Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/schwache-verschluesselung-tausende-apps-koennten-von-freak-schwachstelle-betroffen-sein-1503-113114.html    Veröffentlicht: 23.03.2015 15:41    Kurz-URL: https://glm.io/113114

Schwache Verschlüsselung

Tausende Apps könnten von Freak-Schwachstelle betroffen sein

Die durch den Freak-Angriff ausgelöste schwache Verschlüsselung macht auch viele Apps unsicher. Betroffen sind laut ersten Untersuchungen mehrere populäre Anwendungen für Android und iOS.

Vor allem bei Anwendungen, die Passwörter oder Kreditkarteninformationen übermitteln, könnten Angreifer die jüngst entdeckte Freak-Schwachstelle ausnutzen. Einer Untersuchung des IT-Sicherheitsunternehmens Fireeye zufolge sind insgesamt 1.228 aus 10.985 Android-Apps mit mehr als einer Million Downloads sowie 771 aus den 14.079 populärsten Apps für iOS betroffen.

Die Freak-Schwachstelle setzt voraus, dass sowohl die App als auch der Server, mit dem die Anwendung eine verschlüsselte Verbindung aufbaut, den uralten Export-Verschlüsselungsalgorithmen in TLS weiterhin nutzen. Angreifer könnten beispielsweise in öffentlichen WLANs speziell präparierte Pakete an den Server schicken, mit dem sich eine App verbinden will, und so eine Verbindung mit dem schwachen, temporären 512-Bit-RSA-Schlüssel im Export-Modus forcieren.

Kreditkarteninformationen und Zugangsdaten gefährdet

Als Beweis hat Fireeye in seinem Blogpost zwei Screenshots veröffentlicht. Einer zeigt abgegriffene entschlüsselte Zugangsdaten, der andere Kreditkarteninformationen. Statistiken von Fireeye zufolge wurde Anfang März die Freak-Schwachstelle zwar in einigen Apps behoben, die Mehrzahl ist aber weiterhin anfällig für den Angriff. Welche Apps genau betroffen sind, wird jedoch nicht erwähnt.

Inzwischen wurde die Lücke in weiteren Krypto-Bibliotheken geschlossen, darunter in der für iOS 8.2 und früheren Versionen von Apples mobilem Betriebssystem sowie in Openssl und Libressl. Anfällig für den Angriff sind laut der Webseite Smacktls der Browser in Blackberrys Betriebssystem sowie in Androids Standardbrowser. Auch zahlreiche Geräte von Cisco nutzen nach wie vor eine unsichere Version von Openssl.

Überbleibsel aus den Kryptokriegen

Die Export-Verschlüsselungsalgorithmen in TLS sind ein Relikt aus den 90er Jahren. Die USA hatten damals Gesetze, die die Nutzung starker Kryptographie und insbesondere deren Export einschränkten. Die politischen Auseinandersetzungen um derartige Einschränkungen von Verschlüsselungstechnik bezeichnete man auch als Crypto Wars. Mit dem TLS-Vorgänger SSL wurden Algorithmen eingeführt, die absichtlich schwache Schlüssel nutzten.  (jt)


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