Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/snowden-in-comedy-show-kein-penisbilder-programm-bei-der-nsa-1504-113344.html    Veröffentlicht: 07.04.2015 13:21    Kurz-URL: https://glm.io/113344

Snowden in Comedy-Show

Kein Penisbilder-Programm bei der NSA

Geraten die Snowden-Enthüllungen in Vergessenheit? Der Komiker John Oliver ist eigens nach Moskau gereist, um Edward Snowden zu besuchen und seine Zuschauer aufzurütteln. Und in einem New Yorker Park stand plötzlich eine Snowden-Büste.

Lassen sich US-Bürger überhaupt noch für die Enthüllungen Edward Snowdens interessieren? Der britische Komiker John Oliver hat dies in seiner Show Last Week Tonight auf die humorvolle Art versucht und den früheren NSA-Mitarbeiter dafür sogar in dessen Moskauer Exil befragt. Nach durchaus ernstgemeinten Fragen ging es schließlich um die Möglichkeit von NSA-Agenten, untereinander Nacktbilder von überwachten Personen auszutauschen. "Die gute Nachricht ist: Es gibt kein Programm mit dem Namen 'Penisbilder-Programm'", sagte Snowden. Die schlechte Nachricht laute aber: "Sie sammeln weiterhin Informationen von allen. Einschließlich der Penisbilder."

<#youtube id="XEVlyP4_11M"> Oliver versuchte seinen Zuschauern die komplexe Überwachungsproblematik anhand schräger Vergleiche zu erläutern. Viele von der Show befragte Passanten auf dem New Yorker Times Square räumten jedoch ein, von Edward Snowden nie gehört zu haben oder sie brachten ihn mit Wikileaks in Verbindung. Snowden nahm die Umfrage mit Fassung auf. "Man kann nicht davon ausgehen, dass alle einheitlich informiert sind", sagte er. Es sei zudem eine große Herausforderung, die komplexe Weise der heutigen Kommunikation in knapper Form zu erklären. Die Tatsache, dass die NSA auch die Inhalte von E-Mails wie Nacktbilder sehen kann, ist nach Ansicht Olivers "die sichtbarste rote Linie", die die Regierung nicht überschreiten darf - was die befragten Passaten auf amüsante Weise bestätigten.

Snowden verteidigt Weitergabe der Dokumente

Snowden musste sich in dem Interview aber auch kritischen Fragen stellen. So wollte Oliver wissen, ob der 31-Jährige auch tatsächlich alle Abertausende der geleakten Dokumente vorher gelesen habe, um deren Brisanz einschätzen zu können. "Ich habe alle Dokumente bewertet und verstehe, was ich weitergegeben habe", sagte Snowden. Zudem seien die Journalisten in der Lage, die Unterlagen bewerten zu können. Eine hundertprozentige Sicherheit, dass dabei keine Fehler gemacht würden, gebe es jedoch nicht, sagte Snowden. Dieses Risiko müsse man eingehen.

Einen ähnlichen Rat gab Snowden auch den US-Bürgern. "Man sollte sein Verhalten nicht ändern, nur weil jemand in einer Regierungsbehörde das Falsche macht. Wenn wir aus Angst unsere Werte opfern, sind uns diese Werte egal." Es gebe daher keinen Grund, in Zukunft keine Penis-Bilder mehr zu verschicken. Diese Ratschläge sollten wohl auch die von der NSA überwachten Ausländer beherzigen. Denn deren Überwachung sei den US-Bürgern letztlich "scheißegal", sagte Oliver. Dem stimmte Snowden seufzend zu.

Stadtverwaltung entfernt Snowden-Büste

Eine Kunstaktion im New Yorker Stadtteil Brooklyn hatte am Ostermontag ebenfalls das Ziel, die Snowden-Enthüllungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In einer Gedenkstätte für 11.000 Kriegsgefangene des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, die an Bord britischer Schiffe gestorben waren, stellten Aktivisten eine Büste Snowdens auf eine dort befindliche Säule auf, wie das Stadtportal Animal New York dokumentierte. Die New Yorker Parkverwaltung entfernte die Bronzebüste am Nachmittag wieder. Die Künstler hatten die Aktion damit begründet, dass Snowden in der Tradition der damaligen Freiheitskämpfer stehe.  (fg)


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