Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-samsung-nx1-profikamera-oder-nicht-samsung-muss-noch-viel-lernen-1502-112448.html    Veröffentlicht: 22.02.2015 07:02    Kurz-URL: https://glm.io/112448

Test Samsung NX1

Profikamera oder nicht - Samsung muss noch viel lernen

28-Megapixel-Sensor, Cinema-4K-Videos, enorme Serienbildgeschwindigkeit: Das klingt nach Profitechnik. Im Golem.de-Test überzeugt die Systemkamera Samsung NX1 jedoch nicht restlos - denn Ergonomie ist nicht alles.

Die NX1 ist das erste Modell von Samsungs neuer Kameraklasse, das zwar spiegellos ist, jedoch aussieht wie eine normale DSLR und auch entsprechend teuer ist. Das liegt an den leistungsfähigen Komponenten wie einem rückwärtig belichteter APS-C-Sensor mit 28 Megapixeln, der Serienbildgeschwindigkeit von 15 Fotos pro Sekunde und der Möglichkeit, Videos in Cinema-4K-Auflösung zu drehen.

In dieser Kombination gibt es das sonst bisher nicht. Angesichts dieser Werte müsste das Gerät eigentlich gute Chancen gegen die Wettbewerber haben.

Und tatsächlich: In puncto Ergonomie zeigt die NX1, wie eine moderne Systemkamera sein sollte. Viele Schalter und Knöpfe, die sich gut erreichen und ertasten lassen, erwarten den Fotografen, so dass nur eine kurze Eingewöhnungsphase nötig ist. Und selbst der Touchscreen, der 3 Zoll groß und ausklappbar ist, ist in das Gesamtkonzept sinnvoll integriert.



Von einer DSLR aus der Ferne nicht zu unterscheiden

Die NX1 ähnelt einer normalen DSLR in Bezug auf Größe und Gewicht, das natürlich auch stark von den verwendeten Objektiven abhängt. Das Gehäuse selbst wiegt rund 640 Gramm und wirkt stabil und hochwertig. Im Inneren steckt wie bei anderen Kameras ein Metallskelett, das aber von außen nicht zu erkennen ist und die Kamera verwindungssteifer und bruchfester machen soll.

Das Gerät ist zudem gegen Spritzwasser durch zahlreiche Dichtungen geschützt. Es hat sich im rauen Berliner Winter auch bei Minustemperaturen, Schneefall und Regen bewährt, ohne dass es zu Aussetzern oder Problemen kam. Die Kamera ist auch mit Handschuhen gut zu bedienen, denn der Touchscreen ist nur optional für die Bedienung.

Die Kamerafront ist recht übersichtlich und nur mit dem AF-Hilfslicht und dem Objektiv-Arretierungsknopf belegt. Dieser ist zumindest für Rechtshänder auf der falschen Seite angebracht. Wird die Kamera mit der rechten Hand und das Objektiv mit der linken gehalten, kann er nicht mit einem Finger der rechten Hand betätigt werden. Das ist etwas unpraktisch.

Kamera kann über USB aufgeladen werden

Auf der linken Kameraseite befinden sich zwei Klappen, hinter denen sich der Kopfhörer/Mikrofonanschluss sowie der HDMI-Ausgang und der USB 3.0-Anschluss befinden. Über Letzteren wird auch der Akku der Kamera aufgeladen, was auf Reisen ein großer Vorteil ist, da das Handy-Ladeteil ausreicht und kein separates Netzteil nötig ist. Oben links am Sucher ist zudem die Blitz-Arretierung angebracht.

Die rechte Kameraseite mit dem weit ausladenden Handgriff beherbergt hinter einer Klappe den SD-Kartenschacht. Diese Abdeckung öffnet sich recht einfach, wenn die NX1 in eine Fototasche gesteckt wird. Zum Glück springt die Karte dabei aber nicht automatisch hervor und kann deshalb auch nicht beschädigt werden. Bei den ersten Versuchen irritiert allerdings, dass die SD-Karte verkehrt herum eingeschoben werden muss - die Kontakte zeigen weg vom Anwender. Bei den meisten Kameras ist das anders gelöst - aber in solchen Details sollte man sich nicht verlieren. Einen zweiten Kartenschacht für ein Backup oder schlicht eine Kapazitätserweiterung bietet die NX1 nicht - für viele Profis mittlerweile Pflicht.



