Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/workshop-den-fritz-wlan-repeater-dvb-c-mit-kodi-nutzen-1504-113264.html    Veröffentlicht: 16.04.2015 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/113264

Anleitung

Den Fritz-WLAN-Repeater DVB-C mit Kodi nutzen

Der Fritz-WLAN-Repeater DVB-C verstärkt nicht nur WLAN, das Gerät streamt auch das Fernsehbild ins Netz. Mit der Mediacenter-App Kodi lässt sich das Signal aufgreifen und komfortabel auf jeden Monitor bringen. Der Schraubenzieher kann dabei in der Kiste bleiben.

Der Erfolg des Raspberry Pi hat die Entwicklung der Mediacenter-App Kodi kräftig vorangebracht. Um Kodi auch als Fernseher zu verwenden, ist allerdings mehr Leistung vonnöten, als der Raspberry Pi oder auch eine umständlich zu installierende TV-Karte bieten - einfacher ist es, Kodi mit dem Fritz-WLAN-Repeater DVB-C zu verwenden.

Der Fritz-WLAN-Repeater DVB-C des Berliner Router-Spezialisten AVM ermöglicht das Fernsehen auf Rechnern und mobilen Endgeräten, ohne sich mit dem oft sehr aufwendigen Einrichten einer TV-Karte abmühen zu müssen. Das knapp 100 Euro teure Gerät arbeitet nicht wie eine klassische TV-Karte, sondern integriert sich wie ein WLAN-Verstärker ins Netzwerk. Ans Kabelfernsehen angeschlossen, lässt sich Fernsehen via WLAN auf Rechner, Smartphones oder Tablets streamen. Dazu braucht es weder spezielle Software noch Treiber: Ein Mediaplayer wie VLC genügt zum Empfang.

Der Repeater harmoniert jedoch nicht nur sehr gut mit einfachen Mediaplayern, seine Funktionen lassen sich auch ohne Probleme im Kodi-Mediacenter verwenden. Somit lässt sich ein als Mediacenter eingesetzter Raspberry Pi mit OpenELEC oder XBian oder auch ein konventioneller HTPC sehr einfach mit einer TV-Funktion ausrüsten, ohne mühsame Installation von Hardware oder Treibern. Eine Unterstützung für die EPG-Daten des DVB-C-Repeaters fehlt bislang jedoch komplett, da Kodi mit dem Format noch nicht zurechtkommt. VLC zeigt diese ohne Probleme an.

Im Standardmodus verstärkt der Fritz-WLAN-Repeater DVB-C das bestehende WLAN-Netzwerk. Zudem lassen sich über die auf der unteren Seite angebrachte GBit-Ethernet-Buchse Computer oder Peripheriegeräte ins Netz bringen, die über einen Netzwerkanschluss verfügen, aber kein WLAN unterstützen. Auf diese Weise müssen beispielsweise für Drucker oder Netzwerkspeicher keine Kabel zum Router gespannt werden.

DVB-C-Repeater integrieren

Wir gehen in dieser Beschreibung davon aus, dass der Repeater bereits eingerichtet ist und die Bedienoberfläche des Geräts unter der URL fritz.repeater erreichbar ist. Um Kodi die Fernsehsender des Repeaters bekanntzumachen, müssen aus der Konfigurationsoberfläche des Geräts im Menüpunkt DVB-C im Bereich Senderliste die entsprechenden Wiedergabelisten heruntergeladen werden. In den Reitern SD, HD und Radio findet sich dazu jeweils ganz unten rechts ein Link, der dann zu einer M3U-Datei führt. Die Dateien, üblicherweise tvhd.m3u und tvsd.m3u, müssen vorübergehend auf der Festplatte abgespeichert werden.

Bei einer lokal genutzten Kodi-Installation muss nichts weiter getan werden. Wird Kodi hingegen auf einem eigenständigen Mediacenter-PC oder einem Raspberry Pi mit OpenELEC verwendet, müssen die Dateien zum Beispiel mittels SSH übertragen werden. Ein OpenELEC-Raspberry-Pi lässt sich bei aktiviertem SSH unter root@openelec erreichen, die URL aus einem Linux-Dateimanager wie Nautilus lautet dementsprechend ssh://root@openelec mit dem Passwort openelec. Zur Not kann die Speicherkarte aus dem Raspberry Pi genommen und an einem Rechner mit Kartenleser eingelesen werden. Als Speicherort ist am besten /storage zu wählen: Dort lagert OpenELEC sämtliche Einstellungen und benutzerspezifischen Daten.

