Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vatm-telekom-kommt-mit-vectoring-vorstoss-nicht-durch-1502-112620.html    Veröffentlicht: 26.02.2015 18:16    Kurz-URL: https://glm.io/112620

VATM

"Telekom kommt mit Vectoring-Vorstoß nicht durch"

Die Telekom werde von der Bundesnetzagentur nicht von der Verpflichtung befreit werden, Wettbewerbern VDSL-Anschlüsse in den Hauptverteilern zu ermöglichen. Der VATM erwartet, dass der Plan der Telekom scheitert.

Der Wettbewerberverband VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) erwartet, dass die Telekom mit ihrem Antrag bei der Bundesnetzagentur für Vectoring für weitere 5,9 Millionen Haushalte nicht durchkomme. Die Telekom will im Nahbereich um 8.000 Hauptverteiler die Vectoring-Technik einsetzen.

Die Telekom beantragte in dieser Woche, von der Verpflichtung, Wettbewerbern VDSL-Anschlüsse in den Hauptverteilern zu ermöglichen, befreit zu werden. Betroffen wären laut Telekom rund 135.000 Anschlüsse. VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner sagte am 26. Februar 2015 in Berlin auf eine Frage von Golem.de: "Die Telekom weiß genau, dass sie das bei der Bundesnetzagentur nicht durchkriegen."

Laut Grützner seien auch nicht nur 135.000, sondern 10 Millionen Anschlüsse betroffen. "Warum geht die Telekom nicht auf Marktteilnehmer zu? Warum treiben sie es jedes Mal so hart vor den Regulierer?", fragte er. Offensichtlich wolle der Konzern Belege dafür sammeln, dass er von der Bundesnetzagentur eingeschränkt werde.

Bei den Pläne ginge es um Konkurrenz, nicht voranging um den Breitbandausbau. Laut Grützner stünden zwei Drittel der Hauptverteiler zudem in Städten, wo die Telekom den Kabelnetzbetreibern Konkurrenz machen will.

VATM-Präsident Martin Witt (United Internet) betonte, er sei nicht gegen die Telekom: "Eine starke deutsche Telekom hilft allen. Was wir nicht brauchen, ist staatliche Unterstützung für die Telekom. Diese Stärkung der deutschen Telekom geht auf Kosten des Wettbewerbs".

Bislang können alle Firmen in Deutschland Vectoring einsetzen

Die Hauptverteiler sind die über 8.000 zentralen Vermittlungsstellen der Telekom. Bislang können alle Firmen in Deutschland Vectoring einsetzen, wenn sie die Glasfaser weiter in nicht oder schlecht versorgte Gebiete bringen und dabei bestimmte Auflagen des Regulierers erfüllen. Jetzt wolle die Telekom unter dem Deckmantel des Einsatzes neuer Technologie den Wettbewerb aushebeln, so Witt.

Dort, wo Investoren Glasfaser ausgebaut haben oder weiter ausbauen wollen, müssten diese regional verfügbaren Investitionsmittel weiterhin genutzt werden dürfen, sagte Witt.

Bisher war der Vectoring-Ausbau im so genannten Nahbereich um die Hauptverteiler nicht möglich, weil es zu Störungen im Netzbetrieb kommen könnte, erklärte die Telekom. Hauptverteiler sind Knotenpunkte, über die die Kabelverzweiger - die grauen Kästen am Straßenrand - angeschlossen sind. Die Vectoring-Cards werden in den Kabelverzweigern installiert. Befinden sich die aufgerüsteten Kabelverzweiger im Umkreis von bis zu 550 Metern um einen Hauptverteiler, könne es Störungen geben, wenn über die Hauptverteiler der Telekom VDSL-Anschlüsse betrieben werden.  (asa)


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