Bedienungselemente sind vernünftig positioniert

Die meisten Bedienungselemente sind auf der Kameraoberseite zu finden. Links ist ein Wählrad, mit sich die Aufnahmemodi einstellen lassen. So kann zwischen Einzelbild, Serienaufnahme oder dem Selbstauslöser und Bracketing gewählt werden. Oben auf dem Wählrad befinden sich vier Knöpfe für Weißabgleich, ISO-Wert, Belichtungs- und Autofokusmodus. Sie lassen sich auch anders belegen, doch Samsung hat unserer Meinung nach die richtige Wahl bereits getroffen. Dieses eigentlich unscheinbare Bedienungselement schützt in vielen Situationen vor Abstiegen in die Untiefen der Bildschirmmenüs. In der Mitte befindet sich der elektronische Sucher samt Miniblitz und darauf montiertem Blitzschuh. Eine Synchronbuchse gibt es nicht, so dass sich keine Studioblitzanlagen per Kabel anschließen lassen.

Rechts neben dem Sucher ist das Programm-Wahlrad zu finden, wobei es hier auch zwei Positionen für eigene Einstellungen gibt. Ansonsten bietet die Samsung NX1 die üblichen Modi wie Programm-, Blenden- und Zeitautomatik sowie einen rein manuellen Modus. Außerdem gibt es eine Szenenerkennung, bei der versucht wird, das Bild zu analysieren und das passende Belichtungsprogramm zu finden.

Die NX1 bietet im manuellen Modus einen kleinen, aber nicht unwichtigen Vorteil: Wer will, kann hier die ISO-Automatik aktivieren. Der Fotograf kann so Zeit und Blende frei wählen, während die Kamera durch die Empfindlichkeitsanpassung versucht, daraus ein vernünftiges Bild zu machen. In den Einstellungen findet sich auch die Option, den ISO-Wert und die minimale Verschlusszeit zu justieren, die bei den Teilautomatiken zum Zug kommen soll.

Rechts davon ist das kleine, beleuchtbare Status-LCD angebracht. Ausgerechnet der Lichtschalter ist so flach, dass er von dem suchenden Finger nur schwer und mit einem Handschuh praktisch gar nicht gefunden werden kann. Samsung verzichtet auf eine Beleuchtung der Knöpfe selbst, so dass es bei schlechtem Licht nicht leicht ist, die Kamera zu bedienen. Vor dem Display ist ein Rädchen zum Beispiel für die Zeit- oder Blendenwahl eingelassen. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es den Videoaufnahmeknopf und die Belichtungskorrektur. Oben vorn am Handgriff ist schließlich der Auslöser samt Ein- und Ausschalter untergebracht. Das Druckgefühl des Auslösers ist in Ordnung.

Bonbonfarben auf dem Display führen zu Fehlbeurteilungen

Auf der Kamerarückseite prangt das große und helle OLED-Display (1 Million Bildpunkte), das sich nach oben und unten, aber nicht zur Seite klappen lässt. Die Farben wirken darauf etwas übertrieben poppig und unterscheiden sich von denen auf den Fotos. Das hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack, der auch auf das Sucherbild (2,36 Millionen Bildpunkte) zutrifft, das sehr klar, groß und ohne störende Verzögerung arbeitet. Die Farben lassen sich aber einstellen. Der Augensensor ist etwas zu feinfühlig eingestellt und wird schnell durch die Finger bei der Touchscreen-Bedienung irritiert. Er lässt sich aber gänzlich deaktivieren oder manuell mit einem Knopf schalten.

