Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/macbook-pro-13-retina-im-test-force-touch-funktioniert-1503-113186.html    Veröffentlicht: 27.03.2015 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/113186

Macbook Pro 13 Retina im Test

Force Touch funktioniert!

Hier klickt nicht die Mechanik, sondern ein Motor: Das Force-Touch-Trackpad macht die neue Generation des Macbook Pro 13 mit Retina-Display und neuem Broadwell-Prozessor besonders interessant. Wir haben uns den Schummelklick genauer angesehen, der erstaunlich wenig auffällt.

Nach dem uninteressanten Haswell-Refresh im Juli 2014 sind nun die ersten Macbook Pro mit Broadwell-Prozessor verfügbar. Der Prozessor ist eine von zwei interessanten Neuerungen des hier getesteten Macbook Pro 13 mit dem sogenannten Retina-Display. Der verspricht eine niedrige elektrische Leistungsaufnahme und damit eine längere Akkulaufzeit sowie ein besseres Temperaturverhalten. Die zweite Neuerung wurde eigentlich für ein anderes Notebook groß angekündigt: Force Touch.

Im Macbook Pro 13 steckt das gleiche Touchpad wie im kommenden Macbook mit 12-Zoll-Display. Dieses ist druckempfindlich, was neue Anwendungsmöglichkeiten bietet. Doch eine Klickmechanik hat es nicht mehr. Stattdessen sorgt ein Motor für eine Art Schummelklick, und der funktioniert erstaunlich gut.

Das Innenleben hingegen hat sich kaum geändert - zumindest auf dem Papier. Der Arbeitsspeicher unseres Testmusters in der Einstiegskonfiguration ist wie gehabt 8 GByte groß. Der Prozessor hat zwei Kerne und beherrscht Hyperthreading. Die reguläre Taktfrequenz liegt bei 2,7 GHz. Bei Bedarf und genug thermischen Reserven sind auch 3,1 GHz möglich.

Einen separaten Grafikchip gibt es weiterhin nicht. Stattdessen übernimmt die Iris 6100 genannte Grafikeinheit des Hauptprozessors grafische Berechnungen. In Erstaunen versetzt hat uns die Menge des Festspeichers. Die PCIe-SSD ist beim Einstiegsmodell nur 128 GByte groß.

Bei den klassischen Hardwareeinheiten gibt es also keine großen Überraschungen. Das ist beim Testen des Trackpads allerdings anders gewesen.

Force Touch: ein Trackpad ohne echten Klick

Auf den ersten Blick sieht das neue Force-Touch-Trackpad aus wie die alten Glas-Trackpads von Apple. Im abgeschalteten Zustand tut sich auf dem Trackpad aber nichts. Es gibt etwas nach, klickt aber nicht. Erst, wenn das Notebook angeht, reagiert das Touchpad mit einem Klickgeräusch und auch einem fühlbaren Klick. Der ist verblüffend realistisch.

Wir haben eine Reihe von Personen den Klick ausprobieren lassen. Technisch weniger Versierte ohne Vorwissen über die Funktion des neuen Touchpads hielten den Klick für mechanisch - sie meinten, ihn zu spüren. Technisch Versierte bemerkten eher einen Unterschied, da sie aufgrund ihrer Erfahrung einen Vergleich hatten. Den Kollegen von Golem.de gefiel der motorisierte Klick unterschiedlich gut: Dem einen war der Klick nicht deutlich genug, denn er ist etwas schwächer als bei den Vorgängergenerationen. Ein anderer freute sich über die leiseren Geräusche, da er oft in der Bibliothek sitzt. Der Klick lässt sich in den Einstellungen in drei Stufen anpassen und kann so deutlicher oder schwächer wahrgenommen werden.

Der Klick, der nicht als Vibration, sondern tatsächlich als einzelner Schlag wahrgenommen wird, ist sehr präzise. Dass von unten ein Motor gegen das Trackpad schlägt, bedeutet nicht, dass der Maus-Cursor verrutscht. Dass das Trackpad leicht nachgibt, verbessert die Illusion noch zusätzlich. Apple spart sich damit Mechanik, die potenziell anfällig zum Beispiel auf eindringenden Schmutz reagiert.

Eine Einschränkung hat die Nichtmechanik allerdings. Das Klicken arbeitet kapazitiv. Es ist also nicht möglich, etwa mit einem Kugelschreiber aus Kunststoff einen Klick auszulösen, egal wie stark gedrückt wird. In der Praxis wird das allerdings kaum einer machen.

