Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dell-xps-13-ultrabook-im-test-bis-zur-unendlichkeit-und-noch-viel-weiter-1503-112790.html    Veröffentlicht: 09.03.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/112790

Dell XPS 13 (9343) im Test

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Ein Ultrabook mit 13-Zoll-Bildschirm, das nur so groß ist wie ein 12-Zöller? Dells XPS 13 schafft das und mehr: Die Akkulaufzeit ist dank Broadwell-Chip und Igzo-Technik grandios, auch der Preis stimmt. Ernsthaft zu kritisieren haben wir fast nichts.

Früher wäre XPS die Abkürzung für Xtreme Performance System gewesen, also ein richtig schnelles Gaming-Gerät. Bei Dells neuem XPS 13 (9343) ist damit wohl eher Xtreme Pornolicious Screen gemeint, denn kein anderes Ultrabook bietet einen Bildschirm mit einem so dünnen Rahmen. Dell hat sich dafür mit Sharp zusammengetan und das Resultat Infinity-Display getauft.

Im zugeklappten Zustand ist davon nichts zu sehen, allerdings wirkt das XPS 13 sehr zierlich. Wir messen nach: Mit 304 x 200 x 15 mm ist es ähnlich kompakt wie ein 11,6-Zoll-Gerät; die meisten 13,3-Zoll-Ultrabooks sind ein paar Zentimeter größer und schwerer. Apples Macbook Air 13 etwa misst 325 x 227 x 17 mm und wiegt 1,35 kg - unser Testmuster des XPS 13 bringt es auf nur 1,26 kg.

Dell setzt für das Gehäuse größtenteils auf Aluminium, es ist auf höchstem Niveau verarbeitet. Selten haben wir ein Ultrabook in den Händen gehabt, das so verwindungssteif ist. Die Basiseinheit gibt auch bei starkem Druck kein Knarzen von sich, sogar der Bildschirmdeckel gibt kaum nach. Die beiden großen Gummifüße auf der Unterseite halten das XPS 13 fest an einem Platz und geben der Kühlung ein paar Millimeter Platz, um Luft anzusaugen, die hinten am Gelenk hinausgepustet wird.

Egal ob linke oder rechte Seite, die Anschlüsse sitzen in der hinteren Hälfte und stören den Nutzer somit nicht. Dell verbaut zwei USB-3.0-Ports (einer davon mit Ladefunktion), einen kombinierten Kopfhörer-Mikrofon-Anschluss und einen Mini-Displayport für 4K mit 60 Hz. Der Mini-DP befindet sich nahe einer der beiden USB-Schnittstellen - große Sticks passen nur ans XPS 13, wenn kein externer Monitor angeschlossen ist.

Ein praktisches Detail ist die LED-Leiste links: Auf Knopfdruck zeigen fünf Lämpchen für ein paar Sekunden den Ladezustand des XPS 13 an. Rechts ist ein SD-Kartenleser verbaut, unser flottes PNY-Modell wird mit einer sequenziellen Lesegeschwindigkeit von 82 MByte pro Sekunde fast ausgereizt. Die beiden 1-Watt-Lautsprecher wummern im Tieftonbereich für ein Ultrabook überraschend gut und tönen auf Wunsch richtig laut. Das XPS 13 funkt nach Bluetooth 4.0 und mit zwei Antennen im ac-WLAN.

Nach dem Aufklappen fällt uns zuerst der mit 1,2 mm extrem dünne Displayrahmen mit Gorilla-Glas auf. Die Panel-Elektronik ist deswegen unterhalb des Bildschirms verbaut. Dort befindet sich auch die 720p-Kamera, die uns somit aus der Froschperspektive filmt - in Skype sieht das ziemlich komisch aus.

Sharps IPS-Panel ist grandios: Wir messen eine maximale durchschnittliche Helligkeit von 376 cd/m². Im oberen Drittel erreicht das Display über 400 cd/m², im unteren nur gut 300 cd/m² - im Betrieb stört das kaum. Die hohe Helligkeit ist der Igzo-Technik zu verdanken, solche Dünnschichttransistoren lassen mehr Licht durch als gewöhnliche TFTs und machen das Panel dünner.

Display, Hardware, Akkulaufzeit

Dell hat eine automatische Kontrast- und Helligkeitsanpassung bei dunklen Bildschirminhalten implementiert. Schauen wir in einem Film einen düsteren Abschnitt, verbessert das subjektiv die Darstellung - abschalten lässt sich diese adaptive Regelung nicht. Das XPS 13 wird mit zwei Panel-Varianten angeboten: Die eine ist matt, ohne Touch und verteilt 1.920 x 1.080 Pixel auf 13,3 Zoll.

Unser Testmuster verfügt über ein stark spiegelndes Multi-Touch-Display mit 3.200 x 1.800 Bildpunkten (QHD+), die Pixeldichte beträgt somit 272 ppi. Das Sharp-Panel nutzt keine Pentile-Anordnung, sondern eine klassische RGB-Matrix; die Farbgenauigkeit ist auf hohem Niveau. Die sRGB-Farbraumabdeckung beträgt allerdings nur 85 Prozent.