TV-Playlisten in die Favoriten

Damit befinden sich alle benötigten Daten auf dem System. Der einfachste Weg, den DVB-C-Repeater in Kodi zu integrieren, führt nun über das Laden der M3U-Wiedergabelisten. Dafür muss der Home-Ordner (oder ein anderer genutzter Ordner mit den M3U-Dateien) als Datenquelle für Videos eingebunden werden - falls das nicht bereits geschehen ist. Dazu kann das Kodi-Menü "Videos/Dateien/Dateien/Videos hinzufügen" geöffnet und dort die Option Durchsuchen ausgewählt werden. Hier ist der Home-Ordner zu wählen, über das Root-Dateisystem der Pfad storage oder der gewünschte Speicherort.

Nach Bestätigen des Dialogs fragt Kodi am Ende, welcher Inhalt in der neuen Datenquelle steckt. Hier kann alles unverändert auf "Keine" belassen und die Maske mit OK beendet werden. Wieder im Menü Videos ist nun der gerade angelegte Home- oder Storage-Ordner zu sehen. Nach dem Öffnen desselben erscheinen die zwei zuvor auf das Mediacenter kopierten M3U-Dateien. Nun muss nur noch eine von beiden ausgewählt, der gewünschte Fernsehsender herausgepickt und aufgerufen werden. Kodi öffnet den Stream des jeweiligen Senders und spielt ihn wie ein herkömmliches Video ab. Ein Raspberry Pi mit OpenELEC oder Raspbmc läuft ohne Probleme mit den HD-Streams des WLAN-Repeaters.

Allerdings ist es nicht immer bequem, sich bis zu den Wiedergabelisten durch die Menüs zu hangeln. Um schneller auf die Fernsehstreams zuzugreifen, lassen sich diese in den Favoriten ablegen. Am einfachsten schließt man dazu vorübergehend eine Maus oder Tastatur an das Kodi-System an, öffnet mit der rechten Maustaste oder der Taste "C" das Kontextmenü und markiert die M3U-Dateien mit "Zu Favoriten hinzufügen". Die zuvor markierten Videos, Filme oder Musikstücke - und jetzt auch die TV-Streams - sind dann bequem über das Stern-Icon links unten neben dem Knopf zum Herunterfahren des Kodi-Systems erreichbar.

TV-Addon in Kodi macht's einfacher, aber mit Nachteil

Wesentlich komfortabler ist die Integration des Repeaters, indem die TV- und PVR-Funktionen von Kodi verwendet werden. Allerdings gibt es Nachteile bei der täglichen Nutzung. Wird eine Kodi-Installation auf einem gewöhnlichen Linux-Rechner verwendet, dann müssen die nötigen Addons eventuell erst über die Paketverwaltung installiert werden. Wird unter Ubuntu das offizielle Kodi-PPA verwendet, dann lautet der Name des zu installierenden Pakets kodi-pvr-addons. Unter Arch Linux muss über Pacman das gleichnamige Paket nachinstalliert werden.

Kodi-Distributionen wie OpenELEC bringen das Addon dagegen schon von Haus aus mit, allerdings muss der Nutzer es auch dort noch von Hand aktivieren. Dazu muss in den Optionen bei den Einstellungen im Bereich Addons der Bereich "Deaktivierte Addons" aufgerufen und der Eintrag zum PVR IPTV Simple Client aktiviert werden. Anschließend muss zum Einrichten des IPTV-Empfänger-Plugins in demselben Fenster gleich auf "Konfigurieren" geklickt werden.

Im Einstellungsdialog wählt der Nutzer im Reiter Allgemein als Ort die Option "Lokaler Pfad (einschließlich lokales Netzwerk)" aus und gibt dann unter "M3U Wiedergabelistenpfad" eine der beiden M3U-Dateien mit den Fernsehsendern des Repeaters an. Hier gibt es zwei Optionen: Entweder wird die M3U-Datei mit den wenigen unverschlüsselten HD-Sendern der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten oder die M3U-Datei mit den SD-Sendern ausgewählt. OpenELEC verlangt nach Schließen des Dialogs einen Neustart des Systems.