Das Trackpad kann weiter auch ohne Klickgeräusch genutzt werden. Wer einen Klick durch simples Berühren auslösen möchte, muss das nur entsprechend in den Systemeinstellungen aktivieren. Vor allem bei Drag-and-Drop empfiehlt sich aber ein tatsächlicher Klick, wenngleich viele Windows-Geräte auch hier die Option haben, auf einen Klick zu verzichten. Die Option, mit drei Fingern Fenster zu ziehen, fehlt beim neuen Macbook Pro ohnehin.

Das Trackpad ist zudem im oberen Bereich klickbar. Das ging auch vorher schon, allerdings ohne hör- und fühlbaren Klick. Dass dieser jetzt möglich ist, erspart so manchem Schnellschreiber, der eine Rückmeldung braucht, ein paar Bewegungen.

Entwickler dürfen das neue Touchpad für ihre Anwendungen benutzen

Besonders interessant ist am neuen Touchpad die Einführung neuer Möglichkeiten mit Hilfe des sogenannten Force Click, einer Beschleunigungserkennung und der Druckempfindlichkeit. Dabei erlaubt Apple prinzipiell einige der Möglichkeiten, wie etwa den Force Click mit einem Drei-Finger-Antippen des Touchpads.

Umgesetzt wurde das schon in Safari. Wer etwas stärker auf das Touchpad drückt, spürt erst einen Klick und dann darunter einen weiteren Klick. Das erinnert entfernt an Kameraauslöser, bei denen es ebenfalls ein Durchdrücken gibt. Dieses ist kontextabhängig. Ein Druckdrücken auf einen Link öffnet nicht etwa die Seite, sondern zeigt eine Vorschau des dahinterliegenden Inhalts an. Ein Durchklicken auf ein Wort öffnet entweder einen Mini-Wikipedia-Eintrag oder einen Wörterbucheintrag.

Auch die Quicklook-Funktion wird im Finder mit dem Durchklicken ermöglicht. Das alles ist erst einmal nur ein Anfang. Mit Yosemite 10.10.3 bekommen Entwickler die Möglichkeit, Force Touch nach eigenen Vorstellungen in ihren Programmen umzusetzen. Ob damit auch alle alten Macs und das Magic Trackpad mit unterstützt werden, ist noch unklar. Möglich wäre es, weil Apple die Alternative des Dreifach-Antippens erlaubt. Auf alten Macs setzt Apple das etwas anders um. So sieht das Interface trotz gleicher Safari-Build-Nummer dort anders aus, und die Vorschau auf Links funktioniert nicht. Möglicherweise liegt das an dem anderen Betriebssystem-Build. Auf unserem Testmuster ist der Build 14C2513 installiert, auf regulären Macs der Build 14C1510.

Yosemite 10.10.3 befindet sich noch in der Betaphase. Die Entwicklerseiten deuten jedoch darauf hin, dass das neue Touchpad Voraussetzung ist.

Geräusche, Wärme und andere Kleinigkeiten

Das neue Macbook arbeitet mit einem Core-i-Prozessor der fünften Generation. Er ist auch unter dem Codenamen Broadwell bekannt und zeichnet sich durch eine geringe Abwärme aus. Der in unserem Muster verbaute Core i5-5257U mit einem TDP-Wert von 28 Watt zeigte sich im Normalbetrieb ziemlich effizient. Mit abgeschaltetem Display nahm das gesamte System gerade einmal 3,5 Watt beim Nichtstun auf. Dabei werden wohlgemerkt noch WLAN, Bluetooth und Systemkomponenten wie das Mainboard und die SSD versorgt. Mit voller Displayhelligkeit steigt der Wert auf 7 bis 8 Watt.

In solchen Situationen hat der Lüfter nichts zu tun und bleibt komplett stehen. Das System ist so leise, dass wir nichts außer der eigenen Atmung hören. Leichte Lüftergeräusche entstehen auch nicht beim normalen Arbeiten, selbst wenn irgendeine Anwendung Amok läuft - sei es ein Flash Player oder etwa Adobe Creative Cloud, die verzweifelt versucht, sich mit dem Adobe-Server zu verbinden und den Lüfter laut smcfancontrol auf etwas über 1.000 U/min hochdrehen lässt. Selbst beim Anschauen einer 20 Minuten dauernden Simpsons-Folge wurde das Lüftergeräusch nicht hörbar. Dabei lag das Notebook auf einer weichen Matratze, was für die Wärmeabführung kein idealer Standort ist.

Die Leistungsaufnahme kann in solchen Situationen am Netzteil auf 18 bis 22 Watt steigen. Leider lässt sich nicht nachmessen, ob und welche Optimierungen noch im Akkubetrieb vorgenommen werden, auf die Apple bei angeschlossenem Netzteil verzichten kann. Die Cinebench-Werte (R15) ändern sich jedenfalls kaum im Akkubetrieb mit rund 300 Punkten und 28 fps. Der erste Wert steigt sogar leicht auf 309, was allerdings im Rahmen der Messtoleranzen liegt.

