Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/freie-buerosoftware-libreoffice-liegt-im-rennen-gegen-openoffice-weit-vorne-1503-113222.html    Veröffentlicht: 28.03.2015 17:19    Kurz-URL: https://glm.io/113222

Freie Bürosoftware

Libreoffice liegt im Rennen gegen Openoffice weit vorne

Nach der Aufspaltung der Projekte Openoffice und Libreoffice war lange nicht klar, wer das Rennen bei der Entwicklung machen würde. Vier Jahre später zeichnet sich jedoch ein deutlicher Gewinner ab.

Die Entwicklung von Apache Openoffice und Libreoffice, den beiden freien Büroanwendungen, zeigt inzwischen auffällige Unterschiede. Während Libreoffice fast monatlich aktualisiert wird, gab es letztes Jahr nur zwei Veröffentlichungen von Openoffice. Auch die Zahl der beteiligten Entwickler unterscheidet sich deutlich.

Der Kernel-Entwickler und Herausgeber der Webseite LWN.net, Jonathan Corbet, hat sich die Entwicklungsgeschichte der beiden Officepakete im vergangenen Jahr angesehen und einige Unterschiede festgestellt. Er kommt zu dem Schluss, dass Libreoffice das Rennen inzwischen gewonnen hat.

Eine Geschichte der Streitigkeiten

Zur Erinnerung: Openoffice ging aus der Bürosuite Staroffice hervor, als Sun Microsystems die bis dahin kostenpflichtige Software übernahm und später den Quellcode unter dem Namen Openoffice.org veröffentlichte. Als wiederum Oracle Sun Microsystems übernahm, kam es Ende 2010 wegen Lizenzen und der Entwicklung zu Streitigkeiten zwischen der Community und Oracle. Daraufhin wurde die Open Document Foundation gegründet, die das Büropaket seitdem unter dem Namen Libreoffice veröffentlicht. Oracle übertrug Openoffice später an die Apache Foundation. Dort wird die Software weiterhin unter dem Namen Apache Openoffice gepflegt.

Nach der Aufspaltung gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen den beiden Entwicklergruppen, vor allem wegen der unterschiedlichen Lizenzierung der beiden Softwarepakete. Bis Oracle die Rechte an die Apache Foundation übertrug, galt neben der Lesser GNU Public License (LGPL) auch das Sun Microsystems Inc. Contributor Agreement für den Quellcode von Openoffice. Jeder Beitragende musste diese Vereinbarung unterschreiben und die Rechte an seinem Quellcode an Sun Microsystems oder später an Oracle übertragen. Libreoffice wurde sofort unter die LGPL und die Mozilla Public License gestellt. Beigetragener Code bleibt somit im Besitz der Entwickler.

Entwickler wandern zu Libreoffice

Die unterschiedliche Lizenzierung führte laut Document Foundation zu einer schnellen Abwanderung von Openoffice-Entwicklern zum Libreoffice-Projekt. Dort begann man dann damit, den Code aufzuräumen und die Entwicklungsinfrastruktur zu verbessern. Laut Corbet ist diese erfolgreiche Umstellung ein weiterer Grund dafür, dass Libreoffice nicht nur häufiger veröffentlicht wird, sondern sich auch mehr Entwickler an dem Projekt beteiligen, als es bei Apache Openoffice der Fall ist.

Corbet hat dafür Zahlen gesammelt: Während etwa 238 Entwickler ihren Code beim Libreoffice-Projekt einreichen, sind es bei Openoffice lediglich 16. Das spiegelt sich auch bei den eingereichten Changesets wieder: Bei Openoffice waren es nur 381 im vergangenen Jahr, bei Libreoffice 22.134. Allerdings weist ein Kommentar zurecht darauf hin, dass das Libreoffice-Projekt auch viel Code von Openoffice übernahm und weiterhin übernimmt. Umgekehrt ist das aber auch der Fall.

Nur wenige, aber teils deutliche Unterschiede

Tatsächlich ähneln sich die beiden Softwarepakte weiterhin deutlich, es gibt aber inzwischen doch Unterschiede. So lassen sich Dokumente in Microsofts Docx-Format in beiden Anwendungen öffnen, aber nur in Libreoffice wieder speichern. Libreoffice hat zudem Funktionen, die Openoffice nicht hat, etwa das Anzeigen der Zeichen und Wörter eines Dokuments in der Statuszeile oder die Möglichkeit, spezielle Fonts in Dokumenten einzubetten.

Der größte Anteil (etwa 58 Prozent) an Codebeiträgen für Openoffice wird von nur vier Entwicklern beigetragen, die allesamt bei IBM arbeiten. IBM stiftete 2011 sein Officepaket Lotus Symphony der Apache Foundation. Dort wurde es in Apache Openoffice integriert.

Bei Libreoffice verteilt sich die Firmenbeteiligung auf mehrere Unternehmen: Red Hat hat im vergangenen Jahr 38 Prozent der Codeteile beigetragen, gefolgt von Collabra mit 29,5 Prozent. Mit 23,2 Prozent liegen die Beiträge der Entwickler, deren Arbeitgeber unbekannt ist, an dritter Stelle. Corbet geht davon aus, dass sie in der Mehrzahl freie Entwickler sind.

Am deutlichsten wird der Unterschied aber bei den Veröffentlichungen: 2014 wurden Apache Openoffice die Versionen 4.1 und 4.11 veröffentlicht. Bei Libreoffice waren es zwischen April 2014 und Februar dieses Jahres 15, und das Projekt betreut parallel zwei Versionen.

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