Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0012/11266.html    Veröffentlicht: 11.12.2000 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/11266

Spieletest: Battle Isle - Der Andosia-Konflikt

Neues Strategieepos von Blue Byte

1991 erfreute Blue Byte Strategie-Fans das erste Mal mit Battle Isle, einem für damalige Verhältnisse sowohl optisch als auch in Hinsicht der Spieltiefe überragenden Titel. Es folgten die Teile 2 und 3, 1997 erschien dann mit Incubation die bisher letzte Episode. Mit Battle Isle - Der Andosia-Konflikt wird die Reihe nun fortgesetzt - und präsentiert sich besser als je zuvor.

Zur Story: Auf Chromos sind im Jahre 345 die Imperator-Kriege längst vergessen, auch der Katastrophe von Scayra gedenkt niemand mehr. Dafür hat sich unter der Führung einer geheimnisumwitterten Schönen die Sekte der "Kinder von Haris" gebildet, die nach dem Prinzip "Frieden durch Krieg!" operiert und die Auflösung des korrupten Systems von Chromos und die Alleinherrschaft ihrer Hohepriesterin anstrebt. Die Sekte produziert ein merkwürdiges Sekret mit dem Namen Andosia, dessen Bedeutung zu Beginn noch etwas unklar ist, und weitet ihr Territorium ständig aus - bis der Führungsriege von Hallwa schließlich der Krieg erklärt wird.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die taktischen Aufgaben werden prinzipiell immer noch rundenbasiert ausgeführt, allerdings gibt es nun ein Zeitlimit, so dass langes Überlegen und Taktieren kaum möglich ist. Hier hilft zwar die Pausefunktion dabei, zu großer Hektik vorzubeugen, Aktionen sind während der Spielunterbrechungen aber natürlich nicht möglich. Ressourcen-Management und Forschung laufen in Echtzeit ab, frühes Ausfindigmachen von Erzen und deren Abbau sowie die Entwicklung neuer Waffen und die Bildung von Truppen sind demnach äußerst zeitkritisch.

Screenshot #2
Screenshot #2
Die zwei Kampagnen mit insgesamt 22 Missionen bieten zudem sehr abwechslungsreiche und detaillierte Grafiken, Unterschiede im Terrain sowie Wettereffekte und der Tag- und Nachtwechsel sind aber nicht nur optische Leckerbissen, sondern haben auch direkten Einfluss auf den Spielablauf: Im unwegsamen Gelände bleiben die eigenen Truppen schon mal längere Zeit hängen, und tagsüber vollziehen sich viele Aktivitäten doch weitaus leichter als in der Nacht.

Screenshot #3
Screenshot #3
25 erweiterbare Gebäude für ökonomische und militärische Zwecke gehören ebenso zum Spielumfang wie ein Mehrspielermodus für bis zu acht Spieler, und die Sounduntermalung mit der gelungenen Sprachausgabe ist ebenfalls eine Klasse für sich. Sehr bescheiden nehmen sich hingegen die gezeichneten Zwischensequenzen im Comic-Stil aus, die recht lieblos wirken und kaum zur atmosphärischen Tiefe des Spieles beitragen.

Fazit:
Hinsichtlich der Hintergrundgeschichte wussten ja bereits die Vorgänger zu gefallen, was das Spielprinzip angeht darf man Blue Byte allerdings bescheinigen, mit dem Andosia-Konflikt dem strapazierten Genre neues, frisches Leben einzuhauchen: Anstelle sich für rundenbasiertes oder Echtzeitgameplay zu entscheiden, wurde kurzerhand beides integriert, und wer sich schon immer darüber ärgerte, dass Spiele entweder den Aufbau-Part oder die strategischen Momente überbetonen, findet hier eine ausgewogene Mischung aus beidem. Anfänger seien auf Grund der sie möglicherweise überfordernden Komplexität gewarnt, erfahrenen Strategen hingegen könnte man kaum ein besseres Weihnachtsgeschenk machen.  (tw)


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