Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/htc-one-m9-im-test-endlich-eine-gute-kamera-1503-113027.html    Veröffentlicht: 23.03.2015 06:49    Kurz-URL: https://glm.io/113027

HTC One (M9) im Test

Endlich eine gute Kamera

Beim One (M9) schafft HTC die Ultrapixel-Kamera ab - zumindest auf der Rückseite: Statt mit 4 Megapixeln können Nutzer jetzt Fotos mit 20 Megapixeln aufnehmen. Das sieht man den Bildern deutlich an, wie wir in unserem Test feststellen konnten.

Schon nach der Vorstellung auf dem Mobile World Congress (MWC) 2015 haben wir uns HTCs neues Smartphone One (M9) ausführlich angeschaut, doch noch nicht alles konnten wir wie gewünscht testen. Dazu gehörte ausgerechnet die Kamera, die eine besonders wichtige Neuerung ist, außerdem die Leistung des Smartphones sowie die dazu gehörigen Benchmarks und natürlich die Akkulaufzeit. Dies holen wir mit diesem Test nach.

Endlich eine hochauflösende Kamera!

HTC hat beim One (M9) anstelle der bei den beiden Vorgängermodellen verwendeten sogenannten Ultrapixel-Kamera mit 4 Megapixeln eine Kamera mit 20 Megapixeln eingebaut. Diesen Schritt empfinden wir als überfällig: Zwar macht die Ultrapixel-Kamera in schummrigen Umgebungen tatsächlich gut belichtete, rauscharme Fotos, gerade bei Tageslichtaufnahmen hinkt das 4-Megapixel-Modell aber seit seiner Einführung der Konkurrenz hinterher.

Auch als störend empfinden wir beim One (M7) und One (M8) einen Nachteil der Lichtempfindlichkeit: Was in dunklen Räumen noch für gut belichtete Fotos sorgt, verursacht bei Tageslicht schnell stark überbelichtete, ausgerissene helle Stellen. HTC selbst hatte etwa im One (E8) oder im Desire Eye - beides mit dem One (M8) vergleichbare Modelle - bereits reagiert und höher auflösende Kameras eingebaut.

Die Fotos sind schärfer und klarer

Die 20-Megapixel-Kamera des One (M9) stellt eine deutlich sichtbare Qualitätsverbesserung zur Kamera des One (M8) dar. Die Fotos sind viel schärfer und haben bei Tageslicht merklich weniger Artefakte. Insbesondere die verbesserte Schärfe fällt im direkten Vergleich sofort auf: Wo beim One (M8) Kanten noch unscharf wirken, sind diese beim One (M9) klar erkennbar.

Die Bildqualität des One (M9) liegt auf dem gleichen Niveau anderer Top-Smartphones wie Samsungs Galaxy S5 oder dem iPhone 6: Bei Tageslicht entdecken wir erst bei starker Vergrößerung Artefakte, der Detailreichtum bei vergrößerten Bildern ist sehr gut. Selbst bei stark vergrößerten Bildausschnitten können wir feine Details noch als solche erkennen, etwa einzelne Äste in Baumkronen. Hier haben wir bei anderen Top-Smartphones schon weniger gute Erfahrungen gemacht, etwa bei Sonys Xperia Z3. Der allgemeine Bildeindruck stimmt ebenfalls: Der voreingestellte Kontrast ist gut gewählt, der automatische Weißabgleich passt in den meisten Fällen sehr gut.

One (M9) macht auch in dunklen Umgebungen gute Fotos

Bei Aufnahmen in schummrigen Lichtbedingungen bringt auch die Kamera des One (M9) ein gutes Bildergebnis. Im direkten Vergleich zum One (M8) mit seiner gesteigerten Lichtempfindlichkeit sehen wir kaum einen Unterschied, was die Belichtung und die Artefakte angeht. Im Gegenteil, die Fotos des One (M9) sind auch in schummrigen Lichtsituationen schärfer und deutlich weniger verrauscht.

Mit der Entscheidung, von einer niedrig auflösenden Kamera zu einer mit 20 Megapixeln sehr hoch auflösenden Kamera zu wechseln, hat HTC unserer Meinung nach den größten Makel der One-Serie beseitigt. Dabei schafft es die Kamera des One (M9) auch in dunkleren Situationen, gut aussehende Bilder zu produzieren.

