Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/soziale-netzwerke-vernetzt-und-zugenaeht-1503-112761.html    Veröffentlicht: 05.03.2015 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/112761

Soziale Netzwerke

Vernetzt und zugenäht!

Fotos teilen, Karriere machen, kommentieren: So unterschiedlich die Bedürfnisse der Internetnutzer sind, so groß ist die Auswahl an sozialen Netzwerken. Das überfordert viele: Welche Social-Media-Kanäle soll man nutzen? Wer will, findet seine Plattformen.

Die Auswahl an sozialen Netzwerken im Internet ist überwältigend und undurchsichtig. Viele verzweifeln an der schieren Menge der Möglichkeiten: Mit Freunden in Kontakt bleiben geht mit Facebook oder Google+. Berufliche Kontakte pflegen, ist bei Xing oder LinkedIn möglich. Fotos können mit Instagram und Pinterest geteilt werden. Neben dem bekanntesten und am meisten genutzten Netzwerk Facebook gibt es Dienste wie Pinterest und Vine, die hierzulande weniger genutzt werden als anderswo. Jedes Netzwerk hat seine Vor- und Nachteile.

Diaspora und Freedombox zum Beispiel sind Netzwerke, die durch ihre dezentralen Strukturen sichere Ansätze verfolgen, dafür ist das Finden anderer Nutzer schwer. Andere Netzwerke wie Facebook sind für ihren freizügigen Umgang mit Nutzerdaten bekannt, dafür sind möglicherweise viele Freunde dort angemeldet. Sich andere Plattformen anzuschauen, kann nicht schaden. Da die Auswahl der richtigen Netzwerke nicht immer einfach ist, haben wir einen Überblick erstellt.

Modefans pinnen mit Pinterest

Pinterest hat laut Globalwebindex mit 97 Prozent das größte Nutzerwachstum im vergangenen Jahr verzeichnet, gefolgt von der Bloggerplattform Tumblr. Auf Pinterest haben die Nutzer eine Pinnwand, auf der sie Bilder virtuell befestigen können. Andere Nutzer können ihnen folgen und die Bilder mit ihrem Freundeskreis teilen. Listen können sie nach Interessen benennen. Auf diesen sogenannten Pinnwänden sammeln die Nutzer zum Beispiel Aufnahmen aus den Bereichen Möbel, Design oder Essen.

Immer interessanter wird das Netzwerk für Unternehmen. Produkte können auf Pinterest beworben werden, weil jede Aufnahme zur ursprünglichen Quelle - nämlich zum Unternehmen - zurückführt. Gefällt den Nutzern ein Produkt, wird es von entsprechend vielen Mitgliedern des Netzwerks geteilt.

Nutzerzahlen gibt Pinterest nicht bekannt. Laut Analysten haben 10 Prozent der deutschen Internetnutzer einen Account bei dem Pinnwandnetzwerk. Dessen Deutschlandchef ziehe nach den ersten Monaten seit dem Start der deutschsprachigen Version ein positives Fazit, schreibt Meedia. Mit einer Verdreifachung der Nutzerzahlen habe man hierzulande das vergangene Jahr abgeschlossen.

Weltweit hat das Netzwerk Schätzungen zufolge über 70 Millionen Nutzer. Fast 60 Prozent der Mitglieder sind weiblich.

Pinterest ist datenhungrig

Pinterest sammelt und speichert wie andere Netzwerke Daten auf seinen Servern. Das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky hat sich mit den Datenschutzregeln des Netzwerks beschäftigt. Pinterest protokolliere "Daten wie Ihre IP-Adresse und die zuletzt von Ihnen besuchte Seite, bevor Sie Pinterest aufgerufen haben", schreiben die Sicherheitsexperten. Das alles sei für die meisten Webseiten natürlich ziemlicher Standard, schreibt Kaspersky. Doch es könne manche Anwender beunruhigen.

Nutzer könnten das Risiko, persönliche Daten an Pinterest zu geben, verringern, indem sie Browser nutzten, die das Setzen von Cookies und das Tracking verringerten. Zum Beispiel Googles Chrome, Mozillas Firefox und der Internet Explorer von Microsoft bieten diese Möglichkeit.

Seit vergangenem Jahr bietet Pinterest die Möglichkeit, sogenannte Secret Boards einzurichten. Inhalte werden mit Hilfe dieser Funktion auf ein Publikum beschränkt, das der Nutzer selbst bestimmen kann.

