Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/erneuerbare-energie-gigantische-kraftwerke-sollen-ebbe-und-flut-zu-strom-machen-1503-112715.html    Veröffentlicht: 03.03.2015 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/112715

Erneuerbare Energie

Gigantische Kraftwerke sollen Ebbe und Flut zu Strom machen

Vier Mal am Tag wechseln die Gezeiten. Daraus will das britische Unternehmen Tidal Lagoon Power elektrischen Strom gewinnen: Es plant acht gigantische Gezeitenkraftwerke an der Westküste.

Strom aus dem Meer will Tidal Lagoon Power (TLP) gewinnen. Das britische Unternehmen plant mehrere Gezeitenkraftwerke an der Westküste Großbritanniens. Das erste könnte schon bald gebaut werden. Standort wird Swansea an der Nordküste des Bristolkanals.

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Das Unternehmen will eine künstliche Lagune schaffen - ein Becken, das von einer Mole umschlossen wird. Die Flut drückt Wasser in die künstliche Lagune, bei Ebbe strömt es wieder hinaus. Dabei treibt es jeweils die Turbinen an. Um genug Druck zu erzeugen, werden Fluttore geschlossen und erst geöffnet, wenn der Pegelunterschied auf beiden Seiten der Mauer groß genug ist.

Die Mauer ist 9 km lang

Die Ausmaße sind gewaltig: Die Mole wird über 3 km weit ins Meer ragen. Sie wird ingesamt etwa 9 km lang. Das Turbinenhaus wird 550 m groß. Darin werden 26 Turbinen mit einem Durchmesser von 6 m eingelassen. Umgerechnet knapp 1,4 Milliarden Euro soll das Bauwerk kosten.

Die Planungen für das Projekt seien abgeschlossen, berichtet die britische Tageszeitung The Guardian. Im Juni wird über den Bau entschieden. Wird die Genehmigung zum Bau erteilt, soll das Kraftwerk 2018 in Betrieb gehen.

Das Meer steigt und fällt regelmäßig

Elektrizität aus dem Gezeitenstrom zu gewinnen, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Wind- und Sonnenenergie: Die Gezeiten sind regelmäßig, sie wechseln vier Mal am Tag. Ein solches Kraftwerk würde etwa 14 Stunden am Tag elektrische Energie liefern. Wegen der hohen Investitionskosten ist der Strom aus den Gezeiten jedoch sehr teuer: Er wird mehr als das Doppelte von Windstrom kosten.

TLP hingegen sagt, das Kraftwerk in Swansea sei lediglich eine Machbarkeitsstudie. Das zweite Gezeitenkraftwerk, das bei der walisischen Hauptstadt Cardiff entstehen soll, werde Strom zu konkurrenzfähigen Preisen erzeugen. Die Anlage soll deutlich größer werden als die in Swansea: Die Lagune wird sieben Mal so groß, das Kraftwerk wird zwischen 1,8 und 2,8 Gigawatt erzeugen. Es soll 2022 fertig sein.

Gezeitenkraftwerke sollen Großbritannien versorgen

Insgesamt sechs solcher Gezeitenkraftwerke plant Tidal Lagoon Power an der britischen Küste, vier in Wales, eines in Somerset an der Nordküste des Bristol Channel sowie eines in Cumbria an der Grenze zu Schottland. Sie sollen zusammen acht Prozent des britischen Strombedarfs erzeugen. Die Laufzeit der Kraftwerke gibt TLP mit 120 Jahren an.

Es gibt nicht viele Orte auf der Erde, die genug Tidenhub haben, damit sich der Bau eines Gezeitenkraftwerks lohnt. Der Bristolkanal gehört dazu, ebenso wie die Mündung des Flusses Rance bei St. Malo in der Bretagne. Dort entstand in den 1960er Jahren das erste Gezeitenkraftwerk der Welt.  (wp)


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