Anleihen bei Smartphones

Die Touchscreen-Bedienung lässt kaum Wünsche offen, und es ist deutlich zu erkennen, dass sich Samsungs Ingenieure mit denen aus der Smartphone-Abteilung zusammengetan haben. Mit dem Finger positionierbare, getrennte Felder für die Belichtungsmessung und den Schärfepunkt gibt es sonst eigentlich nur im Smartphone-Bereich - doch der NX1 steht die Funktion gut. Selbst in tiefergehende Menüs gelangt man über kleine Icons im Hauptdisplay, was bei der Konkurrenz keineswegs üblich ist. Sogar Kneif- und Spreizgesten für die Bildvergrößerung gibt es. Die Samsung NX1 hat das bislang beste Touchscreen-Konzept aller Fotokameras.

Samsung hat in die NX1 zudem ein WLAN-Modul integriert, das sich mit einer separaten Taste einschalten lässt. In den Menüs lässt sich der Knopf abschalten, damit das akkuzehrende WLAN nicht aus Versehen eingeschaltet wird. Über WLAN kann die Kamera sowohl im Foto- als auch im Filmbetrieb per App vom Smartphone oder Tablet aus ferngesteuert werden. Bluetooth ist ebenfalls eingebaut, um beispielsweise einen GPS-Logger anzubinden. Diese Funktion haben wir jedoch nicht überprüft.

Neben dem Display gibt es wieder Knöpfe und Rädchen in der bei vielen DSLRs ähnlichen Anordnung: ein Autofokus-Button, darunter Menü- und Funktionsknöpfe, das kombinierte Vier-Wege-Kipp-Drehrad mit OK-Innenschalter zur Bestätigung des ausgewählten Menüpunkts und darunter eine Play- und eine Lösch-Taste. Ganz oben ist noch ein Drehrad zum Verstellen von Parametern wie der Belichtungskorrektur untergebracht, das in Verbindung mit dem gedrückten Korrekturknopf oben auf der Kamera sehr ergonomisch zu bedienen ist.



Die Objektive sind hochwertig, aber teuer

Samsung verwendet bei seinen Systemkameras ein eigenes Bajonettsystem. Zwar gibt es auch Adapter für alle möglichen Objektive, doch das Angebot an passenden Modellen von Samsung ist nicht besonders groß. Dennoch deckt es abgesehen vom Superteleobjektiv eigentlich alle Belange ab. Wir testeten ein Makro (60mm, F2,8 ED), das lichtstarke Zoom 16-50mm f2-f2,8 und die vergleichsweise große Optik 50-150 mm f2,8.

Alle genannten Objekte verfügen über eine Bildstabilisierung und eine Drive-by-Wire-Scharfstellung für den manuellen Modus, die aber nicht irritierend wirkt und schnell reagiert. Hier regelt ein Motor nach Betätigen des Fokusrings die Optik nach. Eine optionale Suchervergrößerung erleichtert das Scharfstellen per Hand und kann die Kanten des Motivs hervorheben, die korrekt fokussiert sind. Das klappt in der Praxis recht gut, auch im Makrobereich, bei dem selbst kleinste Veränderungen große Auswirkungen auf die Schärfeverlagerung haben.

Die Objektive sind nicht günstig, was auch an der weitgehend fehlenden Konkurrenz liegt. Das Samsung 16-50mm/F2.0-2.8 kostet bei Händlern, die sofort liefern können, rund 1200 Euro, das Makroobjektiv "60mm 2.8 Makro ED OIS SSA" 400 Euro, und das NX 50-150mm 2.8 S ED OIS kostet im Handel stolze 1.600 Euro. Die Objektive sind bis auf das etwas einfach gehaltene Makro mit Metallgehäusen ausgerüstet, sehr hochwertig und bieten einen weichen Fokus- und Zoom-Lauf.

