Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elektroschrott-zahl-alter-handys-in-deutschland-steigt-auf-100-millionen-1504-113288.html    Veröffentlicht: 02.04.2015 08:49    Kurz-URL: https://glm.io/113288

Elektroschrott

Zahl alter Handys in Deutschland steigt auf 100 Millionen

Mobiltelefone lassen sich oft nur schwer reparieren und werden bewusst so hergestellt, dass sie nach wenigen Jahren nicht mehr funktionieren. Aktuell haben 84 Prozent der Bundesbürger mindestens ein unbenutztes Handy oder Smartphone zu Hause.

Die Zahl der alten Mobiltelefone in Haushalten in Deutschland ist von 72 Millionen im Jahr 2010 auf rund 100 Millionen gestiegen. Das hat der IT-Branchenverband Bitkom auf Grundlage einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Aris errechnet. Befragt wurden 1.006 Personen ab 14 Jahren. Handys würden im Durchschnitt nach spätestens drei bis vier Jahren aussortiert.

Aktuell haben 84 Prozent der Bundesbürger mindestens ein unbenutztes Handy oder Smartphone zu Hause (2014: 75 Prozent), das sind 59 Millionen Menschen, hat der Bitkom hochgerechnet. 29 Prozent der Befragten haben sogar zwei ungenutzte Mobiltelefone (2014: 24 Prozent). Sieben Prozent haben drei Altgeräte zu Hause (2014: 7 Prozent) und fünf Prozent vier oder mehr Geräte (2014: 9 Prozent).

Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) hat schon einmal ein Mobiltelefon entsorgt. Davon haben 46 Prozent das Gerät weiterverkauft, 30 Prozent haben es verschenkt und 23 Prozent haben es zu einer Sammelstelle für Elektronikmüll gebracht.

Handys nur wenige Jahre nutzbar

Die Deutsche Umwelthilfe hatte Smartphone-Hersteller kritisiert, weil sie die Geräte bewusst so herstellten, dass sie nach wenigen Jahren nicht mehr funktionierten. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagte im Dezember 2013: "Handys werden etwa durch die kurze Lebensdauer des Akkus so konzipiert, dass sie nur wenige Jahre nutzbar sind." Dadurch nähmen Verbraucher Smartphones verstärkt als Wegwerfprodukt wahr. Bauteile in mobilen Geräten wie Tablet-PCs oder Smartphones werden verklebt, wodurch sich Akkus nicht austauschen lassen.

Die Vorsitzende des deutschen Rates für nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme, trat für eine Pfandpflicht für Mobiltelefone ein. Thieme sagte, es müsse dafür gesorgt werden, dass kleine Elektro- und Elektronikgeräte nicht wie bisher meist im normalen Müll landen - zum Beispiel, indem beim Kauf der Geräte ein Pfand erhoben werde, das beim Abgeben in Sammelzentren erstattet werde. Die Grünen hatten vorgeschlagen, durch ein Pfandsystem für Handys und Smartphones das Recycling zu verbessern.  (asa)


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