Bilder aus allen Bereichen des Lebens

Pinterest übt mit seinem Sammelsurium an Bildern aus den unterschiedlichsten Themenbereichen wie Mode und Einrichtungsgegenstände einen besonderen Reiz auf Sammler aus. Technikfans finden genug interessante Inhalte, die sie an ihre Pinnwand heften können, ebenso wie Freunde von Fahrzeugen und Einrichtungsgegenständen.

Sexistische Ableger von Pinterest gibt es übrigens auch. Auf Manteresting.com dreht sich zum Beispiel alles um "Bier, Autos, Football und Brüste".

Wer hip sein will, nutzt Instagram

Wer Fotos mag, sollte sich Instagram anschauen. Das ist eine Fotosharing-App für Smartphones mit iOS und Android. Damit lassen sich Fotos und kurze Videoclips verfremden und über soziale Netzwerke verbreiten. Außer zum eigenen Fotosharing-Dienst von Instagram gibt es Schnittstellen zu anderen Netzwerken wie Flickr, Twitter, Tumblr, Foursquare und dem russischen Netzwerk VKontakte.

Und natürlich zu Facebook, das Instagram im April 2012 gekauft hat. Trotzdem können sich Nutzer ohne ein Facebook-Profil bei dem Dienst anmelden. Instagram ermöglicht es auch, unabhängig von dem sozialen Netzwerk Mitgliedern zu folgen. Instagram hat nach eigenen Angaben über 300 Millionen Nutzer. In den letzten neun Monaten des vergangenen Jahres hätten sich 100 Millionen neue Nutzer registriert, schreibt der Dienst.

Von Schwachstellen und Nutzungsbedingungen

Berichte über Sicherheitslücken bei Instagram waren in den vergangenen zwei Jahren nicht selten. Im vergangenen Jahr wies ein Londoner Entwickler auf eine Schwachstelle in dem Foto-Sharing-Dienst hin.

Zur gleichen Zeit sagte Instagrams Mitbegründer Mike Krieger, die Foto-App sei gerade dabei, ihre HTTPS-Abdeckung auszuweiten. Dabei sollten jedoch Leistung, Stabilität und Nutzungserlebnis nicht leiden.

Im Januar 2015 hat Instagram eine Sicherheitslücke geschlossen, die es ermöglichte, dass private Fotos öffentlich einsehbar waren. Die Website Quartz hatte herausgefunden, dass öffentlich hochgeladene Bilder immer öffentlich blieben, auch wenn der Nutzer seinen Account später auf "Privat" stellte.

Nach empörten Reaktionen hatte Instagram im Dezember 2012 übrigens eine umstrittene Änderung in seinen Nutzungsbedingungen widerrufen. Das Unternehmen wollte die Bilder seiner Nutzer ungefragt und unentgeltlich für Werbezwecke verkaufen.

Instagram-Nutzer sollten sich trotzdem, wie auch bei Facebook, bewusst sein, dass ihre Daten auf fremden Servern gespeichert werden und dort jederzeit von Fremden eingesehen werden können.

Foodporn und Cat-Content

Instagram wird besonders von jungen Menschen genutzt. Die Zahl der Mitglieder stieg im vergangenen Jahr um 100 Millionen Nutzer auf 300 Millionen. Der Dienst hat Twitter mit seinen rund 250 Millionen Nutzern überholt. Wie viele deutschsprachige Mitglieder Instagram hat, ist nicht bekannt. Verschiedene Quellen gehen von rund 4 Millionen aus.

Wer Schnappschüsse und durch Filter verfremdete Bilder mag, wird sich bei Instagram wohlfühlen. Auf dem Netzwerk gibt es viele davon. Wer nach dem Hashtag Foodporn sucht, findet fast 50 Millionen Essensbilder, die Nutzer hochgeladen haben. Ebenso eine Menge Bilder zu den Themen Mode und Lifestyle. Ein alternativer Fotosharing-Dienst ist EyeEm. Nutzer des Dienstes können dort wie bei Instagram Fotos liken und kommentieren.

Kreativ sein mit Vine

Vine ist eine Standalone-App von Twitter, mit der kurze Videos aufgezeichnet und veröffentlicht werden können. Wie bei animierten Gifs wird die Aufnahme ständig wiederholt. Die Clips haben eine Länge von maximal sechs Sekunden. Beiträge bei Vine seien "wie kleine Fenster in das Leben von anderen Menschen, ihren Einstellungen, Ideen und Objekten", schrieb Vine-Mitbegründer Dom Hofmann zum Start des Dienstes.

40 Millionen registrierte Nutzer zählte Vine im vergangenen Jahr. Ein Großteil der Nutzer kommt aus den USA. In dem Land sind die Kurzfilmchen besonders beliebt.

