Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/battlefield-hardline-im-test-guter-shooter-mit-charakterschwaeche-1503-112977.html    Veröffentlicht: 17.03.2015 05:01    Kurz-URL: https://glm.io/112977

Battlefield Hardline im Test

Guter Shooter mit Charakterschwäche

Visceral Games und Electronic Arts versuchen, mit Hardline Battlefield-Fans zu vergnügen und zugleich ein frisches Räuber-und-Gendarm-Szenario zu etablieren. Unser Test klärt auf, ob das gelingt.

"Hände hoch, oder ich schieße!" So etwas haben wir uns vorgestellt, als es hieß, im neuen Battlefield gehe es um Bankräuber und harte Cops. Und ja, Spieler können in Battlefield Hardline Gegner festnehmen. Dazu zücken sie im Egoshooter auf Knopfdruck ihre Marke, halten sie eine Sekunde in die Luft, nähern sich dem Bösewicht und legen ihm Handschellen an. Leider wird das spätestens nach der zwanzigsten Anwendung nervig - vor allem wenn wir erkennen, dass zwischen uns und unserem Missionsziel noch 40 weitere Gegner auf ihre Verhaftung warten. Nur die geduldigsten Naturen dürften dann noch den Weg des guten Cops gehen. Wir ziehen lieber die Waffe und zielen auf den Kopf.

Vielleicht wären wir geduldiger gewesen, wenn uns die Entwickler von Visceral Games mit ihrer Solokampagne etwas stärker motiviert hätten. Das behutsame Vorgehen, das Schleichen und Ablenken der Gegner bietet spielerisch aber keine echten Belohnungen. Stattdessen werden wir bestraft, sobald auch nur ein unauffälliges Manöver schiefgeht. Dann bricht sofort das übliche Shooter-Chaos aus und wir haben keine Möglichkeit, uns beispielsweise wie in Metal Gear Solid erneut zu verstecken.

In der leicht verdaulichen Story dreht es sich um Verräter in den eigenen Reihen, eine neue Szenedroge und jede Menge Drama zwischen den Agenten. Dabei wird der Shooter zwischenzeitlich auch fesselnd, zum Beispiel, wenn der Spieler das erste Mal mit seiner neuen Kollegin auf Streife in Miami geht. In diesen linearen Abschnitten sind wir allerdings nur Zuschauer und bewundern die tolle Optik. Die Frostbite-Engine von Dice rendert authentisch animierte Gesichter und gibt den Protagonisten eine interessante, faszinierende Mimik. Leider wird die Hoffnung auf tiefsinnige Unterhaltungen enttäuscht, sobald die Figuren ihren Mund aufmachen. Die Dialoge sind flach, bieten ab und an aber einen guten Witz.

Nette Idee: Die Präsentation der Kampagne erfolgt im Stil einer TV-Serie. Beginnt der Spieler seine Partie, werden die letzten Ereignisse zusammengefasst. Bricht er sein Spiel ab, wird er durch eine kleine Vorschau mit den Worten "Das nächste Mal bei Hardline..." angefixt.

Bekanntes Spielgefühl á la Battlefield

Wer in Battlefield 3 oder 4 schon einmal eine Waffe abgefeuert hat, weiß, wie sich das in Hardline anfühlt: nämlich genau gleich. Das ist natürlich auf die identische Engine zurückzuführen. Wir hätten uns aber etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht. So fällt es dem Spieler umso schwerer, sich auf das neue Szenario einzulassen. Alles um ihn herum, von den Menüs bis hin zu den Animationen, Schussgeräuschen und streckenweise den Texturen, weckt Erinnerungen an die Militäreinsätze von Battlefield 4.

Beim Multiplayer treten Spieler auf insgesamt neun neuen Karten in fünf verschiedenen Modi an. Zwei der Modi, Crosshair und VIP, sind für kleinere Spielergruppen oder E-Sports gedacht. Beim Ausprobieren der Evakuierungsmissionen kann der VIP erschreckend häufig direkt ins Ziel rennen und so das Spiel für sein Team gewinnen. Die Modi erfordern also in jedem Fall eine gute Koordination und Absprache, idealerweise via Voicechat.

Die anderen Modi bieten klassische Schlachtfelder für bis zu 64 Spieler. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob Conquest in Battlefield 4 oder in Hardline angegangen wird. Hier bietet der neue Shooter viel Altbewährtes. Die neuen Gadgets, wie der Enterhaken oder die Zipline, bringen keine grundlegend neue Dynamik in die Partien.

Auto statt Panzer

Kampfjets fliegen auf den optisch äußerst abwechslungsreichen Mehrspielerkarten nicht herum. Den Polizisten und Räubern stehen aber Kampfhubschrauber zur Verfügung, die sich in unseren Testpartien höchster Beliebtheit erfreuen. Bei den Vehikeln stehen statt der Battlefield-üblichen Panzer nun mehrere Autos, SUVs und Motorräder zur Auswahl. Der komplette Fuhrpark hat authentische Soundeffekte, ein paar Radiosongs und Sirenen bekommen. In diesem Bereich klingt Hardline zumindest neu.

