2015: Nach entsprechenden Hinweisen von Lesern und vom Hersteller ist die Antenne nur zur Transportsicherung im Kühlkörper eingesteckt und nicht verklebt. Nachdem wir die Antenne herausgenommen hatten, verbesserte sich die Verbindungsqualität deutlich.

Zwar kann auch eine normale WLAN-Antenne anstelle der Leiterplatine angesteckt werden, doch dazu muss erstmal der Kühlkörper entfernt und danach wieder aufgesetzt werden.

Fazit

Das Hummingboard i2eX (mit und ohne WLAN) gibt es beim Hersteller selbst ab 120 US-Dollar, einige Händler preisen es für um die 100 Euro aus - dieser Preis stammt noch aus früheren Zeiten. 120 Euro bei tatsächlicher Lieferbarkeit durch den Händler sind realistischer. Damit ist der Preisabstand des i2eX zu Intel-basierten NUC-Rechnern recht klein.

Das Hummingboard i2eX ist für einen Bastelrechner flott und kann mit aktuellen Modellen mithalten. Allerdings sollte schon ein konkreter Verwendungszweck für den SATA-, PCI-Express- oder den LVDS-Anschluss feststehen. Oder es gilt explizit, bestimmte Fähigkeiten des i.MX6-Prozessors auszureizen, wie zum Beispiel den integrierten Cortex-M4-Mikrocontroller. Selbst die schwächeren Varianten des Hummingboards sind zum anlasslosen Herumspielen deutlich zu teuer.

Zum Teil preiswertere Alternativen zum Hummingboard auf Basis des i.MX6-Prozessors - allerdings zum Teil unter Verzicht auf LVDS und PCI-Express - sind das Wandboard und das UDOO.

 (am)


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