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MSI GS30 Shadow mit Gaming-Dock im Test

Unterwegs arbeiten, zu Hause spielen - das geht besser

Das MSI GS30 Shadow ist ein kompaktes und leichtes Notebook für unterwegs. Ins Gaming-Dock eingesteckt, ist es auch ein leistungsstarker Gaming-PC - wofür aber Kompromisse eingegangen werden.

Unterwegs ein kompaktes Arbeitsnotebook, zu Hause ins Gaming-Dock eingesteckt ein Spiele-PC: Das MSI GS30 Shadow ist dank seines starken Prozessors und einer externen Desktop-Grafikkarte so leistungsstark wie ein gut ausgestatteter Spiele-PC. Doch leider musste MSI Kompromisse eingehen, um das zu ermöglichen. Zum mobilen Arbeiten ist das Notebook wenig geeignet.

Das Problem ist das kompakte Gehäuse in Kombination mit dem starken Prozessor: Die Akkulaufzeit und die Kühlung sind einfach zu schlecht. Ist das Notebook eingesteckt ins Gaming-Dock, ist das aber kein Problem: Im stationären Betrieb spielt der Akku keine Rolle und die schlechte Kühlung wirkt sich nicht auf die gute Leistung beim Spielen aus.

Das Andocken des Notebooks ist sehr gut gelöst. Es muss einfach auf das Dock gelegt werden. Dann wird ein kleiner Hebel betätigt, um es einzustecken. Das Gerät muss dabei ausgeschaltet sein.

Auf der Rückseite des Notebooks befindet sich die proprietäre Schnittstelle für die Verbindung zum Dock. Über diese ist die dedizierte Desktop-Grafikkarte im Dock über die vollen 16 PCIe-3.0-Lanes an das Notebook angebunden. Die GPU kann dadurch mit voller Leistung arbeiten, einzig die Frame-Latenz ist minimal höher - was allerdings überhaupt nicht auffällt. Die Stromversorgung gewährleistet auch für stromhungrige Grafikkarten ein 400-Watt-Netzteil von FSP mit einem 80-Plus-Bronze-Siegel. Die Effizienz des Netzteils beträgt bei voller Leistung 81 Prozent.

Nicht nur eine Grafikkarte kann ins Dock eingebaut werden, sondern auch ein 2,5- oder 3,5-Zoll-Laufwerk zur Speichererweiterung. Ein entsprechendes Kabel für die Stromversorgung und ein Sata-3.0-Port sind dafür vorhanden. Allerdings ist es aufwendig, eine Festplatte einzubauen. Dazu muss nämlich erst das Netzteil entfernt werden, um an den Schacht zu gelangen. Aber auch USB-Schnittstellen hat das Dock sowie Audioausgänge und einen Ethernet-Port. Die Lautsprecher im Dock sollten besser nicht genutzt werden - sie sind zwar laut, ihre Qualität ist aber sehr schlecht.

Viel zu laut

Im Betrieb mit dem Dock fällt vor allem eins negativ auf: der laute Lüfter auf der Vorderseite des Docks. Er sorgt für eine ausreichende Luftversorgung der Grafikkarte, wird aber nicht geregelt und läuft immer bei voller Leistung. Ohne weiteres kann er nicht gegen ein leiseres Modell ausgetauscht werden; etwas Gebastel ist notwenig. Das Drosseln mit Hilfe eines spannungssenkenden Adapters funktioniert nicht gut: Bei einer Spannung von 5 Volt läuft der Lüfter gar nicht erst an, bei 7 Volt rattert er.

Zu starker Prozessor?

Um der Desktop-Grafikkarte genügend Prozessorleistung zur Seite zu stellen, hat MSI eine der leistungsstärksten Notebook-CPUs im GS30 Shadow verbaut. Der Intel Core i7-4870HQ hat vier Kerne und acht Threads. Er taktet normalerweise mit 2,5 GHz, im Turbo-Modus taktet er auf bis zu 3,7 GHz hoch. Als mobile Grafikeinheit dient lediglich die in den Prozessor integrierte Iris Pro 5200. Sie reicht für Office-Arbeiten und auch weniger anspruchsvolle Spiele wie etwa Counter-Strike: Global Offensive laufen flüssig. Auf eine stärkere mobile Grafikkarte hat MSI bewusst verzichtet. Wer wirklich spielen möchte, soll das Notebook zusammen mit dem Gaming-Dock nutzen.