Wir vermissen die Tiefenschärfe-Kamera nicht

Auf der Strecke geblieben ist jedoch die zweite Kamera auf der Rückseite, die beim One (M8) für die Erfassung von Tiefeninformation zuständig ist. Dementsprechend gibt es beim One (M9) nicht mehr die Möglichkeit, mit Hilfe von diesen Daten ein Foto zu machen, bei dem der Fokus im Nachhinein neu gesetzt werden kann. Auch auf die stereoskopischen "Wackelbilder" müssen Nutzer jetzt verzichten. Für uns ist das aber kein besonders großer Verlust.

Den Refokussierungseffekt hätte HTC durchaus einfach mit einer Software-Lösung auch auf das One (M9) bringen können. Stattdessen gibt es die Funktion "Bokeh", mit der der Hintergrund bei einer Nahaufnahme künstlich stärker weichgezeichnet wird. Das mag mancher nützlich finden, ein wirklicher Ersatz für die Refokussierungsmöglichkeit wäre uns aber lieber gewesen.

Die Ultrapixel-Kamera kommt auf die Vorderseite

Von der Rückseite hat HTC die Ultrapixel-Kamera entfernt, auf der Vorderseite wurde die 5-Megapixel-Kamera des One (M8) hingegen durch das Ultrapixel-Modell ersetzt. Die Argumentation HTCs ergibt hier durchaus Sinn: Häufig werden Selbstporträts in weniger guten Lichtsituationen aufgenommen, wo die Lichtempfindlichkeit der Ultrapixel-Kamera von Vorteil ist.

Und tatsächlich ist die Bildqualität der neuen Frontkamera deutlich besser als die der M8-Frontkamera: Die Fotos haben deutlich weniger Artefakte, dunkle Bereiche sind besser belichtet, insgesamt wirken die Bilder qualitativ einfach hochwertiger. In sehr dunklen Situationen stößt die Ultrapixel-Kamera aber auch an ihre Grenzen. Dennoch zeigt sich, dass die Ultrapixel-Kamera als Frontkamera deutlich besser geeignet ist denn als Hauptkamera.

Starke Hardware

Mit dem One (M9) hat HTC aber nicht nur ein Smartphone mit einer äußerst guten Hauptkamera vorgestellt, sondern auch mit einem der aktuell leistungsfähigsten Prozessoren. Im Innern steckt Qualcomms Snapdragon 810, der mit jeweils vier Cortex-A57- und vier Cortex-A53-Kernen arbeitet. Diese sind auf 1,5 beziehungsweise 2 GHz getaktet und arbeiten in big.LITTLE-Bauweise - leichtere Arbeiten übernehmen also die schwächeren, aber stromsparenderen A53-Kerne, während für anspruchsvolle Arbeiten auf die leistungsfähigeren A57-Kerne zurückgegriffen wird.

Mit dieser Prozessorausstattung läuft das One (M9) zusammen mit 3 GByte Arbeitsspeicher absolut flüssig, auch mehrere offene Anwendungen verlangsamen es nicht merklich. HTCs Benutzeroberfläche Sense 7 bringt ebenfalls keine nennenswerte Verlangsamung, insgesamt ist die Benutzererfahrung für uns absolut positiv. Auch grafisch intensive Apps bewältigt das One (M9) ohne Probleme. Die Rückseite wird dabei bei unserem Testgerät auch nach längerem Spielen nicht wärmer als bei anderen Smartphones: Wir haben 37,5 Grad Celsius gemessen.

Gute Ergebnisse in den Benchmark-Tests

Unsere Eindrücke spiegeln sich auch bei den Benchmark-Tests wider. Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 erreicht das One (M9) im Single-Test eine Punktzahl von 1.195 Zählern, im Multi-Test kommt das Smartphone auf 3.691 Punkte. Das sind absolute Top-Werte, mit denen sich HTCs neues Smartphone wie erwartet vor Konkurrenzmodelle mit Snapdragon-805-Prozessoren setzt. Samsung dürfte HTC mit seinen neuen Modellen Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge und deren Exynos-SoCs jedoch nachziehen.

Im Grafik-Benchmark GFX Bench kommt das One (M9) im Manhattan-Test auf einen Offscreen-Wert von 23 fps, auch dies ist ein hervorragender Wert. Das Galaxy Note 4 erreicht im Vergleich 18,5 fps - auch das ist ein sehr hoher Wert, aber eben merklich geringer als beim One (M9). Im 3D Mark von Futuremark kommt HTCs neues Smartphone auf 22.381 Zähler, ein ebenso sehr gutes Ergebnis.