Sicherheit bei Vine?

Im Oktober 2014 entdeckten Sicherheitsexperten bei einer Untersuchung von Android-Anwendungen wie Vine und Instagram Sicherheitslücken. Dass die Dienste die Nutzerinhalte unverschlüsselt auf ihren Webservern speicherten, sahen die Forscher als besonders problematisch an. Untersucht wurden Android-Apps und deren Verhalten im Netzwerk.

Wie bei anderen Anwendungen auch sollten Vine-Nutzer auf ihre Zugangsdaten achten. Passwörter sollten regelmäßig erneuert und nicht an Dritte weitergegeben werden.

Batdad und wildfremde Personen

Freunde von kurzen und kreativen Filmchen sollten sich Vine anschauen. Manche Vine-Nutzer haben ein Millionenpublikum, das sie mit ihren Clips begeistern. Zum Beispiel der in New York lebende Franzose Jerome Jarre. Er fängt in der Öffentlichkeit laut an zu singen und umarmt wildfremde Menschen. Die Videos lädt Jarre bei Vine hoch. <#youtube id="YlVi0noRr-o"> Oder Blake Wilson. Der Familienvater aus Atlanta trägt eine Batman-Maske und belehrt seine Familie mit der tiefen Stimme aus den Batman-Filmen. Seinem Profil Batdad folgen drei Millionen Menschen. Über 700 Millionen Mal wurden seine Clips angeschaut. Selbst ins US-Fernsehen hat es Wilson geschafft.

Mit Tumblr bloggt es sich einfach

Tumblr ist ein Mix aus Bloggingplattform und sozialem Netzwerk. Nutzer können Texte, Bilder, Zitate, Chatlogs, Links sowie Video- und Audiodateien veröffentlichen. Tumblr wurde 2007 in den USA gegründet und gehört seit Mai 2013 zu Yahoo.

Das Netzwerk hat im Sommer 2014 fast 200 Millionen Blogs mit mehr als 83 Milliarden Beiträgen gehostet. Auf Tumblr können Inhalte veröffentlicht und Beiträge anderer Nutzer geteilt werden. Letzteres wird Reblogging genannt.

Tumblr-Nutzer können sich gegenseitig folgen und Einträge anderer Nutzer als Favoriten markieren. Diese Inhalte können sie auf ihrem eigenen Blog sichtbar machen.

Die Fotos sollten den Nutzern gehören

Mashable berichtete im vergangenen Jahr, dass Tumblr seine Milliarden Nutzerfotos für kommerzielle Zwecke analysiere. Es gebe zwar keine Überlegungen, die Daten für die Schaltung zielgerichteter Werbung zu verwenden, sagte Tumblr-Manager T.R. Newcomb damals, aber die Informationen sollten Werbekunden dabei helfen, ihre Wahrnehmung in sozialen Netzwerken besser zu verstehen.

Tumblr hatte im Jahr 2013 eine Sicherheitslücke, die iOS-Anwender betraf. Die entsprechenden Nutzer forderte der Dienst auf, ihre Passwörter zu ändern. Kaspersky vermutete damals, dass das Problem darin gelegen habe, dass Tumblr keine Verschlüsselung beim Einloggen der App-Anwender verwendete. Bei jedem Nutzer, der sich über WLAN bei dem Dienst angemeldet habe, hätten Angreifer die Zugangsdaten ausspionieren können.

Eine Alternative zu Wordpress

Für Blogger, die schnell und ohne Hürden bloggen wollen, ist Tumblr geeignet. Neben Wordpress und Googles Blogger bietet Tumblr alles, was man zum schnellen Publizieren von Inhalten braucht. Einschränkungen bei der Gestaltung gibt es allerdings. Die eigene Tumblr-Seite können Nutzer nicht wie bei Wordpress oder bei selbst programmierten Seiten bis ins kleinste Detail selbst gestalten. Das Folgen anderer Nutzer und das komfortable Rebloggen fremder Inhalte auf der eigenen Seite machen Tumblr aber zu einer komfortablen Alternative zu anderen Bloganbietern.

Facebook gefällt Milliarden Nutzern

Mit 1,4 Milliarden Mitgliedern ist Facebook das größte soziale Netzwerk. Gestartet im Jahr 2004 als Studentenplattform, hat sich der Dienst im Laufe der Zeit zu einem Netzwerk für Freunde und Bekannte entwickelt. Aber auch Prominente und Musiker nutzen ihn.