Und damit wären wir beim Nachteil dieser Lösung: Denn in letzterem Fall stehen alle Fernsehsender nur in SD-Qualität zur Verfügung. Ansonsten gibt es nur die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, dafür in HD-Qualität. Denn der DVB-C-Repeater hat keinen Steckplatz für ein Ci+-Modul, daher gibt es die privaten Sender nicht in HD-Qualität.

Einfach Fernsehen und Fazit

Damit Kodi den TV-Bereich nun auch in seinen Menüs anzeigt, muss dieser noch in den Optionen unter Einstellungen im Bereich Live TV unter Allgemein aktiviert werden. Anschließend erscheint im Kodi-Hauptmenü neben Bilder, Videos oder Filme ein Eintrag mit TV. Über diesen kann nun der Fernsehbereich des Mediacenters erreicht werden, die Auswahl der Sender entspricht der ausgewählten M3U-Playlist.

Ein Mausklick auf einen der Sender öffnet diesen im Player-Bereich. Ein weiterer Klick vergrößert das Fernsehbild auf die gesamte Bildschirmdiagonale. Nach Aufruf der Bedienelemente kann der Nutzer mit den Icons hoch und runter durch die Kanäle schalten. Das stilisierte Rechner-Icon zeigt die Kanalliste an und das Txt-Icon öffnet den Videotext des Senders.

Fazit

Mit dem Fritz-WLAN-Repeater DVB-C hat AVM ein einfach zu bedienendes System auf den Markt gebracht, das mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets und auch den Computer zu Fernsehern macht. Im Unterschied zu klassischen TV-Lösungen für den Rechner muss keine zusätzliche Hardware am oder im Gerät angebracht werden, sondern der Nutzer muss nur die entsprechenden Apps (oder auf einem Rechner den VLC-Mediaplayer) installieren.

Die Lösung funktioniert somit auf so gut wie jedem Betriebssystem ohne Einschränkungen. Allerdings konzentriert sich AVM bisher nur auf DVB-C, eine Lösung für digitales Satellitenfernsehen (DVB-S) oder DVB-T gibt es nicht. Da der DVB-C-Repeater keinen Steckplatz für ein Ci+-Modul besitzt, gibt es zudem nur die öffentlich-rechtlichen Sender in HD-Qualität, nicht aber die Privaten.

Die Integration in das Kodi-Mediacenter erlaubt es, in Räumen fernzusehen, in denen zwar ein Netzwerk oder WLAN, aber kein TV-Anschluss vorhanden ist. Dazu genügt ein samt Zubehör gerade einmal 50 Euro teurer Raspberry Pi Model B der ersten Generation, wenngleich ein Raspberry Pi 2 mit seinem Quad-Core-Prozessor eine flüssigere Bedienung des Systems erlaubt. Mit Kodi verhält sich der Fritz-WLAN-Repeater DVB-C wie ein klassischer Fernseher, allerdings bleibt durchaus Spielraum für Verbesserungen.

Mit dem PVR IPTV Simple Client gelingt die Integration sehr sauber. Allerdings muss sich der Nutzer bei dieser Lösung festlegen: Entweder er bindet alle Sender in SD-Qualität ein oder nur die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in HD-Qualität. Hier wäre es praktisch, wenn AVM noch eine Lösung finden könnte, eine kombinierte Wiedergabeliste zu generieren. Für eine höhere Flexibilität sollten daher am besten einfach nur die M3U-Playlisten über die Favoriten eingebunden werden.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 04/15 des Magazins Linux User, das seit September 2014 wie Golem.de zum Verlag Computec Media gehört. Der Schwerpunkt des Heftes liegt bei TV und Streaming und beschreibt unter anderem die Integration des Fritz-WLAN-Repeater DVB-C in Kodi oder wie eine Fernbedienung für PCs selbst entworfen werden kann.  (chl)


Verwandte Artikel:
AVM: Fritz-WLAN-Repeater mit Kabel-TV-Anschluss ist da   
(07.10.2014, https://glm.io/109669 )
VLC, Kodi, Popcorn Time: Mediaplayer können über Untertitel gehackt werden   
(24.05.2017, https://glm.io/128020 )
Android-App für Raspberry programmieren: werGoogelnKann (kann auch Java)   
(23.08.2017, https://glm.io/129559 )
Gardena Smart Garden: Serverabsturz macht den Garten dumm   
(15.08.2017, https://glm.io/129495 )
Mitmachprojekt: HTTPS vermiest uns den Wetterbericht   
(10.08.2017, https://glm.io/129378 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/