Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzwerk-telekom-baut-vectoring-parallel-zu-glasfaser-der-stadtwerke-1502-112423.html    Veröffentlicht: 17.02.2015 19:00    Kurz-URL: https://glm.io/112423

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Telekom baut Vectoring parallel zu Glasfaser der Stadtwerke

Die Stadtwerke wehren sich dagegen, dass die Telekom oft erst dann Interesse am VDSL- und Vectoring-Ausbau bekommt, wenn die Kommunen selbst Glasfaser verlegen. Auch die Bundesnetzagentur wird aufmerksam.

Nach Vorwürfen der Stadtwerke Bamberg hat jetzt auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Deutsche Telekom wegen ihrer Ausbaupolitik angegriffen. Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck sagte der Berliner Zeitung: "Wir sehen das Problem des Doppelausbaus." Der Verband beobachte häufig, "dass die Telekom zunächst kein Interesse an einem Ausbau zeigt und dies damit begründet, dass die Kosten zu hoch seien".

Dann starte eine Kommune ein eigenes Breitbandunternehmen "und plötzlich will die Telekom doch ausbauen", sagte Reck.

Erst nach dem Start des Glasfaserausbaus für Privatkunden habe die Telekom angekündigt, in Bamberg ebenfalls ein Glasfasernetz zu bauen, hatten die Stadtwerke kritisiert. Telekom-Sprecher Philipp Blank erklärte Golem.de, dass es beim Netzausbau zu Überschneidungen kommen könne, dies zeichne aber den Wettbewerb aus. So gehöre Bamberg zu den Städten, die der Konzern mit FTTH ausbauen wollte. "Wir sind dafür auf die Stadt und die Stadtwerke zugegangen - leider gab es keine positive Reaktion. Die Stadtwerke haben dann alleine den FTTH-Ausbau etwas vorangetrieben, aber vor allem auch auf FTTC gesetzt."



Telekom: Kritik der Stadtwerke ist absurd



Dennoch gehöre Bamberg zu den Städten, in denen die Telekom den Ausbau auf Vectoring betreibe. "Dass wir das auch in den Gebieten tun, in denen Konkurrenten Infrastruktur haben, gehört zum Wettbewerb. Es gibt kein Infrastrukturmonopol: weder für die Telekom noch für Kabelnetzbetreiber oder Stadtwerke. Der Unterschied hier ist nur, dass wir den Stadtwerken im Vorfeld eine Kooperation angeboten hatten. Die Kritik der Stadtwerke ist deshalb besonders absurd."

Dem widersprach der Sprecher der Stadtwerke Bamberg Jan Giersberg im Gespräch mit Golem.de. Die Aussage der Telekom, die Stadtwerke hätten den FTTH-Ausbau etwas vorangetrieben, aber vor allem auch auf FTTC gesetzt, sei falsch. "Richtig ist, dass von den heute rund 20.000 Haushalten, die ans Glasfasernetz der Stadtwerke angeschlossen sind, rund jeder zweite - knapp 10.000 Haushalte - über FTTB/FTTH angeschlossen ist und damit heute schon Bandbreiten von 200 MBit/s nutzen kann."

Die Stadtwerke hätten 2010 entschieden, den Glasfaser-Rollout für Privatkunden vorzunehmen und engagierten sich seit Februar 2011 für den flächendeckenden Netzausbau in Bamberg, auch in den ländlichen Stadtteilen wie Bug, Kramersfeld oder Wildensorg. Seither würden die Glasfaserleitungen an andere Carrier als Bitstream-Produkte vermietet. "Der Telekom liegen entsprechende Bitstream-Angebote vor, die ihr ermöglichen würden, ihren Kunden höherwertigere Produkte zu geringeren Kosten anzubieten. Leider nutzt die Telekom dieses Angebot nicht", sagte Stadtwerke-Sprecher Giersberg.

VKU-Chef Reck forderte in der Berliner Zeitung, wenn die Telekom vor der Planungsphase eines Ausbauprojektes angefragt werde und Nein sage, müsse das jeweilige Vorhaben für die Telekom tabu sein.

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur sagte der Berliner Zeitung, dass Unternehmen, die bei der Verteilung von Fördermitteln kein Interesse an einem Ausbaugebiet zeigen, "für gewisse Zeit an diese Aussage gebunden wären". Dies müssten die Fördermittelgeber in Bund und Länder umsetzen.

Der Chef der Bundesnetzagentur Jochen Homann hatte von sich häufenden Beschwerden über das Verhalten etablierter Telekommunikationsnetzbetreiber beim Ausbau des Breitbandnetzes geklagt. "Es ist verwunderlich, wenn Unternehmen einerseits die hohen Kosten des Breitbandausbaus im ländlichen Raum beklagen, andererseits aber offenbar genug Geld dafür vorhanden ist, punktuell gerade dort einen parallelen Breitbandausbau zu finanzieren."  (asa)


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