Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dieter-zetsche-daimler-chef-laesst-das-apple-auto-kalt-1502-112523.html    Veröffentlicht: 22.02.2015 17:12    Kurz-URL: https://glm.io/112523

Dieter Zetsche

Daimler-Chef lässt das Apple-Auto kalt

Dieter Zetsche hat sich zu Gerüchten geäußert, nach denen Apple ein eigenes Auto bauen will. Der Daimler-Chef glaubt nicht daran, sollte es aber dennoch passieren, sieht er aufgrund der mangelnden Erfahrung kaum Chancen für Apple. Das sehen auch andere Autobauer so.

Daimler-Chef Dieter Zetsche erwartet kein Auto von Apple. Sollte es dennoch dazu kommen, würde Zetsche Apple viel Erfolg wünschen und den neuen Wettbewerber begrüßen.

In einem Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag" bemerkte er trocken: "Wir haben lange Erfahrung im Automobilbau, wir haben das Auto erfunden. Und Erfahrung ist in einem so komplexen Geschäft wie dem Automobilbau mit entscheidend.". Diese Erfahrung fehle Apple, weshalb er dem Unternehmen wenig Chancen einräumt. "Wenn wir morgen ankündigten, dass Daimler künftig Smartphones baut, würde das Apple nicht beunruhigen oder aus der Bahn werfen. Und das gilt auch für uns", sagte Zetsche.

Zum Handelsblatt sagte Zetsche zur gleichen Thematik: "Ich würde es für wahrscheinlicher halten, dass es bei Apples mutmaßlichen Autoplänen nicht so kommt, wie es heißt". Es könnte also etwas ganz anderes hinter den Gerüchten zum Projekt "Titan" stecken als angenommen.

Vergangene Woche berichteten Wall Street Journal und Financial Times, dass Apple im Geheimen an einem Elektroauto arbeiten würde. Zahlreiche Ingenieure aus dem Bereich Fahrzeugbau und Elektrotechnik seien abgeworben worden, um ein iCar zu bauen. Ein Akku-Unternehmen klagt gar gegen Apple und Ex-Mitarbeiter, weil man ihnen Personal abgeworben habe, das eigentlich ein Konkurrenzverbot auferlegt bekommen habe. Zetsche sieht aber noch ganz andere Probleme als nur technische Hindernisse, die Apple überwinden müsste. Einerseits sei es nicht mehr üblich, Unternehmen als Konglomerate zu betreiben, die vollkommen unterschiedliche Geschäftszwecke verfolgten. "Zweitens entscheiden auch die Investoren, ob sie sich lieber in schnelllebigen Consumer-Produkten oder in langfristigen Investitionsprodukten engagieren wollen.".

Wenn er sich irren sollte, dann würde Daimler den neuen Wettbewerber aber mit Respekt behandeln. "Und wenn das eine Firma ist, die einen wirtschaftlich starken Hintergrund hat, ist das zweifellos eine potenzielle Stärke eines Wettbewerbers". Es gebe weltweit mehr als hundert Automarken. Für den Daimler-Chef sei es erst einmal irrelevant, ob es da nun eine mehr oder weniger gebe.

Zetsche warnte vor dem Hintergrund der Annäherung von IT- und Autosektor jedoch vor einer Missachtung des Datenschutzes. Probleme könnte es zum Beispiel beim autonomen Fahren geben. "Wir müssen sehr genau hinsehen, wann welche Daten zu welchem Zweck generiert werden", warnte Zetsche im Handelsblatt. "Das Vertrauen, das der Kunde auf uns beim Thema Sicherheit setzt, gilt ganz besonders für die Sicherheit seiner Daten."

Dan Akerson, ehemaliger Chef von General Motors, ging mit seiner Meinung über ein angebliches iCar einen Schritt weiter: "Die haben keine Ahnung, in was sie geraten, wenn sie das versuchen". In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg warnte Akerson vor den regulatorischen Hürden und Zulassungsverfahren, die Autos durchlaufen müssten. "Eine Menge Leute, die nie in der Autoindustrie waren, tendieren dazu, sie zu unterschätzen," so Akerson.  (ad)


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