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Intel SSD 750

Die erste NVMe-SSD kostet viel - ist ihr Geld aber wert

Modern, schnell, teuer: Intels SSD 750 kombiniert einen riesigen Controller-Chip mit mehr als einem Dutzend Flash-Speicherbausteinen. Wer statt der PCIe-Steckkarte die 2,5-Zoll-Version nutzen möchte, braucht allerdings ein spezielles High-End-Mainboard.

Intel hat die SSD 750 vorgestellt, die erste Consumer-SSD mit dem neuen NVM-Express-Protokoll. Wie bei der SSD 730 vom vergangenen Jahr bietet Intel ein 2,5-Zoll-Modell an, jedoch mit einem für Desktop-Rechner ungewöhnlichen Anschluss. Die Alternative ist eine PCIe-Steckkarte, bei der es aber ebenfalls ein paar Punkte zu berücksichtigen gibt.

Technische Grundlage beider SSD-750-Versionen ist der kryptisch benannte CH29AE41AB0-Controller, der auch bei den Server-SSDs der P-Reihe verwendet wird. Der bietet gleich 18 Kanäle, um Speicherchips anzubinden - die meisten Controller im Consumer-Segment sind auf vier oder acht Kanäle beschränkt.

Um den CH29AE41AB0-Controller auszulasten, verbaut Intel bis zu 32 Flash-Bausteine. Die bis zu vier 128-GBit-Dies pro Package werden im 20-nm-Verfahren bei Micron gefertigt und basieren auf Multi-Level-Cells. Die PCIe-Steckkarte der SSD 750 ist ebenso doppelseitig bestückt wie das 2,5-Zoll-Modell. Letzteres ist daher 15 mm hoch - gewöhnliche SSDs sind 7 mm flach.

Die SSD 750 verfügt je nach Modell über 400 GByte oder 1,2 TByte Speicherplatz. Bei letzterer sind physisch 1,376 TByte vorhanden - die 176 GByte dienen dem Over Provisioning, also knapp 13 Prozent.

Der CH29AE41AB0-Controller unterstützt wie Samsungs S4LN058A01-Controller der SM951 vier PCIe-3.0-Lanes. Bei der PCIe-Karte ist das kaum ein Problem. Selbst in einem Z97-Mainboard in einen Grafik-Slot gesteckt, stehen der SSD 750 acht Lanes zur Verfügung. Damit halbiert sich zwar die Anzahl der Bahnen für die Grafikkarte, was aber in der Praxis keinen Unterschied macht.

Bei der 2,5-Zoll-Version der SSD 750 ist ein spezieller Anschluss notwendig.

Spezialstecker und extreme Leistung

Das 2,5-Zoll-Modell der SSD 750 nutzt den SFF-8639-Stecker, für den es bisher bei kaum einem Consumer-Mainboard einen Anschluss gibt. Eine Ausnahme ist Asus' TUF Sabertooth X99 mit Hyper-Kit-Erweiterungen. Da eine PCIe-Steckkarte für Workstations oder Spiele-Rechner unpraktisch ist, erwarten wir künftig weitere Mainboards mit SFF-8639-Anschluss, um 2,5-Zoll-SSDs anzuschließen.

Egal ob PCIe-Karte oder 2,5-Zoll-Modell: Beide sind bootbar und unterstützen erstmals das NVMHCI (Non-Volatile Memory Host Controller Interface), den auf SSDs optimierten Nachfolger des AHCI. NVMHCI oder NVM Express setzt ein entsprechendes Mainboard-UEFI voraus, Windows 8.1 liefert die passenden Treiber bereits mit. NVMe verringert unter anderem die Latenzen der SSD, vergrößert die Anzahl an Warteschlangen und die Menge der Befehle darin und ist stärker auf CPUs mit vielen Kernen ausgelegt.

Die kombinierte Technik ermöglicht Intel zufolge eine sequenzielle Leserate von bis zu 2,4 GByte pro Sekunde und eine Schreibgeschwindigkeit von bis zu 1,2 GByte pro Sekunde bei 128-KByte-Dateien. Die Iops-Leistung liegt mit bis 440.000 lesend und 290.000 schreibend ebenfalls sehr hoch. Zum Vergleich: Samsungs SM951 überträgt laut Herstellerangaben bis zu 2,15 sowie 1,55 GByte pro Sekunde - liefert aber nicht einmal die Hälfte der Iops.

Die Lebensdauer beziffert Intel bei beiden Modellen mit 219 TBytes Written (TBW). In anderen Dokumenten ist von 70 GByte pro Tag bei fünf Jahren Laufzeit die Rede, also nur 127 TByte - angesichts der Tatsache, dass die SSD 750 ihren Ursprung im Server-Segment hat, ist das wenig. Samsung garantiert für die 850 Evo beispielsweise 150 TByte, diese Modelle bieten allerdings anders als die SSD 750 keinen Schutz gegen Stromausfälle.

Die Leistungsaufnahme unter Last erreicht im Mittel 10 Watt bei Lese- und 22 Watt bei Schreiboperationen, beides sehr hohe Werte. Auch die Preise haben es in sich: Intel nennt 390 US-Dollar für die 400-GByte-Modelle und 1.030 US-Dollar für die 1,2-TByte-Varianten. Hierzulande rufen erste Händler über 400 und über 1.100 Euro auf, verglichen mit anderen PCIe-SSDs ist das recht günstig.  (ms)


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