Die Inhalte auf Facebook werden von dessen Mitgliedern erstellt. Dazu gehören Statusmeldungen, Videos, Fotos, Bilder und Links zu Webseiten. Wie bei vielen anderen Netzwerken können sich Mitglieder untereinander mit Hilfe eines Chat-Clients unterhalten. Mobil geht das über den Facebook Messenger. Auch darüber können Nutzer ihre Fotos, Videos und Links an andere weitergeben.

Auf Facebook sind die Mitglieder untereinander nicht automatisch vernetzt. Angenommene und gestellte Freundschaftsanfragen entscheiden darüber, wie groß der eigene Freundeskreis am Ende ist. Je größer er ist, desto größer ist auch die Menge an Informationen, die der jeweilige Nutzer erhält. Um die Menge an Statusmeldungen so gering wie möglich zu halten, hat Facebook einen Algorithmus entwickelt. Der lässt nicht alle Postings zum Nutzer durch. Welche Meldungen im Stream des Nutzers erscheinen, richtet sich nach dessen Verhalten auf dem Netzwerk. Mit wem unterhält sich der Nutzer regelmäßig? Welche Beiträge kommentiert er? Welche Inhalte interessieren ihn am meisten? Welche Postings markiert der Nutzer mit "Gefällt mir"? Solche Fragen werden von Facebook mit Hilfe des Algorithmus ausgewertet, um den persönlichen Nachrichtenstream eines Nutzers zu erstellen.

Endlich HTTPS

Facebook-Nutzer konnten bereits vor dem August 2013 in den Sicherheitseinstellungen das Kommunikationsprotokoll HTTPS auswählen. In diesem Monat machte Facebook das Protokoll aber zum Standard. Wie bei allen zentralen Netzwerken sollten sich seine Mitglieder aber bewusst sein, dass ihre Daten auf fremden Servern gespeichert werden. Da nutzt auch eine sichere Verbindung nichts, wenn die Informationen im Nachhinein entschlüsselt werden können.

Dass Facebook die Informationen seiner Nutzer analysieren und für Werbezwecke weitergeben darf, hat das Unternehmen in seinen Datenschutzregeln Anfang dieses Jahres verankert. EU-Datenschützer und deutsche Verbraucherschützer beschwerten sich. Der Vorwurf: Nutzer könnten nicht genau kontrollieren, ob und wie ihre Daten für Werbung genutzt würden. Facebook verteidigt sich: Man habe sich an die Gesetze gehalten.

Ansonsten bietet Facebook seinen Mitgliedern einige Einstellungsmöglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre. Nutzer können zum Beispiel darüber entscheiden, wer ihnen Freundschaftsanfragen stellen kann, ob sie von Freunden auf Bildern markiert werden können oder wer ihre Statusbeiträge lesen darf.

Grüße an Omi

Der Vorteil von Facebook? Das Netzwerk hat so viele Mitglieder wie kein anderer Dienst. Die beste Freundin ist dort. Der Bruder auch. Der nette Arbeitskollege sowieso. Sogar die Eltern schauen ab und zu mal rein. Wer mit so vielen Bekannten und Verwandten wie möglich vernetzt sein will, kommt an Facebook nicht vorbei.

Aber: Das Netzwerk bekommt nach und nach ein Imageproblem. Junge Erwachsene schauen sich laut Untersuchungen nach Alternativen um. Netzwerke, auf denen sich Mutti und sogar Oma angemeldet hat, gelten als uncool. Angesagt sind dagegen Apps wie der Foto-Sharing-Dienst Snapchat mit seinen Nachrichten, die sich nach Sekunden selbst zerstören, oder Messenger wie Whatsapp. Das hat Facebook erkannt und den Dienst Anfang 2014 für 19 Milliarden US-Dollar gekauft.

Google+ und die Geisterstadt

Seit 2011 gibt es Google+. Aufgrund der geringen Nutzerzahlen wurde das Netzwerk anfangs als Geisterstadt bezeichnet. Zum Jahresende 2011 nannte Google die Zahl von 500 Millionen Mitgliedern - davon 135 Millionen aktive Nutzer. Ein paar Monate später waren es 190 Millionen Mitglieder. Danach gab das Unternehmen keine weiteren Zahlen heraus. Ein amerikanischer Tech-Analyst hat sich Anfang 2015 mit dem Netzwerk beschäftigt und behauptet, es gebe 2,2 Milliarden Google+-Profile. Nur neun Prozent davon hätten jemals etwas gepostet. Er kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der aktiven Nutzer irgendwo zwischen vier und sechs Millionen bewegt. Seine Untersuchungen hatte der Analyst mit öffentlich einsehbaren Profilen und Einträgen gemacht.

