Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lenovo-tab-s8-im-test-das-stinkt-gewaltig-1502-112329.html    Veröffentlicht: 18.02.2015 09:13    Kurz-URL: https://glm.io/112329

Lenovo Tab S8-50F im Test

Uns stinkt's!

Das 8 Zoll große Lenovo Tab S8-50F ist leicht, leistungsstark und günstig. Doch nicht nur das ältere Android riecht nach Problemen - sondern auch unser Testgerät.

Das Lenovo Tab S8-50F soll mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen. Obwohl das Tablet keine 200 Euro kostet, setzt Lenovo auf ein hochwertiges Kunststoffgehäuse, einen aktuellen Intel-Prozessor mit viel Leistung und ein gutes Display. Damit möchte es mit dem teureren Nexus 9 von Google konkurrieren - und scheitert ausgerechnet am Geruch: Die Rückseite müffelt.

Beim Auspacken des Geräts entweicht ein beißender Kunststoffgeruch, der an Autoreifen erinnert. Er überträgt sich bei der Nutzung des Tablets auch auf die Finger. In der ersten Woche müssen wir nach der Nutzung jedes Mal die Hände waschen. Auch eine Tablet-Tasche nimmt den Geruch auf und muss gewaschen werden. Die gummierte Rückseite unseres Testgeräts hat nach zwei Wochen Gebrauch ihren unangenehmen Geruch nicht verloren, allerdings ist er mittlerweile weniger intensiv. Weiterhin nehmen die Finger den Geruch an, wenn das Tablet verwendet wird. Derzeit lässt sich nicht klären, ob nur unser Testmuster davon betroffen ist oder ob das bei allen Modellen des Tablets so ist.

Leicht, stark - aber fleckig

Abgesehen davon ist das Tab S8-50F aber ein ziemlich anständiges Gerät. Mit einem Gewicht von 300 Gramm ist es leicht, nur das etwas größere Xperia Z3 Tablet Compact von Sony wiegt weniger. Das Tab S8-50F liegt sehr angenehm in der Hand, auch wenn es mit 8 mm nicht ganz so dünn ist wie Geräte der Konkurrenz. Die etwas kantige Form stört nicht. Die Glasfront und die gummierte Rückseite lassen das Tablet hochwertig wirken, leider ist auf beiden jeder Fingerabdruck zu sehen.

Die nach vorne gerichteten Stereolautsprecher befinden sich an den kurzen Seiten des Tablets - sie klingen überraschend gut. Mit den meisten kleinen Bluetooth-Lautsprechern können sie klanglich zwar nicht mithalten, für das ein oder andere Youtube-Video reicht die Qualität aber allemal. An der Gehäusekante befindet sich eine Klappe, die den Micro-SD-Kartenschacht schützt. Neben diesem befindet sich bei der besser ausgestatteten Variante des Tablets ein Micro-SIM-Kartenslot, das Tablet gibt es nämlich auch mit eingebautem LTE-Modul. Der Micro-USB-Port des Tablets ist die einzige Schnittstelle des Tablets, auf einen Micro-HDMI-Ausgang hat Lenovo verzichtet.

SoC von Intel und gute Kamera

Eines haben alle aktuellen Lenovo-Tablets gemeinsam: Sie nutzen aktuelle SoCs von Intel. So auch das Tab S8-50F, in dem der Atom Z3745 mit HD Graphics und vier Silvermont-Kernen, die mit bis zu 1,86 GHz takten, verbaut ist - sonst ist er eher in kleinen Windows-Tablets wie dem Yoga 2, ebenfalls von Lenovo, zu finden. Dem SoC stehen 2 GByte Arbeitsspeicher zur Verfügung. Das reicht für alle gängigen Anwendungen voll und ganz aus. Das bestätigen auch die Benchmark-Ergebnisse. Mit dem Tegra K1 aus dem Nexus 9 kann der Intel-SoC aber nicht mithalten.

Der interne Speicher ist 16 GByte groß, knapp 5 GByte der eMMC belegt bereits das System. WLAN funkt das Tablet nach 802.11 b/g/n, also nur auf dem 2,4-GHz-Band. Ein Bluetooth-4.0- und GPS-Modul sind verbaut.

Neben einer 2-Megapixel-Frontkamera für Videotelefonie besitzt das Tablet eine 8-Megapixel-Rückkamera mit LED-Blitz. Die Bilder sind überraschend gut - deutlich besser als bei anderen Tablet-Kameras. Nur bei schlechteren Lichtverhältnissen aufgenommene Fotos rauschen stark.