Die Rolle des Commanders haben die Entwickler in die des Hackers verwandelt. Dieser kann Squads Befehle erteilen und ihnen Upgrades spendieren, Überwachungskameras übernehmen und die Feinde ärgern, indem er Giftgasfallen auslöst. In den Konsolenversionen ist das Spielen des Hackers nicht intuitiv. Der Mauszeiger auf der Übersichtskarte wird über die Analogsticks gesteuert. Dementsprechend fitzelig gestaltet sich das Durchschalten zwischen den vielen Räumen und Interaktionsmöglichkeiten. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich auf den Heimkonsolen in allen Partien ein Mitspieler findet, der die Rolle des Hackers übernehmen möchte.

Am Ende unseres Mulitplayertests haben wir einen eindeutigen Lieblingsmodus. Dieser heißt Hotwire. Hier versuchen beide Teams, fünf Vehikel einzunehmen und unter Kontrolle zu behalten. Dabei dürfen sie wie im Actionfilm Speed eine gewisse Mindestgeschwindigkeit nicht unterschreiten, wenn sie dem gegnerischen Team Punkte vom Konto abziehen wollen. Daher sind die Teams immer in Bewegung und für die Squads ist es leicht, zusammenzuarbeiten. Die Beifahrer lehnen sich zum Beispiel stilecht aus dem Fenster und ballern bei voller Fahrt mit einem Granatenwerfer auf die Gegner.

Schwer umzusetzen ist die Möglichkeit, Feinde in den Mehrspielereinsätzen von hinten zu überrumpeln und anschließend zu verhören. Bei dieser zeitintensiven Aktion werden wir am Ende häufig selbst zum Opfer. Gelingt der Coup, ist die Belohnung allerdings auch groß: Die Position der Gegner wird kurzzeitig auf dem eigenen Radar sichtbar.

Verfügbarkeit und Fazit

Battlefield Hardline ist ab dem 19. März 2015 erhältlich und erscheint für den PC, Playstation 3 und 4 sowie Xbox 360 und Xbox One. Für den Test haben wir die PS4-Fassung auf einem Multiplayerevent in London zwölf Stunden lang mit 63 anderen Journalisten gespielt. Den Solomodus haben wir auf dem PC und der PS4 getestet.

Die Konsolenfassungen werden in den Auflösungen von 900p (PS4) und 720p (Xbox One) berechnet, Ruckler gibt es hier selten. Die PC-Fassung läuft auf einem zwei Jahre alten iMac (Intel Core i5 mit 2,9 GHz und Nvidia Geforce GTX 675MX) über Boot Camp bei mittleren Details und der Auflösung 2.560 x 1.440 mit einer jederzeit stabilen Bildrate.

Die USK hat den Titel ab 18 Jahren freigegeben. Die Solokampagne können Spieler in unter zehn Stunden beenden. Je nach Spielweise und Schwierigkeitsgrad kann es aber auch doppelt so lange dauern. Die deutsche Lokalisierung geht in Ordnung und hat keine groben Übersetzungsfehler. Die Originalstimmen klingen allerdings passender.

Fazit

Battlefield Hardline ist so vieles auf einmal, dass wir am Ende unseres Tests nicht so recht wissen, was es genau sein will. Herausragend ist an dem Shooter wenig. Er kommt uns in allen Bereichen solide vor. Der Multiplayermodus ist gut, aber nicht so fesselnd und ausgewogen wie in Battlefield 4. Die kompetitiven Modi Crosshair und Rescue sind unterhaltsam, machen aber primär Lust auf das noch bessere Counter-Strike Global Offensive.

Die Solokampagne punktet durch die wirklich gelungene TV-Präsentation, die Handlung ist aber weniger überzeugend als beispielsweise die von Wolfenstein The New Order. Am Ende fehlen uns bei der Story entweder echtes Drama oder der übertriebene Witz eines Stirb Langsam. Technisch ist der Titel dank der Frostbite-Engine durchaus nett anzusehen, spielerisch aber wenig motivierend und erschreckend linear.

Wer nur das Kriegsszenario in Battlefield satthat, die Serie aber ansonsten mag, sollte sich Hardline dennoch näher ansehen. Es ist ein guter Multiplayershooter, der zusätzlich eine kurzweilige Solokampagne bietet, die aber etliche Wünsche offenlässt.  (mw)


Verwandte Artikel:
Battlefield Hardline: Weder PS4 noch Xbox One rechnen in 1080p   
(09.03.2015, https://glm.io/112837 )
Electronic Arts: Battlefield Hardline benötigt 64-Bit-Version von Windows   
(03.02.2015, https://glm.io/112113 )
Grand Theft Leak: GTA 6 spielt in Südamerika und Black Ops 4 in der Zukunft   
(07.03.2018, https://glm.io/133192 )
IBM: Watson versteht Sprache und erstellt Dialoge in Unity-Games   
(21.02.2018, https://glm.io/132897 )
Monster Hunter World angespielt: Dicke Dinosauriertränen in 4K   
(23.06.2017, https://glm.io/128532 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/