Google+ unterscheiden nicht nur die Nutzerzahlen von Facebook, sondern auch die Art, wie sich dessen Mitglieder untereinander vernetzen können. Es gibt keine Freundeslisten, sondern Kreise. Nutzer müssen sich nicht gegenseitig hinzufügen, sondern können einem anderen Mitglied folgen. Eine Bestätigung ist nicht erforderlich.

Chats heißen bei Google+ Hangouts. Das sind Videochats mit Textfunktion. Mehrere Teilnehmer können sich zu einer Videokonferenz zusammenschließen. Das ist auch über mobile Geräte möglich. Seine Videochats hat Google auf zehn Teilnehmer begrenzt.

Lob für Google

Google+ ist wie Facebook ein zentrales Netzwerk. Sämtliche Daten, die ein Nutzer eingibt oder hochlädt, landen auf den Servern von Google. Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre gibt es aber auch hier. Mitglieder können andere Nutzer in Kreise einsortieren und für jeden Kreis Berechtigungen vergeben. Das gesamte Profil auf "privat" zu stellen, ist auch möglich.

Britische Datenschutzexperten haben sich im Jahr 2011 mit den Privatsphäre-Einstellungen bei Google+ beschäftigt. Lobende Worte fanden sie für die SSL-Verschlüsselung, durch die sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe abgewehrt werden. Dritte könnten Gespräche zwischen zwei Chatpartnern dadurch deutlich schwerer mithören. SSL-Verschlüsselungen erschweren Man-in-the-Mittle-Angriffe übrigens überall, wo sie zum Einsatz kommen, nicht nur bei Google+ oder in dessen Chat.

Nerds unter sich

Wer mit Freunden und Verwandten in Verbindung bleiben möchte, für den ist Google+ nicht geeignet. Laut einer Studie wird das Netzwerk von "Personen aus dem IT-Bereich" genutzt. Gefolgt von "Entscheidungsträgern, Unternehmenschefs, Selbstständigen und WG-Bewohnern". Bilder mit lustigen Sprüchen sind bei Google+ anders als bei Facebook nicht gern gesehen. Stattdessen wird unter den Statusbeiträgen der Nutzer gern diskutiert. Die Mitglieder schätzen sich und gehen größtenteils respektvoll miteinander um - keine Selbstverständlichkeit im digitalen Zeitalter.

Twitter macht's am schnellsten

Im Gegensatz zu Facebook und Google+ ist Twitter eine Microblogging-Plattform. Statusbeiträge heißen Tweets und können von anderen Nutzern gesehen werden. Ein Tweet kann maximal 140 Zeichen lang sein. Von diesen Inhalten lebt der Dienst. In erster Linie dient er als Informationsmedium. Ein Wirbelsturm an der US-Ostküste - Twitter-Nutzer informieren in Tweets die Öffentlichkeit in Echtzeit über das Geschehen. Tatort im Ersten - Fans unterhalten sich über die Geschichte. Twitter hatte im Jahr 2014 nach eigenen Angaben 248 Millionen Nutzer. Wie Google hält sich das Unternehmen bedeckt, was die monatlich aktiven Nutzerzahlen angeht. Analysten haben im Jahr 2012 herausgefunden, dass die meisten Twitter-Nutzer in China leben, gefolgt von Indien und den USA.

Gehackte Accounts von Promis

Was haben der Twitter-Account von US-Präsident Barack Obama und der von Sängerin Britney Spears gemeinsam? Beide waren Ziel von Hackerangriffen. Das Account-Passwort ist die größte Schwachstelle bei Twitter. Ein sicheres Passwort ist ein Muss. Da Nutzer sich mit ihren Zugangsdaten bei anderen Diensten anmelden können, ist das aber keine Garantie, dass der Account nicht kompromittiert werden kann. Nutzer sollten Third-Party-Services genau anschauen.

Ansonsten bietet Twitter seinen Nutzern auch diverse Privatsphäre-Einstellungen an. Die Wichtigste: Ein Account kann nur für zugelassene Benutzer sichtbar gemacht werden. Das ist zwar nicht so schön für Twitter, das von öffentlichen Inhalten lebt, aber bei besonders sensiblen Informationen, die ein Nutzer nur mit bestimmten Personen teilen will, kann das angebracht sein.

Der Nutzer muss dann aber mit Funktionseinschränkungen leben. Tweets können nicht retweetet, also an andere Nutzer weitergegeben werden. Die Beiträge werden nicht in den Suchergebnissen angezeigt und nur Follower können die Nachrichten in ihrem Stream sehen.