Schwarz ist wirklich schwarz

Das 8 Zoll große Display im 16:10-Format gefällt uns sehr gut. Die Farben sind kräftig, wirken aber nicht unnatürlich. Schwarz sieht tatsächlich schwarz aus, obwohl Lenovo ein IPS-Panel mit LED-Hintergrundbeleuchtung einsetzt. Mit einer durchschnittlichen maximalen Helligkeit von 380 cd/m2 ist das Tablet für Innenräume ausreichend hell. Leider spiegelt das Displayglas stärker als bei anderen Tablets. So sind leichte Spiegelungen auch bei maximaler Bildschirmhelligkeit zu sehen. Einen Helligkeitssensor hat das Tablet seltsamerweise nicht verbaut - die Bildschirmhelligkeit muss stets manuell geregelt werden.

Die Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln ist für ein 8-Zoll-Gerät ausreichend hoch. Einzelne Pixel können wir nie erkennen. Die Schrift des Android-Systems skaliert Lenovo für die recht hohe Auflösung aber nicht hoch genug. Dadurch ist die Schrift recht klein. Wird unter den Bedienungshilfen die Schriftgröße hochgesetzt, ist sie ähnlich groß wie bei anderen Tablets.

Als Betriebssystem setzt Lenovo auf Android 4.4.3, ob noch ein Update auf Android 5.0 alias Lollipop kommt, ist nicht bekannt. Die von Lenovo verwendete Benutzeroberfläche verändert das Android-System kaum. Einzig der App-Drawer fällt weg - alle installierten Apps werden auf dem Homescreen abgelegt. Um da die Übersicht zu bewahren, empfehlen wir, Apps in Ordner zu sortieren.

Die Akkulaufzeit ist für 8-Zoll-Tablet in Ordnung: Rund drei Tage hielt das Tablet bei durchschnittlicher Benutzung; wer hauptsächlich abends mit dem Tablet surft und sich auch mal ein Video oder Livestream anschaut, der braucht es nicht allzu oft zu laden. Zwei bis drei Filme sollte das Gerät mit einer Akkuladung auch wiedergeben können, danach muss es wieder an das Ladegerät angeschlossen werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Tablet wird im Onlinehandel in den Farben Schwarz, Weiß, Blau und Gelb für rund 200 Euro verfügbar sein. Die Variante mit LTE-Modul wird 50 Euro mehr kosten.



Fazit

Bei seinem neuen Tablet hat Lenovo viel Potenzial verschenkt. Das Tab S8-50F hat eigentlich das Zeug zum Einsteiger-Tablet mit Android. Es ist eines der leichtesten 8-Zoll-Tablets und obwohl es nicht ganz so dünn ist, liegt es sehr angenehm in der Hand. Der Preis ist vergleichsweise niedrig.

Die kantige Form des Gehäuses stört nicht, leider ist darauf aber jeder Fingerabdruck zu sehen. Das Display gefällt uns sehr gut. Die kräftigen Farben sind keinesfalls störend, Schwarz sieht tatsächlich schwarz aus. Etwas heller hätte das Tablet aber sein können, bei hellem Umgebungslicht sind Spiegelungen sichtbar.

Der Intel-SoC liefert genügend Leistung, auch anspruchsvollere Spiele laufen immer flüssig. Die nach vorne gerichteten Stereolautsprecher bieten einen recht guten Sound - für Youtube-Clips reicht die Qualität allemal. Die Akkulaufzeit ist ebenfalls in Ordnung. Bei durchschnittlicher Nutzung muss das Tablet nach zwei bis drei Tagen wieder geladen werden.

Schade ist, dass auf dem Tablet kein aktuelles Android verfügbar ist. Installiert ist Android 4.4 mit Lenovos angepasster Oberfläche. Trotzdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis des 200 Euro teuren Geräts klasse - wäre da nicht der unangenehme Geruch. Das Gehäuse des Tablets riecht auch nach einigen Wochen Nutzung nach Autoreifen-Reparatur.

Nachtrag vom 18. Februar 2015, 11:20 Uhr

Nach Angaben von Lenovo handelt es sich bei dem Geruchsproblem nicht um einen Serienfehler. Demnach ist es möglich, dass nur unser Testmuster von dem Problem betroffen ist. Laut Lenovo liegen dem Support keine Berichte von Kunden vor, die sich über einen starken Geruch der Gehäuserückseite beklagen. Derzeit lässt sich nicht klären, ob der Geruch giftig ist.  (sw)


Verwandte Artikel:
Lenovo Tab S8: Android-Tablet mit Bay Trail für 200 Euro   
(03.09.2014, https://glm.io/108988 )
Raspad: Raspberry Pi kommt ins Bastel-Tablet-Gehäuse   
(06.03.2018, https://glm.io/133180 )
Chromebook 2: Samsungs neues Chromebook nutzt einen Intel-Prozessor   
(20.10.2014, https://glm.io/109942 )
Venue 8 7000: Dells sehr dünnes Android-Tablet für 400 US-Dollar   
(10.01.2015, https://glm.io/111599 )
Kitkat-Werbespot: Atari verklagt Nestlé wegen angeblichem Breakout-Imitat   
(20.08.2017, https://glm.io/129578 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/