An der linken Seite ist der i-Funktion-Knopf zu finden - eine Samsung-Spezialität, mit der ein Bildschirmmenü für die gängigsten Kameraparameter aufgerufen und mit dem Fokus-Ring am Objektiv eingestellt werden kann. Dieses Feature erscheint uns unnötig, aber dazu gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen. Die Objektive verfügen zudem über einen AF/MF-Schalter, und ein Fokusbegrenzer ist sowohl beim Telezoom als auch beim Makro vorhanden. Zudem kann bei den Zooms der Bildstabilisator deaktiviert werden.

Vignettierungen und Verzerrungen sind bei dem 16-50 und dem 50-150 kaum zu sehen. Beim kleinen Zoom sind chromatische Aberrationen an den Bildrändern jedoch gut zu erkennen und auch die Bildschärfe nimmt bei offener Blende zum Rand ab. Letzteres kann kein Bildbearbeitungsprogramm beheben, während Farbsäume heute praktisch komplett entfernt werden.

Die Fokussiergeschwindigkeiten der Objektive liegen im mittleren bis oberen Bereich gegenüber anderen Systemkameras von Fujifilm oder Sony. Die NX1 stellt überdurchschnittlich schnell scharf und ist dabei bei unbewegten Motiven auch sehr präzise. Der gute Eindruck wird bei schnell bewegten Motiven wie etwa vorbeifliegenden Vögeln kaum getrübt. Hier kann die NX1 mit ihren 205 als Phasen-AF-Sensoren ausgelegten Pixeln auf dem Bildsensor punkten: Selten liegt die Messung daneben. Die Kamera erkennt hingegen sich schnell bewegende Objekte und verfolgt sie mit der Schärfeebene zuverlässig. Sogar ein Fokus-Limiter ist vorhanden. Ist er aktiviert, stellt die Kamera nur in einem bestimmten Abstand scharf.



Dauerfeuer, bis die Speicherkarte glüht

Im Serienbildbereich ist die NX1 besser als Kameras wie die Canon 1D X und die Nikon D4s. 15 Bilder pro Sekunde im JPEG-Modus und eines weniger im RAW-Modus schafft sonst bisher keine Kamera mit APS-C-Sensor in voller Auflösung. Neben der hohen Geschwindigkeit ist natürlich auch wichtig, wie viele Bilder sich hintereinander ohne Pause aufnehmen lassen. Hier sollte man aus Sicherheitsgründen immer den JPEG-Modus verwenden, denn der ermöglicht 80 Fotos in Folge. Bei RAWs ist es schon nach 20 Bildern vorbei - das entspricht kaum mehr als einer Sekunde Aufnahmedauer. Mit einer schnellen Speicherkarte ist die Kamera jedoch bald wieder betriebsbereit.

Filmen wie eine Große

Wer das technische Datenblatt der NX1 durchgeht, stößt schnell auf die Bezeichnung Cinema 4K bei den Videofunktionen. Die Kamera kann als erstes Modell im Consumer-Bereich mit 4.096 x 2.160 Pixeln im 19:10-Format filmen. Das spielt allerdings kein Fernseher ab, weshalb auch die UHD-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln (16:9-Format) möglich ist. Für Profis ist der hochauflösende 4K-Modus jedoch interessant - und nicht nur für die.

Einzelbilder aus dem Datenstrom kann die NX1 sogar selbst abspeichern. Dazu wird die Wiedergabe in der Kamera kurz gestoppt und das JPEG gesichert. Das ist natürlich nur bei schnellen Verschlussgeschwindigkeiten oder sich kaum bewegenden Motiven sinnvoll, da es sonst zu Unschärfen kommt. Dennoch: Wer Gruppenfotos macht, wird diese Funktion lieben. Es lässt sich mit etwas Glück der Moment aussuchen, in dem alle Personen wie gewünscht in die Kamera schauen, nicht blinzeln, gähnen oder weggucken.

Die NX1 zeichnet alles Bildmaterial im H.265/HEVC-Codec auf. Das hat zwar den Vorteil, dass durch das hocheffiziente Komprimieren wenig Speicherplatz benötigt wird, doch mit dem Codec kommt ohne Transkodierung praktisch kein Schnittprogramm zurecht. Das mag sich in Zukunft ändern, doch Samsung hat vorsorglich ein Tool entwickelt, mit dem das Filmmaterial in H.264 zurückgewandelt werden kann - Qualitätsverlust inklusive. Leider gibt es keine Funktion, den Codec zu wechseln, auch nicht bei niedrigeren Auflösungen.