Profis unter sich

Nutzer, die von Informationen leben, fühlen sich bei Twitter gut aufgehoben. Dazu gehören zum Beispiel Politiker, Medienprofis und Katastrophenhelfer. Einen Algorithmus, der Nachrichten wie bei Facebook automatisch aussortiert, gibt es nicht. Dafür gibt es Werkzeuge wie Tweetdeck, mit denen der Nutzer die Tweets sortieren lassen kann. Dazu müssen Listen angelegt werden, in die der Nutzer seine Kontakte einsortiert. Aus der Twitter-Blase heraus schaffen es immer mal wieder Themen in die allgemeinen Medien wie zum Beispiel die Aufschrei-Debatte aus dem Jahr 2013, bei der über Sexismus diskutiert wurde. Oder der Candystorm von Grünen-Politiker Volker Beck, der damit seiner Parteivorsitzenden Claudia Roth nach einer Niederlage helfen wollte, indem er das gegenteilige Wort zu Shitstorm erfand.

Let's Player nutzen Youtube

Rauere Umgangstöne gibt es in den Kommentaren der Videoplattform Youtube. Auf dem zu Google gehörenden Portal können Nutzer ihre selbst produzierten Videos veröffentlichen. Seit 2005 gibt es die Plattform. Sie wurde von den ehemaligen Paypal-Mitarbeitern Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim gegründet. 2006 kaufte Google den Videodienst für 1,65 Milliarden US-Dollar.

Videoblogger, Let's Player, Musikvideos und Tutorials: Auf Youtube finden sich alle erdenklichen Bewegtbildinhalte. So manch ein Prominenter ist durch den Videodienst bekanntgeworden. Der amerikanische Sänger Justin Bieber zum Beispiel wurde von einem Musikmanager auf der Plattform entdeckt. Andere Videoblogger wie der Let's Player Gronkh erreichen mit ihren Inhalten Millionen Nutzer.

2013 machte Google es zur Pflicht, dass Nutzer, die unter den Videos kommentieren wollen, ein Google+-Konto eröffnen. Das Konto wird mit den Kommentaren verknüpft. Google begründete die Accountpflicht damit, dass so Kommentare besser nach ihrer Relevanz sortiert werden können. Während früher der neueste Kommentar jeweils oben stand, stehen nun Beiträge des Kanalbetreibers, von bekannten Personen sowie von Mitgliedern der Google+-Kreise ganz vorne.

Das fanden nicht alle Nutzer gut. Trotzdem scheiterte eine Onlinepetition gegen den Accountzwang an zu geringer Beteiligung.

Mitte 2014 lockerte das Unternehmen Medienberichten zufolge seinen Google+-Zwang für Anmeldungen bei Youtube.

Gehackte Accounts sind nicht selten

Über gehackte Accounts von Videobloggern wird immer wieder berichtet. Da Nutzer, die Videos kommentieren wollen, sich bei Google+ anmelden müssen, gelten die gleichen Sicherheitseinstellungen wie bei dem sozialen Netzwerk. Auch bei Youtube können Kommentare für einen bestimmten Personenkreis oder öffentlich sichtbar gemacht werden.

Sein Videoportal Youtube bietet Google übrigens auch über das verschlüsselte Übertragungsprotokoll HTTPS an.

Musik und Filme

Musikbegeisterte finden Videoclips ihrer Lieblingskünstler bei Youtube. Kinofans schauen sich die aktuellen Filmtrailer an. Computerspieler suchen nach den ersten Ingame-Aufnahmen des kommenden 3D-Shooters. Die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Auf Youtube gibt es fast alles, was mit Kameras gefilmt und mit Bildschirmaufnahmetools gecaptured werden kann.

Außerdem erlaubt Google das Einbinden der Videos in andere Webseiten, so dass Blogger und Seitenbetreiber die Clips problemlos in ihre Inhalte einfügen können.

Xing - der Dinosaurier

Älteren Lesern ist das berufliche Netzwerk Xing möglicherweise noch unter dem Namen OpenBC bekannt. Es wurde im Jahr 2006 umbenannt. Xing ist wie LinkedIn eines der am längsten existierenden Netzwerke. Beide wurden im Jahr 2003 gestartet - ein Jahr vor Facebook. Eine Ewigkeit im digitalen Zeitalter. Das zeigt auch ein Tweet des Hamburger Werbetexters Peter Breuer. Er schrieb im Jahr 2012: "Heute ist Tag des offenen Denkmals. Nutze die Gelegenheit und sehe mir Xing an." Xing unterscheidet von anderen Netzwerken, dass es ein geschäftliches Netzwerk ist. Kontakte herstellen, Jobangebote beantworten, Mitarbeiter rekrutieren - das ist auf Xing möglich. Neben dem kostenlosen Profil gibt es eine sogenannte Premiumvariante. Zahlenden Nutzern werden Besucher ihres Profils angezeigt und sie können Nachrichten an Mitglieder senden, die sich nicht in ihren Kontakten befinden.