Enttäuschende Akkulaufzeit

Das One (M9) hat einen aufgrund des Metallgehäuses nicht ohne weiteres wechselbaren Akku mit einer Nennladung von 2.840 mAh. Einen 1080p-Film können wir 4,5 Stunden lang anschauen - ein eher enttäuschender Wert für ein Top-Smartphone. In dieser Geräteklasse hätten wir hier mehr erwartet. Zum Vergleich: Das Nexus 6 hat beim gleichen Test zehn Stunden lang durchgehalten, das aktuelle Moto X 9 Stunden.

Noch einige Worte zum Betriebssystem: Das One (M9) wird mit Android in der Version 5.0.2 alias Lollipop ausgeliefert, darauf läuft HTCs Benutzeroberfläche Sense in der Version 7. Die Einbindung der neuen Design-Elemente und Funktionen von Lollipop ist HTC gut gelungen, auch die neue Standort-Funktion von Blink Feed gefällt uns gut. HTCs auf dem Startbildschirm eingebettete Nachrichtenübersicht zeigt jetzt auch Informationen zu Orten in der Umgebung an.

Gut gefallen uns auch die neuen Themes, also komplette Design-Vorlagen, die sowohl das Aussehen der Benutzeroberfläche verändern als auch die Signaltöne des Smartphones. Über eine separate App stehen zahlreiche Themes zur Verfügung, auch eigene können entworfen werden. Wechselbare Oberflächendesigns bietet etwa Huawei mit seinen Designs bereits länger, auch die alternative Android-Distribution Cyanogenmod hat eine eigene Theme-Engine.

Verfügbarkeit und Fazit

Das HTC One (M9) soll ab dem 31. März 2015 für 750 Euro in den Handel kommen. Bei einigen Onlinehändlern kann das Smartphone bereits für 730 Euro vorbestellt werden.

Fazit

Das HTC One (M9) ist - wie seine Vorgänger - technisch auf Topniveau. HTC hat aber mit dem neuen Smartphone endlich seine Ultrapixel-Versuche eingestellt und dem Gerät eine mehr als anständige Kamera verpasst.

Dadurch fällt einer der größten Kritikpunkte an der One-Serie weg. Die deutlich verbesserte Schärfe und die Bildqualität bei Tageslichtaufnahmen und auch die guten Fotos in dunkleren Umgebungen machen die neue 20-Megapixel-Kamera eindeutig zur besseren Wahl: Das starke Überstrahlen heller Bereiche gehört der Vergangenheit an, der Detailreichtum ist sichtbar höher.

Dass im Zuge des Kamerawechsels auch die zweite Kamera auf der Rückseite wegfällt, stört uns nicht besonders. Wer allerdings die Option, den Fokus einfach im Nachhinein zu versetzen, gerne genutzt hat, findet auf dem One (M9) leider keinerlei Ersatz in Gestalt einer Software-Funktion. Einige separat angebotenen Kamera-Apps können hier allerdings weiterhelfen.

Insgesamt betrachtet ist das One (M9) das erste One-Modell, das wir nahezu uneingeschränkt empfehlen würden - bis auf die enttäuschend niedrige Akkulaufzeit gibt es keinen großen Punkt, der uns negativ auffällt. Einige Nutzer werden aufgrund der Laufzeit erst recht einen austauschbaren Akku vermissen, hier muss man sich mit einem externen Akku-Pack behelfen. Möglicherweise kann HTC hier noch mit einem Update die Laufzeit verbessern.

Günstig ist das One (M9) mit über 700 Euro nicht, als Einstiegspreis sollte man diesen jedoch nicht als gesetzt sehen. In einigen Monaten dürfte das Smartphone bereits im Preis gesunken sein - und mit der gebotenen Ausstattung dürfte es einige Zeit an der Spitze der Leistungs-Rangliste stehen.  (tk)


Verwandte Artikel:
One M9 im Hands on: HTCs Lollipop-Smartphone hat ein Zusatzknöpfchen   
(01.03.2015, https://glm.io/112632 )
One (E8): HTC bringt besseres One (M8) für 400 Euro nach Deutschland   
(18.11.2014, https://glm.io/110618 )
Android L: HTC verspricht Update binnen 90 Tagen   
(26.06.2014, https://glm.io/107482 )
Google: Übernahme von Teilen der HTC-Smartphone-Sparte abgeschlossen   
(30.01.2018, https://glm.io/132473 )
HTC One (M7): Update auf Sense 6 wird in Deutschland verteilt   
(11.06.2014, https://glm.io/107107 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/