Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gefaelschtes-zertifikat-microsoft-antwortet-vier-jahre-nicht-auf-warnung-1503-113052.html    Veröffentlicht: 19.03.2015 11:40    Kurz-URL: https://glm.io/113052

Erschlichenes Zertifikat

Microsoft antwortet vier Jahre nicht auf Warnung

Zum fälschlicherweise ausgestellten Zertifikat für die Microsoft-Domain live.fi sind weitere Details bekannt. Demnach hatte sich Microsoft Wochen Zeit gelassen, um zu reagieren. In einem ähnlichen Fall ließ Microsoft sogar vier Jahre verstreichen.

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass für die finnische Microsoft-Domain live.fi fälschlicherweise ein Zertifikat bei der Zertifizierungsstelle Comodo ausgestellt wurde. Details, die jetzt bekanntwurden, zeigen, dass Microsoft das Problem offenbar über Wochen ignoriert hatte. Das alleine ist schon schlimm genug, dazu kommt nun jedoch, dass Microsoft in einem ähnlich gelagerten Fall in Belgien offenbar über Jahre hinweg nicht reagiert hatte.

Hostmaster-Adresse muss für User gesperrt sein

Ein Unbekannter, der sich gegenüber der finnischen Webseite Tivi.fi geäußert hat, konnte sich in seinem Microsoft-Account den Alias hostmaster@live.fi für seine Mailadresse anlegen. Das Problem dabei: Derartige M-Mail-Adressen werden von Zertifizierungsstellen genutzt, um die Besitzer von Domainnamen zu prüfen. Eine entsprechende Richtlinie, die sogenannten Baseline Requirements des CA/Browser-Forums, legt fest, welche Adressen für ein derartiges Verfahren geeignet sind. Microsoft selbst ist Mitglied im CA/Browser-Forum und hat an der Richtlinie mitgewirkt.

Laut Tivi.fi hatte der Unbekannte bereits im Januar den Vorfall an finnische Behörden und gleichzeitig an mehrere Kontaktadressen bei Microsoft gemeldet. Über mehrere Wochen erhielt er jedoch keine Antwort darauf. Am Dienstag dann meldete Microsoft den Vorfall in einem Advisory und sperrte gleichzeitig den Account des Betroffenen.

Vier Jahre im Besitz von administrator@live.be

Doch Microsoft wusste offenbar schon seit vielen Jahren, dass sich derartige administrative Mailadressen bei den Live-Diensten registrieren lassen. Der Webseite Ars Technica berichtet der Belgier Laurens Vets, dass er bereits 2010 die Mailadressen abuse@live.be, admin@live.be und administrator@live.be registriert hat. Mit zwei dieser Adressen hätte Vets ebenfalls nach Belieben TLS-Zertifikate registrieren können, in diesem Fall für die belgische Version des Live-Services. Auch Vets hatte den Vorfall an Microsoft gemeldet und im November 2010 eine Bestätigung erhalten, dass das Problem an die verantwortlichen Stellen weitergeleitet wurde. Vets kann anscheinend bis heute auf diese Mailadressen zugreifen.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung von erschlichenen TLS-Zertifikaten wird gern auf die Mängel des Zertifikatssystems verwiesen, die zweifelsohne vorhanden sind. In diesem Fall scheint es sich allerdings vor allem um ein Problem bei Microsoft zu handeln. Offenbar ist man dort nicht in der Lage, auf Berichte über Sicherheitsvorfälle zeitnah zu reagieren.  (hab)


Verwandte Artikel:
Always Connected PCs: Vielversprechender Windows-RT-Nachfolger mit Fragezeichen   
(09.03.2018, https://glm.io/133094 )
Oculus Rift: Zertifikat legt virtuelle Realität lahm   
(08.03.2018, https://glm.io/133213 )
Microsoft: Office-365-Kunden nutzen künftig Outlook.com werbefrei   
(01.11.2017, https://glm.io/130905 )
TLS-Zertifikate: Comodo stellt fälschlicherweise Microsoft-Zertifikat aus   
(17.03.2015, https://glm.io/113000 )
ROBOT-Angriff: Arbeitsagentur nutzt uralte Cisco-Geräte   
(09.03.2018, https://glm.io/133258 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/