Nach eigenen Angaben hat Xing mehr als 15 Millionen Nutzer weltweit. Acht Millionen kommen aus deutschsprachigen Ländern.

Standardverschlüsselung mit deutscher Gründlichkeit

Xing verschlüsselt seine Website standardmäßig mit SSL/TSL. Abhängig vom Browser des Nutzers komme eine Verschlüsselung mit mindestens 256 Bit zum Einsatz, schreibt das Unternehmen. Das sollte Standard sein und bräuchte eigentlich nicht erwähnt zu werden. Trotzdem schreibt Xing auf seiner Seite, dass es für die Auswahl der Algorithmen und Schlüssellängen den Empfehlungen des BSI und der europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) folge.

Auch Xing blieb nicht von Sicherheitslücken verschont. Im vergangenen Jahr wurde eine Schwachstelle bekannt, die es einem Angreifer ermöglichte, auf fremde Benutzerkonten zuzugreifen und die privaten Nachrichten eines Nutzers zu lesen und dessen Kontaktliste einzusehen. Bei Premium-Accounts konnten sogar die Kreditkarteninformationen des Nutzers eingesehen werden.

Xing-Mitglieder haben in den Einstellungen die Möglichkeit, ihre Privatsphäre zu schützen. Sie entscheiden, welche Informationen andere Mitglieder sehen. Bei neuen Kontakten fragt der Dienst immer wieder ab, welche Informationen einsehbar sein sollen.

Karrieretypen willkommen

Xing eignet sich für die berufliche Kontaktpflege. Egal ob Manager oder Angestellter in einem mittelständischen Unternehmen, über Xing können die Nutzer miteinander ins Gespräch kommen. Gruppenmoderatoren laden zu sportlichen Kennenlernveranstaltungen der Mitglieder ein und auf dem Stellenmarkt können Nutzer nach passenden Jobangeboten suchen oder an einer der Zehntausenden Diskussionen in den Foren teilnehmen.

Wer viele internationale Kontakte hat, wird mit Xing nicht glücklich, denn hier sind vergleichsweise viele deutschsprachige Nutzer. Andere Netzwerke wie Viadeo oder LinkedIn sind für internationale Kontakte besser geeignet.

LinkedIn ist das internationale Xing

LinkedIn ist eine Plattform für internationale berufliche Kontakte. Laut der Analysten von Statista hatte der Dienst im letzten Quartal 2014 knapp 350 Millionen Mitglieder. Die meisten Nutzer kommen aus den USA. LinkedIn finanziert sich über Werbung, Mitgliedsbeiträge, eine Stellenbörse und kostenpflichtige Dienstleistungen. Es hat auch mobile Apps für alle großen Plattformen.

Nerviger E-Mail-Spam

Kurz nach dem Börsengang im Jahr 2011 wurde eine gefährliche Sicherheitslücke bei LinkedIn bekannt. Hacker könnten ohne Passwörter in die Profile von Nutzern eindringen, hat ein indischer Programmierer herausgefunden. Cookies würden von LinkedIn unverschlüsselt an dessen Server übertragen.

Außerdem überträgt das Netzwerk an E-Mail-Adressen aus den Kontakten eines Mitglieds immer wieder Aufforderungen, dem Dienst beizutreten. Freunde eines Nutzers könnten sich schnell gestört fühlen. In Kalifornien wurde LinkedIn deshalb sogar von Mitgliedern verklagt, da das Unternehmen keine Möglichkeit zur Verfügung stelle, den Versand solcher Mails zu verhindern.

Nutzer sollten sich bewusstmachen, dass LinkedIn die Daten seiner Mitglieder speichert und analysiert.

LinkedIn gibt es in vielen Sprachen

Wem das berufliche Netzwerk Xing aufgrund der überwiegend deutschsprachigen Nutzer zu wenig Kontakte bereithält, der wird sich bei LinkedIn wohlfühlen. Der Dienst unterstützt das Erstellen mehrsprachiger Nutzerprofile und die Möglichkeit, andere Mitglieder zu empfehlen. Außerdem können sich Unternehmen auf dem Netzwerk ein Profil anlegen und potenzielle Arbeitnehmer über ihre Firma und deren Produkte informieren.