Die TDP des im 22-nm-Verfahren gefertigten Prozessors liegt bei 47 Watt. Entsprechend viel Abwärme muss auch die Kühlung abführen können. Doch ist sie beim GS30 Shadow bereits bei geringer Last überfordert: Der Radiallüfter dreht selbst beim Surfen durch den zu kleinen Kühlkörper hoch und ist gut hörbar - unter voller Last erst recht. Für die Abwärme des Prozessors ist die vorhandene Kühlung fast schon zu knapp bemessen. Beim Spielen stieg die Temperatur dieses auf 90 °C. Aufgrund des kompakten Gehäuses hätte die Kühlung aber auch nicht größer ausfallen können.

Nicht nur der Kühlung bereitet der Intel-Prozessor Probleme. Ein solch leistungsstarker Prozessor verbraucht nämlich im Durchschnitt wesentlich mehr Strom als etwa ein auf Energieeffizienz getrimmter Bay-Trail-Atom, wie er in vielen Einsteiger-Tablets eingesetzt wird. Im stationären Betrieb ist das kein großes Problem, unterwegs zählt aber jedes verbrauchte Watt, denn besonders groß kann der Akku im kompakten Notebook nicht ausfallen.

3 Stunden sind zu wenig

Mit seinen 47,4 Wh reicht der Akku gerade mal, um 3 Stunden lang Office-Aufgaben zu erledigen und zu surfen - für ein Arbeitsgerät viel zu wenig. Ist der Bildschirm gedimmt, ist auch eine Stunde mehr möglich. Beim Entwickeln von Bildern im RAW-Format mit Adobes Lightroom war nach zwei Stunden Schluss. Wer unterwegs mal ein wenig spielen möchte, der muss nach einer Stunde eine Steckdose suchen.

Diese Werte bestätigt auch der Powermark-Akkubenchmark von Futuremark: Im Productivity-Test ist nach 3 Stunden und 22 Minuten Schluss. Im Spiele-Akkubenchmark hat der Akku nach 40 Minuten eine Restladung von 6 Prozent.

Perfekt zum Spielen

Unterwegs ist der Prozessor ungeeignet, zusammen mit dem Gaming-Dock zum Spielen aber ideal. Wir nutzen im Gaming-Dock eine GTX 980 von Nvidia, die aktuell leistungsstärkste Single-GPU-Grafikkarte. Mit dieser können wir jedes aktuelle Spiel mit maximalen Grafikeinstellungen ohne spieleigene Kantenglättung, aber mit per Treiber aktiviertem Ultra-HD-Downsampling spielen - die Bildrate bleibt stets bei mindestens 30 fps. Auch in den Benchmarks schnitt das System sehr gut ab.

Eher prozessorlastige Spiele wie Anno 2070 liefen flüssig, auch bei riesigen Städten mit mehreren Tausend Einwohnern knickte der Prozessor nicht ein. Er dürfte auch für die kommenden Jahre ausreichend stark sein - eher wird die Grafikkarte das System beim Spielen limitieren. Diese kann aber ohne Probleme gegen ein besseres Modell ausgetauscht werden.

Der Arbeitsspeicher dürfte bei alltäglichen Aufgaben nicht zu schnell knapp werden. MSI hat das Notebook mit 16 GByte RAM, aufgeteilt auf zwei SO-DIMM-Riegel, ausgestattet. Die WLAN-Karte ist eine Wireless-AC 7260 von Intel, die nach 802.11 a/b/g/n/ac funkt.

Als interner Speicher dienen zwei jeweils 256 GByte große m.2-SSDs von Kingston im Raid 0. Sie sind zwar nur über das SATA-Protokoll angebunden, aber dennoch sehr schnell. Das SSD-Raid liest mit sehr schnellen 956 MByte/s und schreibt mit 678 MByte/s. Ein solches Raid bietet allerdings nicht nur Vorteile: Die Zugriffszeiten sind etwas länger, was im Alltag aber nicht auffällt. Das System bootet nämlich dennoch in wenigen Sekunden. Eine defekte SSD bedeutet bei einem Raid 0 meist auch den Verlust aller Daten. In der Regel lassen sich nur vereinzelt sehr kleine Dateien oder Fragmente retten.