Wer will, kann das Filmmaterial jedoch am HDMI-Ausgang unkomprimiert abgreifen, was Filmprofis aufgrund der Codec-Problematik mit teurer Zusatzhardware wohl auch machen werden. Uns ist allerdings kein HDMI-Rekorder bekannt, der eine Auflösung von 4.096 x 2.160 Pixeln im 19:10-Format verkraftet. Wer den Ton mit der Kamera aufzeichnen will, kann ihn manuell aussteuern und sogar ein Stereomikrofon anschließen. Auch hier werden Profis manchmal auf eine externe Aufzeichnung setzen wollen, was aber auch vom Einsatzzweck abhängt.

Zum Anschauen des H.265-Materials aus der Kamera ist unserer Erfahrung nach der Media Player Classic HC bei einem schnellen Rechner gut geeignet - VLC hingegen stürzte entweder ab oder bewältigte nur die Tonausgabe.

Die Trägheit des Autofokus lässt sich nach dem Firmware-Update anpassen, was beim Filmen wichtig ist, sofern überhaupt mit einer automatischen Scharfstellung gearbeitet wird. Dann sucht sich die Kamera nicht so schnell ein neues Ziel und langt eventuell daneben. Den Schwarzpunkt und die Gammaeinstellungen kann der Nutzer mittlerweile selbst festlegen. Wer will, kann mit der Kamera auch Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen machen, und sogar eine Schwarzblende bei Aufnahmebeginn oder -ende lässt sich automatisch setzen.

Die Bildqualität: Wehe, wenn es dunkel wird

Der APS-C-Sensor der NX1 ist mit effektiv 28 Megapixeln Weltmeister bei der Auflösung. So viele Pixel vereint sonst kein Hersteller auf einem derartigen Sensor. Er ist als BSI-Modell aufgebaut, das heißt, die Verdrahtungsschicht liegt hinter den lichtempfindlichen Bauteilen, auf die das Licht zuerst fällt. Das soll die Lichtausbeute erhöhen, die Bildschärfe verbessern und das Rauschen reduzieren. Letzteres bleibt ein Wunsch, denn bei der NX1 ist das Sensorrauschen ein ständiger Begleiter des Fotografen. Ab ungefähr ISO 1600 ist es so deutlich, dass man die Bilder eigentlich nicht mehr 1:1 sehen will. Es handelt sich dabei allerdings nicht um das früher allgegenwärtige Farbrauschen, sondern um ein Helligkeitsrauschen.

Wer will, kann die kameraseitige Rauschkorrektur abschalten oder im RAW-Modus am Rechner versuchen, es besser zu machen als Samsungs Softwareingenieure. Das klappt leidlich. Weniger schön ist der geringe Dynamikumfang der Bilder. In der Praxis heißt das: Selbst bei Rohbildaufnahmen lässt sich aus den Schattenpartien wenig retten, überbelichtete Bereiche sind verloren. A4-Ausdrucke mit ISO 6.400 sind noch ansehnlich, aber wer Ausschnittvergrößerungen bei den ja reichlich vorhandenen Pixeln machen will, gelangt schnell zu der Einsicht, dass man eigentlich im Pixelmatsch rührt.

Die Farbtreue bei JPEGs ist ebenfalls nicht besonders gut - und der automatische Weißabgleich schwächelt bei Kunstlichtbeleuchtung bedenklich und tendiert zu rötlichen Verfärbungen. Nichts, was sich bei Rohdaten nicht ändern lässt, doch weniger Postproduktionsaufwand bedeutet schlicht mehr Freizeit.

