Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oxygenos-von-oneplus-wir-wollen-keine-funktionen-entwickeln-die-nerven-1503-112735.html    Veröffentlicht: 04.03.2015 07:58    Kurz-URL: https://glm.io/112735

OxygenOS von Oneplus

"Wir wollen keine Funktionen entwickeln, die nerven"

Oneplus setzt bei der Entwicklung seines ersten eigenen Android-ROMs auf die wichtigsten Programmierer von Paranoid Android. Golem.de hat mit Helen Li, der Hauptverantwortlichen für die Entwicklung von OxygenOS, über das ROM und seine Entstehung gesprochen.

Mit OxygenOS will Oneplus eine eigene, unabhängig von anderen Programmierteams entwickelte Android-Distribution auf den Markt bringen. Helen Li ist seit kurzem bei dem chinesischen Hersteller als Head of Mobile Product die Hauptverantwortliche für die Entwicklung des ROMs. Golem.de hat mit ihr auf dem Mobile World Congress über die Entwicklung von OxygenOS gesprochen.

Li bringt einige Programmiererfahrung mit: Nach ihrem Studium an der Universität Waterloo in Kanada arbeitete sie als Programmiererin und Programmiermanagerin bei Microsoft, anschließend bei Startups in New York und Seattle. 2014 traf sie über einen gemeinsamen Freund bei Cyanogen den Oneplus-Mitbegründer Carl Pei, der ihr die jetzige Stelle in Shenzhen anbot. Nach relativ kurzer Überlegungszeit nahm sie an, seitdem arbeitet sie an der Entwicklung von OxygenOS.

Die Mitteilung, dass Oneplus für die Entwicklung seiner ersten eigenen Android-Distribution zahlreiche Mitglieder von Paranoid Android (PA) abgeworben hat, kam etwas überraschend. Dabei handelt es sich nicht nur um eine bloße Zusammenarbeit: "Die Programmierer sind direkt bei Oneplus angestellt", erklärt Li. "Das Kernteam ist nach Shenzhen gezogen, unter anderem Aaron, Arz und Hieu." Aaron Gascoigne ist der bisherige Team Leader von Paranoid Android, Arz Bhatia der Lead Designer, Hieu Nguyen der Software Architect.

Paranoid Android besteht weiterhin

Die Rekrutierung der PA-Programmierer bedeutet Li zufolge aber nicht das Ende von Paranoid Android. "Wir haben nicht das gesamte Entwicklerteam angestellt. Paranoid Android ist immer noch Open Source, es gibt weiterhin Leute, die daran arbeiten", erklärt sie. Auch können die jetzt für Oneplus arbeitenden Entwickler durchaus weiter an dem Projekt arbeiten. Eine Schwächung dürfte der Weggang der Hauptverantwortlichen aber sicherlich schon bedeuten.

Die Verpflichtung des PA-Teams heißt für Oneplus nicht, dass für OxygenOS einfach die Funktionen von Paranoid Android kopiert werden sollen; stattdessen wird das ROM von Grund auf neu gebaut. "Wir sind Oneplus, nicht Paranoid Android. Wir haben die PA-Entwickler eingestellt, damit wir deren kreativen Einfluss für die Entwicklung unseres ROMs nutzen können", erklärt Li. "Wir werden die Ideen vieler Leute aufnehmen, aber am Ende wird OxygenOS unser eigenes, individuelles ROM werden."

PA-Programmierer sind kreativ

Dass die Wahl auf Paranoid Android fiel, liegt zum einen an der Einbindung von dessen Community und zum anderen natürlich in der Kreativität der Programmierer, wie Li sagt. "Paranoid Android wurde immer sehr gut von den Nutzern bewertet. Die Programmierer sind zudem sehr jung, sehr kreativ, und sie denken außerhalb bestehender Schranken."

Kontaktaufnahme bereits im Herbst 2014

Der erste Kontakt zu den PA-Mitgliedern erfolgte bereits vor einiger Zeit. "Im September 2014 hat Oneplus erstmals mit den Paranoid-Android-Mitgliedern Kontakt aufgenommen, Carl hat mit ihnen über Ideen gesprochen. Dabei war das Interesse für eine Zusammenarbeit auch auf deren Seite vorhanden", erzählt Li.

Von der Verpflichtung der Programmierer verspricht sich Li eine besondere Benutzerfreundlichkeit und eine klar designte, aber wiedererkennbare Oberfläche von OxygenOS. "Die Zusatzfunktionen, die wir bringen, werden einen klaren Mehrwert im Alltag der Anwender bringen", sagt sie. Die Oberfläche soll sich vom Design her am ursprünglichen Android 5.0 alias Lollipop orientieren - auf bunte Designelemente will Oneplus verzichten. "Wir wollen keine Funktionen entwickeln, die zunächst toll aussehen, im Alltag dann aber irgendwann nerven."

OxygenOS wird kein offenes System

Bei der Offenheit wird OxygenOS einen anderen Weg als Paranoid Android gehen: "Da wir mit proprietären Treibern arbeiten, können wir nicht so offen sein, wie wir es gerne wären. Aber wir werden weiter auf die Nutzer hören und deren Meinungen mit einbeziehen", versichert Li.

OxygenOS wird laut Helen Li aktuell nur für Oneplus-Geräte herauskommen. "Das ROM ist für Oneplus-Geräte optimiert, wir wollen unseren Nutzern die bestmögliche Leistung bieten. Da das unser Fokus ist, wird es OxygenOS zunächst nicht für andere Geräte geben", sagt sie. Allerdings schließt Li nicht aus, dass das ROM in Zukunft doch noch für Nicht-Oneplus-Modelle erscheinen könnte.

Veröffentlichungsdatum noch geheim

Wann genau OxygenOS veröffentlicht wird, konnte Li uns nicht sagen. Aktuell ist Oneplus offenbar noch dabei, dem Betriebssystem seinen Feinschliff zu verpassen. Auf Lis persönlichem Oneplus One lief allerdings bereits eine Testversion. Diese war jedoch noch zu geheim, um sie uns zu zeigen.  (tk)


Verwandte Artikel:
Oneplus 5T im Test: Praktische Änderungen ohne Preiserhöhung   
(20.11.2017, https://glm.io/131210 )
Oneplus: One-Smartphone bekommt Lollipop erst im März   
(24.02.2015, https://glm.io/112551 )
Alternatives ROM: Paranoid Android schließt sich Oneplus an   
(18.02.2015, https://glm.io/112441 )
OxygenOS: Oneplus greift auf Paranoid-Android-Entwickler zurück   
(12.02.2015, https://glm.io/112330 )
Smartphone: Neues Oneplus 5T kostet weiterhin 500 Euro   
(16.11.2017, https://glm.io/131185 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/