Wenig Fortschritte bei der CPU

CPU-technisch hat sich im Vergleich zum ersten Retina-Macbook mit 13-Zoll-Display nicht so viel getan. Cinebench R11.5 kommt jetzt auf 3,3 Punkte. Vor drei Jahren waren es noch 2,83 Punkte. Die CPU-Leistung selbst ist also kaum ein Grund für einen Austausch eines alten Macbook Pro Retina.

So richtig quälen können wir das System nicht einmal mit X-Plane 10. Der Lüfter wird dann zwar mit 5.000 U/min schon nervig, das Maximum liegt aber anscheinend bei 6.200 U/min und wird erst erreicht, als wir Cinebench R15 parallel zu X-Plane laufen lassen. Cinebench selbst schafft es im CPU-Test allein ebenfalls nur auf 5.000 U/min. Dazu reicht ein Durchgang.

Die Iris-Grafikeinheit des Broadwell-Prozessors ist nur bedingt zum Spielen geeignet. Immerhin: In nativer Auflösung (2.560 x 1.600 Pixel) lässt sich Starcraft 2 bei mittleren Grafikeinstellungen halbwegs spielen. Die Bildrate liegt knapp unter 20 fps. X-Plane 10 hingegen ist unspielbar in der nativen Einstellung und mit den Vorgaben seitens des Spiels. Wir mussten die Auflösung auf 1.280 x 800 Pixel reduzieren, um Bildraten oberhalb von 20 fps zu bekommen.

Bei allem bleibt die Unterseite des Notebooks temperaturseitig angenehm. Sie wird zwar wärmer, aber nicht störend. Kurze Lasten steckt das neue Macbook Pro 13 Retina vom Nutzer unbemerkt weg.

Hohe Energieeffizienz der Hardware

Im Akkubetrieb zeigte sich, dass Apple nicht mit den Laufzeiten übertrieben hat, auch wenn wir keine vollständigen Tests durchführen konnten. Überrascht waren wir über die Idle-Laufzeit, also die Laufzeit bei aktivem Display (mittlere Helligkeit), aktiver Tastaturbeleuchtung und natürlich aktiviertem Bluetooth und WLAN. Dabei war auch ein Browser geöffnet. Apple hat seine Software so weit in den Griff bekommen, dass der 74,9-Wattstunden-Akku kaum belastet wird. Wir mussten den Idle-Test nach 19 Stunden abbrechen. Selbst da zeigte das System noch 10 Prozent Restkapazität und geschätzte 2 Stunden Restlaufzeit an. Mit anderen Worten: Wer mal vergisst, das Notebook abzuschalten, weil er die Energiesparmechanismen (Display abschalten, Rechner im Standby) nervig findet, der hat fast keine Nachteile während eines normalen Arbeitstages.

Bei normalen Arbeiten geht das System von um die 13 Stunden Laufzeit aus, was wir hochgerechnet auch bestätigen können. Wir haben das Notebook an zwei Tagen jeweils vier Stunden verwendet und hatten noch über 30 Prozent Akkureserve. Es hält also einen vollen Arbeitstag locker durch. Hohe Last simulierten wir mit Starcraft 2. Nach rund 2 Stunden gab der Akku auf.

Preiserhöhung und teure Optionen trotz Modellwahleinschränkung

Mit der neuen Macbook-Generation hat Apple massiv die Preise erhöht. So kostet unser Einstiegsmodell nun rund 1.450 statt 1.300 Euro. Begründen lässt sich das mit Währungsschwankungen, denn der US-Preis liegt weiterhin bei 1.300 US-Dollar. Da steuerliche Abgaben in den USA nicht eingerechnet werden, fehlt die hierzulande übliche Mehrwertsteuer bei den US-Preisen, was viele beim simplen Umrechnen vergessen. Diese Steuer lässt sich zudem in den USA nicht pauschal nennen, da sich die Steuersätze von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheiden. Spätestens beim Import wird die Abgabe aber fällig, womit sich der Kauf eines US-Geräts nicht nur wegen der US-Tastatur nicht lohnt. Zudem gibt es hierzulande andere Abgaben für diverse Zweitverwertungen. Rechnet man alles ein, setzt Apple im Prinzip auf die Dollarkurs-Parität.

Für die Europäer heißt das: Eine Preiserhöhung von über 10 Prozent ist bei Interesse hinzunehmen. Eine Auswahl gibt es ja bei OS-X-Rechnern kaum.