Beim Filmen stehen Belichtungszeiten von 1/30 bis 1/8.000 Sekunden zur Verfügung - 1/25 Sekunden Belichtungszeit gibt es leider nicht. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 6.400 - bei höheren Werten würde es vermutlich zu stark rauschen. Hier liegt Sony mit seinen Systemkameras vorn. Die Kamera setzt beim Filmen auf Pixel-Binning, also auf eine Zusammenfassung von Pixeln, was auch hässlichen Moiré-Effekten und dem Rauschen entgegenwirkt.

Trotz vieler Einstellungsmöglichkeiten, die im Update auf Firmware-Version 1.1 dazugekommen sind - mit der GH4 von Panasonic kann sich Samsung in diesem Bereich nicht messen. Ein dem westlichen Geschmack entsprechendes Kino-artiges Filmbild ließ sich der Kamera mit Bordmitteln nicht entlocken - das muss in der Postproduktion erzielt werden. Ob Samsung irgendwann noch mehr Einstellmöglichkeiten nachreicht, ist nicht bekannt. Übrigens lässt sich auch in Schwarz-Weiß drehen - mit einstellbaren Software-Farbfiltern, sofern man diese nicht sowieso auf das Objektiv setzt.

Etwas irritiert sind wir - und andere Publikationen - von der vergleichsweise geringen Schärfe im Cinema-4K-Modus mit 24p gegenüber dem UHD-Modus, bei dem weniger Pixel genutzt werden. Das mag auf ein unglückliches Pixel-Binning zurückzuführen sein. Im Full-HD-Modus, der für viele Hobby-Filmer aufgrund ihrer Hardwareausstattung nach wie vor erste Wahl sein dürfte, ist die Kamera ebenfalls sehr gut und auf dem Niveau der Konkurrenz von Sony, Nikon und Canon - zumal die Samsung im Bereich von 24 bis 100 Frames pro Sekunde in Full-HD im PAL-Bereich filmen kann.



Verfügbarkeit und Fazit

Die Samsung NX1 kostet rund 1.500 Euro ohne Objektiv. Dazu kommen die Preise für die Objektive. Als nützliches "Immerdrauf" hat sich das Samsung 16-50mm/F2.0-2.8 erwiesen, das allerdings weder kompakt, leicht noch günstig ist. Im Paket liegt der Preis somit bei stolzen 2.700 Euro.

Fazit

Zu behaupten, eine Einschätzung der NX1 sei leicht, wäre vermessen. Die Ergonomie ist hervorragend gelungen. Bis man die Kamera beherrscht, vergeht nur wenig Zeit. Die meisten Bedienungselemente sitzen richtig und erinnern ein wenig an Pentax-DSLRs.

Das ist kein Wunder - Samsung hat zeitweise mit dem japanischen Kamerahersteller zusammengearbeitet und konnte wertvolle Erfahrungen sammeln. Selbst die Menüsteuerung über den Touchscreen ist gelungen. Hier sind Samsungs Kenntnisse aus dem Smartphone-Bereich Gold wert.

Weniger froh sind wir über das schlechte Rauschverhalten der Kamera, das zu früh einsetzt. Das beherrscht Sony bei der 7er-Serie besser, mit den wesentlich größeren Kleinbild-Sensoren, doch zum gleichen Kamerapreis. Der Preis dürfte auch die größte Hürde sein, sich mit Samsungs Kamerasystem anzufreunden, auch wenn es die höchste Videoauflösung seiner Klasse erreicht.

Das sperrige H.265-Format trägt zudem nicht gerade dazu bei, die NX1 mal eben zum Filmen einzusetzen. Es wird sich zeigen, ob Samsung den hohen Preis im Markt realisieren kann.

Wie immer bieten wir sowohl Rohdatenbilder (zip) als auch unbearbeitete JPEGs (zip) zum Download an. Darüber hinaus haben wir diverse Videodateien im originalen H.265-Format online gestellt: 1920 x 1080 Pixel, 1920 x 1080 Pixel, 3840 x 2160 Pixel, 3840 x 2160 Pixel, 4096 x 2160 Pixel  (ad)


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