Neben den üblichen Audiobuchsen hat das Notebook einen HDMI-Ausgang, einen Ethernet-Port und einen SD-Kartenschacht. Zwei USB-3.0-Buchsen sind ebenfalls vorhanden. Die Schnittstellen sind gut positioniert, so dass sie nicht mit dem Netzstecker oder miteinander kollidieren.

Schön schlank

Bei der Kühlung und dem Akku musste MSI Kompromisse eingehen. Dafür ist das Notebook schön schlank. An der dicksten Stelle ist es 20 mm dünn und wiegt nur 1,2 kg - damit ist es deutlich schlanker als andere Notebooks mit einem ähnlich starken Prozessor. Der beleuchtete Zierstreifen an der Vorderseite des Aluminiumgehäuses lässt sich leider nicht deaktivieren. Besonders im Dunkeln stört er, wenn er heller ist als das Display des Notebooks.

Dieses ist 13,3 Zoll groß und löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, was für die Displaygröße ausreichend ist. Dank des matten Displayglases kann das Notebook auch draußen verwendet werden, obwohl das Display mit IPS-Panel nicht überdurchschnittlich hell ist. Farben werden gut dargestellt, doch hat das Display an der Unterseite deutlich sichtbare Lichthöfe. Besonders beim Schauen von Filmen fallen die weißen Flecken auf.

Die Tastatur hat kein klassisch deutsches Tastaturlayout. Wer normale Tastaturen gewohnt ist, benötigt ein wenig Eingewöhnungszeit. Dafür ist sie beleuchtet, so dass sie auch im Dunkeln abgelesen werden kann. Das Touchpad ist ausreichend groß, doch sind die beiden Maustasten nicht voneinander getrennt. Für ein Gerät, mit dem durchaus auch mal gespielt wird, hätten wir uns zwei separate Maustasten gewünscht.

Verfügbarkeit und Fazit

Das MSI GS30 Shadow kostet in der uns vorliegenden Ausstattung mit 512 GByte SSD-Speicher und einer Nvidia GTX 980 im Gaming-Dock rund 2.700 Euro. Ohne mitgelieferte Grafikkarte und mit halbiertem Speicher kostet das Notebook mit dem Gaming-Dock 1.750 Euro.

Fazit

Unterwegs arbeiten, zu Hause andocken und spielen: Das grundlegende Konzept des MSI GS30 Shadow geht auf. Ins Dock eingesteckt bietet das Notebook zusammen mit einer potenten Grafikkarte eine hohe Performance zum Spielen. Unterwegs kann mit dem Notebook gut gearbeitet werden - leider aber nicht allzu lang. Die Akkulaufzeit ist einfach zu kurz. Wer mit einem Notebook arbeiten möchte, der benötigt es meist länger als 3 Stunden.

Auch die Kühlung ist zu klein dimensioniert. Der Lüfter dreht sehr schnell auf und ist dabei sehr laut. Ebenfalls laut ist der Lüfter im Gaming-Dock. Leider lässt er sich nicht ohne weiteres tauschen. Da bleibt beim Spielen nur das Verwenden von Kopfhörern, um die beiden Lüfter nicht zu hören.

Das Notebook selbst ist eigentlich gut gelungen. Das Display gefällt uns, das Aluminiumgehäuse ist gut verarbeitet und vor allem leicht. Die Probleme mit der Kühlung und dem Akku stören aber zu stark, weswegen wir das MSI GS30 Shadow nicht empfehlen können.

Für die meisten lohnt es sich eher, einen Desktop-PC und ein gutes Notebook mit deutlich besserer Akkulaufzeit zu kaufen. Mit einem Budget von knapp 2.700 Euro, die das voll ausgestattete GS30 Shadow mit einer GTX 980 sonst kosten würde, ist das problemlos möglich.  (sw)


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