Die QHD+-Auflösung mag zwar Schriften und 4K-Content extrem scharf darstellen, aber noch immer skalieren viele Programme nicht vernünftig - der Launcher von Diablo 3 beispielsweise. Zudem schluckt das Display viel Energie: Ist es aus, benötigt das XPS 13 gerade einmal 3,6 Watt im Flugzeugmodus. Mit eingeschaltetem Bildschirm sind es trotz statischen Inhalts (hier greift Panel Self Refresh) bereits 9,4 Watt bei maximaler Helligkeit.

Die auf das Innenleben bezogen sehr geringe Leistungsaufnahme ist Intels Broadwell-Technik zu verdanken: In unserem XPS 13 steckt der 15-Watt-Chip Core i7-5500U mit HD Graphics 5500. Der Prozessor bietet zwei Kerne mit Hyperthreading. Je nach Last liegen 2,4 über 2,9 bis 3,0 GHz an - zusammen mit der verbesserten Architektur schlägt der Chip daher ältere Modelle deutlich.

Die integrierte Grafikeinheit verfügt über 24 EUs mit 300 bis 950 MHz und eignet sich für ältere oder anspruchslose Spiele. Zugunsten der Akkulaufzeit hat Dell DDR3L-RS-1600 von Micron verbaut. Das RS steht für Reduced Standby, die 8 GByte Dual-Channel-Arbeitsspeicher sollen im Connected Standby von Windows 8.1 ein Viertel sparsamer sein als normale Module.

Testen können wir das zwar aufgrund des verlöteten Speichers nicht, die Akkulaufzeit des XPS 13 gehört aber zu den besten, die wir bisher bei einem Ultrabook messen konnten: Im Productivity-Test des Futuremark Powermark hält das Dell-Gerät 573 Minuten durch. Der 52-Wh-Akku versorgt es also beim Surfen im Internet satte neuneinhalb Stunden mit Energie. Das 45-Watt-Netzteil braucht knapp zwei Stunden, um das XPS 13 wieder zu laden.

Ein paar Worte zu den Eingabegeräten und der Kühlung: Die Karbon-Handballenablage ist kaum anfällig für Fingerabdrücke. Die Tastatur mit kleiner Enter-Taste wird durch eine dreistufige Beleuchtung erhellt - der geringe Hub und die planen Tasten benötigen Eingewöhnungszeit. Das Clickpad ist gleitfreudig, aber ebenfalls Geschmackssache.

Das XPS 13 bleibt meist still, oder der Lüfter säuselt fast unhörbar. Nach längerer Last dreht er zwar deutlich auf, fällt durch das dumpfe Geräusch aber nie unangenehm auf.

Fazit und Verfügbarkeit

Das von uns getestete Dell XPS 13 (Modell CNX4307) mit Core i7-5500U, 8 GByte Arbeitsspeicher, 256-GByte-SSDs (Sata-M.2) und Infinity-Display mit 3.200 x 1.800 Pixeln kostet 1.400 Euro. Weitere Versionen mit QHD+ kosten aufgrund eines minimal schnelleren Prozessors oder doppelter SSD-Kapazität bis zu 1.600 Euro. Dell bietet das XPS 13 auch mit einem matten 1080p-Display ohne Touch ab 1.000 Euro an - für 100 Euro mehr gibt es 8 statt 4 GByte RAM.

Praktisch: Dell verkauft Zubehör wie den DA100, der für 80 Euro als Adapter von USB 3.0 auf HDMI, VGA, Ethernet und USB 2.0 dient. Wem die über neun Stunden Akkulaufzeit nicht ausreichen, der sollte den 125 Euro teuren Power Companion in Betracht ziehen, der 43 Wh und damit fast eine komplette Ladung liefert.

Fazit

Was hat uns denn nicht gefallen? Ein dritter USB-Anschluss wäre schön, und zumindest Thinkpad-Nutzer vermissen konkave Tasten sowie den Trackpoint. Ansonsten gibt es bei Dells XPS 13 nur wenig zu kritisieren: Die adaptive Kontrast- und Helligkeitsanpassung bei dunklen Bildschirminhalten sollte abschaltbar sein, und das Touchdisplay könnte weniger stark spiegeln.

Davon abgesehen ist Dells Ultrabook top: Obwohl es kaum größer ist als die meisten 12-Zoll-Geräte, hat es ein nahezu rahmenloses 13,3-Zoll-Panel im Bildschirmdeckel. Helligkeit und Farbgenauigkeit überzeugen, die Auflösung von 3.200 x 1.800 Pixeln mit RGB-Matrix stellt Inhalte extrem scharf dar. Trotz der Menge an Bildpunkten lässt sich das XPS 13 dank Broadwell-Chip im Alltag locker neun Stunden ohne Steckdose nutzen - für ein Ultrabook exzellent.

Unser Tipp für alle, die sich für das Dell interessieren: kein Modell mit QHD+ kaufen, sondern das leichtere XPS mit mattem 1080p-Display ohne Touch. So fallen nervige Skalierungszwänge weg und die Akkulaufzeit dürfte aufgrund des sparsameren Panels locker bei über zwölf Stunden liegen.  (ms)


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