Ein Profil bei LinkedIn kann nur sehr schwer gelöscht werden, wie der Autor aus Erfahrung weiß. Die Funktion ist sehr versteckt. Das wurde auch immer wieder kritisiert.

Dezentrale Netzwerke sind am sichersten

Keine zentralen Strukturen wie bei Facebook, Whatsapp oder Google+: Dezentrale Netzwerke bieten das. Der Nutzer allein hat die Kontrolle über seine Daten. Wer so eine Alternative zu den kommerziellen Netzwerkanbietern sucht, wird fündig, aber vielleicht nicht glücklich. Denn dezentrale Netzwerke bieten viel Sicherheit, aber wenig soziale Erlebnisse.

Diaspora ist so ein dezentrales soziales Netzwerk, das von vier US-amerikanischen Informatikstudenten entwickelt und mit Spenden über das Crowdfunding-Portal Kickstarter.com unterstützt wurde. Im Jahr 2012 zog sich das Entwicklerteam aus seiner Führungsposition zurück und übertrug die Weiterentwicklung auf die Community. Im vergangenen Jahr erschien die Version 0.4.1.2 des sozialen Netzwerks mit neuen Funktionen wie Permalinks für Kommentare unter Beiträgen und das Melden von Spam oder unangemessenen Inhalten. Die meisten Änderungen entfielen auf das Beheben von Fehlern und die Umstrukturierung des grundlegenden Codes.

Diaspora hat über eine Million registrierte Nutzer, die sogenannte Pods - eigene Serverknoten - bereitstellen. Wie bei Facebook können sich Mitglieder zwar miteinander verbinden und Nachrichten schreiben. Während Facebook wie eine Telefonzentrale zwischen den Mitgliedern vermittelt, bilden die Nutzer der dezentralen Netzwerke jedoch ein verteiltes System - jeder kann einen eigenen Server betreiben.

Um Diaspora zu nutzen, gibt es eine Liste von nutzerbetriebenen Pods. Der bekannteste Diaspora-Pod ist Joindiaspora.com.

Die Daten bleiben beim Nutzer

Vor allem seit den Enthüllungen durch den US-Whistleblower Edward Snowden rücken der Datenschutz und damit dezentrale Lösungen wieder in den Vordergrund. Dezentrale Netzwerke haben einen großen Vorteil: Sie bieten einen Schutz der eigenen Daten - ohne zentrale Strukturen. Denn die Daten eines Nutzers befinden sich nicht auf einem fremden Server und die Software auf dem eigenen Server kann der Nutzer vollständig kontrollieren.

Das bietet zwar Sicherheit und Kontrolle über die eigenen Informationen, macht aber das Finden von anderen Mitgliedern schwierig.

Für Einzelgänger?

Bisher wird das als Facebook-Alternative gestartete Diaspora von vergleichsweise wenig Nutzern verwendet. Die dezentrale Struktur macht das Vernetzen zwischen fremden Menschen unmöglich. Eine Suchfunktion wie Facebooks Social Graph gibt es nicht.

Ein weiterer Grund für die geringe Verbreitung ist auch, dass die Einrichtung von eigenen Diaspora-Knoten nur von erfahrenen Computernutzern bewältigt werden kann. Deshalb ist das Netzwerk nur etwas für Nutzer, die Entwicklerkenntnisse besitzen und ein besonders sicheres Netzwerk haben wollen. Weitere dezentrale Netzwerke sind Friendica, Freedombox, Buddycloud und Secushare.

Ein oder mehrere Netzwerke

Ob zentral oder dezentral - die meisten Internetnutzer haben sich bereits für ein Netzwerk entschieden. Laut dem Branchenverband Bitkom sind vier von fünf Internetnutzern in Deutschland auf einer Plattform angemeldet und zwei Drittel aller Mitglieder nutzen diese auch aktiv. Wie viele Nutzer auf mehreren Plattformen angemeldet sind, ist nicht bekannt. Da die vielen verschiedenen Plattformen zum Teil unterschiedliche Angebote haben, ist anzunehmen, dass viele Nutzer auf mehreren Netzwerken aktiv sind. Sie sollten sich jedoch genau überlegen, welche Netzwerke sie wirklich benötigen - denn netzwerken kostet eine Menge Zeit: Laut einer Umfrage verbringen deutsche Internetnutzer zwei bis vier Stunden täglich in sozialen Netzen.  (sha)


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