Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ngmn-allianz-200-000-5g-mobilfunknutzer-auf-einem-quadratkilometer-1503-112720.html    Veröffentlicht: 03.03.2015 17:55    Kurz-URL: https://glm.io/112720

NGMN-Allianz

200.000 5G-Mobilfunknutzer auf einem Quadratkilometer

Es steht fest, dass nichts fest steht. NGMN-Mitglieder wie die Deutsche Telekom wollen sich später auf die Technik festlegen, haben aber bereits konkrete Vorstellungen zum kommenden 5G-Mobilfunkstandard.

Ein Zusammenschluss internationaler Mobilfunkanbieter, dem auch die Deutsche Telekom angehört, hat seine Vorstellungen zum kommenden 5G-Standard präsentiert. Ziel der Allianz Next Generation Mobile Networks (NGMN) ist es, ähnlich wie damals bei LTE, einen globalen Standard zu etablieren. Die Anforderungen an den 5G-Standard hat sie in einem Whitepaper formuliert, das sie nun beim Mobile World Congress (MWC) veröffentlicht hat. Die NGMN-Allianz vermeidet es dabei, Details zu der zu verwendenden Technik zu nennen. Diese Punkte will sie vorerst offenhalten.

Dass Frequenzen und Hardware für sie erst einmal keine Relevanz haben, steht im Kontrast zu Netzwerkausrüstern wie Ericsson und Huawei. Die beginnen schon damit, erste 5G-Demos zu präsentieren. Die Allianz, der auch internationale Telekommunikationsunternehmen wie NTT Docomo (Japan), Orange (Frankreich) und AT&T (USA) angehören, konzentriert sich indes auf sogenannte Use Cases, also konkrete Anwendungsszenarien. Diese sollen als Geschäftsmodelle umsetzbar sein, damit die Mobilnetzbetreiber auch Geld verdienen können.

Trotz der Versuche, bei der Präsentation sämtliche technischen Aspekte in den Hintergrund zu stellen, wurden auf Nachfragen des Publikums schließlich doch ein paar technische Möglichkeiten genannt. So können sich verschiedene NGMN-Teilnehmer etwa die Mitnutzung von WLAN-Technik vorstellen. Auch LTE könnte, gegebenenfalls als weiterentwickelte Technik, die Basis für 5G-Netzwerke sein. Derzeit gibt es zu den Anwendungsszenarien passende, definierte Ziele, anhand derer später die geeignete Technik ausgewählt werden soll. Diese Ziele sind recht hoch.

Billignetzwerke sollen Investitionen vereinfachen

Innerhalb eines Jahrzehnts soll etwa eine Vertausendfachung der Datenströme ermöglicht werden. Gleichzeitig soll aber die elektrische Leistungsaufnahme auf die Hälfte dessen fallen, was derzeit in Mobilfunknetzen üblich ist. Zudem hat die Allianz hohe Ansprüche an Kosteneffizienz bei Anschaffung und Wartung. Es werden sogar "Ultra-Low-Cost"-Netzwerke vorgeschlagen. Sie sind in Gebieten erforderlich, bei denen die Einnahmen pro Nutzer (ARPU) sehr niedrig sind. Die NGMN-Allianz denkt dabei vor allem an bisher nicht erschlossene Gebiete.

Weitere technische Anforderungen: 5G-Mobilfunk soll auch in der zivilen Luftfahrt nutzbar werden. Dazu müssen die derzeitigen Grenzen von 350 bis 500 km/h für die Geschwindigkeit eines Mobilfunkteilnehmers noch einmal um 50 Prozent erhöht werden. Die Latenz soll auf einen Bereich um eine Millisekunde fallen (End-to-end Latency) und pro Quadratkilometer möchte man mindestens 200.000 aktive Nutzer gleichzeitig versorgen können. Das Ganze soll mit neuen Techniken wie der Virtualisierung von Netzwerkfunktionen (NFV) und Software Defined Networking umgesetzt werden. Für 5G wollen die Netzbetreiber also weg von den alten, wenig flexiblen Netzwerktechniken, die in dedizierten Boxen stecken.

Die Suche nach Frequenzen läuft

Zudem sehen sich die Partner die Frequenzen zwischen 500 MHz und 5 GHz an. Sie sind auf der Suche nach freiem Spektrum, werden jedoch auch die Weiterverwendung von bestehenden Frequenzen diskutieren. Was jedoch für 5G-Mobilfunk genutzt wird, ist nach dem Willen der Betreiber offen.

Die Frequenzsuche dürfte nicht einfach werden. Es gibt derzeit ein großes Bänder-Chaos. Zu GSM-Zeiten reichte noch ein Quad-Band-Telefon, um in sehr vielen Ländern erreichbar zu sein. In heutigen LTE-Zeiten sind es bereits Dutzende Bänder. Netzwerkausrüster wie auch Handset-Hersteller müssen zudem Techniken wie Carrier Aggregation umsetzen, um verschiedene, mitunter weit voneinander entfernte Frequenzbänder zu kombinieren.

Das ist in etwa vergleichbar mit dem AWS-Band, mit dem T-Mobile in den USA zu kämpfen hatte. Es dauerte mitunter Jahre, bis Smartphone-Hersteller diese Frequenzkombination unterstützten. Erst 2013 hatte beispielsweise Apple auf seinem Heimatmarkt eine Variante des iPhone 5 entwickelt, die mit AWS kompatibel war. Das geht mittlerweile schneller, zeigt aber, dass es für alle Beteiligten eine Herausforderung ist, alle Frequenzen zu unterstützen.

Roadmap bis zum ersten Einsatz steht

Die NGMN-Allianz will anhand des nun öffentlichen, finalen 5G-Whitepapers (PDF) am 24. und 25. März 2015 in Frankfurt weiter mit ihren Teilnehmern 5G-Konzepte diskutieren und an ihnen arbeiten. Auch verschiedene Techniken sollen während der Konferenz betrachtet werden. Diese sollen später unter anderem zusammen mit der GSMA zu einem Standard ausgearbeitet werden, der dann auch technische Punkte definiert.

Die Allianz hat einen konkreten Zeitplan. Detaillierte Anforderungen an 5G will sie noch bis zum Ende des Jahres 2015 erarbeiten. Erste Versuche sollen dann im Jahr 2018 stattfinden, um 2020 den kommerziellen Betrieb von 5G-Mobilfunk starten zu können.  (ase)


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