Das größte Problem bleiben bei Apple allerdings die Optionen. Die locken den Anwender - dank der schlechten, "Good" genannten Einstiegskonfiguration - automatisch in höhere Grundmodelle. 128 GByte SSD-Speicher des Grundmodells sind arg wenig und sicherlich nicht mit dem Attribut "Gut" zu bezeichnen. 20 GByte sind nämlich schon belegt und selbst das neue, noch nicht veröffentlichte Macbook mit USB-C-Anschluss hat in der Grundausstattung doppelt so viel Speicher.

Ausgerechnet Pro-Anwender werden also zum mittleren Modell für rund 1.650 Euro genötigt. Da es sonst keine Unterschiede gibt, bezahlt der Anwender im Prinzip für 128 GByte SSD-Speicher 200 Euro Aufpreis. Das ist schon ziemlich frech, auch wenn Apples Speicher ein Speicherriegel mit schneller PCIe-Anbindung ist.

Wir haben zwar sehr hohe Werte gemessen, die zeigen, dass PCI Express SATA deutlich überlegen ist, doch Apple ist bekannt dafür, nicht konstant dieselben Speicherriegel zu verbauen. Wir maßen mit dem Blackmagic-Testtool knapp über 600 MByte/s beim Schreiben von Daten und 1,3 GByte/s beim Lesen jener Daten. Über das Terminal erreichten wir schreibend ähnliche Werte. Beim Lesen wurde etwas über 1 GByte/s erreicht. Apple selbst gibt Werte "bis zu" 1,5 beziehungsweise 1,6 GByte/s an. Das sind die Werte für das Macbook Pro Retina mit 512 GByte Speicher. Auf solche Angaben kann man sich bei Apple leider nicht verlassen, da in der Vergangenheit häufiger anderer SSD-Speicher in einzelnen Modellen derselben Serie verbaut wurde.

512 GByte Speicher gibt es bei Apple jedoch nur beim teuersten Modell für stolze 2.000 Euro. Hier ist auch eine schnellere CPU verbaut. Den CPU-Unterschied werden die meisten allerdings kaum merken im Vergleich zu Problemen, die bei Speichermangel auftreten. Das teuerste Modell bietet zudem als einziges die Option auf 1 TByte. Die Preiserhöhung für diese Built-to-Order-Option - das heißt, dass es diese Option in der Regel nicht in der Handelsware gibt -, kostet wie gehabt 500 Euro. Apple hat den Preis der Option also nicht erhöht - der allerdings von Anfang an überzogen war. Effektiv zahlt ein Macbook-Anwender für 1 TByte SSD-Speicher über 1.000 Euro Aufpreis.

Samsung verlangt für seine zugegebenermaßen langsameren TByte-SSDs rund 350 Euro, und die reichen den meisten Anwendern. Leider lassen sich diese nicht in die Retina-Macbooks einbauen.

Verfügbarkeit des Macbook Pro 13 mit Force Touch und Fazit

Das Macbook Pro 13 mit Retina-Display und Browadwell-Prozessor ist bereits verfügbar und kostet rund 1.450 Euro. Die teuerste Variante wird für rund 2.000 Euro angeboten. Dazu kommen Built-to-Order-Optionen, die es in der Regel im Handel nicht gibt.

Fazit

Die Neuerungen des neuen Macbook Pro sind überzeugend. Der neue Prozessor sorgt für einen leise bleibenden kühlen Rechner in normalen Arbeitssituationen und ist damit auch für konzentriertes Arbeiten gut geeignet. Kurze Lasten sind auch kein Problem, insbesondere, da sich der Rechner schnell abkühlt. Dazu kommt vor allem bei leichten Arbeiten eine gute Akkulaufzeit, die tatsächlich an die 10 Stunden heranreicht.

Dasselbe gilt auch für das neue Force-Touch-Touchpad. Es funktioniert besser, als wir es uns vorgestellt haben. Nach wenigen Minuten hat sich der Anwender an den Schummelklick gewöhnt - wenn er ihn denn überhaupt bemerkt. Das volle Potenzial lässt sich allerdings noch nicht beurteilen, denn noch fehlen die Programme, die Force Touch sinnvoll umsetzen. Der Ansatz in Safari ist aber schon einmal ein guter Anfang.

Was allerdings erheblich stört, ist Apples Verkaufsstrategie. Die Preiserhöhung ist happig. Dazu kommt, dass die Grundausstattung für 1.450 Euro erstaunlich wenig SSD-Speicher bietet und ausgerechnet ein Pro-Modell weniger Speicher hat als das neue Macbook zum selben Preis. 128 GByte sind für den Einsatz unterwegs zu wenig, in einer Zeit, in der Systemkameras mit günstigen 32- und 64-GByte-SD-Karten gefüllt werden, der Rechner bereits 20 GByte hat, ein kleiner Film für unterwegs 5 GByte benötigt und Anwendungen wie Logic Pro oder Final Cut alleine schon über 1 GByte an Platz einnehmen.  (ase)


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