Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kabelnetzbetreiber-routerwahl-soll-zu-bruch-des-fernmeldegeheimnisses-fuehren-1504-113279.html    Veröffentlicht: 01.04.2015 13:23    Kurz-URL: https://glm.io/113279

Kabelnetzbetreiber

Routerwahl soll zu Bruch des Fernmeldegeheimnisses führen

TV-Kabelnetzbetreiber wenden ein, dass eine freie Routerwahl technisch nicht möglich sei. Denn anders als in DSL-Kupferdoppelader-Netzen gebe es in Kabelnetzen "keine dedizierte, individuell vom Netzbetreiber adressierbare physische Anschlussleitung zum Kunden".

In den Stellungnahmen zum Referentenentwurf zur freien Routerwahl haben die Kabelnetznetzbetreiber technische Einwände erhoben. Unitymedia erklärte, durch freie Routerwahl entstünde eine "schwerwiegende Schutzlücke" des Fernmeldegeheimnisses, die "mit geltendem Datenschutz- und Telekommunikationsrecht nicht vereinbar ist".

In Kabelnetzen als Shared Medium würde dies dazu führen, dass ein Teil der Datenverarbeitung, nämlich die Prüfung der eingehenden Signale auf ihre Bestimmung für den jeweiligen Teilnehmer, außerhalb des Kontrollbereichs des Dienstanbieters stattfinde. Kabelmodems würden "nicht nur von für den jeweiligen Teilnehmer bestimmten Daten erreicht, sondern auch von allen Signalen für andere Teilnehmer". Das Kabelmodem filtere die für den jeweiligen Nutzer bestimmten Daten heraus und entschlüssele diese, während andere Daten verworfen würden.

Ein Anruf oder eine E-Mail, die für den Nachbarn eines Teilnehmers bestimmt ist, werde vom Kabelmodem des Teilnehmers auf die Adressierung analysiert, und "das Kabelmodem entscheidet aufgrund dieser Analyse", ob es den Anruf annimmt, die E-Mail entschlüsselt und an den Teilnehmer weiterleitet oder nicht. Das Kabelmodem des Nachbarn mache dies ebenso.

In einem Shared Medium seien grundsätzlich besondere Vorkehrungen nötig, "weil ein aus einer fremden Kommunikation stammendes Signal an jedem einzelnen Leitungsende des gleichen Anschlussnetzes anliegt und dort wahrgenommen werden kann", erklärte Unitymedia.

Kabelmodem als Netzabschlusspunkt und nicht als Endgerät

Vodafone und Kabel Deutschland wenden ein, dem Vorschlag stünden "erhebliche technische Bedenken entgegen". Denn anders als in Kupferdoppelader-Netzen für DSL gebe es in Kabelnetzen "keine dedizierte, individuell vom Netzbetreiber adressierbare physische Anschlussleitung zum Kunden". Vielmehr ermögliche erst das Kabelmodem als Netzabschlussgerät im Zusammenspiel mit der Gegenstelle im Kabelnetz (Cable Modem Termination System, CMTS) die Bereitstellung der individuellen Dienste für den Endkunden. Ein Kabelmodem erfordere deshalb zwingend eine gerätespezifische, kabelnetzbetreiberindividuelle Konfigurationsfirmware, um die Dienste gegenüber dem Endkunden erbringen zu können. Diese müsse grundsätzlich über die Netzbetreiber gesteuert und an netzseitige Veränderungen angepasst werden können. Das Kabelmodem bilde daher den Netzabschlusspunkt und lasse sich folglich auch nicht als Endgerät qualifizieren.

In den USA gibt es dagegen weitgehend freie Routerwahl im TV-Kabelnetz. Die Netzbetreiber Comcast und Time Warner Cable haben Listen von Geräten veröffentlicht, die für ihre Netze geeignet sind.

Das Bundeswirtschaftsministerium legte Ende Februar 2015 den Entwurf zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes vor. "Die Vorgabe eines spezifischen Routers oder Modems verhindert eine freie Produktauswahl durch Nutzerinnen und Nutzer", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).  (asa)


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